Montag, 7. Dezember 2015

Fort der mutigen Frauen

























Regie: George Marshall

Mit Petticoats gegen die Indianer...

Audie Murphy konnte aufgrund seiner Bekanntheit als gefeierter Kriegsheld des zweiten Weltkriegs nach 1945 eine Karriere als Schauspieler aufbauen. Dabei hatte er vor allem als Darsteller in Abenteuerfilmen oder Western großen Erfolg. Viele seine Western wie "Auf der Kugel stand kein Name", "Die gnadenlosen Vier", "Der weiße Teufel von Arkansas" oder "Ritt in den Tod" wurden zu Kultfilmen des Genres. Mit "Das Fort der mutigen Frauen" aus dem Jahr 1957, der von George Marshall (Der große Bluff, Die blaue Dahlie) inszeniert wurde, versuchten die Macher den Erfolg des großartigen Westernklassikers "Karawane der Frauen" von William Wellmann zu wiederholen. Leider kann das Drehbuch von Marshalls Film im Vergleich zum Vorbild nicht mithalten, auch wenn sein Western routiniert und handwerklich gut inszeniert wurde.
Es ist das Jahr 1864 - noch herrscht Bürgerkrieg. Texas Lt. Frank Hewitt (Audie Murphy) ist eigentlich Südstaatler, kämpft aber nicht für die Konföderierten, sondern für die gute Sache auf der Seite der Nordstaaten-Armee unter dem Regiment von Oberst John Chinvington (Ainsinle Prior). Als ein friedlicher Indianerstamm auf Befehl seines Vorgesetzten sinnlos niedergemetzelt wird und Frank sicher weiß, dass die Indianer diesen Angriff mit Rache vergelten, beschließt er nachdem er durch seinen Protest unter Arrest gestellt werden soll, zu desertieren und die wehr- und schutzlosen Farmersfrauen im Süden zu warnen.
Doch diese selbstauferlegte Mission ist extrem schwierig. Er hat bei den Farmerfrauen, die er warnen will, als Nordstaatler und Verräter seiner Heimat keine guten Karten. Auch die Begegnung mit seiner Ex-Verlobten Stella (Patricia Tiernan), die inzwischen verheiratet ist und mit dem kleinen Bruder ihres Mannes (Kim Charney) auf der Farm geblieben ist, endet alles andere als erfreulich. Erst als er jedoch eine tote Farmersfau findet und diese als Beweis auf seinem Pferd mitbringt, glauben ihm Frauen wie die couragierte Hannah Lacey (Hope Emerson) und auch die junge Ann Martin (Kathryn Grant), die noch kürzlich auf ihn - den Yankee - geschossen hat. Hewitt beschließt, die wehr- und schutzlosen Farmersfrauen der Gegend auf die Vergeltungsschläge vorzubereiten und bildet sie militärisch aus. In einer alten Missionsstation lehrt Hewitt die beherzten Damen den Umgang mit dem Schießeisen. Als die Indianer dann schließlich angreifen, gelingt es Hewitt und seinen tapferen Kämpferinnen, die Rothäute zurückzuschlagen....


 Aber es lauern noch weitere Gefahren als die Indianer auf Kriegspfad. Ein Verräter lockt ein Banditentrio zur Mission, die es auf Gold abgesehen haben und am Ende muss sich der brave Soldat natürlich noch als Deserteur vor dem Kriegsgericht verantworten. Keine guten Aussichten, aber immerhin haben die Frauen gelernt mit Waffen umzugehen. Der Film kann durch die durchweg gelungene Kamerarbeit punkten. Ray Rennhan war dafür verantwortlich, der Western sieht gut aus. Leider bleibt die Spannung gelegentlich auf der Strecke.

Bewertung: 6 von 10 Punkten

Fünf unter Verdacht (Stadt im Nebel)
























Regie: Kurt Hoffmann

Mord in Belgesund...

