Donnerstag, 29. November 2018

Donnernde Hufe

























Regie: Andre de Toth

Hauptmann der Nordstaaten

Nicht nur Budd Boetticher hat erfolgreich mehrere Western (Ranown Zyklus mit insgesamt 7 Filmen) mit Randolph Scott gemacht. Andre de Toth drehte mit dem Westernhelden sechs Mal zusammen. Diese Filme heißen "Mann im Sattel", "Der schweigsame Fremde", "Dieser Mann weiß zuviel", "Carson City", "Bounty Hunter" und "Donnernde Hufe".  Sie alle entstanden in der Zeit zwischen 1951 und 1954, also einge Zeit vor den Ranown Filmen.
"Donnernde Hufe" ist sicherlich einer der stärksten Filme des Duos und spielt kurze Zeit nach dem Bürgerkrieg in Texas, das noch nicht in die Union zurückgekehrt ist. Dort herrschen Gesetzlosigkeit und Wilkür. Captain David Porter (Randolph Scott) sitzt als Südstaatler, der als Hauptmann in der Nordstaaten-Armee dient, immer ein bisschen zwischen zwei Stühlen. Seine Frau Nora (Phyllis Kirk) leidet unter diesem Problem, denn das Paar wird von den eigenen Landsleuten kritisch beäugt. Viele Texaner misstrauen "Verrätern" und stehen nach wie vor auf der Seite der Konföderierten. Schuld an dieser Misere sind auch die vielen Spekulanten und Kriegsgewinnler, die die Bevölkerung eiskalt ausbeuten. In dieser Zeit hat sich Ben Westerman (Charles McGraw) entschieden gegen diese Machenschaften aggressiv und Kämpferisch vorzugehen. Er gewinnt viele Mitstreiter. Er und seine Männer gelten aber vor Gesetzt als Outlaws und Banditen. Und David Porter hat von seinem Vorgesetzten Lieutenant Colonel Chandler (Henry Hull) den Auftrag den Gesetzlosen zu finden und ihn und seine Männer gefangen zu nehmen. Damit steckt Porter in einem echten Gewissenskonflikt. Auf der einen Seite ist er mit Leib und Seele Soldat, auf der anderen Seite weiß er aber auch, dass erst solche rücksichtslosen Betrüger wie H. L. Balfour (Hugh Sanders) und Joseph Standish (Elisa Cook jr), die vom Gesetz geschützt sind, die Konflikte durch ihre miesen Geschäfte heraufbeschwören.
Mit dem jungen Captain Hodges (Lex Barker) tauchen weitere Probleme auf. Der attraktive junge Captain hat ein Auge auf Porters Frau geworfen und ist ein rücksichtsloser Karrieretyp. Alle Aktionen von Porter stellt er in Frage und setzt sich gegen dessen Befehle hinweg. Man erkennt auch kaum, ob das mit einer Unfähigkeit einhergeht. Wahrscheinlicher ist aber das bewusste Sabotieren von Porters Anweisungen. Jedenfalls erweist sich Hodges als arroganter, anmaßender und skrupelloser Zeitgenosse...



Und beschert seinem Darsteller Lex Barker eine sehr denkwürdige Rolle. Denn so dämlich seine Handlungsweisen auch sein mögen, seine Figur gibt dem guten und soliden Western von Andre de Toth noch eine zusätzliche Würze. Die Rolle ist auch für Lex Barker doch recht ungewöhnlich, denn meistens präsentierte der sich dem Kinogänger als Held - egal ob Tarzan, Lederstrumpf oder Old Shatterhand.
Randolph Scott dagegen glänzt einmal mehr als Held ohne Fehl und Tadel.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Die Unbesiegten



















Regie: Cecil B. DeMille

Abbys Schicksal...

