Freitag, 11. Dezember 2015

Draußen wartet der Tod

























Regie: Anthony Mann

Der Mann aus den Bergen...

Als Regisseur drehte Anthony Mann in den frühen 40er Jahren zunächst B-Pictures, darunter auch einige inzwischen sehr anerkannte Film Noir Beiträge wie "Geheimagent T", "'Flucht ohne Ausweg", "Schritte in der Nacht" oder der ungewöhnlich düstere Historien-Noir "Der Dämon von Paris". Seine große Zeit kam 1950 als er mit "Winchester 73" seinen ersten Western mit James Stewart realisierte. Die Zusammenarbeit von Mann mit seinem Hauptdarsteller dauerte lange Jahre an und brachte Westernklassiker wie "Meuterei am Schlangenfluß", "Über dem Todespass", "Der Mann von Laramie" oder "Nackte Gewalt" hervor. Mit "Fluch des Blutes", "Der Mann aus dem Western" oder "Stern des Gesetzes" schuf er weitere klassische Genrearbeiten, die seinen Ruf als einer der besten Westernregisseure nur noch bestätigten.
Im gleichen Jahr wie "Der Mann von Laramie" inszenierte Mann den eher unbekannten "Draußen wartet der Tod" (Original: The Last Frontier) mit Victor Mature als wenig zivilisierter Trapper Jed Cooper.
Darin erzählt Anthony Mann einmal mehr von der grenzenlosen Dummheit und Selbstüberschätzung eitler Offiziere der amerikanischen Armee.
Der in Technicolor und Cinema Scope gedrehte opulente Film entstand nach einem Drehbuch von Philyp Jordan und Russell S. Hughes. Besonders Jordans Drehbücher waren bekannt dafür, dass sie sehr viel Kritik am Krieg, an der Zivilisation und am amerikanischen Traum enthielten, was in "Draußen wartet der Tod" deutlich sichtbar wird, auch wenn der mit der Amee versöhnliche Schluß fast schon so wirkt als wären die Macher vom Studio dazu genötigt worden.
Erzählt wird die Geschichte von den Waldläufern und Trappern Jed Cooper (Victor Mature), Gus (James Whitmore) und Mungo (Pat Hogan), die schon lange in der Wildnis leben. Mit den Indianern hatten sie bisher keine großen Probleme. Dies ändert sich schlagartig, als die US-Armee mitten im Gebiet der Indinaer ein Fort gebaut haben. Dort in Fort Shallan hat während der Abwesenheit von Colonel Frank Marston (Robert Preston) der junge Captain Riordan (Guy Madison) das Sagen. Da Riordan sehr gut einige mutige Männer brauchen kann, die sich im Indianergebiet gut auskennen, rekrutiert er die drei Männer als Kundschafter. Der ungehobelte und vorlaute Jed ist dabei sehr neugierig auf das Leben als Soldat. Ausserdem verguckt er sich spontan in Corinna Marston (Anne Bancroft), die unglücklich verheiratete Frau des Captains. Dieser wird von Jed gerettet, doch im Fort selbst erweist sich der Vorgesetzte schnell als der absolute Tyrann. Er hat sich auch in der Vergangenheit bei der Schlacht bei Shiloh einen denkwürdigen Ruf geschaffen. Aufgrund seines risikoreichen Befehls wurden mehr als 1.000 seiner Männer unnötig abgeschlachtet. Und natürlich lernt der unbelehrbare Marston nichts aus seinem Fehler. Im Gegenteil. Mit einem Großangriff gegen die Indianer unter der Führung von Roter Wolke will er seinen ehemals guten Ruf wiederherstellen...