"Wir Wunderkinder", die 1959 inszenierte satirische Abrechnung mit der deutschen Geschichte von 1913 bis etwa 1953 wurde einer von Kurt Hoffmanns größten Erfolge - vor allem auch bei der Filmkritik. Damit konnte er beweisen, dass er auch mit ernsthafteren Themen sehr gut umgehen konnte. In erster Linie war er aber ein Könner von leichten Unterhaltungsfilmen, oft auch mit humorvollem Einschlag.  Publikumsrenner waren "Das Wirtshaus im Spessart", "Ich denke oft an Piroschka", "Drei Männer im Schnee", "Quax, der Bruchpilot", "Das fliegende Klassenzimmer". Der Regisseur, der vor allem in den 50er Jahren seine größte Zeit hatte, konnte aber noch bis in die 70er Jahre immer wieder Kinoerfolge verbuchen. "Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung" oder "Der Kapitän" sorgten für gute Einspielergebnisse an der Kinokasse.
Sein 1950 gedrehter "Fünf unter Verdacht" (Alternativtitel: Hafen im Nebel / Mord in Belgesund) ist weniger bekannt. Vielleicht liegt es an der etwas behäbigen Machart des Films. Als richtiger Krimi ist er kaum spannend, dafür punktet Kurt Hoffmanns Film aber im visuellen Bereich. Die dänische Hafenstadt Belgesund wurde von Kameramann Bruno Stephan sehr atmosphärisch und dicht eingefangen. Es geht um Mord in diesem Städtchen, das von dichtem Nebel umgeben ist. In dieser unheimlichen Atmosphäre, in der die Straßenbeleuchtung seit Tagen nicht mehr ausgeschaltet wird, geschieht an einem Privatgynmasium ein Mord. Die Leiche des dubiosen Hausmeisters Pedell Palsberg (Josef Sieber) wird aufgefunden. Möglicherweise sind fünf Schüler in den Mord verstrickt, denn Ole Klimm (Gunnar Möller), die Brüder Klaus (Lutz Moik) und Jacob Eriksen (Friedhelm von Petersson) sowie Arne Hansen (Horst Gentzen) und Knut Petersen (Thomas Lundberg) haben seltsame Geschäftsbeziehungen mit dem Hausmeister geführt. Interessanterweise könnte auch der verheiratete Studienrat Dr. Berling (Friedrich Schoenfelder) ein Motiv gehabt haben, denn er wurde von Palsberg erpresst. Palsberg wusste von der Affäre des verheirateten Lehrers mit seiner Schülerin Ingrid (Ina Halley). Mit der Ermittlung wird der kluge und findige Kriminalrat Thomsen (Hans Nielsen) beauftragt. Der vermutet sofort, dass hier sehr viel im Verborgenen liegt und dass Schüler und Lehrer in verschiedene finstere Machenschaften involviert sind. Mit gutem Gespür gelingt es ihm Licht ins Dunkel zu bringen....






 Am besten funktioniert der Krimi als eine Art Ratespiel, wer nun wirklich der Mörder ist. Ein bisschen kann man es schon erahnen, auch wenn Kurt Hoffmann immer wieder falsche Fährten einstreut. In den besten Momenten strahlt dieses Frühfilmwerk der Bundesrepublik einen stimmigen Touch ala Agatha Christie aus. Leider bleiben die Figuren etwas blass und die Spannung erreicht auch keine Höchstwerte. Dafür darf man aber dem Film eine gute Portion Charme alter Schule bescheinigen. Kurt Hoffmann wurde sicherlich von den US-Filmen von Robert Siodmak inspiriert. Der Film selbst wurde von Artur Brauner produziert und Hans Nielsen spielt seinen Part als schlauer Ermittler hervorragend. Im Zwielicht von Gaslaternen, im fortwährenden Dunkel aller Gassen und Hohlwege oder auch in demjenigen der Keller und Dachstuben, die als Verstecke und Rückzugsorte dienen, erweist sich der Film enorm dicht und daher kann man diesen Film auch dem Noir Genre zuordnen




Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Dienstag, 17. November 2015

Stromboli
















Regie: Roberto Rossellini

Auf der Feuerinsel...