Cecil B. DeMilles Pionierepos "Die Unbesiegten" war mit 5,3 Millionen Dollar Einnahmen für damalige Verhältnisse ein sehr guter Kassenerfolg, doch der Film kostete auch sehr viel. Allein die Szene von der Belagerung des Fort Pitt verschlang 300.000 Dollar und wurde mehrere Monate lang vorbereitet. Am Ende beliefen sich die Ausgaben auf fast 4 Millionen Dollar.
DeMilles Film ist natürlich genauso wie seine 30er Jahre Westernklassiker "Held der Prärie" und "Union Pacific" ein großes Spektakel, aber das war nun mal sein Markenzeichen. Ausserdem war "Die Unbesiegten" als Starfilm angelegt. Der Regisseur musste also die beiden Filmgrößen Gary Cooper und Paulette Goddard möglichst effektiv in Szene setzen.
Mit Paulette Goddard hatte deMille bereits durch "Piraten im karibischen Meer" Erfahrungen, ebenso mit Gary Cooper, der schon in "Die scharlachroten Reiter" die Hauptrolle hatte.
Erzählt wird von den gewaltsamen Kämpfen zwischen amerikanischen Kilonisten und den Ureinwohnern an der Westgrenze Mitte des 18. Jahrhundert während der Zeit von Pontiacs Rebellion und den Kämpfen um Fort Pitt.
Die Macher ließen sich durch Neil H. Swansons Roman "The Judas Tree" inspirieren, der auch teilweise auf Tatsachen beruht durch ein historisches Dokument, geschrieben von der Familie Holden von Virginia. Darin wird erwähnt, dass die Großmutter Sklavin war und aus England kam. Als 17jähriges Mädchen wurde sie in ihrem Heimatland unschuldig zu Tode verurteilt. Sie hatte aber die Wahl der Todesstrafe zu entgehen als Sklavin für die Kolonien. Für diese Alternative entschied sich die junge Abby, die von der attraktiven Paulette Goddard gespielt wird.
Bereits auf dem Schiff wetteifern zwei Männer darum die Frau als Besitz zu bekommen. Der eine ist Captain Christopher Holden (Gary Cooper),  sein Konkurrent heißt Martin Garth (Howard de Silva), der bereits mit der Indianerin (Katherine deMille) verheiratet ist. Holden gewinnt und schenkt dem Mädchen die Freiheit. Doch die hält nicht lange an, denn Garth ist ein Gauner, der es schafft den Sklavenhändler zu bestechen. Er will die junge Frau unbedingt besitzen und gibt sie zuerst in die Obhut seines Handlangers (Mike Mazurki). Währenddessen unterstützt er die Indianer unter der Führung von Senecca Häuptling Chief Guyasuta (Boris Karloff) mit illegal gelieferten Feuerwaffen. 18 Stämme schließen sich zusammen um gegen den weißen Eindringling zu siegen. Da braucht es natürlich einen Gary Cooper und eine Paulette Goddard um dies erfolgreich zu verhindern...


Der Film beschwört unterhaltsam den Pioniergeist der Einwanderer und deren siegreicher Kampf gegen wilde Rothäute. Die sind natürlich in einem Western von 1947 wild, brutal und böse. DeMille war aber ein Regisseur mit einer markanten eigenen Handschrift - sie durchzieht seine vielen Stummfilme wie auch die erfolgreiche Fortsetzung in der Tonfilmära. Er hat mit "Die 10 Gebote" die Bibel einem Kino Millionenpublikum näher gebracht oder setzte erfolgreich auf die Faszination der Zirkuswelt in seinem Oscar-Erfolg "Die größte Geschichte der Welt". Auch in Sachen Spezialeffekte ließ sich die Paramount nicht lumpen - es gab den verdienten Oscar. Die Regielegende selbst bekam 1950 einen Ehrenoscar zugesprochen, drei Jahre später wurde er auch mit dem Irving G. Thalberg Memorial Award ausgezeichnet.