 Zwar fehlt James Stewart - dennoch ist "Draußen wartet der Tod" ein äusserst spannender Western. Mann stellt dieser grenzenlosen Freiheit der Trapper in der freien Natur die begrenzte Festung der Soldaten gegenüber. Victor Mature, der zwar manchmal zum Overacting neigt, ist dennoch die ideale Besetzung für den naiven, etwas törichten Mann der Berge, der überhaupt keine Bildung hat. Er hat aber das Herz auf dem rechten Fleck und muss schmerzhaft lernen, dass die Zugehörigkeit zur Armee auch den Verzicht der Freiheit bedeuten kann und auch die Unterwerfung an sonderbare Regeln.
Sehr gut besetzt ist auch die Rolle des Colonels durch Robert Preston, der als Seelenverwandter von Lieutenatn Colonel Owen Thursday in John Fords "Fort Apache" agiert. Immer wieder tauchten diese Männer auf mit ihren katastrophalen Befehlen. Sie befehlen im Geist von General Custer und sind Tradition in den Western, von "Raoul Walshs "Sein letztes Kommando" bis hin zu Sam Peckinpahs "Sierra Charriba".
Zwei tolle Szenen sollten nicht unerwähnt bleiben. Am Anfang streifen die drei Trapper durch die Wildnis, der Zuschauer bemerkt noch vor den Männern, dass diese langsam von allen Seiten von den Indianern eingekreist werden.
Auch eine Kampfszene ist spektakulär. Jed klettert auf einen Baum und wird von der Kamera vertikal verfolgt, bis die versteckten Indianer im Vordergrund auftauchen und nur warten bis sie die Kavallerie angreifen können. Einer der Krieger spannt seinen Bogen und will den Vorreiter Gus damit töten, die Kamera geht auf Cooper zurück, der zielgenau mit seinem Gewehr den Tod des Freundes verhindert, indem er den Indianer anvisiert.
Fast nicht zu erkennen ist Anne Bancroft - mit blondem Haar.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.


Mittwoch, 9. Dezember 2015

Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt ?


























Regie:  Slatan Dudow

Berlin zur Zeit der Wirtschaftskrise...

"Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt ?" aus dem Jahr 1932 entstand somit in der Endphase der Weimarer Republik und basiert auf dem Drehbuch von Bertold Brecht und Ernst Ottwald. Regie führte Slatan Dudow. Er zählt neben Phil Jutzis "Mutter Krausens Fahrt ins Glück" zu den wenigen proletarischen Spielfilmen aus dieser Zeit. Er war damit ein krasses Gegengewicht zu der Stimmung, die die populären Unterhaltungsfilme jener Zeit wie "Die Drei von der Tankstelle" oder "Der Kongreß tanzt" boten.
Bereits kurz nach seinem Erscheinen 1932 wurde die Aufführung des Films sowohl von der Berliner Filmprüfstelle als auch von der Film-Oberprüfstelle verboten, weil so das Argument "dieser Spielfilm nach seinem Gesamteindruck und seiner Gesamtwirkung bei der notwendigen besonderen Berücksichtigung der gegenwärtigen Zeitumstände geeignet ist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung und lebenswichtige Interessen des Staates zu gefährden". Begründet wurde das Verbot ausserdem damit, dass das Schicksal der Familie Bönike nicht als Einzelschicksal dargestellt wird, sondern man dem Zuschauer suggeriert, als sei alles typisch für die gegenwärtige Lage im Land. Man fürchtete eine Beseitigung der demokratischen Staatsordnung - hin zu der kommunistischen Weltrevolution.
Tatsächlich waren die Zeiten aber so problematisch, dass der Faschismus nur wenig später an die Macht kam. Der Film zeigt die damaligen Zeitungsausschnitte, dort auf den Titelseiten werden immer mehr Arbeitslose gezählt. Irgendwann wuchs die Zahl von 2 auf 5 Millionen sprunghaft an. Die Weltwirtschaftskrise ist präsent.
Tatsächlich ist der Film am besten dort, wo er einer dokumentarischen Chronik am nächsten kommt, etwa in einer klasse inszenierten Einleitungsszene der Arbeitslose mit ihren Fahrrädern bei der vergeblichen Arbeitssuche zeigt. Auch die nüchternen Szenen in der Arbeiterfamilie Bönike beeindrucken sehr. Denn der junge Kurt (Adolf Fischer) begeht aufgrund seiner aussichtslosen Lage Selbstmord in der Wohnung seiner Eltern (Lili Schönborn/Max Sablotzki), nachdem der Vater ihn am Tisch einmal mehr als arbeitsunwillig darstellte.
Er stürzt sich aus dem Fenster. Alles wird sehr nüchtern aufgenommen, lediglich die Neugier der Schaulustigen durchbricht die Trägheit. Von der Familie hat nur die junge Anni (Hertha Thiele) eine Arbeit und somit einen Verdienst. Doch damit kann die Familie die Miete nicht mehr aufbringen und wird kurzerhand aus der Wohnung geworfen. Annis Freund Fritz (Ernst Busch) besorgt der verzweifelten Familie eine sehr unkonventionelle Unterkunft in der Laubenkolonie "Kuhle Wampe" am Müggelsee. Dort soll es solidarischer zugehen. Doch auch hier läuft nicht alles problemfrei. Als Anni Fritz mitteilt, dass sie ein Kind erwartet, will er nicht zu seiner Verantwortung stehen und will am liebsten die Abtreibung. Es kommt aber doch zur Verlobung. Diese endet mit einem Besäufniß und auch damit, dass Anni Fritz verlässt und zu ihrer Freundin Gerda (Marta Wolter) zieht. Erst an einem Arbeitersportfest treffen sie sich wieder und versöhnen sich. Am Ende wird das "Solidaritätslied" angestimmt und die jungen Kommunisten fahren mit der S-Bahn heim. Dort streiten sich diese Arbeiter mit bürgerlichen und wohlhabenden Fahrgästen über die politische Lage in der Wirtschaftskrise....