Vor allem wegen seiner in der Zeit von 1945 bis 1948 entstandenen neorealistischen Trilogie ("Paisa", Rom, offene Stadt", "Deutschland im Jahre Null") gilt Roberto Rossellini als einer der ganz großen Filmregisseure aller Zeiten.
"Stromboli" ist der Nachfolger und ist Beginn seiner Zusammenarbeit mit der weltbekannten Leinwandgöttin Ingrid Bergman, die bereits in Hollywood einen Oscar erringen konnte und mit Klassikern wie "Casablanca" oder "Berüchtigt" Superstar-Status hatte. Es war die Schwedin selbst, die einen Brief an Rossellini schrieb, nachdem sie von seinen Filmen so begeistert war, und um eine Rolle in einem seiner Filme bat.
Mit "Stromboli" begann auch die private Affäre zwischen der Schauspielerin und dem italienischen Filmemacher. Ein Skandal seinerzeit, denn beide waren schon verheiratet. Vor allem Ehebrecherin Ingrid Bergman wurde in den USA geächtet und gar als "mächtiige Kraft des Bösen" und als "entartet" bezeichnet. Die Folge war ein Aufruf zum Boykott des gemeinsamen Films. Dadurch hatte der Film bei seinem Erscheinen eher eine geringe Wertschätzung und ist im Lauf der Zeit auch arg in Vergessenheit geraten - obwohl sich "Stromboli" auch heute noch als ein großartiges Meisterwerk des Neorealismus erweist.
Es ist Frühling 1948: In einem Lager für Kriegsflüchtlinge - irgendwo in Italien - sitzt eine Gruppe von Frauen fest. Eine davon ist die aus Litauen stammende Karin (Ingrid Bergman). Sie träumt davon von hier aus ein Visum nach Argentinien zu bekommen. Dort in der neuen Welt will sie ein neues Leben nach jahrelanger Flucht anfangen. Direkt neben den Baracken der Frauen, ist auch der Stützpunkt der Soldaten. Frau und Mann sind aber durch einen Stacheldraht getrennt, doch für einen kurzen Flirt am Abend trifft man sich dort. Karin hat auch einen Verehrer. Es ist der junge und etwas naive Antonio (Mario Vitale), der sich in Karin verliebt hat. Er verspricht ihr sie aus diesem Lager zu befreien und mitzunehmen in seine Heimat - auf die wunderbare Insel Stromboli.
Als Karins Gesuch nach Argentinien auszuwandern abgelehnt wird, ist eine Heirat mit Antonio plötzlich eine Option und vielleicht sogar die einzige Chance. Schnell wird geheiratet und schon ist das junge, ungleiche Paar auf dem Schiff in Richtung Stromboli. Die Insel selbst wirkt auf Karin aber alles andere als einladend, der ewig brodelnde Vulkan löst bei der jungen Frau Unbehagen aus. Sie findet sich auch nicht bei den Einheimischen zurecht, die sie als Fremdkörper wahrnehmen. Ein harmloser Flirt mit dem netten, attraktiven Leuchturmwärter (Mario Sponzo) wird hochgespielt, so dass Antonio sie als "Gehörnter" verprügelt wird.  Auch nach dem Besuch beim Pfarrer (Renzo Sezana) bleibt die junge Frau sehr isoliert und einsam. Kein Wunder. Wollte sie doch diese moralische Instanz verführen, um an ihre Ziele zu kommen. Am Ende wagt sie - schwanger - die Flucht auf die andere Seite der Insel. Dort soll es jemanden geben, der ein Motorboot besitzt. Doch der Weg dorthin ist schwierig, denn er führt über den Berg. Völlig entkräftet bricht sie oben auf dem Vulkan zusammen...


  "Stromboli" zeigt zum einen die Kraft der Natur und stellt dazu den eher schwachen Menschen, der von seinen Gefühlen geleitet wird. Andererseits sind auch viele Szenen so angelegt, das Mysterium des Lebens zu zeigen. Fressen und gefressen werden...einmal zeigt der Filmemacher den Kampf zwischen einem Frettchen und einem Kaninchen. Letzteres hat null Chancen seinem Schicksal- dem Tod - zu entgehen. Die zweite Szene bei einem Thunfischfang auf der Insel ist ähnlich. Diese s.g. Mattanza zeigt eindringlich die Brutalität des Daseins. Um zu überleben werden die großen Thunfische eingefangen. Man sieht in dieser 8 minütigen szene wie sie im Netz zappeln und ohne Gnade mit Enterhaken in die Boote gezogen werden. Karin wird Zeuge dieses Fangs, sie fühlt sich angewidert. Insgesamt sind die Bilder, die wir sehen sehr roh, erdnah und die Geschichte hat etwas elementares. Karin schwankt zwischen Rebellion und Anpassung. Am Ende entscheidet sie sich wieder - wie schon im Krieg - für die Flucht vor der Realität. Die letzte Einstellung zeigt einen Schwarm von Meeresvögeln. Für Karin vielleicht ein kleiner Hoffnungschimmer auf eine bessere Zukunft, jenseits des Berges, aber gute Filmemacher lassen den Zuschauer auch mal bewusst im Unklaren. Auch die Poesie kommt nicht zu kurz. Inmitten des ländlichen Umfeldes wirkt sie stark.


Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Rotation

























Regie: Wolfgang Staudte

Immer im Kreise drehen...

Unter "Rotation" versteht man das immer wiederkehrende Kreisen um immer dieselbe Achse. So dreht sich auch die Druckwalze eines Zeitungsbetriebs vorwärts, dabei dreht sie sich aber ständig im Kreis. "Rotation" heißt auch der 1949 realisierte DEFA Film von Wolfgang Staudte mit dem der Filmemacher auch die ewige Wiederkehr geschichtlicher Ereignsise meint. Er stellt sich auch die Fage, inwieweit es Möglichkeiten gibt, dass nicht die gleichen Fehler wiederholt werden.  "Rotation" ist gleichzeitig auch der 2. Teil eines Quartetts von Wolfgang Staudte Filmen, die sich mit dem deutschen Bewusstsein auseinandersetzt.  Während er in "Der Untertan" den alten Preußengeist und des Deutschen Liebe zur Obrigkeit darstellt, haben die drei anderen Filme die Vergangenheitsbewältigung nach dem 3. Reich im Nachkriegsdeutschland zum Thema. "Die Mörder sind unter uns" kann man dabei als einen Trümmerfilm mit Noir Elementen ansehen, der 1959 gedrehte "Rosen für den Staatsanwalt" zeigt mit Martin Held als einen Richter, der als guter, wohlsituierter und einflussreicher Bürger seinen alten Beruf auch in der BRD ausübt und seine Nazivergangenheit aus gutem Grund versteckt. "Rotation" konfrontiert uns mit der widersprüchlichen Psychologie des unpolitischen Normalbürgers und Mitläufers.
Dabei wird auch deutlich, dass in diesen politisch schwierigen Zeiten der einzelne Mensch - trotz des Vorsatzes immer unpolitisch bleiben zu wollen - gerade durch den unpolitische Willen ein markantes politisches Statement abgibt.
Hans Behncke (Paul Esser) sitzt im Gefängnis. In der ersten Einstellung des Films blickt er auf die Wand der Zelle. Er starrt er auf die Kritzeleien, wer wann hier war und wer an welchem Tag hier hingerichtet wurde. Vielleicht fragt er sich in diesem Moment auch nach seiner eigenen Schuld. Die Tragik der Geschichte ist auch die Zerstörung der Familie. Denn sein eigener Sohn Hellmuth (Karl Heinz Deickert), der zum begeisterten Anhänger der Hilterjugend wurde, hat ihn verraten. Eine Rückblende - dargestellt in einem schnellen, fragmentarischen Zeitraffer führt den Zuschauer zurück ins Jahr 1929 und rollt die Ereignisse der letzten 16 Jahren noch einmal auf.
Im Berlin des Jahres 1929 ist die Weltwirtschaftskrise deutlich spürbar. Es herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit. Auch der gelernte Schlosser Hans Behnke findet keine Arbeit mehr. Gerade jetzt als seine Frau Lotte (Irene Korb) schwanger ist. Die finanzielle Notlage spitzt sich zunehmend zu. Hans selbst nimmt zwar mal kurzzeitig an einer Demonstration der KPD teil, ist aber ansonsten ein völlig unpolitischer Mensch. In dieser Zeit hat er das Gefühl, dass ihm ein politisches Engagement nichts bringt, egal ob in einer rechten oder in einer linken Partei. Dennoch profitiert er 1933 von Hitlers Machtübernahme und findet eine Stelle in einer Druckerei.
Irgendwann im Krieg stellt er auf die Bitte seines Schwagers Kurt (Reinhold Bernt) hin eine Druckerpresse für den Nazigegner zur Verfügung, auf der antifaschistische Flugblätter gedruckt werden. Aus lauter Dummheit nimmt er einige Exemplare mit nach Hause und versteckt sie in einem Lexikon. Sein Sohn Hellmuth, inzwischen zum fanatischen Hitlerjungen geworden, ist geschockt, als er die Schmähschriften gegen den geliebten Führer findet. Er zieht seinen von ihm bewunderten HJ-Führer Udo Schulze (Werner Peters) ins Vertrauen. Behnke wird sofort von der Gestapo verhaftet, gefoltert und ins Gefängnis Moabit überführt. Am Ende entgeht er dort nur knapp einer Massenerschießung durch die SS. Die Gefangenen werden von russischen Truppen in letzter Sekunde gerettet. Der Krieg geht zu Ende, die Wohnung igst fast zerstört, Lotte ist bei den Luftangriffen ums Leben gekommen. Immerhin steht eines Tages sein Sohn vor der Tür, voller Schuldgefühle....


