Dienstag, 13. Januar 2015

Kleines Herz in Not






Regie: Carol Reed

Der Butler und der Junge...

"Kleines Herz in Not" ist ein 1948 gedrehter Krimi mit Film Noir Anteilen von Carol Reed. Der englische Meisterregisseur drehte diesen Film zwischen seinen beiden großen Meisterwerken "Ausgestoßen" und "Der dritte Mann". Man sollte sich auch nicht von dem etwas komischen deutschen Titel irritieren lassen, denn auch in "The Fallen Idol" (so der Originaltitel) zeigt sich Carol Reed als extremer Meister der Bildsprache, der vom Expressionismus der zwanziger Jahre so deutlich beeinflusst wurde wie sein amerikanischer Kollege Orson Welles.
Schauplatz ist die französische Botschaft in London. Der französische Botschafter (Gerard Heinz) ist ein vielbeschäftigter Mann. Vor allem muse er oft verreisen. So ist der kleine Philippe (Bobby Henrey) oft allein, denn auch die Mutter war lange Zeit schwer krank und musste sich in einem Krankenhaus im Ausland erholen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Junge vor allem immer mehr einen freundschaftlichen Bezug zum Butler der Botschaft aufgebaut hat. Tatsächlich kümmert sich Mr. Baines (Ralph Richardson) auch rührend um den kleinen Jungen, der gerne mit seiner Schlange Maggie spielt, die der Kleine in einem Mauerspalt seines Balkons versteckt hat. Denn Mrs. Baines (Sonia Dresdel), die verbohrte böse Gattin des Butlers, duldet keine Tiere in ihrem Reich. Zwischen Erziehung und Schikane muss der Junge vieles erdulden. Er bemerkt auch, dass Mr. und Mrs. Baines oft streiten. Tatsächlich ist es mit der Ehe schlecht bestellt.
Als er durchs Fenster sieht, wie Baines zu einem Spaziergang in Richtung Park aufbricht, entwischt er über die Feuerleiter und folgt ihm. Doch in dem Pub, den Baines gewöhnlich ansteuert, ist er nicht anzutreffen und auch sonst findet er seinen erwachsenen Freund nirgends. Erst nach langem Suchen wird er auf dem Rückweg fündig, denn am Tisch eines kleinen Cafés sitzt Baines mit der jungen Julie (Michèle Morgan), einer aus Frankreich stammenden Angestellten der Botschaft. Die beiden sind nicht gerade erfreut, als der Junge auftaucht und Baines gibt die Frau als seine Nichte aus. Als die Frau von Baines überraschend verreisen muss, taucht Julie auch in der Botschaft auf. Baines nutzte die Gelegenheit und möchte dass seine Geliebte bei ihm übernachtet. So sind an diesem Wochenende nur das Liebespaar und der kleine Junge in der Botschaft. Doch leider sind sie nicht lange zu Dritt...


 und diese Konstellation führt zu einem Unglück, dass im Laufe der Handlung und vor allem durch die Ermittlungen von Scotland Yard in einem Mordfall ausarten könnte. Schuld daran hat dabei der Kleine Junge, der mit seinem Aussagen zwar seinen Freund schützen will, ihn aber ohne zu wollen zu einem verdächtigten Mörder werden lässt. Dabei spielt Ralph Richardson den Butler hervorragend, weil es ihm gelingt die Figur großartig mit Leben zu füllen. Seine Figur ist einerseits herzensgut nd andererseits aber auch sehr willensschwach, labil bis feige. Der Film bleibt bis zum Schluß interessant und spannend - am Ende gibts dann noch einen Schluß mit einer guten Portion schwarzem Humor und man ist froh, dass Scotland Yard zu diesem zeitpunkt schon die Nase voll hat von dem kleinen Jungen und seinen Aussagen. Ein tolles Ende zum Schmunzeln und ein super Klassiker von Carol Reed.



 Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Der unbekannte Geliebte

























Regie: Vincente Minelly

Zwei Brüder...