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Sonntag, 18. November 2018

Fluch der Verlorenen

























Regie: Budd Boetticher

Kriegsheimkehrer...

In den 80er Jahren wurden die Western von Budd Boetticher von der Filmkritik wiederentdeckt. 1991 wurde ihm von der Los Angeles Film Critics Association der Preis fürs Lebenswerk verliehen. Der Regisseur starb 2001 im Alter von 85 Jahren. Dabei können sich nicht nur seine mit Randolph Scott gedrehten Western sehen lassen. Auch seine Frühwerke sind heute als gute B-Western anerkannt. Mit Rock Hudson drehte er 1952 den Kriegsheimkehrer-Western "Fluch der Verlorenen" und einige Monate später spielte Hudson die Hauptrolle in seinem Indianerfilm "Seminola". Hudson stand damals noch am Anfang seiner Karriere - er war ein aufstrebender Schauspieler, der noch nicht der große Filmstar war und wurde durch diese guten Leistungen auch von Raoul Walsh in den beiden Western "Mit der Waffe in der Hand" und "Gefährliches Blut" als Hauptdarsteller eingesetzt. Auch Anthony Mann setzte ihn in seinen Western "Winchester 73" (als jungen Indianerhäuptling) und "Meuterei am Schlangenfluß" ein - erst nach diesen Western gelang Hudson der große Durchbruch mit den Melodramen von Douglas Sirk und mit Komödien an der Seite der genauso beliebten Doris Day.
Star in "Fluch der Verlorenen" ist aber eher Robert Ryan, der wie gewohnt einen ambivalenten Charakter verkörpert. Die Grundkonstellation erinnert an William Wylers Meisterwerk "Die besten Jahre unseres Lebens" - Frederic March, Dana Andrews und Harold Russell kehren nach Ende des 2. Weltkriegs heim und haben enorme Schwierigkeiten sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern. In Boettichers Film kehren Dan Hammond (Robert Ryan), sein jüngerer Bruder Neil (Rock Hudson) und deren gemeinsamer Freund Tiny (James Arness) nach dem Bürgerkrieg in ihre Heimat Texas heim.
Während sich Neil bereits auf das Farmerleben freut und seine Sally (Judith Braun) heiraten will, was Vater (John McIntire) und Mutter Hammond (Francis Bavier) sehr glücklich macht, kommt der ältere Dan mit der neuen "alten" Situation nicht mehr zurecht. Im Krieg war er ein Held der Südstaaten und ein Idol für seine untergebenenen Männer, doch als Farmer muss er nun wohl wieder kleinere Brötchen backen.
Kurz nach seiner Ankunft in der Stadt trifft er die schöne Lorna Harding (Julia Adams), die wohl nicht besonders glücklich ist in ihrer Ehe mit dem reichen skrupellosen Geschäftsmann Harding (Raymond Burr). Durch den Bankier der Stadt bekommt Dan die Gelegenheit zu einem Pokerspiel in den besten Kreisen eingeladen zu werden. Dies wird im Haus von Harding abgehalten und leider schuldet Dan am Ende seinem Gastgeber 5.000 Dollar. Da er nicht sofort flüssig ist, wird er vor der ganzen Gesellschaft von Harding aufs Übelste gedemütigt. Dieses Ereignis markiert auch eine Wende im Verhalten von Dan, der nun bei den Gesetzlosen, die vor der Stadt lagern, Männer sucht, die ihm folgen. Da viele dieser gestrandeten Existenzen Dan kennen, kann er diese auch für eine Art Privatarmee rekrutieren. Danach kommt es zu vielen Überfällen in der Gegend und Rinder werden für gutes Geld nach Mexiko verkauft. Zum Nachteil von Harding, der sehr oft durch diese Überfälle geschädigt wird. Der verdächtigt auch Dan, denn der ist plötzlich ebenso reicher Geschäftsmann. Die Situation wird somit bald eskalieren...



