Montag, 24. März 2014

Ringo (Stagecoach)




















Regie: John Ford

Postkutsche nach Lordsburg...

Viermal wurde die irischstämmige Regielegende John Ford mit dem Oscar ausgezeichnet. Bereits 1936 erhielt er die Auszeichnung für "Der Verräter". Es folgten "Früchte des Zorns" (1940), "So grün war mein Tal" (1941) und "Der Sieger" (1953).
Seine Filmographie umfasst großartige Klassiker wie "Der schwarze Falke", "Der Mann, der Liberty Valance erschoß",  "Faustrecht der Prärie",...dann kam der Orkan" oder "Der junge Mr. Lincoln"
Einer seiner berühmtesten Fiilme drehte er 1939 mit "Ringo" (Original: Stagecoach), mit dem John Wayne zum ultimativen Hollywood-Star aufstieg. Mit diesem Klassiker sicherte sich John Ford nicht nur einen Platz im Olymp des Westernfilms, er gehört sicherlich zu den wichtigsten US-Regisseuren des letzten Jahrhunderts. In "Ringo" wird auch die imposante Kulisse des Monument Valley zum Star und zum Kinobild für die Ewigkeit. Das Tal mit seinen Felstürmen diente dann später auch in "Bis zum letzten Mann", "Der Teufelshauptmann" oder "Cheyenne" als bombastische beeindruckende Kulisse. Weltberühmt auch die Originalmusik von Gerard Carbonara, für den Film dirigiert von Boris Morros und adaptiert von Richard Hagteman, William Franke harling, John Leipold, Leo Shuken und Louis Gruenberg.
Der Film entstand nach einer Kurzgeschichte von Ernest Haycox "The Stage in Lordsburg" und folgt einer Gruppen von Reisenden auf einer Postkutsche mitten durch das gefährliche Apachen Territorium, wo Geronimo auf dem Kriegspfad ist. Die gefährliche Fahrt beginnt in Tonto, Arizona und soll nach Lordburg, New Mexico führen. Unter ihnen sind Dallas (Claire Trevor), eine Prostituierte, die aus der Stadt gejagt wurde und der Arzt und Alkoholiker Doc Boone (Thomas Mitchell), die schwangere Lucy Mallory (Louise Platt), die unterwegs zu ihrem Mann, einem Kavallerie-Offizier ist. Dazu gesellt sich der Whisky Verkäufer Samuel Peacock (Donald Meek) , der Glücksspieler und Südstaatengentleman Hatfield (John Carradine), Marshall Curly Wilcox (George Bancroft, der Bankier Henry Gatewood (Benton Churchill) und nicht zuletzt der Kutscher Buck (Andy Devine). Die Armee unter der Führung des jüngen Lieutenant (Tim Holt) wird die Kutsche nur kurzfristig begleiten können, aber an einem der Halteplätze können die Reisenden wieder mit Armeeunterstützung rechnen. Marshall Wilcox ist auf der Suche nach dem mordverdächtigen flüchtigen Draufgänger Ringo Kid (John Wayne), der in Lordsburg eine Rechnung mit Luke Plummer (Tom Tyler) und dessen Brüdern offen hat. Tatsächlich schliesst sich Ringo bald der Reisegesellschaft an.
Bald kommen sich Ringo und Dallas näher...


 Inmitten von einem Indianerkrieg entsteht eine leise, schöne Romanze zwischen zwei Aussenseitern, die beide von einer besseren Zukunft träumen. Auch sonst ist "Ringo" auch in sämtlichen Nebenrollen grandios besetzt, vor allem Thomas Mitchell brilliert als Säufer mit Herz. Jeder der Reisenden ist wichtig, so stimmt von Anfang an auch das Mitfiebern der Reisegesellschaft. Weltberühmt ist der Überfall der Apachen auf die fahrende Kutsche inmitten der gnadenlosen Wüstenlandschaft. "Ringo" ist zu Recht einer der besten Western aller Zeiten. Dabei leistet sich Ford das Vergnügen Huren, Säufer und Spieler als die Helden zu feiern und sowohl der Geschäftsmann als die Bürgerfrauen von Tonto kommen sehr schlecht weg. Ein Film, bei dem die Aussenseiter über sich selbst hinauswachsen können. Der darin zelebrierte Wstern Mythos wird von John Ford poetisch dargestellt und gungiert sogar als Lebensreise, denn sie beinhaltet Geburt und Tod.


 Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Winchester 73

























Regie: Anthony Mann

Eine unter Tausend...

Das Unternehmen Winchester Repeating Arms Company entwickelt und baut seit 1860 in den USA Gewehre. Seit 1866 werden diese Repetiergewehre unter dem bekannten Markennamen Winchester vertrieben und verkauft. Schon in den Anfangsjahren wurden die vielen Modelle immer wieder mit dem Jahr der Entstehung gekennzeichnet: Winchester 66, Winchester 76, Winchester 86...die berühmteste von allen war die Winchester 73. Um dieses legendäre Gewehr geht es im gleichnamigen Film "Winchester 73" von Anthony Mann aus dem Jahr 1950. Mit diesem Western begann auch gleichzeitig die sehr konstruktive Zusammenarbeit des Regisseurs mit seinem Hauptdarsteller James Stewart. Nach dem Erfolgsfilm wurden vier weitere ähnlich konzipierte Western inszeniert.  1952 entstand "Meuterei am Schlangenfluß", es folgte ein Jahr später "Nackte Gewalt". Danach "Über dem Todespaß", den Schlußpunkt setzte "Der Mann aus Laremie". Dabei spielte Stewart eigentlich immer den Westerner, der bereits ein Bruch mit er Gesellschaft hinter sich hat und im Grunde nicht den typischen "guten Kerl" präsentiert, sondern einen Mann, der entweder von Rache oder Enttäuschung getrieben und emotionale, zum Teil auch materielle Anreize (Nackte Gewalt) für sein Handeln braucht. So gesehen hat dieses Western-Quintett auch einen gewissen Einfluss auf die Antihelden und Inhalte des Italo Western.  Im Jahr 1876 verfolgen die beiden Freunde Lin McAdam (James Stewart) und High Spade Frankie Wilson (Millard Mitchell) einen Mann, mit dem Lin noch eine Rechnung offen hat. Dieser Mann hat allerdings als Dutch Henry Brown (Stephen McNally) einen anderen Namen angenommen und hält sich seit kurzem in Dodge City, Kansas auf. Dort hat Wyatt Earp (Wll Geer) das Zepter in der Hand und sorgt mit strenger Hand für Gesetz und Ordnung. Anlässlich des 100sten amerikanischen Unabhängigkeitstags findet dort ein attraktives Wettschießen statt. Als Siegerprämie erwartet den Gewinner das legendäre Präzsisionsgewehr, die Winchester 73. Dementsprechend groß ist der Andrang der Teilnehmer. Lin trifft an diesem Tag seinen Todfeind, doch der Sheriff hat vorher allen Besuchern der Stadt die Waffen abgenommen. So muss die unvermeidliche Konfrontation warten. Lin gewinnt zwar das Schießen, doch er ist nicht lange Eigentümer der Waffe. Der Besitz der Waffe wechselt. Er fällt irgendwann auch einem Waffenhändler (John McIntire) in die Hände, später einem jungen Indianderhäuptling auf Kriegspfad (Rock Hudson) und für einige Minuten einem namenlosen jungen Soldaten (Tony Curtis). Lin macht derweil Bekanntschaft mit Lola Manners (Shelley Winters), deren Verlobten Steve Miller (Charles Drage) und dem Outlaw Waco Johnny Dean (Dan Duryea).  In einer atmosphärischen Felsenlandschaft entscheidet sich das Schicksal...

"Winchester 73" gehört zweifelsohne zu den ganz großen Western der Filmgeschichte. Die Kamera von Wiiliam H. Daniels ist sowohl dicht bei den Akteuren als auch der Präsentator eines weiten Landes, dass langsam von den Weißen erschlossen wird. Ebenfalls massgeblich am Erfolg beteiligt war der Drehbuchautor Borden Chase, der kurz vorher mit "Red River" eine hervorragende Drehbucharbeit ablieferte und später auch für "Meuterei am Schlangenfluß" und "Über dem Todespaß" verpflichtet wurde. Der ausgezeichnete Film über Rache und Gier ist bestens durchkomponiert, neben reichlich Spannung und Action kommen auch nicht die leisen Töne und eine differenzierte Charakterzeichnung zu kurz.

Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Samstag, 15. März 2014

Die Schlangengrube

























Regie: Anatole Litvak

Die Schizophrenie der Virginia Cunningham...

