Sonntag, 22. Juli 2018

Lolita

























Regie: Stanley Kubrick

Verbotenes Begehren...

Es ist schon erstaunlich, dass es Stanley Kubrik im Jahr 1962 gelang einen so skandalösen Filmstoff wie "Lolita" an den Zensoren vorbeizuschleusen und für die Freigabe durchzuwinken. "Lolita" entstand nach Vladimir Nabokovs gleichnamigen Roman. Das Drehbuch verfasste der Schriftsteller selbst, Kubrick bestand aber darauf das Alter von Dolores Haze leicht anzuheben. So ist die 12jährige Roman-Lolita im Film bereits knapp 14 Jahre alt - es ist aber dennoch bemerkenswert, dass "Lolita" ohne die Grenzen der Zensur werkgetreu verfilmt und dem Publikum auch so präsentiert werden konnte.
Der Film beschreibt das Tabuthema der Parthenophilie, dieses sexuell erotische Interesse erwachsener Männer an pubertierenden Mädchen. Im Grunde die Unmöglichkeit der verbotenen pädophilen Liebesbeziehung.
Mit diesem anstößigen Begehren ist der Literaturwissenschaftler Humbert Humbert (James Mason) konfrontiert, der den Sommer in Ramsdale, New Hampshire verbringen möchte, bevor er seine in Beardsley, Ohio antreten wird. Auf seiner Suche nach einer geeigneten ruhigen Wohnung, besichtigt er auch das Haus der verwitweten Charlotte Haze (Shelley Winters), die sehr gerne im Leopardenkostüm herumläuft. Die Frau ist aufgeschlossen und kunstinteressiert und ist sofort daran interessiert, dass der attraktive Intellektuelle bei ihr einzieht. Doch der zögert noch...bis zu dem Zeitpunkt als Dolores ihm den Garten zeigt und ihre dort in der Sonne liegende frühreife Tochter Dolores (Sue Lyon). Damit entsteht spontan der Mietvertrag und jeden Tag ist Humbert von dem jungen Mädchen mehr fasziniert. Die Mutter deutet aber viel auf sich und verliebt sich in den neuen Mieter, der so zuvorkommend zu ihr ist und sich um ihre Kleine auch wie eine liebevoller Vater kümmert. Bei einer Party unterstützen John und Jean Farlow (Jerry Stovin, Diana Decker) die Ambitonen von Dolores wieder eine Partnerschaft einzugehen. Unter den Gästen ist auch der Lebenmann und Filmproduzent Clare Quilty (Peter Sellers) in Begleitung der Avantgarde-Künstlerin Vivian Darkbloom (Marianne Stone), die wie eine Kopie von Morticia Adams aussieht.
Humberts Augen sehen aber nur seine angebetete Lolita, die von ihrer Mutter spontan in einem Ferienlager untergebracht wird. Als Dolores ihm einen Heiratsantrag macht, willigt er schließlich ein - so kann er immerhin zukünftig als "Vater" nahe bei seinem Objekt der Begierde sein. Doch er macht einen verhängnisvollen Fehler, weil er über seine Gefühle und Gedanken Tagebuch führte. Dolores liest dies heimlich und kommt dahinter, dass sein Interesse nur der frühreifen Tochter gilt. Sie konfrontiert Humbert mit diesen Wahrheiten. Der hat zum ersten Mal Mordgedanken in sich, doch zur Ausführung kommt es nicht. Ein Unfall draußen vor der Haustür geschieht. Dolores in ihrer Verzweiflung rannte auf die straße und wird dort von einem Auto erfasst. Sie ist auf der Stelle tot. Nun liegt es am Humbert Lolita zu benachrichtigen. Doch er wartet damit ab und holt das Mädchen vom Ferienlager ab. Er informiert Lolita, dass die Mutter im Krankenhaus wäre und nimmt statdessen mit seinem Töchterchen irgendwo ein Hotelzimmer...



