Dienstag, 3. November 2015

Der schwarze Falke

























Regie: John Ford

"Der schwarze Falke" von John Ford ist neben Howard Hawks "Red River" und Fred Zinnemanns "12 Uhr mittags" sicherlich der beste klassische Hollywood Western. Unvergessen schon die erste Einstellung, die Kamera wandert vom Haus hinaus und gibt den Blick auf eine Wüstenlandschaft irgendwo in Texas frei. Jemand reitet auf das Farmhaus zu. Es ist Ethan Edwards (John Wayne), der Kriegsveteran des Bürgerkriegs. Der Krieg ist schon Jahre zu Ende, nun kehrt der verlorene Bruder heim. Auf der kleinen Farm lebt sein Bruder Aaron (Walter Coy) mit Frau Martha (Dorothy Jordan), den Kindern Lucy (Pippa Scott), Ben (Robert Lyden) und Nesthäkchen Debbie (Lana Wood). Ausserdem gehört Pflegesohn Martin Pawley (Jeffrey Hunter) zur Familie, der als Baby von Ethan gefunden wurde, nachdem die Indianer die Eltern getötet hatten und der geistig etwas zurückgebliebene Mose Harper (Hank Worden) . Das weite, wilde Land ist noch lange nicht erschlossen. Die nächsten Nachbarn sind der aus Schweden Stammende Lars Jorgensen (John Qualen) mit seiner Frau ( Olive Carey) mit den bereits erwachsenen Kindern Brad (Harry Carey Jr.) und Laurie (Vera Miles). Zwischen den beiden einsam gelegenen Farmen weit und breit nur Wildnis, erschwerend kommt hinzu, dass es Indianerland ist. Aus Blicken und Gesten erkennt der Zuschauer die tiefe, heimliche Zuneigung zwischen dem Heimkehrer Onkel Ethan und Martha. Am nächsten Tag formiert sich unter der Leitung von Reverend Samuel Johnson Clayton (Ward Bond) eine Bürgerwehr, bestehend aus den Jorgensens, den Edwards und weiteren Farmern der Gegend. Die Männer wollen Banditen, vielleicht auch Indianer verfolgen, die Vieh gestohlen haben. Ethan reitet anstelle seines Bruders Aaron mit, der bei der Familie bleiben und diese schützen soll, falls die Indianer tatsächlich auf dem Kriegspfad wären. Als die Männer irgendwann das tote Vieh entdecken ist klar, dass eine der Farmen im Umkreis überallen werden soll. Die Komantschen haben die Männer fortgelockt und tatsächlich wird die Ranch der Edwards vom Häuptling Scar (in der deutschen Fassung "Schwarzer Falke" gespielt von Henry Brandon) dem Erdboden gleich gemacht. Die beiden Mädchen Lucy und Debbie entführt, alle anderen werden tot aufgefunden. Als Ethan die brennende Ranch erreicht ruft er nach Martha, die er tot findet, vorher wurde sie brutal vergewaltigt. Danach zieht der hasserfüllte Ethan, besessen wie ein Kapitän Ahab aus "Moby Dick" auf der Suche nach den Mädchen kreuz und quer durch den Wilden Westen. Begleitet wird er von dem jungen Martin, der immer mehr erkennt, dass die Suche nur gemeinsam einen Sinn macht, da er merkt, dass Ethan von seinen fanatsichen Rachegedanken geleitet wird und damit das Leben der Verschleppten gefährdet. Zudem erweist sich Ethan als Indianerhasser...