Die Oscarverleihung 1948 ging mit einer Überraschung zu Ende, denn es wurde ein  Triumph für Laurence Oliviers Shakespeare Verfilmung "Hamlet", der vier Preise gewann. Dabei galten Jean Negulescos "Johnny Belinda" und Anatole Litvaks "Die Schlangengrube" als große Favoriten. Am Ende gewann Litvaks Film über die unhaltbaren Zustände in den Psychiatrieanstalten des Landes lediglich einen Oscar für den besten Ton. Auch Hauptdarstellerin Olivia de Havilland musste sich gegen Jane Wymans Darstellung in "Johnny Belinda" geschlagen geben. Dabei steht und fällt der Psychiatrieschocker mit der Leistung seiner Hauptdarstellerin. Man muss "Die Schlangengrube" natürlich auch im zeitlichen Kontext sehen, denn heute wirkt das Szenario des Film eher befremdlich, ein Glück: Die Zustände in den Psychiatrien haben sich massgeblich verbessert. Aber der Film galt zur Zeit seiner Herstellung als sehr brisant, da er die Zustände eher nüchtern schilderte und er wurde bewundert für die Darstellung eines gesellschaftskritischen Themas. Die Darstellung von Wahnsinn und Geisteskrankheit war noch ein Tabu. In Gróßbritannien musste der Film sogar geschnitten werden, so brutal und verstörend wurden manche Szenen empfunden. Die Kritik  rühmte den Film dafür, dass er das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die verbesserungswürdigen Zustände in den psychiatrischen Einrichtungen geweckt hat.  Olivia de Havilland zierte die Ausgabe des Time Magazins vom 20. Dezember 1948, das sich intensiv mit dem Problem von geistigen Erkrankungen beschäftigte. Sehr gut gelungen im Film sind die grotesken Massenszenen (muss man schon beinahe sagen) in den beengten Gemeinschaftsräumen der Psychiatrie, man überlässt die Patienten ihrem Schicksal und regt sich nur dann auf, wenn eine der Frauen den neuen Teppich betritt und darauf läuft. Überhaupt ist das strenge Regiment der Schwestern in beinahe jeder Szene spürbar. Es geht um die Einhaltung der Ordnung, jede Regung in diesem System des unbedingten Gehorsams, führt zu Sanktionen und Zwangsjacken. In einer dieser Psychiatrien ist die junge Virigina Stuart Cunningham (Olivia de Havilland), die sowohl an Schizophrenie als auch an einem Ödipuskomplex leidet. Diese Krankheit hat bewirkt, dass die junge noch junge Ehe mit Robert (Marc Stevens) seit längerer Zeit unter einer extremen Belastung steht. Die junge Frau ist nicht mal fähig ihren Mann zu erkennen. Hier in der Psychiatrie muss sie vor allen Dingen den Anweisungen der Engel in Weiß gehorchen, denn die können auch gewalttätig werden. Immerhin hat sie mit dem emphatischen Psychiater Dr. Marc Kik (Leo Genn) einen Therapeuten, der sich für das Wohl und die Gesundung seiner sehr kranken Patienten mit ganzer Kraft engagiert. Er kommt immer mehr an Virginia heran und kommt so auf die Spur ihrerer Traumatsierung...

Natürlich ist bei einem Film wie "Die Schlangengrube" die zeitgenössische Betrachtung anders als die Eindrücke, die der Film heute vermittelt und man sich wundert wie man vor etwa 65 Jahren mit Geisteskrankheiten umging. Die damals damit verbundene Brisanz, die dem Film die hohe Gewichtung gab, ist heute natürlich nicht mehr gegeben. So wird der Film heute eher über seine filmischen Qualitäten bewertet. Die liegen wie erwähnt eindeutig bei den Darstellern und die machen ihre Sache gut. Auch Leo Genn überzeugt als Arzt mit sehr viel Geduld. Der Film schenkt dem Ehepaar ein HappyEnd und vermittelt  daher etwas zu sehr Hollywood-Dramatik, die Realität dürfte anders ausgesehen haben. Der Film entstand Der Film entstand nach dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Mary Jane Ward, die über ihre eigenen Erfahrung in der Psychiatrie schrieb.
Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Asphalt Dschungel

























Regie: John Huston

Doc Riedenschneiders genialer Plan...