Der Film beginnt allerdings mit der Konfrontationsszene zwischen Humbert Humbert und seinem pädophilen Rivalen Clare Quilty, der von Lolita irgendwann im Laufe der Geschichte als "Genie" bezeichnet wird - und auch als den einzigen Mann, den sie je geliebt hatte. So ist der Beginn des Zusammenseins zwischen Vater Humbert und Lolita auch der Beginn des doppelten Bodens, indem der Mann sämtlichen Halt verliert und von dem Mädchen an der Nase herum geführt und ausgenutzt wird. Es wird der Beginn einer einseitigen Leidenschaft, die Lolita zu Nutzen weiß, und zu einer gemeinsamen zweijährigen Odyssee quer durch die USA führt. Natürlich auch begleitet vom Klatsch einiger Nachbarn, denn der Streit, den Vater und Tochter lautstark ausfechten, hört sich an wie der Streit zankender und eifersüchtiger Ehepartner. Der britische Kameramann Oswald Morris war verantwortlich für die Optik - seine Bilder wirken nüchtern und es schimmert auch etwas die Hoffnungslosigkeit durch. Auch wenn sich der Protagonist dagegen auflehnt und sein Glück zu Zweit anstrebt. Er ist aber von Beginn an der Verlierer, da er seine Obsessionen nicht mehr steuern kann.
Im Film selbst erweist sich Peter Sellers als Verwandlungskünstler - er darf sich als andere Personen verkleiden, um Humbert zu täuschen. So taucht er auch als Polizist und als Schulpsychologe Dr. Zemph auf. Im nächsten gemeinsamen Projekt engagierte Kubrick wieder Peter Sellers für drei verschiedene Rollen im Film "Dr. Seltsam".
Das Drehbuch von Vladimir Nabokov wurde für den Oscar nominiert. Der Film selbst spielte 9 Millionen Dollar ein - ein ganz guter Erfolg, aber kein Mega-Blockbuster. Dies wäre er vielleicht geworden, wenn Kubrick das Ganze mit mehr Erotik aufgepumpt hätte und mehr Skandal mit dem Stoff provoziert hätte. Interessanterweise hat sich der Film aber trotz der eher subtilen Herangehensweise mit dem Tabuthema gut gehalten - er wirkt erotisch, absurd, obsessiv und von bösem Schwarzen Humor gekennzeichnet.



Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Lockender Lorbeer

























Regie: Lindsay Anderson

Aus dem Leben eines Rugbystars...

Der britische Regisseur Lindsay Anderson (1923 bis 1994) drehte zuerst Kurz- und Dokumentarfilme. Sein "Thursday´s Children" wurde 1954 mit einem Oscar in der Kategorie "Bester Dokumentarkurzfilm" ausgezeichnet. In den 50er Jahren feilte er gemeinsam mit Karel Reisz und Tony Richardson an der neuen Bewegung des Free Cinema.
Er hat aber nur sehr wenige Kinofilme gedreht - als Theaterregisseur hat er wesentlich mehr Stücke produziert. 1963 gab er mit der düsteren Sozialstudie "Lockender Lorbeer" (Original: This sporting life) sein Filmdebüt, die beiden Hauptdarsteller Richard Harris und Rachel Roberts wurden für ihre hervorragenden Leistungen in diesem Film mit einer Oscar-Nominierung belohnt.
"Lockender Lorbeer" wurde zum Filmklassiker und folgerichtig in die Liste der besten 100 britischen Film des BFI gewählt - er rangiert dort auf Platz 52. Sein später entstandener Internats-Film "If..." liegt mit dem 12. Platz noch etwas besser.
Die Geschichte, die Lindsay Anderson erzählt, basiert auf dem gleichnamigen Roman von David Storey aus dem Jahr 1960. Es erzählt die Geschichte des Rugby-Spielers Frank Machin (Richard Harris) aus Wakefield, einer Bergbaustadt in Yorkshire, dessen romantisches Leben viel weniger erfolgreich verläuft als seine aufstrebende Sportlerkarriere. Der Roman trägt autobiographische Züge.
Der Star des Rugby-Teams hat in der ersten Szene ein Spiel, dort wird er grob gefoult und sein Kiefer ist gebrochen. Vom Teamchef und Mäzen Gerald Weaver (Alan Badel) und seinem Teamkamerad Maurice Braithwaite (Colin Blakely) wird er zum Kieferchirurg gebracht, dort erinnert sich der Sportler an seine jüngere Vergangenheit, die eigentlich gar nicht so hoffnungslos und trist verlief, wie sie jetzt erscheint. Denn seine ebenso geschickte wie brutale Spielweise gefällt dem Publikum, den Teamchef und auch dem Vereinspräsidenten wie Charles Slomer (Arthur Lowe). So macht Frank schnell Karriere und dies überrascht auch seine verbitterten Vermieterin Mrs. Hammond (Rachel Roberts), die ihren Mann durch einen Arbeitsunfall verloren hat und immer noch um ihn trauert. Die Arbeiterwitwe hat zwei Kinder, mit denen sich Frank sehr gut versteht. Er macht auch der zugeknöpften Witwe immer wieder Avancen, doch die zeigt ihm die kalte Schulter. Sie ist teilweise sogar abweisend bis feindselig. Frank lässt aber nicht locker und irgendwann kommt es doch zum gemeinsamen Sex. Aber in ihrer Trauer ist es ihr unmöglich Zuneigung zu erwidern. Sie hält nicht mit Beleidigungen zurück - Frank selbst hat aber auch Probleme mit seinem neuen wohlhabenderen Leben. Er kann sich in guten Restaurants nicht benehmen und gibt sogar Weavers Frau Anne (Vanda Godsell) einen Korb, als die ihn zu sich nach Hause zu einem Schäferstündchen eingeladen hatte. Seinen alten Freund Dad Johnson (William Hartnell) lässt er inzwischen auch eher links liegen. Bald gibt es auch Streit mit Mrs. Hammond und Frank verlässt das Haus. Der Emporkömmling spürt vermehrt Unsicherheiten, auch auf dem Sportplatz gibts keine Befriedigungen für das labile Gemüt. Dann erfährt er, dass Mrs. Hammond wegen einer Gehirnblutung im Krankenhaus liegt...