John Ford drehte sein Meisterwerk im bekannten Monument Valley zwischen Utah und Arizona. Die markanten roten Sandsteinfelsen sind grandios einfangen, sie bieten sowohl einen majestätischen als auch einen ehrfruchsgebietenden Anblick. Diese unglaubliche Weite lässt die darin agierenden Menschen sehr verletzlich erscheinen. Es ist der ständige und tagtägliche Kampf ums Überleben spürbar.
Die Haupthandlung erzählt von einer obsessiven Suche. John Wayne spielt als Onkel Ethan die Rolle seines Lebens. Der unbeugsame Antiheld ist verzehrt von Haß und sein unversöhnlicher Rassismus treibt ihn an immer weiterzusuchen. 5 lange Jahre. Gemeinsam mit Martin, dem "Achtel Cherokee, der Rest ist walisisch und englisch" wie der junge Mann zu sagen pflegt. Die gemeinsame Odyssee verbindet die beiden unterschiedlichen Männer. Zuhause wartet Laurie auf Martin. In der Zeit schreibt er seiner Geliebten nur einen einzigen Brief und erzählt darin auch noch wie er bei den Indianern einen Teppich erstehen wollte und schließlich eine junge Squaw (Beluah Archuletta) für einen Hut ihrem Vater abgekauft hat. Mit diesen Szenen lockert John Ford den düsteren Hauptpart immer wieder auf. Der Zuschauer sieht die Freude bei den Jorgensens als innert von einem Jahr sogar ein zweiter Brief durch den Postboten Charlie McCorry (Ken Curtiz) zugestellt wird. Und wie Laurie an ihrem Martin immer wieder verzagt "er unterschreibt so förmlich mit Martin Pawley, warum kann er nicht einfach Martin schreiben". Dies führt auch zum Auftauchen der beiden Heimkehrer, kurz bevor Laurie aus lauter Verzweiflung vorhat Charlie McCorry zu heiraten. Als sich die beiden Kontrahenten prügeln, sieht man im Hintergrund eine begeisterte Laurie, die sehr geschmeichelt zu sein scheint, weil sich zwei Männer wegen ihr raufen.  "Der schwarze Falke" ist ein Film mit unvergessenen Filmszenen, etwa die als der Suchtrupp durch ein breites Tal reitet. Auf den Höhezügen rechts und links erscheinen in Kolonne die Najeki-Komantschen, die nun ihren Verfolgern als tödliche Eskorte folgen und nur der schnelle Ritt zum Fluß kann die fatale Umzingelung auflösen. Am Ende des brillianten Westernepos scheint der Zuschauer zu wissen, dass Ethan die kleine Debbie als unrettbar verdorben durch den Kontakt mit den Indianern hält. In einer Schlüsselszene des Films sitzen Ethan und der Häuptling Auge um Auge im Wigwam. Es wird nicht nur deutlich, dass auch "Scar" geliebte Menschen durch den Kampf zwischen Rot und Weiß verloren hat, sondern er sogar eine Art Spiegelbild von Ethan darstellt. Auch wenn Ethan Edwards, dieser besiegte Soldat in Friedenszeiten, immer wieder Kriegsschauplätze aufmacht und als Rassist auftritt - Ford gelingt es dennoch die Sympathie für den gebrochenen Charakter beim Publikum aufrechtzuerhalten. Vermutlich deshalb weil die Verzweiflung bei ihm viel tiefer sitzt als bei allen andern Figuren. Am Ende des Films kristallisiert sich der Narr Mose Harper sogar als der erfolgreichste Sucher heraus, er gibt Ethan den entscheidenden Hinweis. Mit diesem Ende wird auch ein brutaler Überfall auf das Indianerdorf gezeigt. Eine Szene zeigt einen Indianervater, der ganz schnell sein kleines Kind in Sicherheit bringen will, als die reitende Kavallerie ohne Rücksicht auf Verluste das Dorf niedermetzelt.
Sowohl Ford als auch Wayne waren der Ansicht, dass "The Searchers" der beste Film sei, den sie zusammen gedreht hatten. Deutsche Filmregisseure wählten den Ausnahmewestern 1995 zum besten Film aller Zeiten. Bei den Filmkritikern von "Sight and Sound" rangiert der Film auf Platz 7 der besten Filme aller Zeiten. Auch das American Film Institute wählte ihn auf Platz 12 der einflussreichsten und besten US-Filme. In der Best of Liste von "Cahiers du Cinema" belegt Fords Western mit den vielen Bedeutungen, Inhalten und Sinnebenen ebenfalls einen Top 10 Rang. Bei seinem Erscheinen war er ein guter Publikumserfolg, konnte aber keine einzige Oscar-Nominierung erhalten Kurioserweise gabs dann aber einen Golden Globe - die bekam John Waynes Sohn Patrick, der an der Seite seines Vaters den Grünschnabel Lt. Greehill spielen durfte. Die komisch angelegte Rolle brachte ihm den Preis als Bester Nachwuchsdarsteller ein. RocknRoller Buddy Holly nahm Ethans Spruch "That´ll be day" für seinen Song auf und landete damit einen Riesenhit in den Charts des Jahres 1957.





Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

Späte Sühne

























Regie: John Cromwell

Undurchsichtiges Sternchen...

"Of Human Bondage" mit Bette Davis und "Since you went away", ein Kassenhit von 1944 über die Heimatfront sind wahrscheinlich John Cromwells bekannteste Filme. Sein Film Noir "Späte Sühne" mit dem Big Star Humphrey Bogart ist dagegen weniger bekannt. Er zählt auch zu den schwächeren Filmen von Bogie und steht bis heute im Schatten seiner großen Krimi-Meisterwerke wie "Tote schlafen fest", "Gangster in Key Largo", "Die Spur des Falken" oder "Die schwarze Natter".
Dabei fährt das Drehbuch ganz typische Szenen für den Superstar auf. Er schaut auch in die Augen von kleinen Frauen, die er am liebsten in Miniaturgröße hätte, um sie in der Tasche zu verstauen und nur bei Bedarf, zb. für bestimmte romantische Stunden, sollten die Ladys, denen er immer zuerst misstraut, in Lebensgröße zur Verfügung stehen. So wird er auch die Femme Fatale des Films mit den Worten "Geronimo" verabschieden. "Späte Sühne" beginnt mit einem verfolgten Humphrey Bogart, der in eine Kirche flüchtet, äusserst mysteriös. Einem Pfarrer erzählt er, was er in den letzten Tagen in der Heimat erlebt hat. Denn Captain Warren Murdoch (Humphrey Bogart) hat noch vor kurzem gemeinsam mit seinem besten Kameraden Johnny Drake (William Drake) in Europa an der Front gekämpft. Auf Befehl wurden sie von den Kampfhandlungen abgezogen und beide Männer wußten nicht warum sie nun in Washington gebraucht werden. Als sie den Grund erfahren ist Murdoch begeistert, doch die Freude seines Freundes hält sich in Grenzen. Sie sollen geehrt werden und die Presse steht schon bereit für Fotos, die Ehrung soll in den Wochenschauen im Kino laufen. Eh sich Murdoch einen Reim auf Johnnys Scheu nach Publikum machen kann, ist dieser schon auf der Flucht auf einen anderen Zug aufgesprungen und der hinterher rennende Murdoch sieht seinen Freund nur noch in der Ferne winken. Durch einige Hinweise kann Murdoch die Spur des Freundes aber verfolgen. Diese führt ihn nach Gulf City. Dort wird ihm schnell klar, warum der Freund stiften ging. Ihm wird seit Jahren ein Mord zu Last gelegt, er flüchtete vor dem Gesetz in den Krieg mit einem anderen Namen. In Gulf City erhält er eine Nachricht von Johnny, er solle im Hotel auf ihn warten. Doch es kommt nicht zum Treffen. Statdessen der Schock in der Leichenhalle: Dort liegt die verbrannte Leiche des Freundes. Eine Spur führt Murdoch zu Drakes Freundin, Johnny war dieser Frau regelrecht verfallen. Doch Coral Chandler (Lizabeth Scott), eine zwielichtige und sehr laszive auftretende Barsängerin, hat angeblich keine Ahnung wo Johnny derzeit steckt. Murdoch misstraut der geheimnisvollen Schönheit, aber sie gefällt ihm auch gleich auf Anhieb und er liebt ihr Parfüm, das nach Jasmin riecht. Er erzählt ihr von Johnnys Tod bei einem gemeinsamen Tanz. Die Frau ist schockiert und weint in seinen Armen. Wenig später wird Murdoch Zeuge, dass sein "Sternchen", er nennt sie so wie Johnny sie nannte, eine seltsame Abhängigkeit mit dem Gangster Martinelli (Morris Carnovsky) verbindet. Und dieser mischt Murdoch etwas in den Drink...


