Dienstag, 16. Februar 2016

Der Mann aus Laramie



Regie: Anthony Mann

Auf der Suche nach dem Mörder...

Leider wurde "Der Mann aus Laramie" aus dem Jahr 1955 zur letzten gemeinsamen Arbeit von Regisseur Anthony Mann und seinem Hauptdarsteller James Stewart. Erstmalig nutzte Mann dabei das Cinemascope Verfahren. Damit sahen die herrlichen Landschaftsaufnahmen in Technicolor, die man schon in "Meuterei am Schlangenfluß", "Nackte Gewalt" und in "Über den Todespass" bewundert konnte noch großartiger aus. Leider kam es bei dem nächsten geplanten Projekt "Die Uhr ist abgelaufen" zum Bruch zwischen Mann und Stewart. Filmhistorisch kann man aber auf fünf der besten Western der Filmgeschichte blicken, der mit dem noch in düsteren schwarz weiß Bildern gedrehte "Winchester 73" begonnen hatte.
Auch hier spielt James Stewart einen Mann, der von Rache getrieben wird. Er hat aber diesmal keine düstere Vergangenheit vorzuweisen oder schon einen gesellschaftlichen Bruch machen müssen...Will Lockhart (James Stewart) wird deshalb zum Rächer, weil er den Mörder seines Bruders sucht. Zwar wurde der von den Indianern massakriert, aber Lockhart sucht den skrupellosen Waffenhändler, der dem Indianerstamm Repetiergewehre verkauft hat. Durch diese frevelhaften Geschäftemacher verlor er sein Leben. Als Captain der US-Armee aus Laramie ließ er sich auf unbestimmte Zeit beurlauben und führt eine Warenkolonne nach New Mexiko. Dort in der Nähe des Städtchens Coronado muss das Verbrechen geschehen sein. In der ersten Szene erreicht er mit seinen Männern, darunter der alte Halbindianer Charley O´Leary (Wallace Ford),  dieses Schlachtfeld und die Kamera schenkt über einen beeindruckenden Horizont. "Wir haben zwar kaum 10 Worte während der Reise miteinander geredet, aber ich vertraue ihnen" sagt dieser alte Trapper zu dem Mann aus Laramie, von dem er vermutet, dass er in einer geheimen Mission unterwegs sein könnte. Im Ort selbst lernt er die hübsche Ladenbesitzerin Barbara Waggoman (Kathy O´Donnell) kennen, die Nichte des alten Ranchers Alec Waggoman (Donald Crisp), dem das ganze Land und vermutlich auch die Stadt gehört. Dieser hat einen völlig missratenen Sohn Dave (Alec Nicol), der Lockharts Maulesel tötet und die Wagen in Brand steckt, als dieser ausserhalb der Stadt Salz aufladen will. Alecs Vorarbeiter Vic Hansboro (Arthur Kennedy) kommt in letzter Sekunde dazu und kann Dave bändigen. Er empfielt dem Fremden aber so schnell wie möglich wieder die Stadt zu verlassen. Der alte Alec Waggoman begleicht Lockharts Schaden und gibt ebenfalls zu verstehen, dass Fremde hier in Coronado nicht willkommen sind. Der indianische Angestellte (John War Eagle) von Barbara, die mit Vic liiert ist, aber auch mit Will ein bisschen flirtet, benimmt sich auch reichlich verdächtig und ein anderer Mann (Jack Elam) beobachtet Will, der immer mehr in die Nähe der Waffenhändler rückt. Mit Kate Canaday (Aline MacMahon), der resoluten Nachbarin von Waggoman, findet er immerhin eine Verbündete...