Natürlich - so wollte es die Hollywood Moral der 50er Jahre - muss am Ende die umstrittene Hauptfigur sterben. Sein Tod ist auch für seine Familie eine Erleichterung, wenn man das Schlußbild sieht - dort sind Ma, Pa, Neil und seine etwas farblose Sally glücklich vereint. Denn im Laufe der Geschichte wird Dan immer mehr zu dem Mann, der in der ersten Phase des Films dieser ausgekochte Bösewicht war. Dan eifert diesem nach und bekommt auch irgendwann dessen attraktive Frau. Nur diese Frau erkennt noch die Unterschiede der beiden Männer. Ihr Ex war brutal und es war der Horror seine Frau zu sein, mit Dan hat sie persönlich ihr Glückslos gezogen. Julia Adams spielt hier genauso wie Robert Ryan eine höchst interessante Figur. Menschen, die nicht so leicht zu durchschauen sind und gegen die gängigen Erwartungen agieren. Mit Dan hat der Zuschauer insofern noch ein gewisses Mitleid, diese Credits verspielt er aber spätestens in dem Moment, in dem er seinen ehemals besten Freund kaltblütig erschießt. Aus einem netten, sympathischen Mann wurde ein Monster, ein Tyrann für seine gesamte Umgebung. Einmal mehr beweist hier Robert Ryan was für ein guter Schauspieler er war. Er wurde in "Crossfire" für den Oscar nominiert - neben seinen Auftritten in "Nackte Gewalt", "Die Verdammten der Meere", "Lawman" und "The Wild Bunch" sicherlich seine beste Rolle.



Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Der zweite Atem

























Regie: Jean Pierre Melville

Der letzte Coup...

 Der 1966 entstandene Gangsterfilm "Der zweite Atem" war Jean-Pierre Melville letzter Schwarzweißfilm. Wenig später entstanden seine besten Filme "Der eiskalte Engel" und "Vier im roten Kreis". Eine große Meisterschaft lässt aber auch schon "Der zweite Atem" erkennen. Hier wird der Regisseur zum Meister des erneuerten Film Noir - die meisten dieser Impulse kamen tatsächlich aus Frankreich mit Filmen wie "Außer Atem" von Jean Luc Godard, "Schießen Sie auf den Pianisten" von Francois Truffaut oder dem ebenfalls von Melville inszenierten "Der Teufel mit der weißen Weste". Es war diese undürchschaubare Doppelbödigkeit der Verhältnisse und Figuren. Hier verabschiedet sich die bequeme Kategorisierung zwischen "Gut" und "Böse", denn die Methoden der Polizei sind sehr fragwürdig únd diese Machart lässt dem Schauspieler Paul Meurisse sehr viel Spielraum in der Rolle als Kommissar Blot, dem Antagonisten zum Altganster Gustave Minda. Dieser wird von Lino Ventura verkörpert - einmal mehr wie geschaffen für diesen Rollentypus.
Der hat nämlich bereits 8 Jahre einer langen Haftstrafe abgesessen und startet in der ersten szene des Films einen Ausbruchsversuch aus dem Knast. Die beiden Kumpane sind um einiges jünger als Gustave, der von seinen Freunden "Gu" genannt wird. Einer der Männer stirbt beim Klettern über die Gefängnismauern. Gu und der andere Ausbrecher gelangen ins Freie. Mit dem Zug setzt Gu seine Flucht fort und es gelingt ihm vorerst unterzutauchen. Kommissar Fardiano (Paul Frankeur) sucht mit Hochdruck nach dem Ausbrecher, aber auch Kommissar Blot (Paul Meurisse) wird auf den Fall angesetzt, da es bald einige Tote gibt, die auf Gus Rechnung gehen könnnten. Gus Freundin Simone, genannt Manouche (Christine Fabrega) und Gus alter Kumpel Alban (Michel Constantin) verstecken den Flüchtigen. Der will noch einmal einen Coup landen, um seinen Lebensabend im Ausland zu sichern. Da es im Versteck in Paris zu heiß wird, verlegt man das Versteck nach Marseille. Dort tut sich tatsächlich eine totsichere Sache auf. Paul Ricci (Raymond Pellegrin), der Bruder des Pariser Gangster Jo Ricci (Marcel Bozzuffi) plant einen Überfall auf einen Platin Transport, der von mehreren Polizisten begleitet wird. Gu soll einen der Beamten ausschalten, ein weiterer Komplize (Denis Mauel) den zweiten Polizisten. Tatsächlich gelingt dieses Unternehmen, doch dann wird Gu eine Falle von seinem Gegenspieler Kommissar Blot gestellt. Er verhaftet Gu und erweckt den Eindruck in der Unterwelt Gu habe seine Freunde verraten...