 Dem Film merkt man etwas an, dass an ihm ein Mann des Theaters maßgeblich mitgewirkt hat. Bertold Brecht hat die Idee des epischen Theaters propagiert und so unterbrach und ergänzte der den Handlungsrahmen durch Songs, die kommentieren sollen. Als sich Annie und Fritz näherkommen geschieht dies in der schönen freien Natur und dazu hört der Zuschauer den Song "Das Spiel der Geschlechter erneuert sich". Im Finale des Songs hört man einmal mehr den "Solidaritätssong".
Diese Endphase des Films ist nicht mehr so gut geglückt wie der Anfang und der Mittelteil. Hier wird m.E. zu viel Propaganda vermittelt und bei dem Sportfest werden die jungen Kommunisten so gezeigt, wie einige Jahre später die "Hitlerjugend" in den NS-Filmen.
Dennoch ist "Kuhle Wampe" ein ausserordentlich wichtiger deutscher Film und vor allem ein wertvolles und ungewöhnliches Zeitdokuemnt aus jeder Zeit. In vielen Sequenzen wird die damalige Realität deutlich.
Nach Hitlers Machtübernahme wurde der Film am 26. März 1933 erneut verboten. Auf dem Zeltplatz kam es zu Terroraktionen, die Arbeitersportvereine wurden verboten, und 1935 wurde der Zeltplatz „Kuhle Wampe“ aufgelöst.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Das Geheimnis der fünf Gräber

























Regie: John Sturges

Auf der Suche nach dem Vater...