Einmal mehr begeistert Anthony Mann mit dieser beleibten Geschichte eines Mannes, der von irgendwoher kommt und am Ende auch wieder irgendwohin geht, einer der verzweifelt seinen inneren Frieden versucht mit dem Rachegedanken zu stillen. Diesen Typus hat James Stewart immer genial gespielt. Er ist als Will Lockhart ein ruhiger und besonnener Westernheld, der keinen Streit sucht und sich friedlich umsieht. Aber wenn er bedroht ist, wird er zum gefährlichsten Mann des Wilden Westens. Unvergessen die Szene, in der James Stewart von zwei Cowboys festgehalten wird, während ihm Alex Nicol als Dave die Hand durchschießt. Das Geheimnis des Erfolgs liegt auch in der guten Besetzung von Stewarts Widersachern. Da wäre einmal ein übergroßer Patriarch, gespielt von Donald Crisp (So grün war mein Tal), der langsam sein Augenlicht verliert und an seinem ichschwachen Sohn verzweifelt. Immer wieder wird er von dem gleichen bösen Traum geplagt, das ein Mann in die Stadt kommt, der seinen Dave dann erschießt. In Lockhart meint er diesen Mann aus seinem Traum zu erkennen. Auch Arthur Kennedy als Vic ist wie bereits schon in "Meuterei auf dem Schlangenfluß" ein für Stewart ebenbürtiger Kontrahent. Ein toller Filmschurke, der nicht ins Schema "Nur böse" passt und auch gefühlsorientierte Motive für sein Handeln abliefert, warum er ins Verbrechen ableitet. Kathy O´Donnell ist wie in ihren anderen Filmrollen bezaubernd und vielleicht ist sie am Ende ja auch frei für Will, der vielleicht wiederkommt.



Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Der Teufelshauptmann


















Regie: John Ford

Sie trug ein gelbes Band...

Leitmotiv von John Ford Klassikers "Der Teufelshauptmann" aus dem Jahr 1949 ist der populäre US-Militär Song "She wore a yellow ribbon", der sogleich auch der Originaltitel des Films ist. Nach dem düsteren Vorgängerfilm "Bis zum letzten Mann" (Fort Apache) war "Der Teufelshauptmann" der zweite Film von Fords "Kavallerietrilogie". Alle diese drei Filme sind ziemlich patriotisch angehaucht und die Armee wird auch liebevoll verklärt, besonders die US-Kavallerie. Die Feinde, Indianer auf dem Kriegspfad, kommen nicht immer so gut weg. Es waren Auftragsarbeiten für den legendären John Ford, weil er Kohle brauchte und er lieferte den Studios drei gute Blockbuster ab. Western wie man sie damals mochte: Gute Weiße, böse Indianer, viel Spannung. Wer sich daran nicht stört, der wird auch bei "Der Teufelshauptmann" bestens unterhalten. Es ist ein prächtiger Farbfilm und der lockerste und heitere der drei Filme. Die Geschichte zeigt John Wayne als Hauptmann kurz vor seinem wohlverdienten Ruhestand.
Die Geschichte spielt im Jahr 1976. Ein Schicksalsjahr für die US-Armee, denn erst vor kurzer Zeit fand die verheerende Schlacht am Little Big Horn statt, wo die Soldaten eine überraschende Schlappe gegen die Lakota Sioux, Arapaho und Cheyenne unter ihrer Führern Sitting Bull, Crazy Horse und Gall hinnehmen musste. Die Niederlage endete auch mit dem Tod des Befehlshabers General Custer, der durch die Aufteilung seines Regiments in kleinere Gruppen die Kampfeskraft schwächte.
Angesport durch diesen Sieg der Indianer macht man sich im eher unbedeutenden Fort Starke im Westen Sorgen. Denn auch dort wird registriert, dass sich Stämme plötzlich zusammenschließen, um im Kampf mit den weißen Eindringlingen siegreich zu sein. Dort verrichtet der angesehene Hauptmann Brittles (John Wayne) seinen Dienst. Er streicht jeden Tag - zu seinem Bedauern - einen Tag auf seinem Wandkalender weg. Nur noch 5 Tage - dann gehört er zum alten Eisen und wird auch heimatlos sein. Ja, die Armee war sein Zuhause. Brittles verlor Frau und Töchter – oft besucht er deren Gräber am Friedhof im Fort. In seinem Büro hat Brittles Bilder der verstorbenen Frau und Töchter platziert, umwickelt von einem gelben Band. Sehr nahe steht ihm der ungefähr gleichaltrige Sergeant Qinncannon (Viktor McLaglen), ein irischer Einwanderer, dessen Schlagkraft und Durst gleichermaßen gefürchtet sind und der ebenfalls nur noch 3 Wochen Soldat ist. Dann beginnt auch seine Pensionierung. Befehlshaber des Forts ist Major Alshard (George O´Brien), der sich aufgrund der aufgeheizten Stimmung bei den Indianern immer mehr Sorgen um seine Frau Abby (Mildred Natwick) und Nichte Olivia Dandridge (Joane Dru) macht. Sie sollen von der Patrouille bis zu einer Postkutsche eskortiert weden, die sie dann raus aus dieser unruhigen Gegend bringt.
Brittles bekommt den Auftrag die Frauen sicher zu eskortieren. Olivia selbst ist etwas enttäuscht, dass sie das Fort verlassen soll, denn sie war doch sehr heftig am Flirten mit den beiden Jungoffizieren Leutnant Cohill (John Agar) und Leutnant Penell (Harry Carey jr.). Sie trägt dieses gelbe Band im Haar. Es soll lt. traditionellem Brauch bei der Kavallerie signalisieren, dass sie ihr Herz bereits an einen Verehrer vergeben hat. Die Patrouille setzt sich in Gang und findet wenige Tage später die Station völlig zerstört vor. Damit ist klar, dass die Reisenden wieder umkehren müssen....