Vincente Minellys erfolgreichste Filme waren "Ein Amerikaner in Paris", "Gigi", "Stadt der Illusionen" oder "Vater der Braut". Sein vielleicht bester Film dürfte das 1958 realisierte Verliererepos "Verdammt sind sie alle" sein. Im Krimigenre war er nur selten tätig. Obwohl sein 1946 gedrehter Film "Der unbekannte Geliebte" (Original: Undercurrent), ein Mischung aus Film Noir, Psychothriller und Melodram äusserst erfolgreich im Kino lief. Der Film ist aber weitestgehend in Vergessenheit geraten - trotz seiner attraktiven Stars Katherine Hepburn, Robert Taylor und Robert Mitchum am Anfang seiner Karriere. Kritiker warfen dem Kassenerfolg vor, dass er in jeder Rolle eigentlich fehlbesetzt wäre. Ich komme da zu einem anderen Urteil, denn über weite Teile ist der Film sehr spannend und bietet mit dieser fatalen Dreierkonstellation eine sehr interessante Geschichte.
Der Chemiprofessor Dink Hamilton (Edmund Gwenn) hat eine Erfindung gemacht, an der der schwerreiche Industrielle Alan Garroway (Robert Taylor) starkes Interesse hat. Der Fabrikant will die Erfindung kaufen und reist zu diesem Zweck zu Hamilton. Der lebt gemeinsam mit seiner erwachsenen Tochter Ann (Katherine Hepburn) auf dem Land. Die Haushälterin (Marjorie Main) hatte schon Befürchtungen, dass Ann einmal als alte Jungfer endet, denn sie liess bis jetzt jeden Verehrer eiskalt abblitzen. Doch bei dem weltgewandten und attraktiven Gentleman Garroway springt der Funke der Liebe über und da die Gefühle auf Gegenseitigkeit beruhen, wird schnell geheiratet. Damit verbunden ist ein Umzug nach Washington. Ann lernt die Bekannten ihres neuen Gatten kennen und hat Mühe sich mit ihrer einfachen Art den Gepflogenheiten der High Society anzupassen. Flitterwochen sind perfekt und auch die erste Zeit ist extrem harmonisch. Sie erfährt aber, dass Alan noch einen Bruder namens Michael (Robert Mitchum) hat, der seit einiger Zeit verschwunden ist. Die beiden Brüder haben sich vor einigen Jahren so extrem zerstritten, dass jeder Kontakt abbrach. Alan behauptet, dass Michael durch diverse Unterschlagungen die Firma beinahe in den Ruin gestürzt hätte. Da Ann bald bemerkt, dass sie mehr Licht ins Dunkel dieser Geschichte bringen muss, stellt sie einige Nachforschungen an. Von ihrem Mann erfährt sie nichts, er vermeidet dieses Thema in besten Falle. Manchmal scheint er eine riesige Aggression aufzubauen, wenn er nur den Namen seines Bruders hört. Anns Misstrauen wächst. Als Alan Garroway Anns Nachforschungen bemerkt, zeigt er sich gegenüber Ann von einer anderen Seite…


 Dabei bezieht der Film einen Großteil seiner Stärke aus der Bruderkonstellation, bei dem der Zuschauer auch erstmal im Dunkel tappt und nur langsam nimmt die Figur von Alan und auch von Michael Gestalt an. Minelly hat die Figuren der Brüder aber so angelegt, dass sie ambivalent bis zum Schluß bleiben und erst der dramatische Showdown bei einem Ausritt zeigt das ganze Ausmaß der bösen Anteile von der  Persönlichkeit Alans zum Tragen. Dabei bleibt er dennoch bis zum Schluß ein Liebender, was zunehmend tragisch gedeutet werden kann. Möglicherweise wäre eine etwas sensiblere Darstellerin besser gewesen in der Rolle der Ann - aber ich finde die burschikose Katherine Hepburn macht ihre Sache in ihrem einzigen Film Noir gut. Robert Taylor ist aber großartig als Ehemann mit zwei Gesichtern. Wer "Rebecca" oder "Das Haus der Lady Alquist" gut findet, der kann sich hier auf einen eher unbekannten verwandten Film freuen. 

Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Gehetzt

























Regie: Fritz Lang

Keine neue Chance für morgen...

"Gehetzt" aus dem Jahr 1937 war nach "Blinde Wut" der zweite Film von Fritz Lang nach seiner Emmigration nach Amerika. In beiden Filmen spielte Sylvia Sidney die weibliche Hauptrolle. In "Gehetzt" (Originaltitel: You only live once) spielt sie die Sekretärin Joan Graham (Sylvia Sidney), die für den Verteidiger bei Strafprozessen Stephen Whitney (Barton MacLane) arbeitet. Ihr Chef ist ein bisschen verliebt in sie, aber ihr Herz schlägt für Eddie Taylor (Henry Fonda).  Gegen Whitneys Rat und gegen den ihrer Schwester Bonnie (Jean Dixon) gibt sie den Kleinkriminellen, der wieder mal ein paar Monate im Gefängnis sitzt, nicht auf. Whitney gelingt es jedoch, Taylor auf Bewährung frei zu kriegen. Natürlich heiratet er Joan und nimmt mit viel bürgerlichen Ambitionen einen Job als Lastwagenfahrer an, den er aber durch eigenes Ungeschick sehr schnell wieder verliert. Zu gleichen Zeit findet ein schwerer Bankraub mit 7 Todesopfern statt, der im Laufe der Geschichte Eddie Taylor zur Last gelegt wird. Der Verdächtige flieht zuerst - was ihn noch verdächtiger macht , aber Joan bringt es fertig ihn überzeugen, sich der Polizei zu stellen. Aufgrund von Indizienbeweisen und der Voreingenommenheit der Jury wird Taylor dennoch zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt. Kurz vor seiner Hinrichtung werden die wahren Täter ermittelt, woraufhin Taylor in letzter Sekunde begnadigt wird. Doch vor der Mitteilung nimmt das Schicksal bereits seinen katastrophalen Verlauf. Eddie versucht mit Hilfe einer eingeschmuggelten Waffe aus der Haftanstalt auszubrechen. Dabei tötet er versehentlich den Gefängnispfarrer (William Gargan), der ihm die gute Nachricht der Begnadigung mitteilen wollte, aber dem er angesichts der Situation keinen Glauben schenkt. Er flieht und sucht seine hochschwangere Frau auf....


Fritz Lang setzte sich damit erneut mit dem Rechtssystem und den Lebensumständen in seiner Wahlheimat USA auseinander, wohin er nach Machtübernahme der Nationalsozialisten via Frankreich ausgewandert war. Nach der Flucht wandelt sich der Film in eine frühe Version des Bonnie-and-Clyde-Themas mit zwei Liebenden auf der Flucht - ähnliche Bilder wählte auch Raoul Walsh vier Jahre später in seinem brillianten "Entscheidung in der Sierra". Bei Fritz Lang bleibt jedoch das Sozialdrama bis zum Schluß gegenwärtig. Für die Bilderwelt seiner tragischen Geschichte um einen Verlierer, der von Flucht zu Flucht schliddert, greift Lang gekonnt auf die Mittel des Expressionismus’ zurück, bringt ein schattenreiches Schwarzweiß sowie markante Close-ups und bemerkenswerte Kameraeinstellungen. Ein gut gemachter Vorläufer des Film Noir Genre, das ab 1940 seinen Siegeszug antrat. Hatte der Meisterregisseur in seinem ersten US-Film "Fury" gezeigt, wie brave Bürger einen Unschuldigen lynchen wollen, so zeigt er in "Gehetzt" wie die Gesellschaft einem Gestrauchelten immer wieder die Resozialisierung verweigert.



Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.

