Sonntag, 14. Januar 2018

Ein Mann besiegt die Angst





















Regie: Martin Ritt

Irgendwo am Rande der Großstadt...

Der New Yorker Regisseur Martin Ritt ist eines der prominenten Opfer des ominösen Komitee für unamerikanische Umtriebe und durch seine frühere Zugehörigkeit in der Kommunistischen Partei kam er natürlich auf die Schwarze Liste. Dies bedeutete den beruflichen Ruin, denn er bekam in Hollywood keine Arbeit mehr. Er begann sich selbständig zu machen und unterrichtete in der Folgezeit junge Schauspieler, aus seiner Schule gingen spätere Topstars wie Paul Newman, Lee Remick oder Rod Steiger hervor. Seine Erlebnisse in der McCarthy Zeit verarbeitete Ritt später in seinem 1976er Film "Der Strohmann" mit Woody Allen (Leider gibts davon keine deutschsprachige DVD).
Seine bekanntesten Filme sind "Der Wildeste unter Tausend" (1963), "Der Spion, der aus der Kälte kam" (1965), "Man nannte ihm Hombe" (1967) und "Norma Rae" (1979).
Sein Regiedebüt war "Ein Mann besiegt die Angst" aus dem Jahr 1957 - er hat dabei eine Geschichte aus dem einfachen Arbeitermilieu ausgewählt und so erinnert der Film stellenweise an Elia Kazans Meisterwerk "Die Faust im Nacken".  Genauso wie Marlon Brando ist auch der von John Cassavettes gespielte Herumtreiber Axel Nordmann ein echter Aussenseiter. Und genauso wie in "Die Faust im Nacken" spielt die Geschichte in der Hafengegend in New York. Dort findet Axel eine Anstellung.
Durch die unprätentiöse Kameraarbeit von Joseph C. Brun erhält Martin Ritts Erstling einen gewissen Noir-Touch und der Dokustil verleiht dem Arbeiterdrama wirkungsvolle Bilder. Brun hat in seiner Filmographie nur wenig Welterfolge vorzweisen, seine bekannteste Arbeit dürfte aber der Robert Wise Klassiker "Wenig Chancen für morgen" sein.
Axel hat Geheimnisse als er an die Westküste Manhattans kommt. Er gibt sich als "Alex North" aus, ist mittellos und ruft öfters seine Eltern (Robert F. Simon/Ruth White) an, aber sich nicht zu erkennen gibt, wer am Apparat ist. Nachdem er die Stimmen der Eltern gehört hat, legt er wieder auf. Als Hafenarbeiter wird er dem bösartigen Raubauken Charles Malick (Jack Warden) unterstellt, der aus seiner rassistischen Gesinnung keinen Hehl macht. Es ist dem Mann ein Dorn im Auge, dass der junge Schwarze Tommy Tyler (Sidney Poitier) die gleiche Position wie er inne hat. Axel freundet sich mit dem etwa gleichaltrigen Tommy an und lernt auch dessen temperamentvolle Frau Lucy (Ruby Dee) kennen. Tommy merkt sehr schnell, dass sein neuer Freund irgendwie sehr gehemmt ist und viele Probleme hat, die er nicht äussern kann. Er glaubt, dass ein Mädchen ihn auf schönere Gedanken bringen könnte und so bringen sie Axel mit Ellen Wilson (Kathleen Maguire) zusammen. Etwas langsam könnte sich da etwas anbahnen. Bei der Arbeit kommt es aber immer wieder zu Konflikten zwischen Malick und Axel, weil der sich entschieden hat in der Kolonne von Tommy zu arbeiten. Da Malick weiß, dass Axel etwas zu verbergen hat, musste er ihm von Anfang an einen kleinen Teil des Lohnes abdrücken - nun verlangt er mehr, da er herausbekommen hat, dass Axel aus der Armee desertiert ist. Eine Katastrophe bahnt sich an...