Nach "Die Spur des Falken", "Der Schatz der Sierra Madre" und "Gangster in Key Largo" entstand 1950 John Hustons viertes Meisterwerk. "Asphalt Dschungel" ist ein extrem differenzierter Film Noir, der von der Unterwelt, der Stadt unter der Stadt handelt und eine Geschichte über die dort agierenden großen und die kleinen Fische erzählt. Die Polizei steht jedenfalls in Alarmbereitschaft, denn nach 7 Jahren ist das kriminelle Genie Erwin "Doc" Riedenschneider (Sam Joffe, aus dem in der deutschen Fassung ein Doc Esterhazy wurde) aus dem Knast entlassen worden. Er soll rund um die Uhr beschattet werden, denn man vermutet, dass der kluge Kopf gleich seinen nächsten Coup durchführen wird. Doch die Beamten versagen, es gelingt Riedenschneider unterzutauchen. Dort nimmt er Kontakt zum Buchmacher Cobby (Marc Lawrence) auf, denn der soll ihm für einen raffinierten Einbruchsplan bei dem Schmuck im Wert von einer Million gestohlen werden soll einen finanziellen Sponsoren suchen, denn für die Durchführung braucht es 50.000 Dollar. In Frage kommt der zwielichtige, vermögende Anwalt Alonzo Emmerich (Louis Calhern), der sich eine junge Geliebte wie Angela Phinley (Marilyn Monroe) leisten kann und der aufgrund einer drohenden Pleite sofort zusagt. Lieutenant Dittrich (Barry Kelley) und Chief Kommissar Hardy (John McIntire) tappen noch im Dunkeln. Für den Überfall wird auch der raubeinige Herumtreiber und Kleinganove Dix Handley (Sterling Hayden) angeworben, der von der Nachtclubtänzerin Doll (Jean Hagen) angehimmelt wird. Die Frau ist in ihn verliebt, doch Dix blockt ab, weil er vermutlich für sich selbst keine große Zukunft sieht. Immer mehr ist er bereits im Strudel des Verbrechens gefangen, er gilt als der Mann für das Grobe, denn er kann zuschlagen, wenn es darauf ankommt. Mit dabei auch Dix Freund Gus (James Whitmore) und der Safeknacker Ciavelli (Anthony Caruso). Dann steigt der Coup, bei dem es zu einem Schußwechsel kommt. Doch dies ist nicht die einzige Komplikation....


 "Asphalt Dschungel" ist nicht nur ein extrem packender Gangsterfilm der schwarzen Serie, sondern auch ein brillianter Ensemblefilm, denn alle Darsteller spielen ihre Rolle perfekt. Louis Calhern als falsch spielender, hintertriebener Anwalt oder Sam Jaffe als kluger Kopf der Bande. Auch Jean Hagen als labile, aber liebende Frau spielt stark auf. Klasse auch das Schlußbild, dass die Pferdekoppel und auch den Ursprung von Gangster Dix zeigt. Huston zeigt hervorragend, dass seine Figuren in ihrem Tun und Handeln gefangen sind und ihrer Umgebung ausgeliefert sind. Im Grunde zeigt der Film schonungslos, nüchtern aber überaus düster den Überlebenskampf in der Unterwelt. Dabei ist die Geschichte zynisch durchtränkt, denn obwohl der Coup gelingt, kann keiner mit den Juwelen etwas anfangen. In diesem sinnlosen Spiel gibt es keine Gewinner. Es ist ein Film über Verlierer. 




Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Freitag, 14. März 2014

Die Spur des Fremden


Regie: Orson Welles

Franz Kindler und der Nazijäger...

Orson Welles ist unvergessen in seiner Rolle als Harry Lime in Carol Reeds "Der dritte Mann" und aufgrund seiner großartigen Regiearbeiten "Citizen Kane", "Der Glanz des Hauses Amberson" oder "Im Zeichen des Bösen" - alles Filme, die zum besten gehören, was das Kino je präsentiert hat. Sein 1946 entstandener Nazijäger-Noir steht aufgrund dieser grandiosen Meisterwerke etwas im Schatten, ein guter Film ist "Die Spur des Fremden" aber trotzdem. Im Original heißt der Film "The Stranger" und man ist sich nicht so schlüssig, wer nun mit diesem Etikett versehen wird: Der mysteriöse, als Antiquitätenhändler getarnte Mr. Wilson (E.G.Robinson), der dünne, ältere Herr (Konstantin Shayne), der seinen Koffer im Laden vom Mr. Potter (Billy House) stehen liess und plötzlich verschwindet oder aber der frisch vermählte Geschichtsprofessor der hiesigen Universität Charles Ranking (Orson Welles), ein europäischer Emmigrant, der seit einem Jahr hier in Harper im Bundesstaat Connecticut lebt und mit Mary (Loretta Young), die Tochter von Richter Adam Longstreet ( Philip Marivale) geheiratet hat. Er ist bei der Bevölkerung in Harper äusserst beliebt, denn er repariert in seiner begrenzten Freizeit die Turmuhr der Kirche. Nun, der alte, dünne Mann ist der Naziverbrecher Meinike, der eigentlich das Todesurteil erhalten hätte, aber Wilson ihn extra laufen liess, damit der inzwischen zum christlichen Glauben bekehrte Mann, die Jäger auf die Spur des großen Kriegsverbrecher Franz Kindler führt. Dieser soll irgendwo in den USA untergetaucht sein, aber es fehlt jede Spur. Dank Meinike führt die Spur aber ins beschauliche Harper. Dort verschwindet der Mann und später auch Red, der treue Hund von Mary. Wilson glaubt sich auf der richtigen Spur, doch er braucht einen Verbündeten auf der Suche nach Kindler. Und diese Rolle fälllt auf Noah (Richard Long), der jüngere Bruder von Mary...


