Samstag, 20. Oktober 2018
Mit 17 am Abgrund
Regie: Jack Arnold
Rauschgift an der Schule...
Jack Arnolds "Mit 17 am Abgrund" aus dem Jahr 1958 ist natürlich ein echter Zeitgeistfilm und geht mit dem Drogenproblem der damaligen Zeit auch etwas paranoid und vereinfacht um: Wer Haschisch konsumiert, der steigt unwillkürlich zu Heroin um, weil er was stärkeres braucht. Nicht umsonst hat es der Film auch in den "Official Razzie Movie Guide" geschafft als einer der 100 unfreiwillig lustigen Filmen. Zu verdanken hat er dies wahrscheinlich seiner klischeehaften Darstellung diverser süchtiger Highschool-Mädels, die den Stoff brauchen und dafür alles tun. Doch "Mit 17 am Abgrund" hat aber auch ein gewisses kultpotential und dies wird schon in der ersten Szene sichtbar, denn dort heißt der singende Akteur Jerry Lee Lewis, der mit seiner Band auftritt, um den Titelsong zu performen.
Und mit Russ Tamblyn hat Jack Arnold einen glaubwürdigen wie charismatischen Hauptdarsteller, der ein bisschen auf den Pfaden von James Dean wandeln darf und einen draufgängerischen rebellischen Schüler mimt, der mit den aufsässigen Jugendlichen aus Richard Brooks "Die Saat der Gewalt" sehr viel Ähnlichkeit hat.
Russ Tamblyn spielt den neuen Schüler Tony Baker, der gleich am ersten Tag des neuen Schuljahres in Sachen Leader of the Pack Akzente setzt. Der Junge wohnt bei seiner attraktiven Cousine (Mamie van Doren), die wohl erziehungsberechtigt ist, jedoch eher den Eindruck macht, dass sie den Jungen gerne verführen wollte. Tony ist attraktiv, dies bleibt auch der engagierten Lehrerin Arlene Williams (Jan Sterling) nicht verborgen. Sie hat das Gefühl, dass sie dem Jungen helfen könnte, doch der hat nur Interesse daran sie anzubaggern. Bisher war J. I. Coleridge (John Drew) der angesagte Boy der Schule, doch Tony wird sehr schnell zur neuen Nr. 1 und schnappt ihm auch noch die Freundin Joan Staples (Diane Jergens) vor der Nase weg. Joan ist vordergründig das liebe Töchterchen aus gutem Hause, doch sie hat ein echtes Suchtproblem. Wie viele andere Schüler der Highschool. Steve Bentley ist der Kapitän der Footballmannschaft und hätte den Neuen gerne in seiner Mannschaft. Doch der hat zuerst ganz andere Pläne. Er möchte gewinnbringend ins Rauschgiftgeschäft einsteigen. Er findet heraus, dass J. I. mit Haschisch dealt und mit dessen Hilfe bekommt er ein Date mit dem fiesen Drogenboss Mr. A (Jackie Coogan). Tony will für den Mann Heroin an den Mann bringen....
Die Geschichte, die Jack Arnold erzählt, ist allerdings wendungsreich und überraschend. Zwar gilt Arnold vor allem als der Meister des 50er Jahre Science Fiction Films, doch auch in anderen Genres erkennt man seine Handschrift. Sie sahen zwar alle etwas billig und schäbig aus, dies machte aber den Charme seiner Arbeiten aus. Ausserdem gelang es ihm wie keinem Anderen die Träume und Neurosen seiner Zeit einzufangen und ihnen eine filmische Form zu geben. Der Filmkritiker Georg Seeßlen meinte "Jack Arnolds Filme sind die mythopoetische Beschreibung der amerikanischen Familie und ihrer Genesis". Arnolds beste Arbeiten sind für mich "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C", der Western "Des Teufels Lohn" und der arg unterbewertete Monsterfilm "Der Schrecken schleicht durch die Nacht".
Bewertung: 7 von 10 Punkten.
Blutiger Staub
Regie: Roy Rowland
Drei Südstaatler auf der Flucht...