Am Ende wird er auf dem Platz ausgepfiffen - nein, "Lockender Lorbeer" ist kein Wohlfühlfilm. Zur Zeit seiner Enstehung war dieses Liebespaar im Film weit von dem entfernt, was das konservative Mittelklasse-Kino im Allgemeinen zu bieten hatte. Die Emotionalität dieser beiden Figuren wirkt zerstörerisch und der psychologische Bereich der Protagonisten bildet den Schwerpunkt von Andersons Arbeit. Es wird schnell klar, dass der Bergarbeiter Frank seinem Milieu wahrscheinlich gar nicht enfliehen kann, so sehr er es sich auch wünschen würde. So bleiben alle Hoffnungen unerfüllt. Das private Glück bleibt ihm versagt und am Ende scheint auch sein Ruhm auf dem Platz in Gefahr zu sein. Alles wirkt etwas irritierend und sperrig. Und Franks Stern, ist im Begriff zu sinken.



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Fuhrmann des Todes

























Regie: Victor Sjöström

Geisterhafte Silvesternächte...

"Der Fuhrmann des Todes" (Original: Körkarlen) von Victor Sjöström entstand 1921 nach der gleichnamigen Novelle von Selma Lagerlöf. Ihr Buch entstand wiederum im Auftrag der "Schwedischen Vereinigung zur Bekämpfung von Tuberkulose" und sollte die Leser über die Krankheit aufklären. Die Schriftstellerin selbst war von diesem Thema sehr betroffen, da ihre Schwester an Tuberkulose gestorben war. Die Autorin, die bereits zur Entstehung des Films den Nobelpreis für Literatur, gewinnen konnte, thematisierte in "Kärlaken" auch die sozialen Mißstände Schwedens und verband diese mit den mystischen Jenseits-Vorstellungen eines geisterhaften Fuhrmanns, der zwischen dem Diesseits und dem Jenseits agiert.
Victor Sjöström war der Wunschregisseur der Autorin und der setzte die vielschichtige Handlung des Buches mit den Mitteln des Films um, dabei legte er vor allem großen Wert auf eine realistische Charakterzeichung, aber auch die geisterhafte Atmosphäre war ihm sehr wichtig. Dank seiner damals schon sehr ausgereiften Kameratechnik und Lichtsetzung, des Einsatzes von Mehrfachbeleuchtungen und einer ausgeklügelten Montage und Kameraführung wirkt "Der Fuhrmann des Todes" geradezu schwebend zwischen Traum und Wirklichkeit. Ingmar Bergman war ein großer Fan dieses schwedischen Stummfilms und die beiden waren durch eine tiefe künstlerische Beziehung verbunden. Mit seiner Rolle des Dr. Isak Bork in dem Bergman Meisterwerk "Wilde Erdbeeren" bleibt Sjöström auch als Schauspieler unvergessen.
Die Geschichte bezieht sich auf eine uralte schwedische Sage. Darin zieht in jeder Silvesternacht der Fuhrman des Todes (Olof As) durchs Land, um nach einem Sünder zu suchen, der in dieser Nacht stirbt. Es muss der letzte Tote des alten Jahres sein. Dieser Sünder muss ab dem neuen Jahr im nächsten Jahr der Fuhrmann sein.
Vielleicht trifft es diesmal die schwerkranke Heilsarmeeschwester Edit (Astrid Holm), die auf dem Sterbebett liegt. Die junge Frau hat Schwindsucht und wird nur noch wenige Stunden leben. Sie möchte auf jeden Fall noch den heruntergekommenen David Holm (Victor Sjöström) sprechen, doch der ist unauffindbar. Dennoch suchen Schwester Maria (Lisa Lundholm) und Gustaffson (Zot Wejden) weiter nach dem Trunkenbold. Edits Mutter (Concordia Selander) ist etwas schockiert, weil ihre Tochter gerade diesen noch einmal sehen will. Dieser hat aber keine Zeit für die fromme Frau, denn er treibt sich mit zwei anderen Zechern am Friedhof herum und nach zuviel Alkohol kommt es zum Streit und zu einer Schlägerei. David Holm bleibt liegen - da plötzlich der Fuhrmann des Todes erscheint, wird ihm schnell klar, dass er während des Glockenschlags ermordet wurde. In wüsten Träumen erlebt er noch einmal die Stationen seines verpfuschten Lebens und er denkt auch an seinen Bruder (Einar Axelsson) und vor allem an seine Frau Anna (Hilda Borgström), die ihn vor einiger Zeit verlassen hat...




Sjöström gelang mit seinem Film ein faszinierendes Spiel von Licht und Schatten. Die Zerissenheit des Geistes sowie die Darstellung unserer Welt als eine quälende Vorhölle zwischen Himmel und Erde haben den Film bekannt gemacht und ihm den unverwüstlichen Klassikerstatus eingebracht. Bereits in einem früher entstandenen Film - Ingeborg Holm aus dem Jahr 1913 - hat Sjöström das gleiche Thema verarbeitet. Eine kalte Gesellschaft, die an der Zerstörung der Würde des Einzelnen beteiligt ist und mit ihrer destruktiven Kraft den Einzelnen in den Wahnsinn treiben kein.





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Ladykillers




















Regie: Alexander Mackendrick

Die musikalischen Untermieter der Mrs. Wimmerforce...