 Das Ende ist etwas enttäuschend, da die Läuterung des Sohnes sehr schnell kommt und nicht so ganz - nur aufgrund der Feigheit seines Nazi-Vorbildes beim Umsturz - nachzuvollziehen ist. Da hätte man sich ein paar Szenen mehr gewünscht, die die Umkehr plausibler machen. Ansonsten gefällt die realistische und unaufdringliche Schilderung eines ganz normalen Mannes in einer bösen Zeit. Wie viele wählte er den Weg des Mitläufers, der als unpolitischer Kleinbürger durch sein Schweigen den Terror stillschweigend mittrug. Inzwischen gehört auch "Rotation" für viele Filmkritiker zu den wichtigsten deutschen Filmen aller Zeiten. Staudtes Suche einige tiefere Ursachen des riesigen Erfolgs für den Faschismus in Deutschland ist auch durch die guten Darstellerleistungen, allen voran Paul Essen, gut gelungen.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Nasser Asphalt

























Regie: Frank Wisbar

Die Bunkermenschen von Gdingen...

Der junge Journalist Greg Bachmann (Horst Buchholz) ist extrem ehrgeizig und will den großen Erfolg als Reporter. Doch diese Ambitionen haben ihn erst mal für einige Zeit in den Knast gebracht. Er hatte sich illegal in das Kriegsverbrechergefängnis geschmuggelt und wollte so Interviews mit den einsitzenden NS-Kriegsverbrechern führen. 6 Monate Knast lautete das Urteil, aber nach der Hälfte der Strafe kommt er frei. Als er die Tore des Gefängnisses verlässt und noch etwas ziellos durch die Straßen läuft, hält ein Wagen an. Der Chauffeur (Gert Fröbe) des Autos bittet ihn einzusteigen. Er erfährt, dass er seine vorzeitige Entlassung dem bekannten und populären Starreporter Cesar Boyd (Martin Held) zu verdanken hat. Boyd ist mächtig an Bachmann interessiert und will ihn unbedingt als Mitarbeiter für sich gewinnen. Greg nimmt die Stelle als Berichterstatter an. Schließlich bewundert der junge Mann schon lange Boyds Arbeit und möchte unbedingt beruflich von ihm lernen. Boyd ist bekannt dafür, dass er ganz spektakuläre Geschichten als Erster veröffentlicht. So findet jetzt auch Gregs Kriegsverbrecher Geschichte ihren Platz in der Zeitung und der Chef lässt seinen Mitarbeiter exklusiv über internationale Ereignisse berichten. Einen kleinen Schönheitsfehler hat die Arbeit bei Boyd: Gregs Artikel laufen immer unter dem Namen Boyd. Ganz groß sind Greg und Boyds auflagensteigernde Artikel für eine Pariser Zeitung, die für ihre Wochenendausgabe immer einen reißerischen Artikel zugesichert bekommt. Als Boyd Besuch von seinem Mündel Bettina (Maria Perschy) bekommt, ist nicht nur Greg von dem jungen Gast sehr angetan. Auch beim älteren Boyd erwachen Frühlingsgefühle. So vergessen die beiden doch glatt einen geeigneten Artikel für die Franzosen zu schreiben. In letzter Sekunde hat aber Boyd doch noch was passendes. Etwas - was sogar einschläft wie eine Bombe. Man habe in polnischen Gdingen einen Bunker der deutschen Wehrmacht entdeckt und dabei zwei Soldaten entdeckt, die in diesem Bunker die letzten 6 Jahre überlebt hätten. Einer von ihnen sei sofort an einem Schock gestorben, als man sie entdeckte - der andere hätte blind überlebt und sei inzwischen in einem Krankenhaus. Die Nachricht geht an die Pariser Zeitung und wird - wie von Greg vorausgesagt - zur echten Sensation. Sogar die US-Presse berichtet über die "Bunkertragödie von Gndingen" und beauftragt ihren Korrespondenten (Peter Capell) in Warschau mit den Nachforschungen. Was keiner weiß: Die Geschichte ist eine "Ente" und wurde von Boyd erfunden. Auch der US-Reporter hat so seine Zweifel an der Echtheit der Story, doch als ihm eine Reiseerlaubnis zum Bunker in Gdingen von den polnischen Behörder nicht erteilt wird, will er der Sache auf den Grund gehen. Er beobachtet dabei vor Ort ein Aufgebot russischer Soldaten, einer seiner Kollegen wird vor Ort vom russischen Militär verhaftet und abgeführt. Nun zweifelt auch er nicht mehr an der Echtheit der Story. Dabei hatten die Sowjets einen ganz anderen Grund für ihre Präsenz in der Nähe dieses Bunkers. Heimlich werden dort Raketentests durchgeführt, was natürlich keiner wissen darf, was da in diesem Sperrgebiet abläuft. So bekommt die erfundene Geschichte immer mehr Wahrheitsgehalt. Auch kommen schon die ersten Angehörigen von vermissten Wehrmachtssoldaten, die vermuten, dass der Blinde (den es gar nicht gibt) exakt das vermisste Familienmitglied sein muss...