Das Narrenschiff

























Regie: Stanley Kramer

Menschen auf hoher See...

Der leider bereits im Alter von 38 Jahren verstorbene kleinwüchsige Darsteller Michael Dunn spielt in Stanley Kramers "Das Narrenschiff" den Passagier Karl Glocken, der die Geschichte als Erzähler zum Laufen bringt. Der Roman von Katherine Anne Porter war prädestiniert dafür in Hollywood als Ensemblefilm mit Starbesetzung ins Oscar-Rennen zu gehen. Der Film folgt daher der beliebten Erzählstruktur von früheren Filmen wie "Menschen im Hotel" oder "Getrennt von Tisch und Bett" - Regisseur Stanley Kramer hatte auch schon Vorerfahrung mit solchen Filmen, sein eigener Film "Das Urteil von Nürnberg" gilt sogar als einer der besten Filme dieser Art, in dem die Schicksale verschiedenster Charaktere auf einem begrenzten Raum erzählt werden. In dem vier Jahre später anlaufenden "Narrenschiff" verfolgt der Zuschauer diese Menschen auf einem Passagierschiff, das 1933 von Mexiko über Spanien nach Deutschland fährt. 
8 Oscarnominierungen waren der Lohn, zwei Siege waren zu verzeichnen: Bestes Szenebild Schwarz Weiß und beste Kamera. Nominiert war ausserdem Oscar Werner als bester Darsteller, Michael Dunn als bester Nebendarsteller, Simone Signoret als beste Darstellerin, ausserdem gabs Nominierungen in den Kategorien Bestes Kostümdesign, Bester Film und bestes adaptiertes Drehbuch. "Das Narrenschiff" war eine weitere erfolgreiche Arbeit des Gespanns Stanley Kramer und Abby Mann, der schon für "Das Urteil von Nürnberg" das Drehbuch schrieb. Ausserdem ist es meines Wissens der einzige Ausflug des großen deutschen Volksschauspielers Heinz Rühmann in einer US-Produktion.
Er spielt den jüdischen Kaufmann Julius Löwenthal, der bereits gewisse Schikanen an Bord in Kauf nehmen muss. Er muss am Einzeltisch essen und hat keinen Platz am begehrten Kapitänstisch. Den in der Heimat aufkeimenden Nationalsozialismus unterschätzt er, er nimmt ihn nicht so ganz ernst - auch nicht den Nazi Siegfried Rieber (Jose Ferrer), der nicht nur der blonden Lizzi (Christiane Schmidtmer) schöne Augen macht, sondern ganz unverhohlen übles Gedankengut zur Rassenfrage zum Besten gibt. Kapitän Thiele (Charles Corvin) macht dabei gute Miene zum bösen Spiel, aber auch er kann sich kaum vorstellen, dass diese kruden Ansichten bald politisch relevant sein könnten. Er macht sich aber Sorgen um den herzkranken Schiffsarzt Dr. Wilhelm Schumann (Oscar Werner), der auf dem Schiff eine tablettenabhängige Comtessa (Simone Signoret) kennenlernt. Ausserdem befindet sich unter den Reisenden eine alternde amerikanische Lady (Vivien Leigh), die ihre Einsamkeit wahrnimmt und auf der Suche nach Zärtlichkeit auf Männerfang geht. Allerdings ist ihr die rohe und brutale Art des Mitreisenden Bill Tenny (Lee Marvin) nicht besonders angenehm, sie sucht doch was romantischeres. Tenny selbst läuft einer Flamencotänzerin hinterher. Ein schweizer Ehepaar (Stanley Adams, Lilia Skala) haben ihren Hund, den reizenden Boxer Bebe (Bebe) dabei, der sogar im Laufe der Handlung von bösen Kindern von Bord geworfen wird, aber von einem Tierfreund gerettet wird. Dieser verliert aber bei der Rettungsaktion sein Leben. Tragisch, wie auch andere Begebenheiten und gestritten wird auch heftig (George Segal, Elisabeth Ashley). Am Ende kommt das Schiff an seinem Bestimmungsort Bremerhaven an, der Erzähler wagt ein sarkastisches Resümee...