Der amerikanische Filmregisseur Roy Rowland inszenierte routinierte
Unterhaltung ohne künstlerische Ambitionen. Er war in allen Filmsparten
- Western, Musicals, Krimis, Komödien, Liebesfilmen oder Melodramen .
tätig. Seine interessanteste Inszenierung war der Gruselfilm "Die 5000
Finger des Dr. T." Seine 1950 gedrehter Western "Blutiger Staub" wurde
im Laufe der Zeit zu einer kleinen Perle in der Kategorie der B-Western.
Der Film heißt im Original "The Outriders" und beschreibt den
Werdegang von drei konföderierten Soldaten nach dem Ausbruch aus einem
Nordstaatenlager. Der Film wurde in schönem Technicolor gedreht und
macht nicht unbedingt den Eindruck eines billigen Genrebeitrags. Auch
die Schauspieler-Riege kann sich sehen lassen. In der Hauptrolle
überzeugt Joel McCrea, der aber durch die guten Leistungen seiner
Kollegen gar nicht so markant aufspielen kann. Sein Freund und späterer
Gegenspieler wird vom charismatischen Barry Sullivan gespielt. Der
dritte Ausbrecher wird von James Whitmore verkörpert. Es sind die drei
Soldaten Jesse (Barry Sullivan), der Unteroffizier Will (Joel McCrea)
und der etwas ältere Clint (James Whitmore). Will ist der Anführer des
Trios, er ist im Grunde ein ruhiger und verantwortungsbewusster Mann.
Jesse dagegen ist eher der Draufgänger, der bei der Flucht auch noch
einen jungen Wachmann völlig ohne Grund tötet. Die drei geraten in die
Hände der eigenen Leute - allerdings sind es keine Soldaten, sondern ein
paar Söldner des Rebellen Quantrill, die von einem gewissen Keeley
(Jeff Corey) angeführt werden. Der will, dass die drei Soldaten sich
einem harmlosen Siedlertreck anschließen und diesen in eine Falle
locken. Denn die habern nicht nur einen kranken Priester (Martin
Garralaga) zu transportieren, sondern der Treckführer Don Antonio Chaves
(Ramon Novarro) hat auch eine Menge Gold als Fracht dabei. Zuerst sind
die Siedler misstrauisch und erteilen den drei Männern eine Absage, als
sie sich anschließen wollen. Doch als die drei den Siedlern bei einem
Indianerangriff beistehen, können sie sich das Vertrauen der Siedler
erschleichen. In diesem Treck fährt auch die attraktive Jen Gort (Arlene
Dahl) mit ihrem jungen Schwager Roy (Claude Jarman jr) mit. Jesse
begehrt die Frau sofort und auch Will hat Interesse an der Frau. Schon
bald verliebt er sich in die Frau. Damit meldet sich bei Will auch das
schlechte Gewissen. Wie gelingt es ihm, die Siedler vor dem Zugriff der
eigenen Männer zu bewahren ?
Roy Rowlands Film ist sehr spannend und bietet doch eine Menge von
sehr stimmiger Einzelszenen. Alles wirkt auch richtig gut und
authentisch. So sind die drei so unterschiedlichen Südstaatler zuerst
ein verlauster Haufen, erst nach der Flucht sehen sie wieder
zivilisierter aus. Die Szenen mit den Indianern sind auch recht
atmosphärisch gestaltet. An der Kinokasse spielte der Film ganz passable
2,2 Millionen Dollar ein, was ein Gewinn von einer halben Million
Dollar für MGM bedeutete. Sehr schöne Landschaftsaufnahmen von Utah
durch den Kameramann Charles Schoenbaum runden den positiven Eindruck
des Farbfilms ab. So wie es sich für einen guten Western auch gehört.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
Die Furchtlosen
Regie: Robert D. Webb
Ein Sheriff braucht Hilfe...
Robert D. Webbs feiner B-Western "Die Furchtlosen" ist eine Art Vorläufer des unverwüstlichen Genreklassikers "Rio Bravo" von Howard Hawks. Es taucht sogar Walter Brennan in einer ähnlichen Rolle auf. Nur heißt er in "The Proud Ones" - so der Originaltitel des Films - nicht nicht Stumpy, sondern Jake - aber er ist einer der Bewacher im örtlichen Gefängnis, dass zur Zeit Banditen beherbergt, die der Oberschurke befreien will. So hat der Sheriff, genau wie in "Rio Bravo" nur eine Handvoll von Helfern zur Verfügung, um gegen die Bösen bestehen zu können.