Und nach dieser Katastrophe besiegt ein Mann dann auch seine Angst. Alles spielt sich am Rande der Stadt ab (im Original heißt Ritts Film tatsächlich "Edge of the City). Der Drehbuchautor Robert Alan Arthur war in seinem Script etwas mutiger, denn er legte die Figur des Axel Nordman durch einige Andeutungen als homosexuell an. Die Motion Picture Production Code Administration erlaubte zwar ein paar leichte Verdachtsmomente, empfahl den Machern aber auf alle Fälle zu einer sehr vorsichtigen Handhabung. So sieht man im Film lediglich die tiefe Freundschaft zwischen zwei jungen Männern, von denen einer eine ganz schwierige Vergangenheit hat. Schon in Kindertagen mit dem viel männlicheren älteren Bruder verglichen wurde und der Hemmungen hat mit den Mädels zu flirten.
Für die damaligen Zeit war der Film aber beim Thema "Rassismus" viel offener und er zeigt einen stolzen dunkelhäutigen Mann, der sich auch in der Arbeitswelt zurecht zu finden weiß und auch als Vorgesetzter ein glückliches Händchen im Umgang mit seinen Männern vorweisen kann.
Nach "Die Saat der Gewalt" war dieser Film Sidney Poitiers zweite große Rolle und es war nur eine Frage der Zeit, bis er zu den ganz Großen Hollywoods aufsteigen konnte. Auch John Cassavettes Karriere begann mit dieser sehr guten Leistung - bereits zwei Jahre später drehte er als Regisseur seinen ersten Film "Schatten" und wurde zum geistigen Vater und Wegbereiter des amerikanischen Indenpendentfilm.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Inferno

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Samuel Fuller
 
Kalter Krieg und Atombomben...
 
Immer wieder steuerte der US-Regisseur dem Genre "Krieg" einige Filme bei. Der erste war "Die Hölle von Korea" im Jahr 1950 - es folgten "Der letzte Angriff" und der U-Boot Reißer "Inferno" (Originaltitel: Hell and High Water). Höhepunkt war sicherlich sein Alterswerk "The Big Red One" aus dem Jahr 1980, mit dem er seine eigenen Erlebnisse als Soldat am authentischsten aufzeigte.
Und er war mit allen seinen Kriegsfilmen an der Kasse sehr erfolgreich. "Inferno" spielte bei seinem Erscheinen 1954 beinahe 3 Millionen Dollar ein. Das Budget war auch für die damalige Zeit mit 1,87 Millionen Dollar sehr hoch - der aufmerksame Zuschauer merkt dies an den Spezialeffekten, die für die damalige Zeit so gut waren, dass sie eine Oscar-Nominierung erhielten.
"Inferno" enstand gleich nach seinem genialen Film Noir "Polizei greift ein" und erneut setzte Fuller auf das Zugpferd Richard Widmark als Hauptdarsteller.
Die Story spielt im kalten Krieg und die Stimme aus dem Off teilt dem Zuschauer mit, dass im Sommer 1953 irgendwo ausserhalb der Vereinigten Staaten eine Atombombe gezündet wurde...die atomare Reaktion war am spürbarsten in einem abgelegenen Gebiet des Nordpazifik, irgendwo zwischen der Nordspitze der japanischen Inseln und dem Polarkreis.
Wie kam es dazu ? Einige Monate vorher wird der berühmte französische Wissenschaftler Professor Montel (Victor Francen) vermisst. Im Westen glaubt man, dass er und vier weitere führende Wissenschaftler entführt worden sind und hinter dem Eisernen Vorhang verschwunden sind.
Währenddessen in Tokio: Der ehemalige U-Boot Kommandant Adam Jones (Richard Widmark), erfolgreicher Veteran des 2. Weltkrieges, trifft sich in geheimer Mission mit einer Reihe Staatsmännern und Geschäftsleuten sowie einigen Wissenschaftlern. Darunter ist auch der entführt geglaubte Professor Montell und dessen kluge Assistentin Denise Gerard (Bella Darvi). Jones hat schon 5.000 Dollar für die nun anlaufende Geheimoperation erhalten, weitere 45.000 Dollar werden folgen. Die westliche Welt glaubt, dass die kommunistischen Chinesen eine geheime Atombasis auf einer Insel nördlich von Japan eingerichtet haben. Mit einem alten japanischen U-Boot soll Jones als Captain und dem verdächtigen chinesischen Frachter Kiang Ching folgen, der immer wieder durch Lieferungen auf dieser Insel auffiel. Jones stimmt zu, aber zu seinen Bedingungen. Entgegen seiner Auftraggeber, die nur im Dienste der Wissenschaft dienen wollen, besteht er darauf das U-Boot mit Waffen auszustatten. Was sich schon sehr bald als gute Entscheidung herausstellt, denn als sie entdeckt werden, schießen die Chinesen sofort mit Torpedos auf das U-Boot...