Zwischen 1957 und 1959 drehte Regisseur Frank Wisbar fünf recht empfehlenswerte Filme, von denen sich vier ganz stark mit dem Themenkreis "Zweiter Weltkrieg" und der damit verbundenen Vergangenheitsbewältigung befassen. Auch wenn "Nasser Asphalt" dabei aus dem Rahmen fällt - die erfundene Zeitungsgeschichte ist ebenfalls ein Schicksal aus der Kriegszeit. Somit schließt sich dann der Kreis. Das Drehbuch schrieb Will Tremper, der später als Regisseur Erfolge hatte. Die Musik von Hans Martin Majewski wurde mit dem Filmband in Silber ausgezeichnet, ebenso erhielt der engagierte Journalisten-Film das Prädikat "Wertvoll".
Wisbar hat sein Thema "Manipulation durch die Zeitung" sehr gut und unaufgeregt herausgearbeitet. Vielleicht fehlt am Ende der letzte Biss, aber diese filmische Kritik am Sensationsjournalismus ist für die Zeit ihrer Entstehung schon sehr lobenswert. Stark auch die beiden schauspielerischen Leistungen von Horst Buchholz und Martin Held, der mit kühler Intelligenz und fieser Rafinesse alle Register als skrupelloser Zeitungsmensch zieht, um die Schuld von sich abzuwenden. Dabei scheut er sich auch nicht einen Anderen zu verleumden, um den Hals aus der Schlinge zu ziehen. In kleineren Nebenrollen sind Inge Meysel und Heinz Reincke zu sehen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Samstag, 14. November 2015

Santiago, der Verdammte

























Regie: Edgar G. Ulmer

Auf der Suche nach einem besseren Leben...