"Ladykillers" aus derm Jahr 1955 entstand in den legendären britischen Ealing Studios und ist vielleicht inzwischen etwas in die Jahre gekommen. Dennoch rangiert dieser Film-Evergreen immer noch ganz weit oben in den von dem Britischen Film Institut veröffentlichten Top 100 der besten britischen Filme aller Zeiten. Dort liegt "Ladykillers" auf einem formidablen 13. Rang - auch der Vorgängerfilm von "Ladykillers" Regisseur Alexander Mackendrick "Der Mann im weißen Anzug" schaffte es auf den 58. Rang - ein Grund für den Regisseur in Hollywood sein Glück zu suchen. Doch sein 1957 entstandener Film Noir "Dein Schicksal in meiner Hand" war zu seiner Zeit kein Erfolg beschieden - erst viel später erkannte man auch in dieser Arbeit ein Meisterwerk.
"Ladykillers" war MacKendricks letzter und schwärzester Film für die Ealing Studios. Und Otto Hellers Farbkamera und Jim Morahans Ausstattung sind sehr hilfreich dabei, eine Gefühl zu erzeugen für eine in der Vergangenheit verhaftete Gesellschaft, die Mühe hat moderne Wege zu gehen.
Die Geschichte spielt in einem eher beschaulichen Stadtteil von London. Dort in der Nähe des Bahnhofs steht das Häuschen der alten, alleinstehenden Mrs. Wimmerforce (Kathie Johnson), die dort mit ihren drei Papageien lebt und gelegentlich Kaffeekränzchen für ihre Freundinnen Constance (Phoebe Hogson), Appolonia (Helene Burls), Lenchen (Edie Martin) und Amelia (Evelyn Kerry) gibt.  Die gutmütige alte Dame ist etwas einsam und manchmal taucht sie bei der Polizei auf und erzählt etwas über die UFO-Erfahrungen ihrer Nachbarin und hat auch andere sonderbare Beobachtungen, die sie den Gesetzeshütern mitteilt. Sie ist ein lieber Mensch und hat nun entschieden die oberen Zimmer in ihrem Haus zu vermieten. Tatsächlich klingelt eines Abends ein gewisser Professor Marcus (Alec Guinness) bei ihr und bekundet Interesse die beiden Zimmer im ersten Stock zu mieten. Da er einen guten Eindruck macht, ist der Vertrag schnell geschlossen. Noch mehr freut die alte Dame, dass er immer mal wieder Besuch von seinen Kollegen bekommt - gemeinsam wären sie ein Hobbystreichquartett und machen Musik. Und sogar sehr gute - wie Mrs. Wimmerforce im Parterre hören kann. Doch sie ahnt ja nicht, dass die Musik von der Schallplatte kommt, die die Herren auflegen - und dass die Gentlemen währenddessen einen großen, raffinierten Überfall auf einen Geldtransport am Kings Cross planen. Zu der Band gehören ein gewisser Major Courtney (Cecil Parker), der noch jugenhafte Harry Robinson (Peter Sellers), der einfältige Pfannkuchen (Danny Greene) und der kaltschnäuzige Louis Harvey (Herbert Lom). Tatsächlich klappt der Coup - sogar mit Mrs. Wimmerforce als Joker, die unwissend zur Komplizin des Raubs gemacht wird - und alles wäre anders ausgegangen, wenn nicht das Band des Cellokastens von Pfannkuchen in Mrs. Wimmerforces Haustür geraten wäre...