Regisseur John Sturges ist für viele tolle Westernklassiker verantwortlich. Sein bekanntester Western dürfte auf jeden Fall "Die glorreichen Sieben" sein. Sehr populär sind auch "Der letzte Zug von Gun Hill" oder "Zwei reichnen ab". Ab den frühen 50er Jahren begründete er seinen guten Ruf im Genre mit Werken wie  "Verrat in Fort Bravo" oder "Der Schatz des Gehenkten". 1956 realisierte er mit Hauptdarsteller Richard Widmark einen weiteren ungewöhnlichen Western: "Das Geheimnis der fünf Gräber". Dieser Film ist ein eher ungewöhnlicher Western, denn er wartet mit psychologischer Tiefe auf. Die Suche des Helden ist zwar kein ungewöhnliches Motiv des Genres, aber Jim Slaters Suche nach dem Mörder seines Vaters erweist sich als Trip zu seinen familären Wurzeln. Die ersten 10 Minuten gestaltet Sturges sehr ruhig und die Atmosphäre nimmt fast schon ein bisschen den Italo Western vorweg, so weitscheifend ist diese Auftakt Szene in den Bergen von Arizona konzipiert. Ein Reiter ist zu sehen, er wird von einem Mann auf dem Berg beobachtet, der sein Gewehr in die Hand nimmt. Der Reiter entpuppt sich als schöne Lady. Karyl Orton (Donna Reed) steigt ab und trifft dort bei einer Hausruine auf einen weiteren Mann. Es ist Jim Slater (Richard Widmark), der dort gerade versucht ein Grab zu öffnen. Als er auf die Bitte der Frau zu deren Pferd läuft, wird er von oben beschossen. Hat ihn die Fremde in eine Falle gelockt ? Er erledigt den Schützen, wird aber nun etwas vorsichtig und misstrauisch sein, obwohl ihm Karyl sehr gut gefällt. Bei der Untersuchung des Toten entdeckt er den Stern des Deputys. Er bringt den Leichnam zurück nach Silver City und wird informiert, dass der Tote zwei schießwütige Brüder (Robert J. Wilke/Harry Morgan) hat. Der Sheriff fordert ihn auf die Gegend zu verlassen. Aber das kann Jim nicht. Denn er will nach Jahren Antworten auf seine Fragen. Besagtes Grab ist eines von fünf im Tal. Diese 5 Männer fielen alle einem Indianerangriff zum Opfer. Der 6. Mann entkam angeblich mit 60.000 Dollar in Gold. Diesen Mann muss Jim unbedingt finden. Denn er geht davon aus, dass dieser Bösewicht seinen Vater an die Indianer ausgeliefert hat. Er vermutet seinen toten Vater in einem dieser Gräber. Auch Karyl vermisst ihren Mann und auch er könnte unter den Toten sein. In der nächsten Zeit versucht Jim Informationen herauszubekommen, es können drei der Männer identifiziert werden. Weiterhin unklar ist der Verbleib von Jims Vater und Karyns Ehemann. Immer wird die Suche zu einer Odyssee. Und die beiden werden auch noch in den Krieg der verfeindete Rancher Major Carson (Roy Roberts) und Jim Bonniwell (John McIntire) hineingezogen..



Als ungezügelter Revolverheld wird Richard Widmark noch mit dem jungen William Campbell konfrontiert, der den Johnny Cool spielt. Die Geschichte war so effektiv, dass sie später in vielen anderen Western wieder auftaucht - diese Suche des Sohnes, der sich gewzungen sieht seinen Vater oder eine Vater-Figur zu töten. "Das Geheimnis der 5 Gräber" darf für sich aber in Anspruch nehmen einer der ersten und besten dieser Ödipus Western zu sein. Das Drehbuch ist ausgezeichnet gestaltet. Borden Chase hat es geschrieben. Er hat auch drei Meisterwerke von Anthony Mann verfasst: "Winchester 73", "Meuterei am Schlangenfluß" und "Über den Todespass" gehen auf sein Konto. Richard Widmark in einer seiner besten Westernrollen, aber auch John McIntire als übler Bösewicht spielt einen tollen Part.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Als Vergeltung sieben Kugeln

























Regie: Andre de Toth

Zwischen zwei Feuern...