 Der Film ist klasse fotografiert und hat einige sehr großartige Szenen. Am besten gefällt mir die Szene, in der Kindler sich plötzlich bewusst wird, dass Meinike seine Tarnung unbewusst verraten hat und den Mitwisser rücksichtslos im Waldstück ermordet. Zur gleichen zeit machen die Jungs der Uni dort eine Schnitzeljagd, der Mord könnte also gesehen werden und Kindler muss überlegt vorgehen um seine Spur zu verwischen. Orson Welles spielt den Naziverbrecher sehr gut, ihm zur Seite eine gute Darstellung von Loretta Young, die hin- und hergerissen ist, denn schliesslich liebt sie den Mann, der möglicherweise einer der geistigen Väter der Konzenrationslager und der Gaskammern ist. Effekiver Showdown auf dem Turm der Kirche. Ein sehr guter Klassiker und ein etwas anderer Film Noir, der gemessen an dem Einspielergebnis Welles erfogreichster Film war. Er selbst bezeichnete "Die Spur des Fremden" als seinen schlechtesten Film.


Bewertung. 8 von 10 Punkten. 

Detour - Umleitung





















Regie: Edgar G. Ulmer

Auf dem Weg nach Los Angeles...

Der Pianoplayer Al (Tom Neal) ist ein labiler Typ und fühlt sich vom Leben schlecht behandelt. Er arbeitet für ein paar Kröten in einem New Yorker Nachtclub, erst als Sue (Claudia Drake) als Sängerin dort einsteigt, könnte es mental aufwärts gehen. Heiratspläne werden gemacht, die Sue aber kurz vor der Realisierung verschiebt. Die Frau will erstmal Karriere in Hollywood machen. Sie trennen sich, doch Sue stellt in Aussicht, dass sie sich bald wieder unter günstigeren Voraussetzungen erneut ihrer gemeinsamen Zukunft widmen könnten. Wochen vergehen. Dann beschließt Al, der es ohne Sue nicht mehr aushält als Tramper von New York nach Los Angeles zu reisen. Doch er kommt nur langsam voran auf der Marathonstrecke vom Osten nach Westen der USA. In Arizona kann er mit dem Buchmacher Charles Haskell jr. (Edeard MacDonald) weiterfahren, der ihm ein warmes Essen spendiert und der ihm anbietet bis Los Angeles mit ihm fahren zu können. Auf der Fahrt erzählt er Al einiges aus seiner Lebensgeschichte. Al meint sich dem Ziel immer näher, stattdessen hat das Schicksal ihm eine sehr gefährliche Umleitung offeriert, die später durch die durchtriebene Vera (Ann Savage) zur ultimativen Sackgasse wird...