Robert D. Webb gehörte zu den Oscarpreisträgern des Jahres 1938. Für die Regieassistenz (diese Kategorie wurde in den frühen Oscarjahren eine Zeitlang vergeben) erhielt er für "In Old Chicago" den Oscar. Als Regisseur schuf er Filme wie "Das Höllenriff", "Die weiße Feder" oder "Pulverdampf und heiße Lieder".
Grandios ist schon die Filmmusik, geschrieben von Lionel Newman. Die Aufnahme von Nelson Riddle wurde sogar ein US-chartshit. Kein Wunder - diese gepfiffene Melodie nimmt irgendwie schon den Italo Western vorweg und prägt gleich am Anfang die spannende Cowboyatmosphäre.
Cass Silver (Robert Ryan) ist der Marshall der kleinen Stadt Flat Rock. Dort verläuft alles friedlich, denn der Gesetzeshüter sorgt für Ruhe. Doch als ein großer Rindertreck in die Stadt kommt, sieht die Weichen zukünftig auf Expansion gestellt. Dies gefällt den Bürgern der Stadt, denn mit neuen Menschen kommt auch das Geld nach Flat Rock. Dies Aussicht auf wirtschaftlichen Aufschwung bringt auch den zweifelhaften Kasinobesitzer John Barrett (Robert Middleton) auf den Plan seine Zelte dort aufzuschlagen wo schnelles Geld zu holen ist. Cass Silver kennt den Geschäftsmann von früher. Er hat bereits einmal einen Posten als Sheriff wegen Barrett verloren, der damals zwei Killer auf ihn ansetzte, damit sie ihn ermorden. Er setzte aber das Gerücht in die Welt, dass Cass die beiden Männer tötete, obwohl die keine Pistolen mit sich trugen. Verbittert kehrte Cass damals seiner alten Heimatstadt den Rücken. Nun ist er wieder mit seinem Feind konfrontiert. Doch es kommt noch schlimmer. Unter den Cowboys des Viehtrecks befindet sich auch der junge Thade Anderson (Jeffrey Hunter), dessen Vater einer der beiden angesetzten Killer war. Der sinnt zwar auf Rache an dem Vatermörder, doch er lässt sich immerhin überzeugen, dass Cass damals aus Notwehr so handeln musste. Als in Barretts neuem Saloon ein Mann von Barretts rechter Hand Dillon (George Matthews) kaltblütig ermordet wird, steckt Cass ihn ins Gefängnis. Auch zwei weitere Banditen von Barrett kommen dazu. Dort sollen sie bleiben, bis der Richter kommt. Doch dies ist äusserst gefährlich. Denn Cass kann sich lediglich auf Hilfsheriff Jim (Arthur O´Connell) und den alten Jake (Walter Brennan) verlassen. Seine Freudin Sally (Virginia Mayo) rät ihm die Stadt mit ihr gemeinsam zu verlassen, denn sie kennt Barrett auch von früher. Und Thade Anderson wirkt immer wieder ambivalent was den Marshall betrifft. Manchmal glaubt er ihm, ein anderes mal tauchen wieder die Bilder vom Tod des Vaters auf. Und Barrett hat inzwischen mit Chiko (Rodolfo Acosta) und Pike (Ken Clark) zwei Auftragsmörder für die Wahrung seiner Interessen engagiert...
"Die Furchtlosen" erweist sich als famoser kleiner B-Western mit einem sehr guten Schauspieler-Ensemble. Dabei sind die Bösewichte markant gezeichnet. Robert Middleton dürfte den Filmfans vielleicht durch seine Rolle des Sam Kobish in William Wylers "An einem Tag wie jeder andere" in bester Erinnerung geblieben sein. Jeffrey Hunter spielt einen coolen jungen Cowboy, der allerdings durch den Tod des Vaters immer noch traumasiert erscheint und Robert Ryan macht immer eine gute Figur. Auch die gemeinsamen nächtlichen Rundgänge durch die Stadt, die Ryan und Hunter absolvieren, sorgen für das typische "Rio Bravo" bzw. "El Dorado" Flair.