Fuller setzt in seinem "Inferno" sehr stark auf den Actiongehalt und der Film bietet einen Haufen spannender Momente. Die Frau - gespielt von der polnischen Jüdin Bella Darvi, die sich 1971 im frühen Alter von 41 Jahren in Monte Carlo das Leben nahm - wird von dem eingeschworenen Männerbund auf dem Boot zunächst als Fremdkörper wahrgenommen. Dann wenig später ein bisschen als Freiwild, es gibt im Film eine Szene mit Cameron Mitchell, der mit der attraktiven Wissenschaftlerin ungeniert flirtet und sich immer mehr nackt macht - einzig und allein um ihr seine Tatoos zu zeigen. Ein zweiter Kontrahent sieht den Flirt gar nicht gern und es kommt zur Schlägerei und zu einem Übergriff auf die Frau, indem er ihr einen brutalen kuß abverlangt. Dies wird mit Ohrfeigen quittiert - Richard Widmark verarztet die Frau und macht sich über den Übergriff irgendwie etwas lustig und wird selbst ein bisschen distanzlos. Sowas wäre natürlich in einem Film von heute nicht mehr möglich - damals fand das Publikum solche Annäherungen zwischen Männlein und Weiblein noch völlig adäquat. Wie sich die Zeiten ändern - jedenfalls hat Fuller seine Spionagestory mit ein bisschen Erotik gewürzt.
Die besten Sequenz ist aber das Duell der beiden U-Boote, die alle beide denselben Trick anwenden und zum Meeresgrund abetaucht sind.
In diesen entscheidenden Stunden mit wenig Sauerstoff und extremer Hitze kommt es darauf an den längeren Atem zu haben. Jones entscheidet sich aber fürs plötzliche Auftauchen und durch den Überraschungseffekt kann er den Feind rammen. Sehr überzeugend auch die Cinematographie von Joseph MacDonald (Faustrecht der Prärie, Kanonenboot am Yangtse Kiang, Wie angelt man sich einen Millionär, Die Totenliste, Die 27. Etage, Die jungen Löwen)



Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 11. Januar 2018

Der Mann, der zweimal lebte

























Regie: John Frankenheimer

Der Mann, der Arthur Hamilton war...