Edgar G. Ulmer stammt aus Wien und wurde mit 16 Jahren Bühnenbildner von Max Reinhardt. Als Regisseur war er bekannt dafür, dass er mit niedrigstem Budget das Beste herausholen konnte. Diese Wertschätzung kam aber erst in den späten 50er Jahren zustande, weil der Filmemacher von den Machern der französisischen Filmzeitschrift Les Cahiers du Cinema entdeckt wurde. Auch Francois Truffaut zählt zu seinen Bewunderern und gab Ulmers Mexico-Western "Santiago - Der Verdammte" als Inspirationsquelle für seinen berühmten Klassiker "Jules und Jim" an. Dabei trat Ulmer zuerst mal als Szenenbildner im deutschen Film der 20er Jahre in Erscheinung. Seine Arbeiten für "Der Golem", "Die Nibelungen", "Metropolis" oder "Menschen am Sonntag" sind grandios. Danach arbeitete er auch im selben Bereich für Murnaus Filme "Tabu" oder "Sunrise" in Hollywood. Mit "Die schwarze Katze" nach Edgar Allen Poe versuchte er sich als Regisseur. Der Film wurde ein Klassiker des Horrorgenres. Auch der Film Noir "Umleitung" wird heute immens wertgeschätzt. Zur Zeit ihrer Entstehung wurden seine Regiearbeiten von der US-amerikanischen Filmkritik weitestgehend ignoriert. "Santiago - Der Verdammte" ist vielleicht der bekannteste unten den vielen B-Pictures, die er in den US gedreht hat. Eine naive und sentimentale Geschichte, die von echten Gefühlen beherrscht wird, wie ein Filmkritiker einmal über das Werk schrieb. Ulmer selbst baute seinen ungewöhnlichen Western als Art Mysterienspiel auf. Der Filmemacher gab an, dass er sehr beinflusst war vom Theater des Mittelalters, von den damaligen Schwänken und Mysterienspielen, in denen die Moral einen sehr großen Stellenwert hatte. Während bei John Ford der Mann im schwarzen Hemd das Böse repräsentiert und der Held im weißen Hemd daherkommt, strebte Ulmer immer die Vermischung an.
Zur Handlung: Es war einmal in Mexiko. Die Revolution ist vorüber. Zwei Bauern, Santiago (Arthur Kennedy) und Vicente (Tony Martinez) sind durch die Kämpfe zu entwurzelten Outlaws geworden. In Matamoros versuchen sie am Bahnhof einen Waggon aufzubrechen und wertvollen Armbanduhren zu stehlen. Doch der Bahnvorsteher (Francis McDonald) entdeckt die Räuber und schießt auf sie. Dabei wird Vicente getroffen und schwer verwundet. Es gelingt den beiden zwar noch die Flucht in die Berge, doch der Verletzte stirbt in den Armen seines Freundes Santiago, der Vicente mit den letzten Worten die Angst vor der Strafe Gottes nimmt und ihm den Himmel nahe bringt, den er auf der Erde niemals hatte. Er reitet am Morgen weiter und findet Zuflicht bei einem jungen Ehepaar. Manuel Lopez (Eugene Iglesias), gerade mal 20 Jahre ist mit der hübschen Maria (Betta St. John) verheiratet, die er aber nicht sonderlich gut behandelt. Für Santiago bedeutet die junge Frau aber mehr. Mit ihr an seiner Seite könnte er nochmals den Mut aufbringen, seinem Leben einen Halt zu geben. Er überredet Manuel, der ein Auto hat, ihn in die Stadt zu begleiten. Dort versucht er beim Hehler Guntz (Roy Engel) die Uhren zu verhökern. Doch dieser spielt falsch, die Situation eskaliert und am Ende hat Santiago den Tresor ausgeraubt. Santiago und Manuel fahren zurück. Doch das geraubte Geld zeigt auch die dunklen Seiten von Manuel auf, der nicht verstehen kann, dass Santiago die Beute einfach so zum Fenster rauswerfen will und eben nicht als Startkapital für eine bessere Existenz nutzen wird. So kommt es - auch wegen Maria - zum Schlagabtausch beider Männer. Und der beraubte Guntz ist auch noch nicht aus dem Rennen...


 Einziges Manko des sehr schönen Films ist die etwas unglückliche deutsche Synchronisation, die zu einer Zeit entstand als man glaubte, dass Mexikaner oder Indianer immer gebrochen "deutsch" sprechen musste. Möglicherweise liebte der damalige kinobesucher diese Pseudoauthentizität. Heute hört sich das etwas nervig an. Aber dies ist auch schon der einzige Kritikpunkt. Ansonsten ist er Film sehr rührend und subtil inszeniert. Er zeigt sanfte poetische Momente, die er aber übergangslos in verrückter Gewalt gleiten lässt. Als Western selbst wirkt er etwas bizarr, denn er bürstet gewisse Mythen des Wilden Westens schon gegen den Strich. Für Truffaut schimmerte sogar viel von den Arbeiten Jean Renoirs oder Max Ophüls durch. Ulmer legte den Film als flüchtige Menage-a-trois an, in der sich die Kräfteverhältnisse unablässig verlagern. Am Ende steht sowohl der Tod als auch ein neues und hoffentlich besseres Leben.

Bewertung. 8 von 10 Punkten. 

Cheyenne




Regie: John Ford

Die aussichtslose Reise nach Hause...