Am Ende wird das Motiv des Falmschirmspringens aufgelebt, die Schlußszene ist äusserst dramatisch. Der Film "Späte Sühne" leidet an einem etwas unlogischen Drehbuchs, die Motive der Charaktere wirken konstruiert. Aber er hat genügend begeisternde Sequenzen, etwa die als Bogie - genauso wie im Malteser Falken - kaltschnäuzig und gefühlskalt seine neue Geliebte an die Polizei ausliefern will. Doch Lizabeth Scott als Femme Fatale zieht alle Register, um den Zyniker um den Finger zu wickeln. Ob es ihr gelingt ? Und ob die Liebschaft in der Katastrophe endet oder der Beginn einer wunderbaren Freundschaft eingeläutet wird ? Dies alles wird dem Zuschauer in unterhaltsamen 100 Minuten dargeboten. Mit Morris Carnovsky und Marvin Miller treten auch zwei interessant gestaltete Bösewichte auf, beide auf ihre Art überzogen, obskur, aber dennoch recht markant.

 Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Die Rückkehr der Fliege

















Regie: Edwards Bernds

Schicksalhafte Teleportation....

Unter der Regie von Edward Bernds entstand 1959 eine in schwarz-weiß gedrehte Fortsetzung des Kulthorrorfilms "Die Fliege".  Dieser zweite Teil heißt "Die Rückkehr der Fliege" und verfügt nicht über den großartigen Charme des Originals. Von den Darstellern blieb lediglich Vincent Price übrig, der wie im ersten Teil Francois Delambre, den Bruder des Wissenschaftlers Andre Delambre spielt. Die Ereignisse, die sich im ersten Teil abspielten, liegen nun 11 Jahre zurück. Die erste Szene zeigt die Beerdigung von Helene Delambre in der Nähe von Montreal. Sohn Philippe (Brett Halsey), damals noch ein kleiner Junge, ist inzwischen erwachsen und hat die gleichen wissenschaftlichen Ambitionen wie sein Vater. Doch bislang hat Onkel Francois noch die wichtigsten Experimente des Vaters geheimhalten können. Nun ist aber die Zeit, wo Philippe zu drängen beginnt. Er möchte gemeinsam mit seinem Freund Alan Hinds (David Frakham) dort weitermachem, wo die Versuche dem Vater das Leben kostete. Er ist auch nicht abgeschreckt als Francois mit der Wahrheit herausrückt. Nie wird er wie Papa enden, der mit seinem Teleportationsgerät von A nach B gelangen wollte, dabei aber eine Fliege im Gerät übersah. So setzten sich die Atome gekreuzt zusammen und aus Delambre wurde ein Wesen mit einem gigantischen Fliegenkopf und einem Fliegenarm, während die kleine Stubenfliege mit Andres Kopf davonflog und am Schluß in einem Spinnennetz endete. Francois weigert sich zuerst das Vorhaben zu finanzieren, aber eine kleine Erpressung von Philippe macht ihn dann doch zum Geldgeber. Seit dem Schicksal seines Vaters hat Philippe auch eine mächtige Aversion gegen kleine fliegende Insekten. Nun kann die Arbeit beginnen. Unheilvoll bemerkt der Zuschauer auch schon, dass das alte Labor, dass die beiden Youngster unten im Keller eingerichtet haben, auch nicht von lästigen Fliegen verschont wird. Kein Wunder, wenn man den Kaffee dort unten trinkt und viel Zucker rumsteht. Auch Philippes Freund ist heimlich ein Böser, er heißt Ronald Holmes und wird in Großbritannien als Mörder gesucht. Er hat auch keine Skrupel die Delambre Erfindung zu stehlen...