Auch wenn man oft schmunzeln muss, hat "Der Teufelshauptmann" ein eher trauriges oder melancholisches Leitmotiv. Es geht um Abschied. Dabei wird mit der Kavallerie ein Zuhause für einsame Männer geboten. Dort gibts auch Heldentum zu verzeichnen. Diese heroischen Taten werden von Ford oft in Szene gesetzt. So ist auch der Scout Sergeant Tyree, gespielt von Ben Johnson, ein Retter für einige Bewohner der Postkutschenstation. Ein schwerverletzter Soldat lässt es sich nicht nehmen selbst Meldung zu machen, obwohl er sich fast nicht mehr auf den Beinen halten kann. Dank der herausragenden Kameraarbeit von Winton C. Hoch ist der Film auch optisch ein Geniestreich, vor allem wegen seinen wunderbaren Farben. Er erhielt für seine Leistung verdient den Oscar. John Ford hat sich bei der Bildgestaltung versucht, sich an den Gemälden von Frederic Remington anzulehnen und zu orientieren. Dies verleiht dem Film eine gewisse Erhabenheit, egal ob die Kamera ein Gewitter zeigt oder einen stolzen Indianer am Monument Valley.







Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Feuer am Horizont

























Regie: Jacques Tourneur

Abenteuer durch Wälder und Schluchten...

Für Jacques Tourneur war der Western "Feuer am Horizont" (Original: Canyon Passage) sein erster Farbfilm und zu diesem Zeitpunkt (1946) zugleich erstmalig auch ein Film mit einem größeren Budget, das sich schon bei der Besetzung bemerkbar macht: Brian Donlevy, Dana Andrews, Ward Bond und Susan Hayward waren bekannte Namen. Tourneur, Sohn des angesehenen französischen Regisseurs Maurice Tourneur,  führte zuvor eher in B-Movies und Kurzfilmen Regie, eher sich einen Namen als Regisseur von stilvollen Horrorfilmen machen konnte. Mit den Val Lewton Produktionen "Ich folgte einem Zombie" und "Katzenmenschen" schuf er zwei grandiose Klassiker des 40er Jahre Horrorfilms. Dann verließ Tourneur Universal und machte für RKO noch einen unsterblichen Klassiker der schwarzen Serie: "Goldenes Gift" aus dem Jahr 1947. 
In "Feuer am Horizont" wird schon viel gereist. Ausgangspunkt dieser abenteuerlichen Unternehmungen ist das kleine Städchen Jacksonville in Oregon. Dort lebt im Jhar 1856 der Ladenbesitzer Stuart Logan (Dana Andrews), der erkannt hat, dass man auch mit der Spedition von Waren gut Geld machen kann. Im Grunde ist aber eher die Abenteuerlust, die ihn vorantreibt. Obwohl er ein erfolgreiches Geschäftsmodell hat und viel Geld macht, interessieren ihn die Finanzen nicht besonders. Sein bester Freund George Camrose (Brian Donlevy) hat in engagiert, dass er im ca. 300 Meilen entfernten Portland dessen Braut Lucy Overmire (Susan Hayward) sicher nach Jacksonville bringen soll, wo dann bald die Hochzeit der beiden stattfinden wird. Natürlich zeigt schon das erste Treffen zwischen Stuart und Lucy, dass da auch eine gewisse Sympathie zwischen beiden besteht. Am anderen Morgen soll es weitergehen, Stuart holt bei der Bank noch 7.000 Dollar ab und wird von Susan gewarnt, weil sie bemerkt hat, dass ein Mann Stuart folgte. Der steigt dann auch tatsächlich nachts im Hotelzimmer ein, es kommt zum Kampf, doch der Fremde kann unerkannt entkommen. Stuart vermutet, dass der Angreifer ein gewisser Honey Bragg (Ward Bond) war. Denn dieser hätte vielleicht einen Grund Stuart zu beseitigen. Er sah Bragg vor einiger Zeit bei zwei Bergleuten, die dann kurz darauf ermordet aufgefunden wurden. Man schob den Mord den Indianern zu, aber Stuart hat da so seine Zweifel. Am anderen Morgen beginnt die Reise nach Hause. Eine Nacht verbringen sie auf dem Hof von Ben Dance (Andy Devine) und seiner Familie. Dort trifft Stuart auch seine Freundin Caroline Marsh (Patricia Roc), die Ben auch gefallen hätte. In Jacksonville angekommen versucht Stuart seinen Freund George davon abzuhalten, immer wieder Poker zu spielen und dann gewaltige Summen gegen den Berufsspieler Jack Lestrade (Onslow Stevens), der auch im Ort ansässig ist und einen Saloon betreibt, zu verlieren. George ist der Bankier der Stadt und keiner weiß von seinem dunklen Geheimnis: Er vergreift sich an dem bei ihm deponierten Goldstaub seiner Bankkunden. Auch scheint er für Lestrades Frau Marta (Rose Hobart) etwas zu empfinden. Einige Tage später unternimmt Stuart mit Susan eine Reise ins 400 Meilen entfernte San Francisco, doch es wird während der Übernachtung im Wald auf sie geschossen. Der Angreifer tötet schließlich die beiden Pferde, die Reise kann nicht stattfinden. Dennoch feiert man bald darauf ausgelassen ein Richtfest. Der Bänkelsänger Hi Linnet (Hoagy Carmichael) unterhält die Gesellschaft mit seinen Liedern. Dann tauchen Indianer auf...