In den 60er Jahren hat Regisseur John Frankenheimer eine ganze Reihe von bemerkenswerten Filmen gedreht. Sein 1962 inszenierter "Botschafter der Angst" hat seit einigen Jahren endlich der ihm gebührende Platz in der Liste der besten Filme aus den 60er Jahren. Und sein 1966 gedrehter "Der Mann, der zweimal lebte" hat das Potential zum echten Kultfilm. Leider ist "Seconds" - so der Originaltitel - immer noch weitestgehend unbekannt.
Es ist auch nicht ganz leicht, den Film in ein Genre zu stecken. Einerseits kann man ihn als "Science Fiction" einordnen, doch je länger die Laufzeit desto mehr greift ein sehr unangenehmer Horror in die Geschichte ein. Und die Geschichte ist genauso fantastisch angelegt wie die in "Botschafter der Angst" - dort geht es um eine Gruppe von Soldaten, die in Korea durch eine Gehirnwäsche zu Marionetten der Sowjetunion werden. Auch in "Der Mann, der zweimal lebte" mischt eine geheime Organisation mit, wenn es darum geht, dass ein Mann - zuerst gegen seinen Willen, dann freiwillig - eine neue Identität erhält und dann zur striken Einhaltung dieser neuen Identität gezwungen wird. Wenn man "Sieben Tage im Mai" dazuzählt, dann kann man wohl von einer 60er Paranoia-Trilogie des Regisseurs sprechen, die qualitativ Alan J. Pakulas 70er Jahre Paranoia Trilogie (Klute, Zeuge einer Verschwörung, Die Unbestechlichen) in nichts nachsteht.
"Der Mann, der zweimal lebte ist auch eine Art Mysterium, dass sich mit der Obsession ewiger Jugend beschäftigt und die Fragen aufwirft "wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte" oder "Könnte ich nur ein anderer Mensch sein".
Rock Hudson bewies auch hier, dass er leider als Schauspieler oft unterschätzt wurde - hier liefert er eine beeindruckende Darstellung. Sie ist allerdings gekoppelt an die Figur des Arthur Hamilton, gespielt von John Randolph.
Der ist ein Mann im mittleren Alter, der glaubt, dass sein Leben stark an Sinn verloren hat. Er hat zwar beruflichen Erfolg, doch dies erfüllt ihn n icht mehr. Er erlebt und empfindet die Liebe zu seiner Frau Emily (Frances Reid) als erkaltet. Seine einzige Tochter sieht er kaum noch, sie lebt inzwischen ihr eigenes Leben weit weg vom Elternhaus.
Was hat aber der Anruf seines besten Freundes Charlie Evans  (Murray Hamilton) in ihm ausgelöst ? Seine Frau jedenfalls macht sich Sorgen, er konnte nicht mehr einschlafen, nachdem er diesen mysteriösen Anruf mitten in der Nacht bekam.
Am anderen Tagen wird er erneut angerufen und verabredet sich mit dem Mann, der sich für Charlie ausgibt, in einer riesigen Fleischverpackungsanlage. Die Augen werden ihm verbunden, ein Mann hilft ihm in einen Lastwagen zu steigen und dann fährt er durch die Stadt zu seinem geheimen Bestimmungsort. Es ist ein großer Komplex mit dunklen, leeren Fluren. Eine Mitarbeiterin begrüßt ihn und bietet ihm eine Tasse Tee an, bevor er empfangen wird. Dann schläft er ein und als er aufwacht macht man ihm das Angebot eine Verwandlung zu machen. Sein Freund Charlie hätte ihn empfohlen. Er soll durch plastische Chirurgie ein ganz neues jüngeres Gesicht erhalten und eine neue Identität als "Antiochus Tony Wilson". Sein Tod als Arthur Hamilton wird von dieser Firma auch inszeniert, alles soll so aussehen, dass das alte ich bei einem Hotelbrand den Tod fand. Noch zögert Hamilton, doch durch das freundliche und kompentente Personal wie Mr. Ruby (Jeff Corey) oder diesen väterlichen alten Mann (Will Geer) gibt er sein "Ja" zum neuen Leben. Tatsächlich hat der Chirurg (Richard Anderson) großartiges geleistet. Und mit dem Butler John (Wesley Addy) steht ihm eine geschulte Kraft für die Schwierigkeiten der ersten Zeit zur Seite. Leider findet Wilson keinen Gefallen an seiner neuen Identität. Er lernt zwar eine attraktive Frau (Salome Jens) kennen, die ihm einige Hemmungen wegnimmt, doch das Grübeln hört damit nicht auf...