So entdeckt die durch und durch anständige Dame, dass sie Gangster beherbergt hat und darüberhinaus auch noch "mitgehangen - mitgefangen" ist. Doch die Lady besteht darauf, dass man sich stellt und die Beute wieder zurückbringt. Alle Argumente der Diebesbande sind vergeblich - dies führt dazu, dass die Diebe nun auch einen Mordplan realsieren müssten. Aber keiner der Männer bringt es übers Herz, der alten "Mrs. Überkandidelt" etwas anzutun. So nimmt die Geschichte ihren rabenschwarzen und todbringenden Verlauf. Unvergessen bleibt natürlich die Darstellung von Katie Johnson. Für diese Rolle erhielt sie auch 1956 den Preis der British Film Academy als beste Schauspielerin. Ein Jahr später am 4. Mai 1957 starb die Theaterschauspielerin im Alter von 79 Jahren. Ihr Partner Peter Sellers wurde diesen Film berühmt und festigte seinen großartigen Ruf als führender Komödiant des britischen Kinos.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Die fünf Vogelfreien

























Regie: Andrew V. McLaglen

Fire Creek - Westernnest des Grauens...

Regisseur Vincent McEneety arbeitete vor seinem Kinowestern "Die fünf Vogelfreien" zunächst beim Fernsehen, viele Folgen der bekannten Serien "Rauchende Colts", "Solo für O.N.C.E.L." oder "Raumschiff Enterprise" gingen auf sein Konto. Das Thema des Films heißt "Auge um Auge, Zahn um Zahn" und zeigt Henry Fonda als Bösewicht des Wilden Westens - einige Monate später spielte er dann in einer ähnlichen Rolle den Schurken Frank in Sergio Leones unsterblichen Klassiker "Spiel mir das Lied vom Tod". Als Kontrahent wird ihm in "Die fünf Vogelfreien" der aufrechte James Stewart entgegen gestellt.
Die Handlung erinnert dabei sehr stark an den hervorragenden B-Film "Die Plünderer" von Joseph Pevney aus dem Jahr 1960. Auch dort terrorisieren fremde Banditen auf ihrer Durchreise die Bürger eines kleines Nestes - zuerst lässt man ihnen einiges durchgehen, doch dann muss sich ein phlegmatischer Held aufraffen und den Schurken die Stirn bieten. Diesen Part spielte in "Die Plünderer" Jeff Chandler, hier muss sich Jimmy Stewart aufraffen und allen Mut zusammen nehmen. "Die fünf Vogelfreien" kommt allerdings nicht als B-Picture daher, denn mit William H. Clothier als Kameramann wirkt alles so opulent, dass der Streifen für die große Leinwand wie gemacht erscheint.
In Sachen Optik also superb - doch insgesamt wirken einige Szenen doch ein bisschen drastisch zugespitzt und McEneety hat schon versucht der dramatischen Situation noch eins draufzusetzen, dies schadet ein bissel der ansonsten guten Atmosphäre.