wird aber vom Kommissar entdeckt. Dieser verliert den Kampf mit dem Bösewicht und endet auch im Teleportationsgerät, wo er gemeinsam mit dem Versuchstier, einem Meerschweinchen, verwandelt wird. Es ist aber natürlich nicht die einzige Verwandlung, wie man sich denken kann. Denn Philippe, der Fliegenhasser, entgeht natürlich nicht dem Schicksal. Höhepunkt des bizarren Treibens ist die Flucht mit riesigem Fliegenkopf. Aber immerhin ist er so stark, dass er Rache nehmen könnte. Für ein bisschen Liebe ist auch gesorgt, denn Cecile Bonnard (Daniele De Metz) darf den attraktiven Philippe anhimmeln. Natürlich wird sich der großartige Vincent Price wieder irre ins Zeug legen müssen, damit sich diesmal alles zu Guten kehrt. Kann er das Fliegenmonster auf dem Rachekurs stoppen und auch noch die kleine Fliege mit Philippes Kopf finden, die im Labor um Hilfe schreit.  Für Inspektor Charras, den Herbert Marshall im ersten Fliegenfilm spielte, muss diesmal Inspekot Beecham (John Sutton) ran, der weiß als Einziger von den Kreuzungen zwischen Insekt und Mensch. Andere würden es ja doch nicht glauben. Ausser natürlich uns, den verblüfften Zuschauern, die sich auch beim 2. Teil ganz gut unterhalten haben. Aber trotz atmosphärischem Schwarz-Weiß Bildern, typisch für die 50er Jahre Horrorstreifen aus Hollywood, hat dieser Nachzügler nicht den genialen wie naiven Charme des Originals. Es sollte lange Jahre dauern, bis David Cronenberg ein ebenbürtiges Remake schuf.

Bewertung: 6 von 10 Punkten. 

Samstag, 31. Oktober 2015

Casablanca

























Regie: Michael Curtiz

Ricks Geschichte...

Ein großartiges Meisterwerk, einer dieser wenigen total perfekten Filme ist Michael Curtiz Film "Casablanca" aus dem Jahr 1942. Ein Kultfilm, auch heute noch, den seine Anhänger noch heute begeistert verehren. Aber auch ein Film der vollendeten Künstlichkeit. Die Stadt Casablanca wurde natürlich im Studio nachgebaut, die Figuren sind zwar markant, aber ohne sonderliche psychologische Differenzierung auf einen bestimmten Typus festgelegt. Die Handlung läuft wie ein Uhrwerk ab, sie ist mit wichtigen Nebenepisoden verbunden und wird am Ende ein Triumph jener Kultfigur die der große Humphrey Bogart so unnachahmlich verkörpern konnte. Am Ende ist "Casablanca" der Film dieses furchtlosen Einzelgängers, der seinen Zynismus durch eine heroische Tat besiegt hat.
In Deutschland wurde der Film bei seinem Kinostart erheblich gekürzt und die Figur des deutschen Nazi Major Strasser wurde vollständig herausgeschnitten, in dieser Fassung gab es auch keine Hinweise auf den 2. Weltkrieg und auch die Szene in Ricks Cafe, als die Deutschen "Die Wacht am Rhein" anstimmen und von den französischen Gästen mit ihrer "Marseillaise" übertönt und niedergesungen wurden, fehlte. Aus dem Untergrundkämpfer Viktor Laszlo wurde ein Victor Larsen,  ein obsurker Erfinder von Deltastrahlen. Erst am 5. Oktober 1975 strahlte die ARD erstmalig die ungekürzte und neu synchronisiierte Fassung aus.
In "Casablanca" tummeln sich im Jahr 1942 sehr viele politische Flüchtlinge, aber auch dort gestrandete Glücksritter und andere zwielichte Gestalten. Casablanca ist ein Ort des blühenden Schwarzmarktes, viele Menschen erhoffen sich dort ein gültiges Visum kaufen zu können, dass sie nach einer Zwischenstation in Lissabon am Ende in die USA bringen soll. Für viele endet aber auch dort die Hoffnung auf ein neues Leben in der neuen Welt, Verhaftungen sind hier an der Tagesordnung. Hier in dieser Ruheoase und Pulverfass zugleich betreibt der Amerikaner Rick Blaine (Humphrey Bogart) seinen Nachtclub "Ricks American Cafe". Der zweite Weltkrieg tobt, Frankreich ist zu dieser Zeit von der deutschen Wehrmacht erobert und teilweise besetzt. Das französische Protektorat Marokko ist noch nicht in deutscher Hand und wird durch das Vichy-Regime verwaltet. Der dortige Polizeichef Capitaine Louis Renault (Claude Rains) ist korrupt, erteilt schon auch mal Transit Visa für gute Bezahlung mit Geld oder Sex und arbeitet mit den Deutschen zusammen. Da die Deutschen vermuten, dass der aus einem deutschen KZ entfohene Widerstandskämpfer Viktor Laszlo (Paul Heinreid) nach Casablanca kommen wird ist auch der deutsche Major Strasser (Conrad Veidt) nicht weit. Laszlo ist die zentrale Figur des eurpäischen Widerstandes und ist mit seiner Frau Ilsa (Ingrid Bergman) unterwegs. Die Deutschen haben ein besonderes Interesse daran, dass Casablanca auch die Endstation von Laszlos Flucht wird. Tatsächlich taucht das Paar auf....Ricks Klavierspieler Sam erkennt die junge Frau sofort und spielt auf ihren Wunsch "As Times goes by". Ein Song, den der Besitzer des Clubs gar nicht hören kann. Er wird wütend und entdeckt dann die Frau, die sich dieses Lied gewünscht hat. Eine Rückblende enthüllt: Kurz vor dem Einmarsch der Deutschen in Paris haben Rick und Ilsa eine kurze, aber sehr intensive Liebegeschichte erlebt. Zum Treffpunkt auf dem Bahnhof ist Ilsa aber nciht wie vereinbart erschienen, nur ein Brief indem sie ihm ihre Liebe noch einmal gesteht, aber auch mitteilt, dass es das Glück zu Zweit niemals geben kann.
An diesem Abend taucht auch  der Italiener Ugarte (Peter Lorre) in Ricks Cafe auf. Dieser ist im Besitz von zwei Blanko-Visa, die ermordeten deutschen Kurieren gehörten. Ugarte bittet Rick, zu dem er Vertrauen hat, diese Papiere für ihn ein paar Stunden aufzubewahren. Doch Rick bleibt auf den gefährlichen Dokumenten sitzen, da Ugarte kurze Zeit später durch den Präfekten Renault verhaftet wird. Natürlich weiß am anderen Tag jeder von diesen verschwundenen Papieren. Und viele glauben, dass Rick diese Papiere hat. Diese Visa könnte Laszlo natürlich bestens gebrauchen - doch  die unglückliche Liebe zu Ilsa ist wieder aufgeflammt. 