Regie: 7,5 von 10 Punkten.
Dienstag, 16. Oktober 2018
Die Letzten der 2. Schwadron
Regie: Joseph M. Newman
Odyssee durchs Apachenland...
In dem B-Western "Die Letzten der 2. Schwadron" von Joseph M.
Newman aus dem Jahr 1958 spielt Joel McCrea zum ersten Mal in seiner
langen Filmkarriere einen größtenteils unsympathischen Charakter. Er
wurde für diesen Western völlig gegen sein bisheriges Image besetzt.
Erfolgreich war der Film nicht, aber immerhin kostete er nur schlappe
400.000 Dollar. Im Laufe der Zeit hat sich "Fort Massacre" - so der
Originaltitel" - aber ein bisschen zu einem Kultwestern gemausert. Eine
schöne Ehrung auch für den Regisseur Joseph M. Newman, dessen Karriere
als Regieassistenz begann und in dieser Kategorie im Jahr 1936 für
"David Copperfield" und ein Jahr später für "San Francisco" eine
Oscar-Nominierung erhielt. Diese Kategorie wurde aber bald abgeschafft
und nach einigen Kurzfilmen in den 40er Jahren inszenierte Newman in den
50ern Filme wie "Die Feuerspringer von Montana", "Metaluna IV antwortet
nicht" oder "Tarzan, Herr des Urwalds" bevor er sich mehr seiner
Fernehkarriere widmete als Serienregisseur für "Twilight Zone" oder "Big
Valley".
Sein vielleicht bester Film ist tatsächlich dieser grimmige
Militärwestern vom Geist der "Nackten und die Toten", denn die Odyssee
dieser Kavallerieeinheit ist graumsam und ohne Illusion. Es sind die
Überlebenden aus einem Kampf mit einer Überzahl an Apachen, die immer
noch in der Nähe sein könnten und notgedrungen übernimmt der
Indianerhasser Sergeant McVinton (Joel McCrea) das Kommando. Das
erschreckt einige der Leute, denn sie wissen, dass Vinton seitdem
Indianer seine Frau und seine beiden Kinder brutal ermordet haben, eine
sadistische und fatalistische Ader hat. Nun muss diese verprengte
Einheit einen Weg nach Hause finden.
Unter den Soldaten befinden sich Männer wie Travis (John Russell),
Pawnee (Anthony Caruso), Collins (Denver Pyle) Tucker (Guy BrescottI
Moss (Rayford Barnes) oder McGurney (Forrest Tucker). Manche sind
verletzt. An der einzigen Wasserstelle kommt schon ein weiteres Problem
dazu. Dort halten sich 50 Apachenkrieger auf. Vinton gibt dem Befehl zum
Angriff. Die Soldaten sind entsetzt zu sehen, wie ihr umstrittener
Vorgesetzter den letzten Indianer kaltblütig erschießt, obwohl dieser
sich ergeben hat.
Irgendwann auf der beschwerlichen Reise treffen sie auf das
Händlerpaar Charlie und Adele (Irving Bacon, Claire Carleton), die mit
den Indianern Handel betreiben. Später kommen die Soldaten an ein altes
Pueblo, in dem nur noch ein alter Pajute Indianer (Francis McDonald),
dessen Enkelin (Susan Cabot) mit einem Esel, einer Ziege und einem Hund
leben. Dort kommt es auch zum letzten Gefecht...
Am Ende fällt dem Soldaten Travis noch eine besondere Rolle zu. Und
dessen Vorgesetzter verliert die Kontrolle über seinen Hass vollkommen.
Damit ist der Konflikt unausweichlich. Die Apachen werden hier auch
tatsächlich von Apachen gespielt. Eines der Merkmale, die dem Film einen
hohen Realismus verleihen. Ansonsten erweisen sich die Charaktere als
schweigsame, aber dennoch komplex wirkende menschliche Charaktere. "Die
letzten der 2. Schwadron" ist ein eher ungewöhnlicher Western, der seine
ehrliche Geschichte schnörkellos bis zu seinem unbarmherzigen Finale
verfolgt.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
08/15
Regie: Paul May
Asch und Vierbein...