Kameramann James Wong Howe liefert ebenso wie Regisseur Frankenheimer eine beeindruckende Leistung. "Der Mann, der zweimal lebte" kann über die gesamte Laufzeit seine düstere Faszination aufrechterhalten. Man nimmt der Figur die Grüblerei und die Selbstzweifel völlig ab, die sich mit dieser neuen Identiät einstellen. Dabei kommt der tragische Held zurück zu seinen Roots und erkennt, dass es gar kein Zurück mehr geben kann - alles wirkt nun nur noch schwebend. Der Schlußpart ist extrem fies und bietet echten Horror, dabei lässt Frankenheimer den Protagonisten lange Zeit im Glauben, dass diese Organisation nur Gutes möchte. Denn dieser Geschäftsführer, ein alter Mann, scheint aus einen Frank Capra Film als guter Geist entsprungen zu sein, er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Engel Clarence aus "Ist das Leben nicht schön" oder Chang oder dem hohen Lama aus "In den Fesseln von Shangri La". Aber der Schein könnte trügen.





Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Cincinnati Kid
























Regie: Norman Jewison

Der Profispieler und sein junger Herausforderer...

Was "Haie der Großstadt" von Robert Rossen für den Poolbillard ist, das ist "Cincinnati Kid" aus dem Jahr 1965 für den Poker und beide gehören zu den ganz großen Klassikern der Spielerfilme. Für Regisseur Norman Jewison bedeutete der Film auch einen gewissen Imagewechsel, denn der Kanadier war zuerst ein Komödienspezialist und drehte mit Kultstar Doris Day die Filme "Was diese Frau so alles treibt" und "Schick mir keine Blumen".
Nach seinem hervorragenden Pokerfilm drehte er mit "Die Russen kommen" und vor allem mit "In der Hitze der Nacht" zwei Filme, die auch Oscar-Nominierungen erhielten. Letzterer wurde gar 1968 sogar zum besten Film des Jahres gewählt.
"Cincinnati Kid" gehört aber auch ohne Oscars zu Jewisons besten Filmen überhaupt und präzise wie ein Uhrwerk wird das Poker-Duell zwischen einem alten Profi-Spieler und seinem jungen Herausforderer gezeigt. Der Herausforderer könnte mit Steve McQueen nicht cooler sein, aber seine Mitspieler sind ihm - trotz seiner sehr guten Leistung - allesamt ebenbürtig. Vor allem sein filmischer Kontrahent Edward G. Robinson liefert als Poker-Ass Lancey Howard eine klasse Performance.
Die Geschichte spielt in New Orleans, Eric Stoner (Steve McQueen), den alle nur "The Kid" nennen ist einer der besten Five Card Stud Spieler im Land. Der kleine junge Schuhputzer (Ken Grant) will den großen "Cincinnati Kid" bei jeder Gelegenheit zum Spiel herausfordern, wer die Münze weiter werfen kann, doch immer gewinnt Kid. Aber auch Kid könnte an seine Grenzen kommen, wenn es darum geht Lancey Howard "The Man" zu schlagen. Der ist seit Jahren unangefochtener Pokerkönig und noch keiner konnte den Altmeister schlagen. Auch Kids Freund Shooter (Karl Malden), heute DER seriöse Kartengeber der Stadt, war früher in jungen Jahren überzeugt Lancey zu schlagen. Doch er musste eine bittere Niederlage in Kauf nehmen. Auch der wohlhabende William Jefferson Slade (Rip Torn) will ein Spiel mit Lancey. Auch Slade zahlt tüchtig Lehrgeld. Während Shooter immer etwas Stress wegen seiner schönen attraktiven Frau Melba (Ann Margaret), die anderen Männerbekanntschaften nicht abgeneigt ist, wird Kid von seiner Freundin Christian Rudd (Tuesday Weld) sehr geliebt. Doch der kann momentan keine Frau an seiner Seite gebrauchen, die ihn ablenkt vor einem möglichen großen Spiel mit Lancey Howard. Tatsächlich willigt der ein, nachdem Shooter ihn als den besten angepriesen hat, der eine echte Gefahr für den noch amtierenden Pokerkönig darstellen könnte. Slade, immer noch gekränkt von seiner Niederlage, versucht Shooter zu bestechen, dass der Kid immer mal wieder ein gutes Blatt zuschieben soll....