Oregon, kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg: Immer wieder kommt es trotz ausgehandeltem Friedensvertrag zu Problemen mit den Indianern. Die Konflikte werden vor allem durch die gierigen Goldsucher geschürt, die in den Jagdgründen der Sioux nach dem wertvollen Gold suchen. Immer wieder versuchen sie mit Whisky die Indianer zu bestechen, das Versteck in den Bergen zu verraten. Als der versierte Scout und Indianerjäger Johnny Hawks (Kirk Douglas) den Stamm besucht, wird er vom Grauen Wolf (Harry Landers), dem Bruder seines Freundes Häuptling Rote Wolke (Eduard Franz) nicht sehr freundlich begrüsst. Man mag in diesen Tagen die Bleichgesichter nicht. Hawsk bittet seinen Freund darum, dass ein Treck mit Siedlern das Indianergebiet überqueren darf, ohne dass es zum Kampf kommt. Ausserdem will er Rote Wolke mit dem Chef des Forts, Captain Trask (Walter Abel)I zusammenbringen. Der Empfang der zuerst frostig war, wird zunehmend harmonischer und Rote Wolke lädt Hawks ein, dass er im Lager der Indianer übernachten darf. Dort trifft Hawks auch auf die hübsche Indianerin Onathi (Elsa Martinelli), in die er sich sofort verliebt. In der Nacht kommt es zu einem Zwischenfall. Die beiden Siedler Wes Todd (Walther Matthau) und Chivington (Lon Chaney jr.) erschießen einen Indianer, als der ihnen verweigert Auskunft zu geben, wo der Goldschatz ist.  Der fiese Chivington kann fliehen, doch Todd wird gefangen genommen. Er soll sterben. Hawks setzt sich für ihn ein und kämpft um das Leben des Siedlers. Er gewinnt den Kampf gegen den Grauen Wolf und darf mit Todd zusammen das Dorf verlassen. Ein bedauerlicher Fehler, wie sich später herausstellen soll.
Zwar kommt es zum großen friedlichen Treffen mit den Indianern im Fort und auch zur Gewähr, dass der Treck das Land durchqueren darf. Doch Chivington und Todd sind immer noch scharf auf das Gold...




 Mit dem 1956 inszenierten Indianerwestern "Als Vergeltung sieben Kugeln" (Alternativtitel: Zwischen zwei Feuern/ Originaltitel: The Indian Fighter) ist Andre de Toth ein toller, farbenprächtiger Klassiker gelungen, der den Zuschauer fesseln und fasznieren kann. Die Bilder sind alle großartig, die Macher legten sehr viel Wert auf die optische Gestaltung. Am Ende steht eine berühmte Schlußszene des indianischen Angriffs aufs Fort. Alles wirkt auch heute noch sehr spektakulär und spannend durchdacht.
Als Farmersfrau spielt auch Diana Douglas mit, Kirks erste Frau und Mutter von Michael Douglas. Die Witwe könnte sich natürlich auch einen mutigen Johnny Hawks als Mann an ihrer Seite vorstellen, doch Kirk Douglas spielt einen Wanderer, der nirgends so richtig heimisch sein kann. Seine Heimat ist das weite Land, er vergleicht die wunderbare Natur mit einer Frau. Und auf die ist er natürlich eifersüchtig. Johnny Hawks ist ein Typ, der der Eroberung des Wilden Westens nichts abgewinnen kann. So versteht sich "Als Vergeltung sieben Kugeln" auch als großartige Hymne auf die unbändige Natur. Der Film bemüht sich aber gleichzeitig um eine ehrlich und realistische Schilderung der Indianer. Interessanterweise kommt die Erotik nicht zu kurz, was in den Western der 50er Jahre meistens eher versteckt abgehandelt wurde. Hier in Andre de Toths Film wäscht sich Elsa Martinlli nackt in eimem Weiher und der Zuschauer ist amüsiert über die voyeuristische Neigung von Kirk Douglas.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Montag, 7. Dezember 2015

Epilog - Das Geheimnis der Orplit



















Regie: Helmut Käutner

Sabotage auf hoher See...