Man kann den deutschen Soldatenfilm "08/15" nach dem gleichnamigen
Roman von Hans Hellmut Kirst sogar ein bisschen als den etwas softeren
Vorläufer von Stanley Kubricks Meisterwerk "Full Metal Jacket"
bezeichnen. Denn beide Filme geben Einblick in die Ausbildung des
Militärs und zeigen jungen Männer, die zu Soldaten ausgebildet werden.
Während Kubricks Film aber in einem Ausbildungslager der US-Marines
in Vietnam spielt und im zweiten Teil den Ausbildungsplatz Richtung
Kriegseinsatz wechselt, zeigt Paul May in seinem Film die militärische
Ausbildungszeit der beiden Soldaten Asch (Joachim Fuchsberger) und
Vierbein (Paul Bösiger) mit Kasernendrill und vielen handfesten
Erlebnissen in der Welt des "Barras" am Vorabend des zweiten
Weltkrieges.
Damals zu seiner Entstehungszeit im Jahr 1954 wurde der Film ein
riesiger Kassenschlager und war in Deutschland annähernd so erfolgreich
wie "Verdammt in alle Ewigkeit" von Fred Zinnemann, dem Blockbuster des
Jahres.
Auch die beiden Figuren Asch und Vierbein ähneln Kubricks Soldaten
Private Joker und Private Paula. Wie Joker ist auch der Gefreite Asch
ein Typ, der spielend beim Militär durchkommt. Er ist pfiffig und mit
allen Wassern gewaschen, ist ein guter Beobachter und weiß um die
Stärken und Schwächen seiner Vorgesetzten.
Kanonier Vierbein (Paul Bösiger) dagegen ist fürs Soldatenleben
nicht geschaffen. Er ist verträumt, musisch begabt und macht sie so zum
Opfer seiner Vorgesetzten, die ihn hemmungslos schikanieren.
Das Feindbild der nungen Rekruten und Meister der Schikanen ist
Hauptwachmeister Schulz (Emmerich Schrenk), der bei den Männern als
brüllender Kasernengockel verschrien ist. Seine Ehefrau Lore (Helen
Vita) wohnt auch in der Kaserne und sie findet Gefallen an anderen
Männern. Im Grund setzt sie ihrem Fritz ständigHörner auf.
Auch Wachtmeister Platzeck (Hans Christian Blech) ist ein
Schleifer. Ganz oben steht Major Luschke (Wilfried Seyferth), der
allerdings erst am Ende des Films seine große Szene bekommt. Während
Asch es raffiniert versteht, sich den sadistischen Begebenheit in der
Kaserne anzupassen, fällt dies seinem Freund Vierbein umso schwerer. Der
verliebt sich in Aschs Schwester Ingrid (Gundula Korte), doch die steht
auch eher auf den harten Macho, der militärische Ambitionen hat und im
Krieg eine große Nummer sein wird. Asch verliebt sich in Elisabeth (Eva
Ingeborg Scholz), das Mädchen, dass in der Kantine bedient. Es kommt im
Laufe der Zeit soweit, dass Vierbein sich das Leben nehmen will, was der
Freund gerade noch verhindern kann...
Und dann startet folgerichtig die raffiniert ausgearbeitete Revolte
gegen die gemeinen Vorgesetzten. Er erreicht am Ende die Bestrafung der
beiden Vorgesetzten und empfielt sich beim noch höheren Vorgesetzten
als guter Soldat mit einer blendenden Aufstiegszukunft. In der Fülle
vieler romantischer und pathetischer Kriegsfilme der deutschen
Nachkriegsproduktion fällt "08/15" durch einige kritische Akzente auf.