Der Showdown des dramatischen Melodrams giepffelt sich in einer der ergreifendsten Filmszenen am nebligen Flughafen in der Nacht. "Ich schau dir in die Augen, Kleines" wird Bogey zu Ilsa in dem Moment sagen, als er ihrer Liebe wieder sicher ist und er wird für beide denken müssen, genauso wie sie es ihm kurz vorher ant sicgekündigt hatte. Die geliebte Frau setzt sich zu ihrem für den Widerstand unverzichtbaren Helden, während Rick mit dem überraschend agierenden Capitaine Reualt eine wunderbare Freundschaft beginnt. So ist "Casablanca" auch ein film darüber, wie Hitler die anständigen Menschen über all ihren Egoismus, über all ihre kleinen Konflikte und gegensätzlichen Interessen zu einer Einheit solidarisch vereinen kann.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

12 Uhr mittags

























Regie: Fred Zinnemann

Der einsame Kämpfer....

Bereits das Intro in Fred Zinnemanns "High Noon" nimmt die Handlung vorweg: Zu den Klängen von "Do not forsake me oh my Darling" von Tex Ritter, der zu einem der berühmtesten Filmsongs aller Zeiten wurde, sieht der Zuschauer wie sich drei Männer in der Prärie treffen. Es sind Ben Miller (Sheb Wooley), Jack Colby (Lee van Cleef) und Jim Pierce (Robert J. Wilke), die dann gemeinsam weiterreiten. Der Ritt verrät, dass sie ein bestimmtes Ziel haben: Die aufstrebende Kleinstadt Hadleyville, wo gerade der verdienstvolle Sheriff Will Kane (Gary Cooper) in seiner Amtsstube die Quäkerin Amy Fowler (Grace Kelly) standesamtlich geheiratet hat. Ihm gilt dieser Song, in dem er bittet, dass seine große Liebe ihn nicht verlassen soll. Denn sein größter Feind schwor im Staatsgefängnis bittere und tödliche Rache und nun  muss er sich ihm stellen. Mit diesen 3 Reitern wird die Gefahr auch real. Als sie an diesem Sonntagmorgen, kurz vor 10 Uhr, die Stadt erreicht haben ziehen sie die überraschten und teilweise geschockten Blicke der Bewohner auf sich. Eine Frau begreuzigt sich als sie die drei reitenden Halunken sieht. Im Saloon wird deren Eintreffen auch wahr genommen, der Saloonbesitzer (Larry J. Blake) ist sogar begeistert, denn er erwartet dadurch einen gewinnbringenden Tag für seinen Laden. Die drei reiten zum Bahnhof runter, wo der Bahnhofvorsteher (Ted Stanhope) gerade ein Telegramm in den Händen hält, aus dem er erfährt, dass der Gangster Frank Miller (Ian McDonald) überraschend begnadigt wurde. Da die drei Galgenvögel sich nach dem Mittagszug erkundigen, wird klar, dass in diesem Zug, der weiter nach St. Louis fährt, der besagte Frank Miller aussteigen wird. Der Vorsteher rennt schnell mit der Neuigkeit in die Stadt und gibt dem Gesetzeshüter die bittere Nachricht, gerade eben hat Kane aber seinen Sheriffstern schon an den Nagel gehängt. Die Stadt wird morgen einen neuen Sheriff bekommen und am heutigen Sonntag ist man davon ausgegangen, dass man einige Stunden ohne Gesetzeshüter klar kommt. Immerhin hat man ja noch den jungen und hitzköpfigen Deputy Harvey Pell (Lloyd Bridges), der sich zu dieser Zeit bei seiner neuen Freundin Helen Ramirez (Katy Jurado), der Besitzerin des örtlichen Hotels, aufhält. Er hat eine große Wut auf Kane, denn er glaubt, dass Kane dafür gesorgt hat, dass er den Sheriffposten nicht bekommen hat und ein Mann von Auswärts ihm vorgezogen wurde, ausserdem plagt ihn eine Eifersucht. Helen Ramirez war vor ihm mit Kane liiert und die Frau zieht ihn immer damit auf, dass er noch ein grüner Junge ist, während sie Kane als ganzen Mann betrachtet. Die Freunde von Kane raten ihm sofort mit seiner Amy die Stadt zu verlassen. Der Bürgermeister (Thomas Mitchell), der Richter (Otto Kruger) und auch Martin Howe (Lon Chaney jr.) , der ehemalige Sheriff wissen um die Gefahr, sie sind sich sicher, dass es zum tödlichen Duell kommen wird. So verabschieden sie die Brautleute um 10 Uhr, Kane hat nicht mal eine Waffe - die Kutsche wird sie aber in den nächsten 2 Stunden hoffentlich weit genug weg bringen, dass sie für das Gangster-Quartett unerrichbar sein wird. Doch es wird nicht lange dauern, bis Kane sich besinnt und der Flucht und der damit verbundenen ständigen Angst vor seinen Verfolgern eine Absage erteilt. Er kehrt - trotz Protest seiner jungen Frau - in den Ort zurück. Dort hat er noch etwas Zeit, um Freiwillige zu finden, die ihn in seinem Kampf gegen die Banditen unterstützen. Doch diese Suche führt zur bitteren Erkenntniss, dass er am Ende völlig alleine auf sich gestellt ist. Es kommt zum Showdown um 12 Uhr mittags...