Dabei nutzt Tourneur die Technicolor-Farben optimal aus. "Feuer am Horizont" gefällt nicht nur durch die vielen Charaktere und ihren Beziehungen zueinander, sondern auch durch tolle Bilder, die die Pionierzeit sehr lebendig machen. Die Geschichte bleibt durchweg interessant, denn es tauchen immer mehr Konflikte auf, die durch die Handlungen der Protagonisten heraufbeschworen wurden. Auch Verzweiflungstaten, die den Hals in die Schlinge ziehen. In dem Moment, in dem die Volksseele am meisten kocht, wird aber alles durch die Indianer auf dem Kriegspfad vorläufig unwichtig. Am Ende werden viele Tote beklagt, aber auch die Paare, die wirklich zueinandergehören, erkennen dies auch. Ein schöner Film, der leider etwas in Vergessenheit geraten ist und das große Können des Regisseurs aufs Neue beweist.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Sonntag, 14. Februar 2016

Nackte Gewalt

 























Regie: Anthony Mann

Leichen pflastern seinen Weg...

Der amerikanische Filmkritiker Leonard Maltin bezeichnete Anthony Manns Film "Nackte Gewalt" aus dem Jahr 1953 als einen der besten Western aller Zeiten und diesem hohen Lob möchte ich mich uneingeschränkt anschließen. Lange vor dem Siegeszug der Italowestern, die irre Kopfgeldjäger bei der Jagd zeigten, machte auch Mann Filme über diese wahnsinnigen Westerner, die von Geldgier aber auch von Rache angetrieben werden. Auch "Nackte Gewalt" erzählt von diesen Männern und leistet sich darüberhinaus die Eigenheit, dass in der Geschichte kein einziger richtigen Sympathieträger auftaucht. Mal abgesehen von dem jungen Mädchen, das den flüchtigen Banditen bekleitet. So wird der Film auch zu einer perfekten Charakterstudie, weil sich die Figuren der Geschichte gegenseitig misstrauen, sich beobachten, sich gegenseitig herausfordern und zuerst noch subtil und dann immer offensichtlicher bekämpfen müssen. Jeder der Männer hat eine dunkle Seite und auch eine Schwäche. Auch wird dieser Weg nach Abilane zum Ziel und er offenbart immer wieder grimmige Kommentare, die für einen Western seiner Zeit höchst ungewöhnlich waren. Vielleicht ist "Nackte Gewalt" sogar noch vor "Winchester 73" DAS Westernmeisterwerk des großartigen Anthony Mann.
Howard Kemp (James Stewart) ist so ein Kopfgeldjäger, auch wenn er sich lieber unter dem Deckmantel von Gesetz und Ordnung verstecken würde. Er hat einen weiten Weg von Kansas hinter sich und ist dem Banditen Ben Vangerdroat (Robert Ryan) auf der Spur. Auf den Kopf des Gesetzlosen gibt es eine üppige Prämie von 5.000 Dollar. Soviel wie Kemp braucht um seine Ranch zurückzukaufen, die er wegen einer betrügenden Frau verlor. Als der den alten Goldsucher Jesse Tate (Millard Mitchell) aufspürt, bedroht er diesen zuerst mal mit seiner Waffe und gibt sich als