Sonntag, 19. November 2017

Wenn es Nacht wird in Paris

























Regie: Jacques Becker

Der letzte Coup der beiden Freunde...

Jacques Beckers 1954 gedrehter "Wenn es Nacht wird in Paris" gehört zweifelsohne zu den ganz großen französischen Gangsterfilmen aller Zeiten. Neben Melvilles "Drei Uhr Nachts" und "Rififi" von Jules Dassin verstanden es die französischen Filmemacher den Film Noir eindrucksvoll wiederzubeleben,  der im Jahrzehnt zuvor in den USA seine Hochblüte hatte. 
Dabei kopierten Regisseure wie Becker oder Melville nicht einfach ihre amerikanischen Verwandten, sie fügten den Themen und Versatzstücken auch einen typischen franzöischen Touch bei.
Und ideale Schauspieler gabs natürlich auch, um den desillusionierten oder gebrochenen Helden zu spielen.  Vor allem der unvergessene Jean Gabin, der 1937 mit "Pepe le Moko" seine Weltkarriere startete und mit wunderbaren Klassikern des poetischen Realismus wie "Hafen im Nebel", "Bestie Mensch" oder "Der Tag bricht an" bereits damals zur Schauspielerlegende avancierte. Der hatte nach dem Krieg Mühe ein Comeback zu starten, mit "Wenn es Nacht wird in Paris" gelang ihm dies aber in eindrücklicher Weise. Und fortan war er sehr oft in der Rolle des autoritären wie charismatischen Einzelgänger festgelegt.
Der franzöische Originaltitel heißt "Touchez pas au Grisbi" und heißt soviel wie "Hände weg von der Kohle". Gemeint ist das Geld, das die beiden alternden Gangster Max (Jean Gabin) und Riton (Rene Dary) durch einen Raub von Goldbarren im Wert von 50 Millionen Franc in Aussicht haben. Keiner weiß davon - und die beiden sind seit 20 Jahren beste Freunde. Die Beute muss aber noch von einem Hehler abgenommen werden, dafür kommt der Onkel von Max (Paul Cetty) in Frage. Mit dessen Tochter Huguette (Delia Scala) hat Max heimlich eine Affäre. Die beiden Freunde könnten aber im Umgang mit den Frauen nicht unterschiedlicher sein. Während Max die Frauen eher kurz hält und unabhängig bleiben will, ist Riton eher der Gefühlsdusel. Mit der Nachtclubtänzerin Josy (Jeanne Moreau) ist er zusammen, doch die will auch ihre Freiheiten, was Riton nicht so passt. Dagegen würde Lola (Dora Doll), die im selben Club wie Josy tanzt, viel mehr mit Max zusammensein, doch der behandelt sie eher wie Luft. Abends trifft sich das Quartett in den angesagten Clubs der Stadt, sehr oft wird Pierrots (Paul Frankeur) Nachtclub "La Boite" besucht. Dort verkehrt auch der Gangster Angelo (Lino Ventura). Der ist vor allem im lukrativen Drogengeschäft tätig und ist mit seinem Fahrer Fifi (Daniel Cauchy) unzufrieden. Max vermittelt ihm den zuverlässigen Marco (Michel Jourdan). Bevor Max nach Hause geht, erwischt er in der Garderobe der Mädchen Angelo. Der wird von Josy leidenschaftlich geküsst. Soviel zu dem Schicksal älterer, aber gut situierter Herren über 50. Die Frauen sind mit ihnen vor allem wegen dem Geld zusammen. Er bringt es aber vorerst nicht übers Herz seinem Freund Riton etwas davon zu sagen. Auf dem Weg nach Hause wird er verfolgt. Er kann die beiden Verfolger stellen, es sind Angelos Leute. Langsam wird ihm klar, dass Riton in seinem Leichtsinn etwas vom Riesencoup seiner Josy erzählt haben muss. Und die muss wohl Angelo davon berichtet haben. Dann verschwindet Riton...