  "Das Narrenschiff" ist sicherlich eines der Meisterwerke von Stanley Kramer (Flucht in Ketten, Rat mal wer zum Essen kommt, ..und nicht als ein Fremder). Der Filmemacher hat in seinem besten Arbeiten (Das Urteil von Nürnberg, Wer den Wind sät, Das letzte Ufer) immer wieder kontroverse Themen mit aufgenommen und hatte vor allem durch eine publikumswirksame Machart damit an der Kasse großen Erfolg. Die besten Parts im Film haben sicherlich Signoret und Werner (Romanze) und Leigh und Marvin (handgreiflicher Schlagabtausch).


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Abenteuer in Panama






















Regie: John Huston, Vincent Sherman

Der Vorabend von Pearl Harbour...

Pirma, nun  ist "Abenteuer in Panama" doch noch als deutschsprachige DVD erschienen. Aber Vorsicht: Das Menü ist etwas gewöhnungsbedürftig, wenn die verschiedenen Optionen erscheinen, dann fängt der Film schon automatisch an zu laufen und beim Drücken auf "Filmstart" war ich auch schon bei Minute 12 angelangt. Aber keine Angst: Mit ein bisschen Naviation auf der Fernbedienung kann man den Film mit gutem Film genießen. Es gibt allerdings keine englischen und deutschen Untertitel. Letzteres ist deshalb auch erwähnenswert, weil im Film selbst zwei kleine Szenen in englischer Originalsprache laufen, die man aber nicht untertiteln kann. Aber es handelt sich dabei lediglich insgesamt um ca. 1 Minuten Filmmaterial. Auf den Film selbst hab ich schon lange gewartet - wenn ich eine Top 20 erstellt hätte mit den meistvermissten Klassiker, die noch nicht auf DVD erschienen sind, dann wäre dieser Film von John Huston aus dem Jahr 1942 dabei gewesen. Da Huston in den Krieg musste, beendete sein Regiekollege Vincent Sherman (Im Solde des Satans, Das Leben der Mrs. Skeffington) den Spionagethriller mit seinem großartigen Hauptdarsteller Humphrey Bogart. Natürlich ist der Film lange nicht so gut wie Hustons große Meisterwerke der 40er "Die Spur des Falken", "Key Largo" oder "Der Schatz der Sierra Madre". Aber dennoch ist "Abenteuer in Panama" vor allem durch den Schlagabtausch zwischen Bogart und Mary Astor sehr unterhaltsam, sehr amüsant und bleibt auch trotz gewisser Absurditäten in der Story bis zum Ende spannend. Bogart und Astor veredeln den Krimi mit einer ganzen Menge grossartigen Screwball-Szenen, die auch heute noch zum Schmunzeln einladen. Captain Rick Leland (Humphrey Bogart) von der Küstenartillerie, eigentlich ein angesehener tapferer Soldat, scheint völlig aus der Bahn geworfen zu sein, als er sich kurz vor Kriegsausbruch zwischen den USA und Japan auf einem japanischen Frachter einschifft. Er wurde kurz zuvor wegen Diebstahls unehrenhaft aus der Armee geworfen. Er findet in der Folge dieses Vergehens auch bei der kanadischen Armee, die sonst gerne freiwillige Soldaten aufnimmt, Um gegen die Japaner kämpfen zu können, will er sich den Chinesen unter Chiang Kai-Shek anschließen. Der Weg des Frachters Genoa Maru führt in Richtung Panamakanal und soll die Passagiere nach China bringen. Am Bord befindet sich auch die hübsche Kanadierin Alberta Marlow (Mary Astor), die ihm auf Anhieb gut gefällt. Imponierend ist auch der Soziologe Dr. Lorenz (Sydney Greenstreet), der ein ausgeprägtes Faible für Japan und die Japaner zu haben scheint. Nach einem Zwischenstopp in New York kann Leland Lorenz das Leben retten, der beinahe einem Attentat zum Opfer gefallen wäre. Neu an Bord ist der japanisch-stämmige Amerikaner Joe Totsuiko (Victor sen Yung), der ebenfalls reichlich undurchsichtig ist. Bald wird immer klarer, dass am Vorabend des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor Sabotage angesagt ist. Es gibt einen perfiden Plan, dem Schleusen des lebenswichtigen Panamakanals zu bombadieren...