Der Film "Epilog - Das Geheimnis der Orplid" ist ein in Vergessenheit geratener Nachkriegsfilm von Helmut Käutner,  der sich an Welterfolgen seiner Zeit wie "Der dritte Mann" oriientiert und sich im Grunde als ein lupenreiner Film Noir entpuppt.
Erzählt wird die Geschichte des Reporters Peter Zabel (Horst Caspar), der monatelang den Untergang der Luxusjacht Orplid recherchiert hatte, die sich auf der Fahrt von Hamburg nach Schottland befand. Im Vorspann des düsteren Fims wird auf Schrifttafeln auf andere rätselhafte Schiffsunglücke und Flugzeugabstürze in der letzten Zeit hingewiesen, die vielleicht einen politischen Hintergrund haben. Zabel hat dies alles zusammengetragen, da diese Zeitungsnotiz vom Untergang der Jacht vom 14. August 1949 ihn nicht mehr losließ. An Bord war eine Hochzeitsgesellschaft von Artisten, die sich auf einer Vergnügungsreise befanden.
Seine Ermittlungen sind brisant und selbst Chefredakteur Dr. Mannheim (O.E. Hasse) und Lektor Kurt E. Beckmann (Hans Leibelt) können den Ausführungen des Journalisten kaum glauben. Obwohl dieser mit der attraktiven Leata (Bettina Moissi) die einzige Überlebende der Schiffskatastrophe ausfindig machen konnte. An Bord war auch der dubiose Waffenhändler P.L. Hoopman (Fritz Kortner), der der Hochzeit seiner Geliebten Christiane Bruckmann (Irene von Meyendorff) mit Martin Jarzombeck (Hans Christian Blech) nicht nur wohlwollend beiwohnt, sondern diese auch iniziiert hatte. Ebenfalls mit dabei Hoopmanns Frau Eleanor (Hilde Hildebrand) und ihr deutlich jüngerer Liebhaber Klaus von Werth (Horst Hächler).
Im Laufe der Hochzeitsfeierlichkeiten wird immer mehr klar, dass Schiffssteward Stephan Lund (Peter van Eyck) in Wirklichkeit ein FBI Agent ist und der Pianist Aldo (Carl Raddatz) Mitglied einer Verbrecherbande ist, der an Bord eine Bombe platziert hat. Diese soll hochgehen, wenn mit Mr. Hill (Arno Paulsen) ein Waffenhändler, an Bord geht. Tatsächlich wird dieser Fahrgast miten auf hoher See, von einem schwedischen Frachter zugestiegen, übernommen.  Nun kann die Bombe hochgehen...


 Die Handung spielt sich in diesen letzten Stunden auf dem Schiff ab. Für eine deutsche Produktion dieser Zeit war die Handlung äusserst ungewöhnlich. Es geht um Verschwörungen, die sich im Halbdunkel und im Verborgenen spielen und gar nicht so leicht greifbar sind. Käutner deutet immer wieder an, er lässt aber einiges offen, was auch einen zusätzlichen Reiz ausmacht. Ein Happy-End ist in weiter Ferne, so wunderte es auch nicht, dass der düstere Schiffsthriller an der Kinokasse floppte.
Sehr klaustrophobisch gestaltet ist das Treiben auf der Jacht, als die Menschen merken, dass sie den Tod vor den Augen haben.
Mit ein Verdienst der grandiosen Kameraarbeit von Werner Kriens (Mädchen in Uniform, 1958). Auch die guten Darsteller heben den leider viel zu unbekannten Film deutlich über das Niveau des deutschen Unterhaltungsfilms jener Zeit.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Des Teufels General

























Regie: Helmut Käutner

General Harras...