Jacques Beckers Film vermittelt ein klasse Flair der Pariser Unterwelt in den frühen 50er Jahren. Dies war so authentisch, dass der Gangsterstreifen nicht bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde. Zu unrühmlich wäre das Bild vom Gangsterleben in der Metropole gewesen. Kameramann Pierre Montazels Bilder vom Nachtleben sind hervorragend.
Jacques Beckers Film ist durchgehend spannend, legendär die Szene vom Austausch der Geisel gegen die Goldbarren auf einer einsamen Landstraße. Becker hat aber nicht nur ein gutes Gespür für einen guten Spannungsbogen, er macht seine Figuren - diese beiden älteren Freunde - auch menschlich und zeigt sie bei ganz alltäglichen Dingen, sie sind bedingt durch die Erfahrung und das Alter auch ein bisschen melancholisch geworden. Max muss aber früher ein echte Größe in der Unterwelt gewesen sein - dies macht sich immer wieder bemerkbar, dass er bei allen ein hohes Ansehen genießt und dass ihm die Frauen zu Füßen liegen. Er leistet sich in Beckers Film neben der Tochter des Onkels und der Tänzerin noch eine dritte Geliebte, gespielt von Marlyn Buferd. Lino Ventura gab mit diesem Klassiker sein Filmdebüt.





Bewertung: 10 von 10 Punkten. 
 

Die Farm der Besessenen

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Anthony Mann
 
Das Schicksal der Jeffords...

Bevor Anthony Mann zu einem der besten Westernregisseure der 50er Jahre aufstiegt, drehte er B-Pictures und Filme der schwarzen Serie. Seine Beiträge in diesem Genre wie "Schritte in der Nacht", "Side Street", "Flucht ohne Ausweg" oder "Geheimagent T" sind sehr geschätzt. Diesen dunklen und düsteren Touch - sehr oft auch durch die Mitarbeit von Kameramann John Alton verstärkt - setzte er auch in historischen Abenteuerfilmen (Dämon von Paris) und in seinen ersten drei Western (Fluch des Blutes, Winchester 73, Die Farm der Besessenen) ein.
Alle drei Filme realsierte er 1950, dabei ist "Die Farm der Besessenen" bis heute einer seiner ungewöhnlichsten Arbeiten. In jener Zeit war King Vidors "Duell in der Sonne" einer der ganz großen Kassenhits. Die neurotische Westernsaga - wie "Vom Winde verweht" von David O. Selznick produziert - spielte im Jahr 1946 alleine in den USA fast 12 Millionen Dollar ein. Nur der Disney Film "Onkel Remus Wunderland" machte mehr Kasse. Somit bekam Vidors Film einige ähnliche Nachfolger. Einer davon ist "Die Farm der Besessenen" - ein Western, der sehr dominiert wird von den beiden Hauptdarstellern Barbara Stanwyk und Walter Huston, Vater des Regisseurs John Huston.
Huston spielt den dominanten Viehbaron T.C. Jeffords, der von seiner resoluten Tochter Vance (Barbara Stanwyk) regelrecht vergöttert wird. Sie wird auch eines Tages "The Furies", die Ranch des rücksichtslosen Patriarchen übernehmen. Bruder Clay (John Bromfields) hat sich schon abgeseilt und ist von zu Hause ausgezogen. T. C. Vormann ist der brutale El Tigre (Thomas Gomez). In den vielen Jahren seiner Herrschaft hat er Konkurrenten vertrieben und vor allem die mexikanischen Bauern sind ihm ein Dorn im Auge. Viele hat er vertrieben und deren Land annektiert. Aber die Herrera Familie blieb ein standhafter Gegner. Juan (Gilbert Roland), der älteste Sohn der Witwe Herrera (Blanche Yurka) ist sogar in Vance verliebt. Doch Vance weiß, dass sie den Mexikaner nie heiraten wird, da der Vater mit Enterbung droht, wenn der zukünftige Schwiegersohn nicht seinen Erwartungen entspricht. Ausserdem ist Juan nicht der Mann, mit sie die riesige Ranch in Zukunft regieren kann. Vance ist ebenso besessen von Macht und Reichtum wie ihr geliebter Vater. Eines Tages taucht bei einem Fest der notorische Spieler Rip Darrow (Wendell Corey) auf. Der junge Mann ist zudem der Erbfeind von T. C. , der einst den Besitz der Darrows aufgekauft und nach der Meinung von Darrow jr. den Tod des Vaters mitverschuldet hat. T. C. will den ungebetenen Gast sofort vor die Tür setzen, doch Vance rettet die Situation und tanzt mit Rip Darrow. Beide verlieben sich ineinander. Als T. C. Rip 50.000 Dollar anbietet, wenn er die Finger von Vance lässt, willigt dieser ein. Er macht mit dem Geld eine Bank in der Stadt auf. Dennoch ist die Leidenschaft zwischen Vance und Rip immer noch zu spüren, auch wenn Vance von Hass erfüllt ist. Noch schlimmer wird die Situation für Vance, als der Vater bei einer seiner Reisen eine Freundin (Judith Anderson) mit auf die Ranch bringt....