Sam Peckinpah war zuerst als Director vorgesehen, aber der überwarf sich mit dem Produzenten Martin Ransohoff. So kam Norman Jewison zum Zug. Seine Inszenierung ist atmosphärisch total packend, auch der Titelsong von Ray Charles gesungen, passt perfekt. Jewison hat neben dem spannenden Pokerspiel auch die Charaktere nicht vergessen und die werden von Steve McQueen, Edward G. Robinson, Ann Margaret, Tuesday Weld und Karl Malden großartig gespielt. In einer Nebenrolle als "Lady Fingers" ist auch Joan Blondell zu sehen, ihre Darstellung gefiel so gut, dass sie sogar eine Golden Globe Nominierung dafür bekam. Schade, dass die anderen Schauspielleistungen keine Würdigung durch die Academy erhielt.





Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

In den Wind geschrieben

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Douglas Sirk
 
Denver oder Dallas in berauschendem Technicolor...
 
Douglas Sirk ist der Meister des Hollywood-Melodrams. Der gebürtige Deutsche verließ als etablierter Regisseur (Zu neuen Ufern, La Habanera, Schlußakkord, Das Mädchen vom Moorhof) wegen seiner jüdischen Frau Hilde Jary im Jahr 1937 Nazideutschland und lebte vorübergehend in Holland und Frankreich. Dann verließ er Europa und versuchte in Hollywood Fuß zu fassen. Der Anfang gestaltete sich nicht so einfach, aber 1943 gab ihm MGM den ersten Regieauftrag. Bereits seine zweite Inszenierung "Sommerstürme" wurde ein Erfolg bei den Kritikern. Er wandte sich mit "Schlingen der Angst" und "Angelockt" dem Film Noir zu und ab 1953 spezialisierte er sich mit "All meine Sehnsucht" immer mehr im Genre des Melodrams. Dabei wurde er insgesamt zehn Mal von Kameramann Russell Metty, der 1961 seinen wohlverdienten Oscar für "Spartacus" erhielt, unterstützt.
So auch in "In den Wind geschrieben" aus dem Jahr 1956 - neben "Solange es Menschen gibt" und "Was der Himmel erlaubt" sicherlich eines seiner größten Meisterwerke.
Seine Filme waren in den 50ern natürlich gute Kinoerfolge - aber bei den Kritikern dauerte es sehr lange, bis man seine Arbeiten wirklich schätzte und sie auch eingehend würdigte. Einer der größten Bewunderer war sicherlich Rainer Werner Fassbinder und Wim Wenders nannte Sirk einen "Dante der Soap Opera", der meisterhaft in der Lage gewesen sei, die Schattenseiten des American Dream in dramatischen Bildern zu vermitteln.
Es sind opulente Technicolor-Schinken, die tatsächlich gewisse Widerhaken in der Story setzen und sich so völlig von der Norm des Genres absetzen.
Vordergründig herrscht die Emotion, eingebettet in Emotionen, passend zu Technicolor und Cinemascope. Alles ist irgendwie überlebensgroß und man spürt die Parodie darin. Schockierendes aus dem american way of Life wird mit einer leidenschaftlichen Feierlichkeit behandelt, dies erkannte auch Kritikerpapst Roger Ebert. Er sieht in Sirks Stil, in seiner Übertreibung einen starken Hang zum satirischen Humor und gerade aus "In den Wind geschrieben" lässt sich herauslesen, dass da eine bemerkenswerte Kritik an der 50er Jahre Gesellschaft vorgenommen wurde.
Neben Mitch Wayne (Rock Hudson) und Lucy Moore (Lauren Bacall), den beiden Normalos der Geschichte, präsentiert Sirk mit der schwerreichen Familie Hadley aus Texas zum einen die selbstzerstörerische, alkoholabhängige Nymphonanin Marylee (Dorothy Malone) und ihren unsicheren, ebenfalls schwer alkoholkranken Bruder Kyle (Robert Stack), ein Playboy wie er im Buche steht. Verwöhnt von ihrem Reichtum durch den Vater und Ölbaron Jasper Hadley (Robert Keith) sind beide Kinder als Erwachsene extrem neurotisch und handeln destruktiv. Da hat es nicht mal was genützt, dass der egozentrische Jasper den kleinen Mitch, der ärmlichen Verhältnissen entstammt, bei sich aufgenommen hat. Nicht unbedingt aus Nächstenliebe, denn Mitch hatte gute Eltern. Aber er wollte, dass seine eigenen verwöhnten Kinder mit einem ganz normalen amerikanischen Jungen aufwachsen, um sich an seinen Tugenden orientieren zu können - Ehrlichkeit, Rechtschaffenheit, Bescheidenheit, Treue, Arbeitseifer. All dies war Mitch und wurde so zum Freund von Kyle. Auch sein Aufpasser, wenn der wieder mal über die strenge schlug. Und Marylee war schon als kleines Mädchen in den starken Jungen, der bei ihnen aufwuchs, verliebt. Aber der liebt sie als erwachsener Mann nur wie seine Schwester. Mit dem Ergebnis, dass Marylee zum stadtbekannten Flittchen wird. Als Mitch und Kyle die Sekretärin Lucy kennenlernen, verlieben sich beide in die attraktive Frau. Da Kyle etwas mehr Verführungskünste auffährt, gewinnt er und nicht Mitch das Herz von Lucy. Die Heirat folgt. Und damit für den labilen Kyle ein total trockendes Jahr. Aber der erste richtige Ehekonflikt lässt ihn dann doch wieder zur Flasche greifen...