Genau diese hoch angesehene Ganovenehre hat Gu immer eingehalten und nun setzt er alles daran um seinen Ruf wieder reinzuwaschen. Jedes Mittel ist ihm recht. "Der zweite Atem" ist ein naher Verwandter von Melvilles "Teufel mit der weißen Weste". Der Unterschied liegt in der Lauflänge. Hier in "Der zweite Atem" lässt sich der Meister des Krimis sehr viel Zeit, der Film dauert beinahe 150 Minuten und ist somit ein Werk von epischer Proportion.  Lino Ventura spielt eine ähnliche Figur wie in "Der Panther wird gehetzt" von Claude Sautet. Auch dort ist er dieser desillusionierte, amoralische Gangster, der gemerkt hat, dass seine große Zeit unweigerlich vorüber ist. Auch wenn dieser Melville Film nur wenigen bekannt ist, gehört er doch zu den besten Filmen des 1973 verstorbenen Kultregisseurs.


Bewertung: 9 von 10 Pubnkten. 

Stundes des Terrors




















Regie: Harmon Jones

Die Stadt des Satans...

Harmon Jones 1956 inszenierter B-Western "Stunden des Terrors" (Original: A Day of Fury) erzählt die Geschichte von einer Stadt des Bösen und greift damit ein Thema auf, dass immer wieder im Westerngenre auftaucht. Ein Fremder taucht plötzlich auf und mit ihm werden die dunklen Seiten der Bürger der Stadt offenbart. In einer Szene des Films wird dem Revolverheld Jagade, gespielt von Dale Robertson, vorgeworfen, dass er die Stadt durch seine Ankunft vergiftet hätte - er rechtfertigt sich aber und meint "ich hab nur einen faulen Baumstamm umgedreht". Damit gibt er den Vorwurf zurück an die biederen Menschen der Kleinstadt West End, die nach und nach ihre Masken fallenlassen.
Immerhin hat Jagade aber in der ersten Szene dem Sheriff der Stadt Allan Burnett (Jock Mahoney) das Leben gerettet. Der war nämlich am heiligen Sonntag Verfolger eines gesuchten Banditen. Dieser lauerte im Hinterhalt und Jagade war zufällig Zeuge dieses Duells - er kam dem Sheriff zu Hilfe und hat am Ende verhindert, dass der verletzte Bandit Burnett erschießen konnte. Burnett selbst gibt seinem Retter den Auftrag in der Stadt Bescheid zu sagen, dass er zu spät zur eigenen Hochzeit kommt. Er muss sich noch um den toten Killer kümmern. Dieser Bitte kommt Jagade nach. Die Braut Sharman (Mara Corday) wartet schon ungeduldig in der Kirche, der Pfarrer (John Dehner) ist bereit. Doch gleich bei Ankunft wird auch auf Revolverheld Jagade geschossen, es gibt einen weiteren Toten. der junge Billy (Jan Merlin) bezeugt aber gleich, dass der Fremde in Notwehr gehandelt hat. Bei soviel Toten wird die Hochzeit abgeblasen und Richter McLean (Carlon Benton) möchte Jagade vorerst einsperren bis zum Prozess, doch der Sheriff, der dazu kommt verhindert die Festnahme seines Lebensretters. Die Braut des Sheriffs war mal ein leichtes Mädchen und hat im Saloon gearbeitet, wurde aber in die ehrbare Gesellschaft aufgenommen - doch man bemerkt an ihrem entsetzten Gesichtsausdruck, dass sie Jagade bestens kennt. Die ehrbaren Bürger formieren sich und wollen bald, dass Jagade wieder verschwindet. Andere wie Billy sehen in dem furchtlosen Cowboy ein Idol und stehen ihm hilfreich bei einigen Manipulationen zur Verfügung. Der Fremde erreicht, dass der Saloon am Sonntag öffnet, dass die Mädchen wieder dort zum Arbeiten kommen und die Stadt erfreut sich an Whisky, Weib und am Pokern. Auch die keusche Lehrerin Miss Tommons (Dee Caroll) verfällt dem Charme des charismatischen Aussenseiters, der eine sichtliche Freude hat den braven Bürgern die Stirn zu bieten. Auch der Pfarrer setzt zuerst auf Gewalt und Aggression, besinnt sich aber eines Besseren. Alles läuft auf ein Duell zwischen Gut und Böse hinaus...