Dies und andere dramatische Ereignisse führen zum Bruch der einst so starken Vater und Tochter Bindung. Die komplizierte Familiengeschichte mit exzessiven bis selbstzerstörerischen LiebeHass Beziehungen wurde an der Kasse kein Erfolg. Vermutlich weil alle bekannten und beliebten Westernmotive hier fehlen. "Farm der Besessenen" ist eher ein neurotisches Drama um eine sehr stark Frau mit einer genauso starken Vaterfigur. Barbara Stanwyk war ja auf diesen Typus irgendwie schon festgelegt und unvergessen bleibt sie in der Rolle der manipulativen Gattenmörderin Phillis mit billiger blonder Perücke. Auch John Huston passt perfekt als selbstgerechter Halbgott des alten Westens. Die Figuren und die Handlungen sind aber manchmal etwas überzeichnet. Was man dem Film aber zugute halten muss ist die Tatsache, dass keiner der Hauptprotagonisten wirklich sympathisch dargestellt wird.




Bewertung: 7 von 10 Punkten. 
 
 

Nacht in der Prärie

























Regie: Robert Wise

Gun Man...

 "Nacht in der Prärie" von Hollywood-Regisseur Robert Wise entstand 1948 und gehört zu den Western im Noir-Stil,  zu denen auch Klassiker wie "Ritt zum Ox-Bow (William Wellmann, 1943), "Winchester 73" (Anthony Mann, 1950) oder "Colorado Territory" (Raoul Walsh, 1949) gehören. Auch der 1947 entstandene Raoul Walsh Western "Verfolgt" ist sehr von der schwarzen Serie geprägt, nicht nur weil sein Hauptdarsteller Robert Mitchum einer der unsterblichen Helden des Noir wurde. Ein Jahr später verpflichtete ihn die RKO  für "Nacht der Prärie" -  Mitchum war einfach perfekt für diesen Typ Westerner, der ein geheimnisvolle Vergangenheit hat und dessen Schicksal in einem psychologischen Licht erscheint. Doch "Nacht in der Prärie" ist leider in Vergessenheit geraten. In Deutschland war der Western auch als "Gun Man" bekannt und im Original heißt er "Blood on the Moon".
Schon die ersten Bilder sind düster angehaucht, wenn der Reiter (Robert Mitchum) irgendwo aus dem Nirgendwo erscheint und durch den Regen reitet. Er schlägt ein Nachtlager in der Prärie auf und will einfach nur noch schlafen. Doch die Erde fängt an zu beben und in der Ferne sind donnernde Hufe zu hören. Er kann sich in letzter Sekunde auf einem Baum retten, unter ihm eine Rinder-Stampede. Er hat nun sein Hab und Gut verloren und die Cowboys, die dafür verantwortlich waren, entschuldigen sich bei ihm und laden ihn auf eine Tasse heißem Kaffee in ihrem Lager ein. Dort stellt sich der Fremde als Jim Garry vor und lernt den Rancher John Lutton (Tom Tully), dem die Rinderherde gehört. Dieser erzählt von seinem Streit mit dem neuen Verwalter des Indianerreservats Jake Pindalist (Frank Faylen), der ihm nun die Weiderechte auf Indianergebiet untersagt.  Und man hätte auch Revolverhelden angeheuert, um den finsteren Plänen die Rancher zu verteiben Nachdruck zu verleihen. Lutton misstraut Jim und auch dessen Töchter Carol (Phillis Thaxter) und Amy (Barbara Bel Geddes) betrachten den Fremden argwöhnisch. Jim Carry reitet weiter, sein Ziel ist das kleine Nest Sundust, dort lebt sein Freund Tate Riling (Robert Preston). Der verspricht ihm einen lukrativen Job, wenn Jim ihn bei seinen Plänen unterstützt, doch schnell merkt Jim, dass sein Freund gemeinsame Sache mit Pindalist macht. Jims Gewissen meldet sich und bald muss er sich entscheiden, auf welcher Seite er stehen möchte...