Tatsächlich haben Robert Stack und Dorothy Malone die interessanteren Rollen in "In den Wind geschrieben" erwischt. Wobei aber auch Laureen Bacall und Rock Hudson eine gute Figur machen. Stack und Malone schafften aber im Oscarjahr 1957 eine Oscarnominierung in der "Nebendarsteller" Kategorie. Dorothy Malone gewann den Oscar, Robert Stack musste sich aber von Anthony Quinn in "Vincent van Gogh" geschlagen geben. Rock Hudson wurde ebenfalls nominiert, aber nicht für seine Rolle als Mitch Wayne. Der Academy gefiel seine Rolle als Rancher Bick Benedict in George Stevens "Giganten" noch besser. Interessanterweise spielte er in beiden Fällen einen Texaner und in beiden Filmen gings ja auch um Öl. Riesig ist die Farbdramaturgie des Films, dies ist schon in den ersten Sekunden zu sehen. Wenn etwa der betrunkene Kyle mit seinem gelben Sportwagen nach Hause rast und dort ankommt. Er wird von Mitch, Lucy und Marylee beobachtet, wie er aus dem Auto steigt und in die riesige Villa eintritt. Die Tür lässt er offen, so dass Sirk uns ein ersten traumhaftes Bild mit Dorothy Malone präsentieren kann, im lila Outfit steht sie im Gang, der Wind wirbelt dabei eine Vielzahl von Blätter in diesen Flur. "In den Wind geschrieben" bietet viel fürs Auge und lässt die alte Traumfabrik noch einmal auferstehen.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.