 für viele Filmfans ist und bleibt "High Noon" ein elementares Meisterwerk des Western, auch wenn es immer wieder negative Stimmen gab. Für viele Amerikaner war die Aussage dieses Films viel zu pessimistisch und auch unamerikanisch. Für den sehr konservativen John Wayne war "High Noon" sogar das "unamerikanischste Ding, das er jemals in seinem Leben gesehen habe"  und er war froh, dass Drehbuchautor Carl Foreman der USA wieder den Rücken kehrte. Auch Howard Hawks drehte später mit "Rio Bravo" eine Art Gegenentwurf zu "High Noon". Hawks konnte nichts mit der Story anfangen - ihm missfiel die tragische Geschichte, dass ein Mann Hilfe sucht und jeder im Ort diese Hilfe ihm dann verweigert.  Er hielt es für unmöglich, dass ein guter Marshall feige im Ort herumrennen würde, um andere Leute zu bitten, ihm bei seinem Job zu helfen. Auch Kritikerpapst Roger Ebert mochte den Film nicht. Dennoch ist gerade "High Noon" so sehr und überzeugend nach den gängigen Regeln des Westerns aufgebaut. Die Charaktere sind aus vielen anderen Filmen bekannt. Es ist die Geschichte eines Einzelgängers, der erkennt, dass es besser ist sich seinem Konflikt sofort zu stellen, da die Alternative ein Leben in Angst und Furcht bedeutet. Hinzu kommt mit seiner jungen Braut Amy, die zweifelnde Braut, die aber am Ende die Einzige ist, die ihm in seiner schwersten Stunde beisteht und ihm hilft die Banditen zu erledigen. Gerade dieser Aspekt, dass das Zusammenstehen eines Paars auch in der dunkelsten Stunde funktioniert, weil man zueinander hält, ist doch eine der schönsten Aussagen der Filmgeschichte und wenn Gary Cooper und Grace Kelly sich am Ende umarmen, dann wird eine der schönsten Filmszenen überhaupt offenbar. Diese Facette des Zusammenhalts gibt dem Film am Ende nicht nur die Verbitterung über die Leute in der Stadt, über diese angeblichen Freunde, die sich aus dem Staub gemacht haben, sondern auch eine schöne Poesie - man soll sich eben nicht immer auf die Gemeinschaft verlassen, aber es ist vielleicht wahrscheinlicher, viel schöner und auch eher möglich, dass zwei Menschen, die etwas für einander empfinden, in der schwersten Stunde zusammenhalten. Natürlich kommt auch noch der Aspekt dazu, dass das Duell zwischen Kane und den Gangstern auch tatsächlich etwas ganz persönliches hat - es wäre zwar toll gewesen, wenn er von den Menschen Hilfe bekommen hätte. Aber die Rache von Frank Miller galt vor allem ihm und am Ende wird ihm dies auch klar, dass er diesen Job alleine machen muss.  Diese Verzweiflung und Verbitterung machen Kane zu einem sehr authentischen Kämpfer. Er ist einerseits Sheriff - ein Mann des Gesetzes, andererseits auch ein Mensch mit vielen Stärken und Schwächen.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Freitag, 23. Oktober 2015

Opfer der Unterwelt

























Regie: Rudolph Mate

Tödliches Gift im Körper...