John Fords letzter Western "Cheyenne" ist sicherlich sein indianerfreundlichster Western. Dennoch kommt der epische und bildgewaltige Film nicht ganz an Fords Meisterwerke in diesem Genre wie "Der schwarze Falke", "Der Mann, der Liberty Valance erschoß", "Ringo" oder "Bis zum letzten Mann" heran. Dennoch ist auch diese selbstkritische Reflektion mit den Native Americans beachtlich. Während Ford in seinen früheren Filmen den Indianer immer als stolzen Krieger präsentierte, hat sich in dem 1964 entstandenen Spätwerk die Rolle vom Täter zum Opfer gewandelt. Er zeigt schonungslos das Leiden der Ureinwohner, sie wurden nach dem unterlegenen Kampf vertrieben, in den ihnen zugewiesenen Reservaten herrscht Armut und Hunger. Der systematische Völkermord nimmt seinen Lauf. Und Ford weist auch am Anfang bitter darauf hin, dass die hier gezeigten Ereignisse lediglich als kleine, wenig bedeutende Fußnote in den amerikanischen Geschichtsbüchern auftaucht.
Im Jahr 1878 leben die Cheyenne in einem sehr unwirtlichen Reservat im "Indian Territory" in Oklahoma. Die Zwangsumsiedlung hat verursacht, dass von vielen 1000 Menschen nur noch 286 Überlebende existieren. Der Winter steht bevor und in dieser kargen Gegend bedeutet dies wieder für viele den sicheren Tod. So beschließt der Rest des erschöpften Stammes in ihre Heimat Yellowstone, in Montana zu den ehemaligen Jagdrevieren zurückzukehren. Unter der Führung der beiden Häuptlinge Dull Knife (Gilbert Roland) und Little Wolf (Ricardo Montalban) soll der anstrengende 1.500 Meilen Marsch gelingen. Begleitet wird die Gruppe von der engagierten Quäkerin Deborah Wright (Carroll Baker), die noch vor kurzem als Lehrerin im Fort die indianischen Kindern unterrichtet hatte. Der sehr vernünftige Captain Archer (Richard Widmark) von der US-Kavallerie hat die undankbare Aufgabe die Indianer aufzuhalten und wieder ins Reservat zurückzubringen. Dabei gibt es sowohl bei den Indianern als auch bei den Soldaten hitzköpfige Menschen. Der junge Krieger Red Shirt (Sal Mineo) will seine Waffe sprechen lassen, auch Lieutenant Scott (Patrick Wayne), dessen Vater von den Indianern getötet wurde, erhofft sich den Schlagabtausch mittels Waffengewalt. Archer erkennt die unmenschliche Aktion und versucht den US-Innenminister Carl Schurz (Edward G. Robinson) dazu zu bewegen sich für die Cheyenne einzusetzen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, da die Presse von arglistigen und bösartigen Rothäuten berichtet und so weiterhin das Feindbild schürt. Auf dem Weg in die Heimat trennt sich aufgrund des großen Hungers der Stamm. Ein Teil sucht Hilfe im Fort. Dort verschlechtert sich die Lage der Cheyenne drastisch, da der befehlshabende Captain Wessels (Karl Malden) ganz stur darauf beharrt Befehle zu befolgen...



 Der Film hat eine Laufzeit von 151 Minuten. In der Mitte des Films fügt Ford eine vergnügliche Sequenz, die in "Dodge City" spielt und mit den Gaststars James Stewart als Wyatt Earp, Arthur Kennedy als Doc Holliday und John Carradine als Richter Blair der tragischen Geschichte eine Art "Break" aufzwingt. Diese Szene spielt im Saloon und zeigt die drei Männer beim Pokern. Der Rest der Stadt ist völlig aus dem Häuschen, weil die Soldaten abziehen und man befürchtet, dass die Rothäuse auf Kriegspfad die Stadt angreifen könnten. Vier Siedler sprachen auch, dass sie von Rothäuten angegriffen wurden. Dabei weiß es der Zuschauer besser, denn diese vier Männer begegneten zwei Indianern, die die weißen Männer freundlich begrüßten und auf ihre leeren Mägen aufmerksam machten. Einer der Siedler nahm die Pistole und knallte einen der Cheyenne einfach ab. Der zweite floh. Auch wenn Wyatt die Angaben dieser Männer durchschaute, es gehört zum Tenor des Films, dass aus dem Mord keine Konsequenz erfolgt. Tatsächlich gibt es keine Hoffnung für ein sterbendes Volk.
Die Kameraarbeit von William H. Clothier ist dabei so gut, dass sie für einen Oscar nominiert wurde. Diese Leistung rückt den Film auch in die Kategorie eines bildgewaltigen Epos. Auch bei den Golden Globe Nominees des Jahres 1964 erfuhr "Cheyenne" eine Würdigung. Nebendarsteller Gilbert Roland ging als Bester Nebendarsteller ins Rennen, er unterlag allerdings Edmund O´Brien für John Frankenheimers "Seven Days in May".




Bewertung: 8 von 10 Punkten.