So nimmt die Geschichte die preußische Disziplin immer mal wieder aufs
Korn. Natürlich ist "08/15" nicht dieser kritische Antikriegsfilm,
sollte jemand dies erwarten. Aber durch die Ansammlung dieser Anekdoten
aus der Kaserne gibt sich schon ein kritisches Bild auf das Militär im
Allgemeinen, selbst wenn der besonnene Major Luschke am Ende besonnen
durchgreift und die militärische Ordnung für den Moment wieder
herstellt. Doch nicht von Dauer, wie die Schlußszene greift. Durch den
Lautsprecher hört man Hitlers Rede "Seit 5 Uhr 45 wird nun
zurückgeschossen".
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
Dienstag, 9. Oktober 2018
Schloß im Schatten
Regie: Fritz Lang
Moonfleet....
Fritz Langs opulenter Farbfilm "Schloß im Schatten" war kommerziell eine Katastrophe, denn er hatte für seine Zeit ein üppiges Budget mit fast 2 Millionen Dollar. Diese Summe spielte er leider nicht ein. Am Ende waren trotz eines Kassenerfolgs in Frankreich (fast eine Million Kinozuschauer) nur 1,55 Millionen Dollar eingespielt.
Dennoch genießt der Film vor allem in Frankreich weiterhin eine große Wertschätzung. Die rennomierte französsiche Filmzeitschrift "Cahiers du Cinema" hat "Schloß im Schatten" auf Platz 32 der 100 besten und wichtigsten Filme gewählt. Nur mit "M" liegt Fritz Lang noch besser.
"Schloß im Schatten" basiert auf dem Roman "Moonfleet" (so lautet auch der Originaltitel des Films) von J. Meade Falkner und spielt im 18. Jahrhundert in England. Der Autor schrieb das Buch um 1890 und Drehbuchautor Jan Lustig veränderte sehr viel von der Vorlage.
Zwei sehr markante Szenen sind allerdings geblieben: Die Tortur des kleinen Helden in der Kirchenkryta mit den Überresten von Redbeard und sein Abstieg in den Brunnen, um den wertvollen Diamanten zu finden. Ansonsten hat das Drehbuch die Handlung erheblich verändert. Zum Beispiel taucht im Film der Gentleman-Verbrecher Jeremy Fox auf, der zum unfreiwilligen Mentor des kleinen Jungen wird.
Für Lang ist der Film auf den ersten Blick recht untypisch, denn es ist ein starker Bilderfilm, dessen Fotografie aussergewöhnlich gut ist (Robert H. Planck ist der Kameramann, der insgesamt 4 Oscar-Nominierungen erhielt, darunter für "Die drei Musketiere" und "Lili") und die Aussattung und das Szenenbild hervorragend aussehen. Das gotische Melodram ist mit der Musik des versierten Miklos Rozsa unterlegt. All dies legt eine zauberhafte magische Atmopshäre frei, die auch ein bisschen an David Leans "Geheimnisvolle Erbschaft" erinnert und damit auch einen gewissen Charles Dickens Touch in sich trägt.
Zwei sehr markante Szenen sind allerdings geblieben: Die Tortur des kleinen Helden in der Kirchenkryta mit den Überresten von Redbeard und sein Abstieg in den Brunnen, um den wertvollen Diamanten zu finden. Ansonsten hat das Drehbuch die Handlung erheblich verändert. Zum Beispiel taucht im Film der Gentleman-Verbrecher Jeremy Fox auf, der zum unfreiwilligen Mentor des kleinen Jungen wird.
Für Lang ist der Film auf den ersten Blick recht untypisch, denn es ist ein starker Bilderfilm, dessen Fotografie aussergewöhnlich gut ist (Robert H. Planck ist der Kameramann, der insgesamt 4 Oscar-Nominierungen erhielt, darunter für "Die drei Musketiere" und "Lili") und die Aussattung und das Szenenbild hervorragend aussehen. Das gotische Melodram ist mit der Musik des versierten Miklos Rozsa unterlegt. All dies legt eine zauberhafte magische Atmopshäre frei, die auch ein bisschen an David Leans "Geheimnisvolle Erbschaft" erinnert und damit auch einen gewissen Charles Dickens Touch in sich trägt.
Das Herzstück des Films ist die Beziehung zwischen dem Schurken und dem kleinen tapferen Jungen. Dieser will von seinem Mentor was lernen, am Ende lernt der Verbrecher von dem Jungen eine Verantwortung, die er immer abgelehnt hat.