Sheriff aus, der auf der Jagd nach dem Banditen ist. Er bietet dem alten Waldläufer 20 Dollar, wenn der ihm bei der Ergreifung des Gesuchten etwas behilflich ist. Dieser Vandergroat hat sich auch schon ganz in der Nähe auf einer Anhöhe verschanzt und kann Steine auf seine Verfolger herabwerfen. Von den Schüssen alarmiert wird auch der degradierte Offizier Roy Anderson (Ralph Meeker) auf den Kampf aufmerksam. Der Mann, der wegen einer Affäre mit einer Indianerin unehrenhaft aus der Armee entlassenw wurde, wird so ebenfalls zu Kemps Helfer. Es gelingt den drei Männern den Banditen zu überwältigen. Zur Überraschung aller ist er nicht allien, er wird von der jungen Lina Patch (Janet Leigh) begleitet. Doch nun kommt erst noch der gefährliche Teil der Reise. Einerseits ist keinem der Beteiligten wirklich zu trauen, weil keiner sich in die Karten schauen lässt. Dies macht sich der manipulativ geschickte Gefangene zunutzte und versucht die drei, die sich nun das hohe Lösegeld teilen müssten, gegeneinander aufzuwiegeln. Andererseits nahen auch schon die Krieger der Schwarzfußindianer in der nächsten Waldlichtung...



Man merkt sehr schnell, dass James Stewart wie immer bei Mann einen an sich guten Mann spielen muss, der aber durch seine Vorgeschichte seine eigenen Gespenster jagt und irgendwie mit der Gesellschaft gebrochen hat. Und auch sein jetziges Unterfangen, bei dem auch seine weniger schönen Charaktereigenschaften zum Tragen kommen, wird sich immer mehr als katastrophales Fiasko herausstellen. Die allerstärkste Szene ist der Blick von Kemp auf das gerade eben hinterlassene Schlachtfeld im Wald, wo 12 Indianer tot auf dem Boden liegen. Dabei hatten die Krieger allen Grund dem Offizier zu stellen, denn wie sich herausstellt hat dieser die Indianerin vergewaltigt. Da aber Anderson im Hinterhalt versteckt ist, was die anderen nicht wissen können, wird die zuerst friedliche Begrüßung mit den Rothäuten schnell zur ultimativen Schlacht. Auch in vielen weiteren Szenen geht Mann nicht zimperlich um, die Gewalt ist allgegenwärtig, selbst als sich die junge Lina eher von ihrem Begleiter abwendet und sich mehr zu Kemp hingezogen fühlt. So muss sich der Kopfgeldjäger auch sich entscheiden, ob die Liebe einer Frau stärker wiegt als die Belohnung. Doch vorher pflastern noch weitere Leichen den beschwerlichen Heimweg.
James Stewart mit einer seiner besten Schauspielleistungen, sein Howard Kemp ist einer dieser verzweifelten Männer und Pioniere, die wie Ethan Edwards aus "Der schwarze Falke" die verflucht sind etwas zu suchen, von dem sie gar nicht wissen, was es denn genau ist.



Bewertung: 10 von 10 Punkten

Samstag, 13. Februar 2016

Die Uhr ist abgelaufen






















Regie: James Neilson

Zugfahrt mit Akkordeon und 10.000 Dollar...