Fans von Humphrey Bogart wird sicherlich sehr schnell klar sein, dass der Held nur zum Schein unehrenhaft aus der US-Armee entlassen wurde. Natürlich ist es eine Geheime Mission, die er hier absolvieren muss - denn er kennt sich mit der Küstenverteidigung sehr gut aus. Sydney Greenstreet hat wieder eine markante Rolle, wie bereits in "Spur des Falken" - so sind die drei Hauptdarsteller die gleichen wie im Megaklassiker "Die Spur des Falken". Lediglich Peter Lorre fehlt, dafür gibts aber Kam Tong als netten Diener auf dem Schiff und Viktor Sen Yung als undurchsichtigen Fahrgast. "Abenteuer in Panama“ gehört zur ersten Welle der Propagandafilme, die einer geschockten Nation den Rücken stärken und den Feind klar vor Augen führen sollten.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Ein Alibi zerbricht

























Regie: Alfred Vohrer

Der unbekannte Mann...

Das waren noch Zeiten, damals 1963 - mehr als 14.000 Verkehrstote zählte man auf Deutschlands Straßen . Kein Wunder: Es war damals noch erlaubt vor oder während der Fahrt einige Einheiten Bier, Wein oder Schnaps zu sich zu nehmen.  Nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs war ein Autolenker erst fahruntauglich, wenn er 1,5 Promille Blutalkohol hatte. Aber in Alfred Vohrers stilvollem Krimi "Ein Alibi zerbricht" hat Trucker Martin Siebeck (Michael Janisch) das Pech, dass er nachts auf der Autobahn im Nebel einen Mann überrollt und tötet. Er behauptet, dass zwei Männer den Toten auf die Fahrbahn warfen, aber keiner will ihm diese Geschichte abkaufen. Sein Begleiter kann sich nicht dazu äussern, weil er sich kurz vorher schlafen legte. Siebeck wandert erst mal in den Knast und die Existenz seiner Familie steht nun auf der Kippe - als Pflichtverteidigerin muss die engagierte Dr. Maria Rohn (Ruth Leuwerik) mit dem Fall beauftraft. Nach dem Gespräch mit dem Mandanten hat sie aber das Gefühl, dass Siebeck die Wahrheit sagt. An der Stelle, wo sich der Unfall ereignete, ist auch eine Autobahnbrücke - es könnte also durchaus sein, dass da diese ominösen zwei Männer mit einer Leiche nur darauf warteten, bis ein Auto dort vorbeifuhr und die Täter alles so aussehen lassen konnten, als wäre ein Unfall passiert. Da der Tote extrem entstellt ist und niemand vermisst wird, stellt die Identität der Leiche ein weiteres Problem dar. Marias dominanter Gatte Günther (Peter van Eyck) wird auch immer mehr verärgert wegen dem extremen Ehrgeiz seiner Ehefrau, die noch dazu auch über ein bisschen kriminalistisches Gespür verfügt. Schon bald gelingt es ihr die Mordvariante zu beweisen, ihr Mandant kommt frei. Nur kann Maria nicht mehr vom Fall lassen und sie ermittelt auf eigene Faust. Sehr zum Leidwesen ihres Ehemanns und auch dessen Geschäftspartner Dr. Hartleben (Charles Regnier) und Leopold Wasneck (Sieghard Rupp) sowie Frau Wasneck (Hannelore Elsner) können nicht verstehen, dass Maria weiter nach dem Mörder sucht, was ja eigentlich die Aufgabe von Kriminalkommissar Seifert (Fritz Schmiedel) wäre...