Lediglich der aufrechte Marshall hat keine Angst vor dem Fremden, der sogar für ein Symbol für den Satan stehen könnte. Immerhin manipuliert er in nur wenigen Stunden ganz viele Menschen dieser Kleinstadt und holt aus ihnen die böse Seite hervor. Am Ende stoppen in Kirchenglocken in diesem ungewöhnlichen Western. Der Antiheld verwandlelt die scheinbar friedliche Idylle in eine Art Hölle und versucht die Frau, die sich zum Guten verändert hat, wieder mit sich zu nehmen. Doch die liebt auch ihren Sheriff, der ihr Sicherheit gibt und auch Verantwortung zeigt, was Jagade völlig abgeht. Der ist nur an destruktiven Handlungen interessiert. Mit "Stunden des Terrors" entdeckt man einen Vorläufer zu dem Eastwood Klassiker "Ein Fremder ohne Namen" und das ungleiche Paar Sheriff und geläutertes Saloongirl erinnert immer mehr auch an Will Kame und Amy Fowler, die am Anfang von "High Noon" heirateten und immer mehr von den Bürgern der Stadt im Stich gelassen werden. Eine feine B-Western Perle.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Das Gold der sieben Berge




















Regie: Gordon Douglas

Die Gier nach Gold....

Nach den Western "Im Höllentempo nach Fort Dobbs" und "Man nannte ihn Kelly" war "Das Gold der sieben Berge" bereits der dritte Western von Gordon Douglas mit Clint Walker als Hauptdarsteller.  In "Das Gold der sieben Berge" bekam er als Verstärkung den jungen Roger Moore an seiner Seite. Dies war 1960 - Roger Moore war damals 33 Jahre alt und es war lange vor seinem Durchbruch mit der TV-Serie "Simon Templar" und lange vor "James Bond". Die Handlung des Films basiert auf einem Roman von Steve Frazee. Anders als "Man nannte ihn Kelly", der in herrlichen Farben daher kommt, hat sich Gordon Douglas noch einmal für einen Schwarz-Weiß Film entschieden, dies rückt den Nachzügler näher an "Im Höllentempo nach Fort Dobbs" heran. Doch er ist weniger düster und handelt von einer schönen Männerfreundschaft, die so manche Gefahren bestehen.
Die Geschichte erzählt von den beiden Fallenstellern Shaun Garrett (Roger Moore) und Jim Rainbolt (Clint Walker). Sie sind seit einigen Jahren befreundet und doch so unterschiedlich. Shaun ist sehr temperamentvoll und auch etwas hitzig, dafür ist sein Freund Jim meistens sehr besonnen, ruhig und sachlich. Eines Tages finden sie reichlich Gold an einem Fluß.  Doch sie müssen das Gold nach Seven Saints schaffen. Das Packpferd stirb jedoch und so muss Shaun in die Stadt reiten, um ein neues Pferd zu besorgen. Er zahlt mit Gold, was sich als Fehler herausstellt. Der Fund könnte sie vermögend machen, doch durch das ungewöhnliche Zahlungsmittel  werden sie bald von dem rücksichtslosen Banditen McCracken (Gene Evans) und dessen Kumpanen verfolgt und aufgelauert. Es bleibt den beiden jungen Männern nichts anderes übrig, als den Fund hinter einem riesigen Felsblock zu verstecken. Zum Glück kommt ihnen der alte Doc Gates (Chill Wills) zur Hilfe - gerade im richtigen Augenblick, denn Shaun wurde verletzt. Als Trio finden sie Zuflicht auf der Ranch von Amos Gondora (Robert Middleton), einem alten Kumpel von Jim. Doch der ist mit allen Wassern gewaschen und bemerkt bald, dass Gold im Spiel ist. Während sich die beiden Jungs mit der hübschen Tita (Leticia Roman) vergnügen, blieb McCracken aber nicht untätig. Er lockt die Männer von Gondorra fort von der Ranch und kann so Shaun und Doc gefangen nehmen. Die sollen ihn zum Gold führen...


Und die Moral von der Geschicht: Mit Gold allein wird man nicht glücklich und Freundschaft ist viel wichtiger als alles Reichtum. Zu diesem Fazit kommen am Ende die beiden Freunde. Gordon Douglas hat hier einen Routinewestern inszeniert, aber einen recht guten. Die guten Bilder stammen von Kameramann Joseph F. Biroc (Ist das Leben nicht schön ?, Keine Gnade für Ulzana, 40 Gewehre, Wiegenlied für eine Leiche, Flammendes Inferno), der mit den Aussenaufnahmen im Arches National Park zusätzlich eine authentische Westernstimmung erzeugt.



Bewertung: 6,5 von 10 Punkten. 

Dienstag, 13. November 2018

Die Wahrheit

























Regie: Henri Georges Clouzot

Mord aus Leidenschaft...