Die Geschichte spielt im Jahr 1957 in einem kleinen Dorf namens Moonfleet in der Nähe des Meeres im Süden von England.
In diesem Teil des Landes, an der Küse herrscht Hochkonjunktur für Schmuggler. Einer der schlimmsten Verbrecher ist der gutaussehende, smarte Gentleman Jeremy Fox (Stewart Granger). Er führt als Chef eine Schmugglerbande an. In der guten Gesellschaft weiß keiner von dessen Doppelleben. Man hält Fox aber für einen eleganten Abenteurer und Frauenhelden. Er liebt die Gesellschaft der schönen Frauen, hat eine Beziehung mit der raffinierten Mrs. Minton (Viveca Lindfors), flirtet aber auch mit einer tanzenden Schönheit (Liliane Montevecci) und macht der verheirateten Lady Clarista Ashwood (Joan Greenwood) Avancen - sogar in der Gegenwart ihres Mannes (George Sanders), der Fox gerne zum Geschäftspartner hätte.
Eines Tages taucht aber der zehnjährige Waisenjunge John Mohune (John Whiteley) auf. denn seine Mutter ist verstorben. Diese Frau war früher mit Fox verlobt und hat nun in einem Brief ihren ehemaligen Liebhaber zum Vormund des Jungen bestimmt. Mit einem Trick versucht Fox den Jungen sehr schnell loszuwerden, doch der lässt nicht locker und taucht immer wieder auf. Denn der Junge meint einen väterlichen Freund in Fox gefunden zu haben. Eine Dorflegende erzählt von dem berüchtigten Oberst John Mohune, der in der Familiengruft der Kirche gegraben liegt und einen Diamanten von König Charles I. gestohlen und irgendwo versteckt haben. Dies ist lange her und die Menschen wollen oft schon seinen Geist in der Nacht gesehen haben, der vor allem am Friedhof herumwandert. Als der Junge den Pfarrer besucht, macht er noch einen Abstecher in die Gruft. Dort entdeckt er auch einen Stützpunkt der Schmuggler. Und sieht damit auch die andere Seite seines Mentors...
Die düstere Stimmung prägt die Stimmung des Films, was den Film gar nicht mehr so einzigartig in der Filmographie von Lang erscheinen lässt. Neben Charles Dickens erinnert "Moonfleet" auch an ein bisschen an die Märchen der Gebrüder Grimm. Die beeindruckenden Bauten wurden von Cedric Gibbons geschaffen. Man kann den französischen Filmkritikern nur beipflichten: "Moonfleet" ist ein wunderschöner Film, der das Prädikat Meisterwerk auf alle Fälle verdient. Es ist auch einer seiner letzten Filme in Amerika. Mit seinem deutschen Comebackfilm "Der Tiger von Eschnapur" wählte er ein ebenso farbenprächtiges Kinomärchen. Die Figuren in "Moonfleet" sind einem unausweichlichen Schicksal unterworfen und obwohl Stewart Granger den Film nicht besonders mochte. Er spielt hier eine seine stärksten Rollen.
Die düstere Stimmung prägt die Stimmung des Films, was den Film gar nicht mehr so einzigartig in der Filmographie von Lang erscheinen lässt. Neben Charles Dickens erinnert "Moonfleet" auch an ein bisschen an die Märchen der Gebrüder Grimm. Die beeindruckenden Bauten wurden von Cedric Gibbons geschaffen. Man kann den französischen Filmkritikern nur beipflichten: "Moonfleet" ist ein wunderschöner Film, der das Prädikat Meisterwerk auf alle Fälle verdient. Es ist auch einer seiner letzten Filme in Amerika. Mit seinem deutschen Comebackfilm "Der Tiger von Eschnapur" wählte er ein ebenso farbenprächtiges Kinomärchen. Die Figuren in "Moonfleet" sind einem unausweichlichen Schicksal unterworfen und obwohl Stewart Granger den Film nicht besonders mochte. Er spielt hier eine seine stärksten Rollen.
Bewertung: 10 von 10 Punkten.
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