"Ein Alibi zerbricht" ist ein Film von Alfred Vohrer, der von Quentin Tarantino, einem seiner Bewunderer, als Deutschlands Hitchcock gesehen wurde. Seine erfolgreichsten Arbeiten hatte der 1914 in Stuttgart geborene und 1986 in München verstorbene Regisseur mit seinen Edgar Wallace Filmen. Sein 1961 entstandener"Die toten Augen von London" gilt sowieso als die beste Edgar Wallace Verfilmung überhaupt. Aber auch "Der Hexer", "Gasthaus an der Themse" oder "Das indische Tuch" sind Highlights der Serie. Später war dann noch mit einigen Simmel-Verfilmungen erfolgreich. Einer davon - "Alle Menschen werden Brüder" erhielt sogar 1973 das begehrte Filmband in Gold. Mit "Ein Alibi zerbricht" gelang ihm ein straff inszenierter kleiner Suspence Krimi, der seinen Reiz vor allem in der Konstellation zwischen der Anwältin und ihrem Ehemann ausübt. Der Mann wird zunehmend suspekt und die Heldin selbst könnte dabei immer mehr in Gefahr geraten. So erinnert das Szenario ein bisschen an die "Mitternachtsspitzen", wo Doris Day möglicherweise ihrem Ehemann Rex Harrisson viel zu sehr vertraut. Der Film wurde in schwarz-weiß gedreht und punktet auch mit seiner guten Atmosphäre. Die beste Rolle hat vielleicht Peter van Eyck erwischt, der den dominanten und nicht sehr sympathischen Ehemann von Maria spielen durfte. Ruth Leuwerik dagegen hat den dramatischen Part und einen zusätzlichen Reiz vermittelt die Frage, was höher wiegt: Ewige Liebe und Treue, die man geschworen hat oder aber Recht und Gerechtigkeit.
Hier in dieser Thematik erweist sich Herbert Reineckers Drehbuch als eher schwach und sehr klischeebehaftet. 780.000 Interessierte kauften sich 1963 eine Kinokarte.
Alfred Vohrer inszenierte nach Reineckers Stoff ein düsteres Kammerspiel, das zunehmend enger, unangenehmer und dunkler wird. Geht die Frau am Anfang enthusiastisch und voller Tatendrang ihrer Arbeit nach, fürchtet sie sehr bald das Ergebnis ihrer Ermittlungen umso mehr, je näher sie ihrem Ziel kommt. Dennoch kann sie nicht anders, sie ist an einem Punkt angelangt, wo sie die Wahrheit finden will. Und dies ist der Weg zu einem bitteren Ende.





Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Der Tag, an dem die Erde stillstand

 


























Regie: Robert Wise

Klaatus Mission...