Auffallend ist die anhaltende Schlecht-Wetter Atmosphäre und die düstere und schwere Machart, dies alles ist natürlich sehr Noir-nah und wenn man das auf das Seelenleben des Helden überträgt, dann erkennt der Zuschauer in Robert Mitchums Figur Jim Carry natürlich einen Entwurzelten Mann, der auf der Suche ist. Auch die Regie von Wise ist gekonnt und präzise. Wie in "Verfolgt" von Raoul Walsh ist auch hier eine ausgefeilte Licht- und Schatten-Technik mit markanten Kontrasten zu erkennen.  Die tragende Frauenrolle wird von der jungen Barbara BelGeddes gespielt, die erst 30 Jahre später durch die TV-Serie "Dallas" weltberühmt werden sollte.


 
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Montag, 13. November 2017

Der Wahnsinn des Dr. Clive

























Regie: Edward Dmytryk

Gefangen...

Zensur und Berufsverbot zwangen den US-Regisseur Edward Dmytryk seinen Nachfolgefilm von "Crossfire" in Großbritannien zu drehen.
Der Regisseur wurde Ende der 40er Jahre als Kommunist denunziert und sollte vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe aussagen, dies verweigerte er.
Im Exil entstand 1949 der Film Noir "Der Wahnsinn des Dr. Clive" (Originaltitel: Obsession oder Hidden Room) mit weniger bekannten Darstellern. Allerdings ist Naunton Wayne als Superintentendent Finsbury zu sehen. Wayne erlangte gemeinsam mit Basil Radord in Hitchcocks "Eine Dame verschwindet" Weltruhm. Die beiden spielten die beiden englischen Freunde, die völlig in Cricket vernarrt sind und sich nur für dieses Thema interessieren. In "Der Wahnsinn des Dr. Clive" führt er die Tradition einiger großartiger britischer Beamten des Scotland Yard fort, die die Filmwelt hervorbrachte.
Die Geschichte erzählt von einem Menschenraub durch einen wahnsinnigen Psychopathen. Damit steht der heute etwas in Vergessenheit geratene Klassiker in naher Verwandtschaft zu dem üblen Menschenjäger und Spieler "Jigsaw" aus der Saw Reihe. Parallelen gibt es auch zu dem fiesen Graf Zaroff und dem Hollywoodklassiker "The most dangerous game" aus dem Jahr 1932 oder aber auch zu William Wylers Spätwerk "Der Fänger".
Es wird also jemand gefangen genommen. Das bedauernswerte Opfer heißt Bill Kronin (Phil Brown), ein junger Amerikaner, der den fatalen Fehler begangen hat ein Verhältnis mit der schönen Storm Riordan (Sally Gray) zu beginnen. Die hat nämlich einen äusserst eifersüchtigen Ehemann, der bislang die vielen unzähligen Affären ignoriert bis geduldet hat. Nun ist ihm der Kragen geplatzt. Er ertappt die beiden Turteltauben und bedroht mit seiner Pistole. Weil Storm das Benehmen ihres Mannes völlig daneben empfindet, verzieht sie sich vor weiteren Eskalationen ins gemeinsame Schlafzimmer. Sie denkt, dass ihr Liebhaber das Haus verlässt. Doch der ist nach einigen Tagen verschwunden. Die Frau weiß nicht, dass Bill von ihrem Ehemann in einem in der Nähe gelegenenen verlassenen Gebäude gefangen gehalten wird. Der angesehene Chemiker will seinen Nebenbuhler erst dann ermorden, wenn man nicht mehr nach dem Verschwundenen sucht, also wenn Gras über die Sache gewachsen ist. Dann hat er vor, den Getöteten in einer chemischen Substanz völlig aufzulösen. Somit bleibt Bill noch am Leben, aber die Angst wächst natürlich mit jedem neuen Tag. Leider kommt Riordans Hund dem Versteck auf die Spur, somit bleibt dem Wissenschaftler nichts anderes übrig als zuerst den geliebten Vierbeiner zu töten...




Doch irgendwie kommt es anders. Denn der Ermittler hat einen langen Atem und wird vom arroganten Akademiker unterschätzt. Robert Newton spielt den angehenden Mörder sehr gut. Auch Sally Gray macht eine gute Figur. Optisch wird man etwas an die alten Carol Reed Filme erinnert. Der Film hat trotz der Noir Anteile einen typischen englischen Touch. Erst viele Jahre später drehte Dmytryk noch einen weiteren extrem geglückten Thriller: "Die 27. Etage" hat ebenfalls wie "Der Wahnsinn des Dr. Clive" eine gute Portion Hitchcock´sche Suspence.



Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Samstag, 21. Oktober 2017

...und dennoch leben sie

























Regie: Vittorio de Sica

Mutter und Tochter...