Seine Arbeiten als Kameramann sind bekannter. Regisseur Rudolph Mate bebilderte Meisterwerke wie "Vampyr - Der Traum des Allan Grey" (Carl Theodor Dreyer), "Sein oder Nichtsein" (Ernst Lubitsch), "Der Auslandskorrespondent" (Alfred Hitchcock) oder "Gilda" (Charles Vidor)...in diesem Metier wurde der gebürtige Krakauer insgesamt fünf Mal für den Oscar nominiert. Seine Leistungen im Regiefach waren deutlich weniger interessant. Allerdings sticht der Film Noir "Opfer der Unterwelt" (D.O.A.) aus seiner Filmographie heraus, da es ihm mit diesem Werk gelang ein Meisterwerk der schwarzen Serie zu drehen. Der Film entstand 1950 und einige Jahrzehnte später - Ende der 80er Jahre - schoben Annabel Jankel und Rocky Morton ein recht erfolgreiches Remake mit Dennis Quaid und Meg Ryan in den Hauptrollen nach. Dieses Remake war zwar spannend und unterhaltsam, dennoch konnte es in keiner Weise dem brillianten Original das Wasser reichen. Der Film beginnt furios mit einer Szene, in der ein Mann - sichtlich erschöpft - die langen und leeren Gänge des Polizeireviers entlangläuft. Das Bild wird seltsam unwirklich, beinahe schon irreal und das was er den Beamten nun erzählt ist total phantastisch, völlig trostlos und extrem unglaubwürdig. Er meldet einen Mord. Auf die Frage des Kommissars, wer den ermordert wird, antwortet er mit "Ich" und erzählt die Ereignisse der letzten Tage. Dieser Mann heißt Frank Bigelow (Edmund O´Brien) und ist ein echter Durchschnittsamerikaner. Er lebt in einem Örtchen in der Wüste, das Banning heißt. Er arbeitete als Versicherungsmakler, flirtet in der ersten Szene der Rückblende mit einer Kundin, die daran Gefallen hat und zieht daher böse Blicke seiner Sekretärin Paula (Pamela Britton) zu. Es stellt sich heraus, dass er mit seiner Angestellten ein Verhältnis hat, aber überraschend einen Urlaubstrip nach San Francisco gebucht hat...alleine allerdings. Es kostet ihm einige Mühen, bis er seine eifersüchtige und aufdringliche Freundin wieder beruhigt hat, dass er diesen Urlaub braucht. Tatsächlich blüht Frank in San Francisco merklich auf. Viele Frauen bevölkern das Hotel, es ist Market Week. Die Vertreter, die gute Geschäfte in dieser Zeit gemacht haben, feiern alle ein bisschen ihren kommerziellen Erfolg. Er guckt diesen vielen attrraktiven Ladys auch ständig nach, die sich im Hotel aufhalten. Um schneller Kontakt zu bekommen, lässt er auch seine Tür zum Hotelzimmer offen und tatsächlich findet er Anschluß. Mit seinen neuen Freunden besucht er zu nächtlicher Stunde den Nachtclub Fishermans Club, dort ist mächtige was los. Die farbige Jazzband hat es drauf, das Publikum in Exstase zu treiben. Als er eine Blondine - alleine - an der Bar sieht versucht er sein Glück. Dabei wird sein Drink von einem unbekannten Mann in einem gemusterten Mantel, dessen Gesicht im Verborgenen bleibt, vertauscht. Er trinkt und wacht am anderen Morgen mit starkem Kopfschmerz in seinem Hotelzimmer auf. Da er sich echt mies fühlt, geht er sich kurz mal bei einem Arzt untersuchen. Hier dann der Schock: Der Doktor eröffnet ihm, dass er - Frank Bigelow - ein lebender Toter ist, ein Mann der in Kürze sterben muss, weil sich leuchtendes Gift in seinem Körper befindet, dass die Organe unweigerlich zerstört und er vermutlich noch 1 bis 2 Tage, im Höchstfall eine Woche zu leben hat. Eine harter Schock. Verzweifelt rennt er aus der Praxis, geht in ein Krankenhaus und dort wird diese Diagnose bestätigt. Was ist passiert ? Seiner Paula, die ihm ständig anruft, erzählt er nichts. Bekommt aber durch ihre Infos heraus, dass ein Mann namens Mr. Philipps ihn unbedingt erreichen wollte. Ein Mann, den er gar nicht kennt. Und der nun auch noch plötzlich verstorben ist. Er glaubt an einen Zusammenhang mit dem Gift und reist nach Los Angeles ins Bradbury Building. Dort trifft er auf die Witwe (Lynnn Bagett), die ihm zuerst nicht weiterhelfen kann. Durch die Telefonate mit Laura kommt allmählich Dunkel ins Licht, er kann sich wieder an die Begegnung mit dem Toten erinnern. Seine Spur führt ihn zu Gangster wie Majak (Luther Adler), Marla Rakubian (Laurette Luez) und dem Psychopathen Chester (Neville Brand)....


Der Film von Rudolph Mate war auch eine der ersten Kameraarbeiten von Ernest Laszlo, der später auch mit seinen Arbeiten in "Rattennest" oder "Wer den Wind sät" überzeugte. Er schafft es die Verzweiflung des Protagonisten in seine stimmungsvollen San Francisco und Los Angeles Bilder einzupacken. Wie er verzweifelt an der Bar "Fishermans" am frühen Morgen steht, die aber geschlossen hat und wenig später in der prallen Sonne vor einem Kiosk. Überhaupt ist "Opfer der Unterwelt" sicherlich eines der ganz großen Meisterwerke der schwarzen Serie. Einen großen Anteil am Erfolg ist natürlich diese von allen Geschichten der schwarzen Serie vielleicht düsterste überhaupt, denn egal ob Frank die Hintergründe des Giftanschlags noch aufklären kann - verloren hat er schon, denn am Ende steht sein schneller Tod. Mit Edmund O´Brien bietet der Film auch einen sehr interessanten Helden, denn er ist ein typischer Amerikaner mit vielen Schwächen. Am Anfang noch nicht mal sonderlich sympathisch, denn es deutet sich an, dass ihm seine fürsorgliche Paula bereits auf den Wecker geht und dass er es darauf abgesehen hat in seinem Urlaub mächtig auf den Putz zu hauen und vor allem fremde Frauen aufzureißen. Unvergessen auch Neville Brand, der als sadistischer Psychopath einige Minuten die Szene beherrscht.


Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Feind im Dunkel




















Regie: Henry Hathaway

In der dunklen Ecke....

Alfred Newmans geniale "Street Scene (Sentimental Rhapsody)", ein Instrumentalmusikstück, dass er 1931 schrieb, kam schon in vielen Filmen zum Einsatz. Man bringt diesen unvergesslichen Sound wohl am ehesten mit Jean Negulescos "How to marry a millionäire" in Verbindung, aber auch schon in der schwarzen Serie wurde er öfters eingesetzt. Der Titel passt einfach zu einer Metropole bei Nacht, am besten im guten alten New York. In "Der Todeskuß", in "Cry of the City" war er zu hören und auch in Henry Hathaways "Dark Corner" (deutscher Titel: Feind im Dunkel). Der Film entstand 1946 und beinhaltet ein typisches Thema des Film Noir. Die des Mannes, meistens arbeitet er als Privatdetektiv, mit einer dunklen Vergangenheit. Die Wiedereingliederung in die Gesellschaft ist in dieser Zeit auch durch die vielen Kriegsheimkehrer ähnlich schwer, wie Filmkenner auch in William Wylers "Die besten Jahre unseres Lebens" sehen konnten. Es ist ähnlich schwer, wie die Integration eines ehemaligen Häftlings nach seiner Entlassung aus dem Knast. Zu diesen Männern gehört auch der junge, etwas hitzköpfige Bradford Galt (Mark Stevens), der in San Francisco straffällig wurde und nun in New York versucht ein neues Leben anzufangen. Der Polizeileutnant Frank Reeves (Reed Hadley) schaut öfters mal nach ihm, dass er nicht wieder auf die schiefe Bahn gerät. Galt arbeitet wieder als Detektiv und hat bereits mit Kathleen (Lucille Ball) eine attraktive Sekretärin, die ihn couragiert und engagiert unterstützt. Eines Abends bittet er seine Angestellte mit ihm auszugehen, dabei bemerken die beiden, dass sie von einem auffällig gekleideten Mann in einem weißen Anzug (William Bendix) verfolgt und observiert werden. Mit einer List gelingt es Galt den Unbekannten zu stellen, der sich als Fred Foss vorstellt und nach ein bisschen Druck und Gewalt zugibt, dass er im Auftrag eines gewissen Anthony Jardine (Kurt Kreuger) gehandelt hat. Dabei verschüttet Galt ein Glas Tinte auf den Anzug des Mannes. Mit dem Auftauchen des Namens "Jardine" bekommt der Zuschauer nicht nur den dunklen Punkt in Galts Vergangenheit geliefert, sondern auch Einblick in die wohlhabenden, künstlerischen Kreise von New York, Diese Szenen, die in der Nebenhandlung eingestreut werden, führen zu dem angesehenen Kunsthändler Hardy Cathcar (Cliffton Webb), der eine kostbare Gemälde- und Kunstsammlung besitzt, seine Gäste im Haus schon auch mal  mit einem selten Gemälde von Raphael begeistert, dass er für teures Geld gekauft hat und unten in seinem Keller aufbewahrt. Er besitzt auch eine schöne, wesentlich jüngere Frau (Cathy Downs). Und interessanterweise geht in seinem Haus der Hochstapler Anthony Jardine ein und aus. Galt glaubt nun nach der Begegnung mit dem Schnüffler Foss, dass Jardine wieder in sein Leben treten will und es erneut zerstören möchte. Jardine war in San Francsico Kompagnon von Galt und ist schuld, dass Galt in den Knast kam. Daher sieht ihn Galt als Todfeind an. Er ist von der Paranoia geplagt, dass Jardine ihn wieder in einen Hinterhalt zwingen könnte. Tatsächlich wird die Sache härter. Am Tag darauf entgeht Galt nur knapp einem Mordanschlag - ein Auto wollte ihn auf offener Straße überfahren. Nun wird es Zeit Jardine zu stellen...


und genau dies bringt unseren Helden dann auch wieder in arge Bedrängnis, denn die Bedrohnung, die um sich greift, ist kaum sichtbar. Er sieht sich in einer dunklen Ecke enden, wo es kein Entrinnen mehr gibt. Zum Glück hat er die beherzte Helferin an seiner Seite, die den Detektiv überreden kann, dass es besser ist im Team zu arbeiten (noch dazu, weil man sich auch emotional inzwischen sehr nahe gekommen ist). Gute Darsteller runden das tolle Krimifeeling ab. Cliffton Webb konnte ja bereits schon in einer ähnlich tragischen Rolle in Otto Premingers "Laura" überzeugen und für Lucille Ball wurde es einer ihrer erfolgreichsten Filme. Die Schauspielerin sollte aber später im noch neuen Medium Fernsehen zu noch größerem Ruhm gelangen. Ihre Comedy-Serie "I love Lucy" wurde ein riesiger Erfolg und lief im US-Fernsehen fast 10 Jahre lang.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.