"Die Wahrheit" wir oft gleichgesetzt mit der Richtigkeit, mit dem tatsächlichen Sachverhalt - aber ist oft auch davon abhängig aus welchem Blickwinkel man sie ergründen will. "Die Wahrheit" ist auch ein Film von Henri Georges Clouzot aus dem Jahr 1960, der erstmalig auch dem Sexsymbol dieser Jahre - Brigitte Bardot - die Möglichkeit gab schauspielerisches Können zu zeigen. Und wie auch vor ihm bereits von Akira Kurosawa in "Rashomon" treffend beobachtet, gibts da vielleicht gar nicht nur diese eine Wahrheit - denn in seinem Mittelalterepos wird von fünf Personen das gleiche Ereignis ganz verschieden erzählt und interpretiert. Dem japanischen Meisterregisseur gelang damit eine symbolische Auseinandersetzung mit Ursache, Schuld und der Wahrheit, alles verbunden mit einem schweren Verbrechen.
Diese Konstellation greift auch Clouzot wieder auf und bettet diese Fragen in eine Gerichtsverhandlung ein, die Ende der 50er Jahre in Paris stattfindet. Auch bei ihm steht der Wahrheitsgehalt immer wieder auf dem Prüfstand, dabei zeigt er die Geschichte, die zu einem Verbrechen führt, abschnittsweise und chronologisch in Rückblenden. Anders als bei Kurosawa, der eine universelle Botschaft vertritt, ist Clouzots Film auch stark am Zeitgeist orientiert. Als Zuschauer erkennt man klar die damalige viel strengere Sexualmoral und die vorherrschende Vorstellung von einem anständigen Leben. Bald wird klar, dass die Richter nicht nur ihre Tat be- oder verurteilen, sondern auch ihren lockeren Lebenswandel.
Brigitte Bardot spielt die wegen Mordes angeklagte Dominique Marceau, die zum Tod verurteilt werden könnte. Sie steht vor Gericht nicht nur als Frau, die ein Verbrechen aus Leidenschaft begangen hat, sondern stellvertretend für eine neue Generation, die mit den alten Werten nichts mehr anzufangen weiß. Die Männer, die über sie urteilen, sind alle über 50 und können nicht verstehen, dass die Jugend keine neuen Ziele definieren kann.