Das Monument Mamma Ciociara wurde vom Bildhauer Fedele Andreani geamcht, es soll an die vielen Opfer der Massenvergewaltigungen sowie weiterer Kriegs- und Nachkriegsverbrechen druch die Marokkaner erinnern. Eingeweiht wurde das Monument am 3. Juni 1964 auf dem Felsen der Altstadt von Castro dei Volsci. In den Wochen nach der Schlacht um Monte Cassino schändeten die nordafrikanischen Soldaten ca. 60.000 Mädchen und Frauen. Die Beschützer der Frauen wurden mißhandelt oder ermordet.
In Italien gingen diese Verbrechen als die "marokkanischen Untaten" in die Nachkriegsgeschichte ein. Der berühmte Regisseur Vittorio de Sica widmete sich diesem Thema in seinem 1960 entstandenen Film "...und dennoch leben sie", der im Original "La Ciociara" heißt und dem damaligen Superstar Sophia Loren erstmals die Gelegenheit bot ihr dramatisches Talent als Schauspielerin zu zeigen. Die schöne Schauspielerin war damals bereits ein Big Star in Hollywood und lockte mit witzigen Komödien wie "Hausboot" oder "Es begann in Neapel" Millionen Zuschauer in die Kinos.
Ursprünglich sollte Anna Magnani die Mutter von Sophia Loren spielen, doch das wollte die Magnani nicht. So wurde Sophia Loren als noch sehr junge Mutter besetzt, die mit ihrer 13jährigen Tochter Rosetta in den Kriegswirren des Jahres 1943 auf der Flucht ist.
Die Rolle spielte sie so gut, dass sie sogar für den Oscar nomniert wurde und im Jahr 1962 tatsächlich die begehrte Trophäe gewann, trotz der großen Konkurrenz von Audrey Hepburns "Frühstück bei Tiffany" oder Piper Laurie in "Haie der Großstadt".
Trotz der vielen Preise, die der Film gewinnen konnte, kommt "...und dennoch leben sie" an die stärksten Filmen de Sicas wie "Schuhputzer", "Umberto D" und vor allem "Fahrraddiebe" nicht heran. Dennoch gelangen ihm einige unvergessliche Szenen.
Die römische Ladenbesitzerin Cesira (Sophia Loren) ist Witwe und muss ihre fromm erzogene Tochter Rosetta (Eleonora Brown) alleine großziehen. Immer stärker wird die Bombardierung der Allierten auf die Stadt. So beschließt Cesira gemeinsam mit der Tochter aus Rom zu fliehen. Der benachbarte Kohlehändler Giovanni (Raf Vallone), der viel für sie empfindet, wird sich in ihrer Abwesenheit um den Laden kümmern. Sie versucht bei Verwandten in ihrer Heimat Ciociaria unterzukommen. Zuerst mit dem Zug - sie treffen auf siegessichere junge deutsche Soldaten - dann auf den Straßen. Immer wieder droht Gefahr aus der Luft. Als sie schließlich in der ländlichen, gebirgigen Heimat ankommen, ist auch dort alles andere als sicher. Die Zivilbevölkerung inmitten der Kämpfe zwischen den Deutschen und den Alliierten. Mit dem etwas kommunistisch angehauchten Student Michele (Jean-Paul Belmondo) freunden sich Mutter und Tochter an. Doch der wird von deutschen Soldaten gewzungen ihnen den Weg über die Berge zu zeigen. Da alles bald genauso unsicher ist wie in Rom, entschließt sich Cesira zur Rückkehr nach Hause. Auf dem Heimweg übernachten sie in einer Kirche und treffen dabei auf eine Gruppe marokkanischer Soldaten...



De Sicas Film basiert auf dem 1957 erschienen Roman "La Ciociara" des italienischen Schriftstellers Alberto Moravia. Man merkt noch den neorealistischen Einfluss, aber weil sich de Sica vielleicht ausschließlich auf Sophia Loren konzentriert, verblassen viele andere Figuren in der Geschichte. So bleibt auch der junge Jean Paul Belmondo in seiner Rolle zu schablonenhaft. Sehr gut gelingt aber die Wandlung der Hauptfigur Cesira, die als temperamtvolle lebenslustige und extrovertierte Frau mit ihrem Kind ihre Odyssee durch ein chaotisches Land beginnt, am Ende ist das Kind zur Frau geworden und beide müssen trotz des Verbrechens, dass an ihnen begangen wurde, einen Weg für die Zukunft finden.



Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Freitag, 13. Oktober 2017

Der Würgeengel

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Luis Bunuel
 
Gefangen im Zimmer...
 
Luis Bunuels "Der Würgeengel" enstand in Mexiko und der Regisseur hat es in einem späteren Interview bedauert, dass er seine kleine aber feine Politsatire nicht in Rom oder Paris gedreht hat. Aber es fanden sich keine internationalen Geldgeber und so musste er mit eher geringerem Budget auskommen, obwohl ihm nur Monate zuvor mit "Virianda" nicht nur ein handfester Skandal im katholischen Spanien sondern auch ein großer internationaler Filmerfolg gelang. Thematisch verwandt mit "Der Würgeengel" erscheint auch sein großer 70er Jahre Erfolg "Der diskrete Charme der Bourgeoisie" zu sein, denn in beiden Fällen versucht eine Gruppe von Leuten ein Ziel zu erreichen, dass aber  - so einfach es erscheinen mag - nicht gelingen mag. In "Der diskrete Charme der Bourgeoisie" ist es eine Gruppe von 6 Angehörigen des gehobenen Bürgertums, die gemeinsam ein stilvolles Essen im kleinen Preis planen, aber jedesmal kommt etwas dazwischen - das Treffen scheint nie stattzufinden. In "El angel exterminador" - so der Originaltitel vom Würgeengel - versucht der illustre Kreis nach einer Party die Villa des Gastgebers zu verlassen, doch eine unsichtbare Macht scheint die Gäste daran zu hindern das Haus zu verlassen.
Schauplatz ist die Villa des angesehenen Bürgers Nobile (Enrique Rambal) der nach einem Opernball noch zu einem Soiree einlädt. Seine Ehefrau (Lucy Gallardo) hat sich zu diesem Anlass noch einige Überraschungen ausgedacht, sie hat einen Bären und ein paar Schafe in einem der Zimmer versteckt, die Tiere sollen irgendwann im nächtlichen Programm noch zum Einsatz kommen. Doch an diesem Abend geschieht vor dem Eintreffen der illustren Gäste noch ein paar seltsame Dinge. Das Personal des Hauses verläßt ohne einleuchtenden Grund hastig die Arbeitsstätte, egal ob arbeitsrechnliche Konsequenzen anstehen. Dann treffen auch schon die Gäste ein und irgendwann wollen die ersten Gäste sich verabschieden. Doch ein seltsamer Zwang verhindert den Aufbruch. Keiner der Gäste verlässt das Wohnzimmer und irgendwann legen sich die ersten auch schlafen. Ein paar auf der Couch, andere auf dem Boden. Am anderen Morgen sind alle überrascht, die Gastgeber registrieren die Übernachtungen als unanständig, aber sie spielen weiter gute Gastgeber und versorgen ihre Gäste mit einem Frühstück. Aber der Bann den Raum zu verlassen hält an...tagelang. Auch die Polizei draußen kann das Haus nicht betreten. Eine seltsame Macht verhindert dies. Bald wird Essen und Trinken rar und die Gäste verändern sich. Sie lassen ihre guten Manieren fallen und werden teilweise kindisch, teilweise aggressiv. Der besonnene Arzt Dr. Carlos Conde (Augusto Benedico) versucht sein Bestes, dass die Situation nicht gänzlich eskaliert. Ein alter Mann stirbt an Herzversagen und irgendwann nimmt sich auch ein junges Ehepaar aufgrund der auswegslosen Situation das Leben. Gast Leticia (Silvia Pinal) kommt irgendwann durch einen Zufall auf die Idee, die gleiche Situation zu rekonstruieren, in der dre Zwang für alle zum ersten Mal spürbar war. Tatsächlich hat die Rekonstruktion Erfolg...


Doch das ist noch nicht das Ende der originellen Geschichte, denn der Bann ist noch nicht gebrochen. Sicher ist, dass Bunuel einmal mehr das Bürgertum attackieren wollte, auch die Kirche taucht in der Geschichte auf. Im Laufe der Not stellt sich bei der illustren Schar eine Art Verfaulungsprozess ein, irgendwann braucht die Gruppe einen Schuldigen, den sie zur Rechenschaft ziehen will.
Durch die sehr kompetente Kameraarbeit von Gabrile Figueroas, die nur mit wenigen Schnitten auskommt, entsteht manchmal der Eindruck, dass man mittendrin im Raum ist. Natürlich fehlen die surrealistischen Elemente, für die Bunuel berühmt wurde, auch nicht in diesem Film.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.