Einer der einflussreichsten und besten Science Fiction Filme der 50er Jahre ist zweifelsohne Robert Wises "Der Tag, an den die Erde stillstand". Robert Wise fing als Cutter bei Orson Welles und dessen Meistewerken "Citizen Kane" und "Der Glanz des Hauses Amberson" an - 1945 drehte er als Regisseur den einflussreichen Horrorfilm "Der Leichendieb". Wise war aber vielseitig und in vielen Genres tätig. Im Horrorfach brillierte er vor allem mit "Bis das Blut gefriert", mit "Andromeda, tödlicher Staub aus dem All" folgte  1971 ein weiterer Science Fiction. Der erste Star Trek Kinofilm von 1979 wurde von ihm inszeniert, sein größten Erfolge dürften aber vermutlich die Musicals "West Side Story" und "Meine Lieder, meine Träume" sein. Das Drehbuch von "Der Tag, an dem die Erde stillstand" basierte auf der Erzählung "Farewell to the Master" von Harry Bates, die ursprünglich in dem Magazin "Astounding Science Fiction" erschienen war und zu einer Zeit ins Kino kam, als das Wettrüsten und der kalte Krieg langsam aber sicher gegenwärtig war. Die Worte "Klaatu barada nikto" wurde irgendwann sogar zum festen Bestandteil der Populärkultur des 20. Jahrhundert. Alles beginnt mit Landung einer sibrigen fliegenden Untertasse, die mitten in Washington landet und dort auf dem Rasen eines Stadions gleich von der Armee eingekreist wird. Alle Rundfunkanstalten und Fernsehsender der Welt berichten über das Ereignis, aber die Menschen kennen die Absichten der Ausserirdischen nicht. Daher sind alle Soldaten bewaffnet und jederzeit bereit zu schießen. Aus dem Raumschiff entsteigt ein Alien in Menschengestalt. Der Mann nennt sich einfach Klaatu (Michael Rennie) und hat einen Roboter namens Gort dabei, mit dem nicht zu Spaßen ist. Zumindest nehmen es die Menschen so wahr, denn es wird auf Klaatu geschossen, bei dem man eine Waffe vermutet - dabei war es nur ein Geschenk für den amerikanischen Präsidenten. Gort eliminiert mit seinen Strahlen sofort alle Waffen der Soldaten und erst auf Zuruf des auf dem Boden liegenden verletzten Klaatu lässt er davon ab und bleibt regungslos stehen. Klaatus Mission ist in friedlicher Absicht, aber er hat eine Botschaft an die ganze Menschheit. Er bittet die Führer aller Nationen herbeizurufen, da er eine wichtige Botschaft zu überbringen hat. Dies scheitert allerdings daran, dass die Völker auf der Erde natürlich heillos zerstritten sind und daher ein gemeinsames Treffen nicht realisierbar ist. Ausserdem lässt man Klaatu im Krankenhaus bewachen und schließt ihn im Krankenzimmer ein. Was dem Ausserirdischen aber nur ein müdes Lächeln entlockt, als er bemerkt, dass man ihn als Gefangenen sieht. Für ihn sich Schlösser kein Hindernis und er verlässt inkognito als "Mr. Carpenter" das Krankenhaus. Er hat vor den Charakter der Menschen zu studieren. Zu diesem Zweck mietet er ein Zimmer n einer Pension in Washington. Nähere Bekanntschaft schließt er mit der Mitbewohnerin Helen Benson (Patricia Neal) und deren Sohn Bobby (Billy Gray). Als Helen mit ihrem Freund Tom (Hugh Marlowe) einen Ausflug macht, gehen Klaatu und Bobby durch die Stadt. Der Junge schließt schnell Freundschaft mit dem klugen Mr. Carpenter, weiß aber natürlich nicht, dass sein Begleiter der Ausserirdische ist, der mit Hochdruck gesucht wird...


"Der Tag, an dem die Erde stillstand" hat dann tatsächlich im Laufe der Geschichte einen halbstündigen Stromausfall auf der ganzen Welt und zeigt sich erstaunlich unamerikanisch in dieser heißen Phase des Kalten Krieges. Denn die friedliche Mission des Ausserirdischen wird auch durch die Amerikaner verhindert, die natürlich genauso stur sind wie ihre Feinde in Moskau, die einem Treffen nur dann zustimmen, wenn es in Moskau stattfindet. Lediglich der Wissenschaftler (Sam Jaffe) und der Junge zeigen einen weniger verbohrten Typus von Mensch im Jahr 1951. "Rüstet ab oder ihr werdet vernichtet" mit diesen Worten verabschiedet sich Klaatu von den Menschen, die wahrscheinlich mal wieder nichts dazu gelernt haben. Er warnt die kriegerischen Menschen ihre Kämpfe nicht auch noch auf der Erkundung des Weltalls mitzunehmen. Die Message wurde geschickt in mythischer Schlichtheit verpackt, sie ist aber heute nicht eine Spur veraltet.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.