Gegensätze ziehen sich an - der junge Student Gilbert Tellier (Sami Frey) hört gerne klassische Musik, der dirigiert das Orchester seiner Mitstudenten und träumt auch von einem eigenen Orchester. Er ist mit der Geigerin Annie (Marie Jose Nat) befreundet, die ebenfalls Musik studiert. Deren Schwester Dominique (Brigitte Bardot) ist weniger introvertiert und interssiert sich für ChaChaCha, für Motorräder, für Partys und für Kino. Sie kam bei ihrer Schwester unter, solange sie noch keinen Job hat. Doch statt Arbeitssuche ist zuerst mal La Dolce Vita angesagt. Als Gilbert dem schönen blonden Mädchen erstmals begegnet, verknallt er sich sofort in sie und würde gerne mit ihr schlafen. Doch so offen über Gefühle reden, schickt sich nicht. Er weiß nur, dass er sie wieder sehen will und tatsächlich entsteht eine Liebschaft. Sehr zum Leidwesen von Annie, die eifersüchtig reagiert. Und Gilbert erweist sich als ausgesprochen eifersüchtig. Er deutet das sehr lockere Wesen seiner Freundin als Untreue, manchmal zu Recht - viel öfters aber zu Unrecht. Natürlich kann sowas auf Dauer nicht gut gehen, Gilbert trennt sich von Dominique und kommt dadurch mit Annie zusammen. Als Dominque erfährt, dass Annie sich mit Gilbert verlobt hat, sucht sie ihren Exfreund auf. Dort kommt es zur Katastrophe...



Charles Vanel spielt den Maitre Guerin, den Verteidiger von Dominique und sein Gegenspieler Ankläger Epavier wird von Paul Meurisse gespielt. Jacques Perrin und Claude Berri sind als Freunde von Gilbert und Dominique zu sehen.
Der große Pluspunkt in "Die Wahrheit" sind aber die beiden Hauptdarsteller Sami Frey und die Barot, die hier Gelegenheit bekommt eine zwiespältige Figur zu spielen. Etwas selbstzerstörerisches ist in dieser jungen Frau, die dann am Ende auch zum Scheitern verdammt ist. Anders als seine anerkannten Meisterwerke "Lohn der Angst", "Die Teuflischen" und "Der Rabe" ist "Die Wahrheit" leider in Vergessenheit geraten. Obwohl 5 Millionen Filmfreunde in Frankreich damals in Kino gingen und "Die Wahrheit" zu einem Riesenerfolg machten. Auch die internationale Kritik reagierte begeistert: Ein Golden Globe und eine Oscarnominierung als bester Auslandsfilm sprang heraus.
Freuen konnte sich Clouzot damals nicht darüber - kurz nach der Premiere verstarb seine Frau Vera Clouzot, die am Drehbuch mitgearbeitet hatte, im Alter von 47 Jahren an einem Herzinfarkt. Diesen Tod kommentierte die Presse als Parallele zu ihrer bekanntesten Filmrolle in "Die Teuflischen" -  als Christine fällt sie dort einem Herzanfall zum Opfer.


Bewertung: 9 von 10 Punkten.