 "Umleitung" von Edgar G. Ulmer ist ein B-Picture Noir und gilt wegen seiner nüchternen Optik als ein Rohdiamant des Genres. Der Film selbst kostete nur 117.226 Dollar und wurde in 14 Tagen heruntergedreht. Also mit wenig Geld und wenig Zeit entstanden, aber das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. 1945 kam der Film in die Kinos und bekam sehr gute Kritiken, verschwand dann aber von der Bildfläche und geriet in Vergessenheit. Erst Mitte der 50er Jahre von Cathiers de Cinema wiederentdeckt...als verschollenes Meisterwerk der schwarzen Serie. Ulmer selbst gab an, dass er die künstlerische Freiheit der B-Pictures schon imer der kreativen Kontrolle der großen Studios vorgezogen hätte. "Detour" - so der Orignaltitel lebt von seiner rauen Atmosphäre und vom staubigen Road Movie Charakter. Mit 67 Minuten ist der Film knackig kurz und beschränkt sich aufs Wesentliche. Es erzählt von der Geschichte des labilen Al, der sich aufgrund der dominanten Frau unterordnet und sich von ihrer zerstörerischen Dynamik leiten lässt. Er unternimmt sehr wenig Eigeninitative sein Schicksal zu korrigieren, sondern schlittert wie ein Lemming zum Abgrund. Ein echtes Highlight der Serie. Ann Savage ist klasse in der Rolle der abgebrühten, jungen Vera.

Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 12. März 2014

Erzählungen unter dem Regenmond - Ugetsu Monogatari

























Regie: Kenji Mizoguchi

Eine japanische Geistergeschichte...

"Ugetsu Monogatari" (Erzählungen unter dem Regenmond) ist ein Film von Kenji Mizoguchi aus dem Jahr 1953. Dieser Film zog schon zu seiner Entstehung die internationalen Blicke auf sich, bei den internationalen Filmfestspielen in Venedig erhielt er den silbernen Löwen. Bei der alle 10 Jahren stattfindenden Kritikerumfrage nach dem besten Film aller Zeiten kam er 1962 und 1972 in die Top Ten des Filmolymps. Und diese hohe Einschätzung ist auf alle Fälle berechtigt, denn Mizoguchi gestaltet seine vergebliche Jagd nach dem Glück als eine fast schon meditative Mischung aus Realem und Übernatürlichen.
Erzählt wird die Geschichte des äusserst begabten Töpfers Genjuri (Masayuki Mori) und seinem Schwager Tobei (Eitaro Ozawa), die in ärmlichen Verhältnissen im Japan des 16. Jahrhunderts leben. Es herrscht Krieg und es wird nicht mehr lange dauern, da wird auch diese friedliche ländliche Gegend von Soldaten heimgesucht. Die beiden Männer haben große Träume. Genjuri sieht sich als baldiger Gewinner des Krieges, denn mit seiner Töpferware will er nun das schnelle Geld auf dem Markt in den Städten machen. Tobei dagegen lebt für den Traum des Heldentums, er will Samurai werden. Genjuros Frau Miyagi (Kinuyo Tanaka) ist mit den Ambitionen des Mannes nicht einverstanden, ihr ist es vor allem wichtig, dass sie mit ihrem Mann und dem kleinen Sohn überleben werden und dass die Familie zusammenbleibt. Auch Ohama (Mitsuko Mito) ist dagegen, dass ihr Mann den Krieg als Sprungbrett für Macht und Ruhm sieht. Durch die Kriegswirren trennen sich die Familien und jeder muss sich alleine durchschlagen. Genjuros Weg führt in das Schloß der Prinzessin Wasaka (Machiko Kyo). Er erliebt den Reizen der geheimnisvollen Schönheit und wird ihr Geliebter. Bei einem Besuch in der Stadt erfährt er allerdings, dass die Prinzessin ein Geist ist...


 Das Streben nach Geld und Ruhm macht Kenji Mizoguchi in bewegender Art deutlich, birgt den Verlust der inneren Werte in saich. Auf einer Bootspassage treibt der Tod phantomartig an ihen vorbei, doch sie verstehen nicht diese Zeichen, die zur Vorsicht und Umkehr mahnen, richtig zu deuten. Selbst die Liebe entpuppt sich als Phantom. Dies alles wird in poetischer Distanz un din beinahe schon schwebenden Bildern erzählt. Dies gibt dem Zuschauer das Gefühl einer großen Intensität, denn das Geschehen wirkt dadurch seltsam entrückt. Es ist ein Pendeln von einer Existenzebene auf eine andere. Die Aura des Übernatürlichen bleibt bestehen, sie bestmmt sogar unsichtbar die reale Welt. Alles wird irgendwie durch eine Geisterwelt beeinflusst. Ein wunderschöner Film, der die Themen Liebe, Verantwortung und Familie behandelt. Kritikerpapst Roger Ebert bezeichnete das Werk als einen der wichtigsten Filme überhaupt - diesem überwältigenden Eindruck möchte  ich mich uneingschränkt anschließen. 

Bewertung: 10 von 10 Punkten.