Nach den großen Erfolgen mit "Winchester 73" (1950), "Meuterei auf dem Schlangenfluß" (1952), "Nackte Gewalt" (1953), "Über den Todespass" (1954) und "Der Mann aus Laramie" (1955) sollte es 1957 zur 6. Zusammenarbeit von James Stewart und Anthony Mann in Sachen Western kommen. Doch es kam ganz anders. Da Anthony Mann vom Drehbuch von Borden Chase überhaupt nicht angetan war, kam es zum Bruch zwischen ihm und James Stewart, der sich in den Kopf gesetzt hatte, von dem ganz harten Typen mit krimineller Vergangenheit abzuweichen und stattdessen einen softeren Mann mit einem Faible für das Akkordeonspielen spielen zu wollen. Als Sänger und Musiker gibt er dann auch einige Westernsongs im Film zu Besten, einer davon ist dramaturgisch sehr wichtig, da das Lied von der Eisenbahn handelt und es das Lieblingslied des verstorbenen, gottgläubigen Vaters dieses Filmhelden Grant McLaine (James Stewart) war. Anthony Mann fand diese musikalischen Einlagen  "Follow the River" und "You can´t get far without a Railroad" eher lächerlich und so ging eine der kreativsten Kooperationen der 50er Jahre zwischen Darsteller und Regisseur zu Ende. Anthony Mann wurde durch den unbekanntenJames Neilson ersetzt. Der Zuschauer bekommt allerdings die Möglichkeit sich von den geringen Gesangstalent von James Stewart zu überzeugen. So gesehen hat der Film auch liebenswerte und kuriose Anteile.
Wie schon die Mann/Stewart Western glänzt aber auch "Die Uhr ist abgelaufen" mit tollen Aufnahmen. Der Film wurde in Durango. Colorado gedreht und überzeugt in den sattesten Technicolor-Technirama Farben.
Eine Vergangenheit hat Grant McLaine, der singende Waldläufer mit seinem Akkordeon, natürlich auch. Aber viel weniger spektakulär. Er wurde lediglich vor 5 Jahren von der Eisenbahngesellschaft fristlos gefeuert, weil er sich dem Verdacht aussetzte, dass er an einem Überfall auf die Eisenbahn beteiligt gewesen sei. Er sollte damals den Banditen Utica Kid (Audie Murphy) verfolgen und gefangennehmen. Doch statt der Verhaftung, verhalf er diesem sogar mit einem Pferd zur erfolgreichen Flucht. Was man nicht für die Familie alles tut...im Laufe des Films wird sich herausstellen, dass Grant McLaine und Utica Kid Brüder sind. Der Film beginnt mit idyllischen Bildern vom Lager der streckenarbeiter. Grant McLaine animiert die Menschen dort mit seiner Musik zum Tanzen. Doch die Idylle ist trügerisch. Der Bandit Whitey Harbin (Dan Duryea) hat schon zum dritten Mal den Zug mit den Lohngeldern für die Arbeiter ausgeraubt. Deshalb bekommt McLaine auch eine Nachricht von der Baugesellschaft. Er soll wieder für die Eisenbahn arbeiten. Ben Kimball (Jay C. Flippen) und dessen jüngere Frau Verna (Elaine Stewart) vertrauen Grant McLaine die Lohngelder in Höhe von 10.000 Dollar an. Der soll sie als Zuggast sicher zu den Arbeitern bringen. Da er kurz zuvor Joey Adams (Brandon de Wilde) das Leben gerettet hat, schließt sich dieser Junge McLaine an. Dabei wird bald klar, dass der Junge schon einmal in der Gewalt von Whiteys Gang war und auch einen Utica Kid kennt, der die rechte Hand des Banditenbosses sein soll. Und dann kommt es auch schon zum Überfall auf den fahrenden Zug...



Der Film floppte an der Kasse und auch Anthony Mann ließ kein gutes Haar an dem Film. Er meinte, dass die Geschichte so unzusammenhängend gewesen wäre, dass der Zuschauer rein gar nicht davon verständen hätte. Dies ist natürlich schon etwas übertrieben. Im Vergleich zu den Mann/Stewart Western fehlt zwar ein bisschen die Dramatik, aber insgesamt bietet auch "Die Uhr ist abgelaufen" gute Spannung und ein schönes Westernfeeling. Audie Murphy als missratener Bruder mit einer soliden Leistung, dafür war Dan Duryea als Bösewicht auch schon mal schillernder. Es gibt auch ein Wiedersehen mit dem damals 15jährigen Brandon de Wilde, der 1953 mit der Rolle des Joey Starrett in "Mein großer Freund Shane" berühmt wurde und leider mit 30 Jahren am 6. Juli 1972 im Alter von 30 Jahren bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückte. Ein dramaturgischer Fehler am Ende wäre natürlich Anthony Mann nicht passiert. Charlotte Drew (Dianne Foster), die heimliche Freundin von Utica Kid wirkt relativ unbeteiligt beim Showdown und dessen Folgen. Das wirkt sehr unlogisch und auch unglaubwürdig.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.