Der berüchtigte Bob Larkin (Henry Fonda) und vier seiner Männer sind Revolverhelden und mussten sich fluchtartig aus den Missouri-Weidekriegen zurückziehen. Sie wollen in die Berge, doch Larkin wurde angeschossen und die Wunde müsste dringend versorgt werden. Sie wollen Rast machen und da erscheint der Bande die zerfallene Stadt Firecreek, an der sie vorbeikommen, gerade günstig für eine Rast.
Die junge Farmerstochter Leah (Brooke Bundy) wird auch gleich von zwei der Banditen am Fluß, etwas ausserhalb der Stadt, belästigt. Als sie im Ort angelangt sind, sucht Larkin gleich das Hotelzimmer auf, um sich auszuruhen. Seine Kumpane Earl (Gary Lockwood), Norman (Jack Elam) und Drew (James Best) fallen auch gleich wegen ihrer provozierenden Art auf. So stören die Männer den Gottesdienst von Prediger Proyales (Ed Begley), der im Krämerladen abgehalten wird und wo auch Teilzeitsheriff Johnny Cobb (James Stewart) mit seinen beiden Jungs (Christopher Shea, Kevin Tate) auf die Predigt wartet. Cobb ist hauptsächlich Farmer und seine Frau Henriette (Jacqueline Scott) ist hochschwanger zuhause geblieben. Die Wehen haben bereits begonnen und sie wird bei der Geburt von der Nachbarin (Louise Latham) unterstützt. Noch bleibt Cobb ruhig und lässt die Männer manche Rüpelei und Provokation durchgehen - doch sein Deputy, der junge Stallbursche Arthur (Robert Porter) ist da weniger cool und er spürt, dass in den nächsten Stunden etwas passieren könnte. Tatsächlich trinken Larkins Männer zusätzlich viel Alkohol und einer von ihnen versucht dann in der Nacht die Indianerin Meli (Barbara Luna), die das Restaurant leitet, zu vergewaltigen. Arthur kommt ihr zur Hilfe und aus Versehen erschießt der Junge den Banditen. Seine Kumpels wollen Gerechtigkeit, was soviel heißt wie Lynchjustiz - doch Cobb kommt ihm gerade noch in letzter Sekunde zur Hilfe und sperrt den Jungen ins Gefängnis, wo er so lange zum Eigenschutz bleiben soll, bis der Bezirksrichter kommt. In der Nacht wird Cobb aber zu seiner Frau gerufen. Als er am anderen Morgen die Stadt erreicht, hängt der arme Arthur bereits...




Dies führt zu einem ereignisreichen Showdown, bei dem es James Stewart mit vier Banditen aufnehmen muss, die alle gut mit der Waffe umgehen können. Zum Glück spielt aber auch Inger Stevens mit - die darf sich zuerst ein bisschen in Bandenchef Henry Fonda verlieben, der tatsächlich mit dem Gedanken spielt seßhaft zu werden, am Ende nimmt sie aber auch beherzt die Waffe in die Hand, um dem Sheriff beizustehen. Eine weitere interessante Nebenrolle darf Oscar-Preisträger Dean Jagger spielen - ansonsten gibts einige Kuriositäten in der Handlung. Zum beispiel die bereits erwähnte Predigt im Kaufladen. Es kommt aber auch noch eine Totenmesse in der mit Kerzen erleuchteten Straße zum Einsatz. Insgesamt manches zu reißerisch und einiges kennt man aus "12 Uhr Mittags", aber insgesamt bietet McEveetys Kinodebüt solide und spannende Genrekost.





Bewertung: 7 von 10 Punkten.