Als Vorlage für Helmut Käutners berühmten Nachkriegsfilm "Des Teufels General" diente das gleichnamige Drama von Carl Zuckmayer, das er in der Zeit von 1943 bis 1945 im amerikanischen Exil verfasste. Die Figur des General Harras ist nach dem Flieger und Luftwaffengeneral Ernst Udet gestaltet, der 1941 offiziell bei der Erprobung eines neues Flugzeuges tödlich verunglückte. Die Wahrheit war aber anders: Udet erschoss sich selbst.
Mit dem Film und mit Harras ist aber auch vor allem der großartige Hauptdarsteller Curd Jürgens verbunden, der seine Rolle in größter Perfektion gestaltet und den ganzen Film mit seiner Präsenz fast im Alleingang trägt. Schade, dass diese großartige Leistung nicht mit dem Deutschen Filmpreis honoriert wurde. Verdient hätte es Curd Jürgens in seiner besten Rolle allemal. Aber immerhin konnte Jungdarstellerin Marianne Koch als Dorothea Geiss den Preis entgegennehmen.
Imposant auch die weiteren Darsteller. Sehr überzeugend ist für mich Viktor de Kowa als SS-Gruppenführer Schmidt Lausitz. Der legendäre schwarz-weiß Film beginnt als General Harras (Curd Jürgens) im Berliner "Ottos Restaurant" eine große Abendgesellschaft anlässlich des fünfzigsten Luftsieges seines Freundes Friedrich Eilers (Albert Lieven) gibt. Eilers ist Oberst und Führer eine Kampfstaffel. Harras arbeitet für die Nationalsozialisten, obwohl er mit den Standpunkten und Taten der Partei überhaupt nicht konform geht und dies auch öffentlich kuntut. Doch als General der Flieger ist er wertvoll für das Dritte Reich. SS-Gruppenführer Schmidt Lausitz (Viktor de Kowa) buhlt um Harras Gunst, er versucht ihn als Parteimitglied zu gewinnen. Im Laufe des Abends trifft er auch die Opernsängerin Olivia Geiss (Camilla Spira), eine ehemalige Geliebte,  die Harras um Hilfe bittet. Olivia ist in Begleitung ihrer Nichte Dorothea (Marianne Koch), in die sich Harras sofort verliebt. Ein befreundeter jüdischer Chirurg und dessen Ehefrau sollen außer Landes gebracht werden. Harras willigt ein. Noch in derselben Nacht wird Harras von seinem Freund Oderbruch (Karl John) gewarnt, denn dieser glaubt, dass Harras von der SS bald verhaftet würde. Grund dafür sind die Unfälle der Flieger, die sich durch Materialfehler immer mehr häufen. Harras als Verantwortlicher für den Flugzeugbau gerät dabei immer mehr unter Druck. Als Harras in seine Wohnung fährt, wird er tatsächlich von der Gestapo festgenommen und soll durch psychische Folter gefügig gemacht werden. Bald merkt Harras, dass Schmidt Lausitz hinter der Aktion steckt und mehr noch: Nach diesen 14 Tagen Haft ist Harras ein andere Mann....


 sehr gut hat Helmut Käutner die Bewusstseinmachen herausgearbeitet. Die Hauptfigur erkennt plötzlich seinen fatalen Pakt mit dem Teufel.
Einige Kritiker sahen die Rolle - vor allem in der Inszenierung als heldenhafter Charakter - eher überzeichnet. Das mag vielleicht für einige wenige Szenen sogar zutreffen, aber insgesamt präsentiert Curd Jürgens m.E. als charismatischer Egoist mit Herz eine begeisternde Vorstellung. Die Inszenierung ist durchweg düster - egal ob auf den opulenten Nazifesten, die von der Gestapo mitgehört werden, als auch in der Luft, als Harras mit seinem Freund Oderbruch gemeinsam in den Tod fliegen. Ein bisschen sieht man dem Film den Ursprung als Bühnenstück zwar an, aber sehr glaubwürdig vermittelt Käutner die Läuterung eines Mannes, der erkennt, dass er sich in fataler Weise an der Grausamkeit des Krieges mitschuldig gemacht hat und nun die zerstörerischen Konsequenzen zieht.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.