Mittwoch, 19. Juli 2017

Infam

























Regie: Richard Brooks

Lügen und Geheimnisse...

William Wylers Nachfolgefilm für seinen Großerfolg wurde "Infam" und entstand nach dem Theaterstück "The Childrens Hour" von Lilian Hellmann aus dem Jahr 1934. Bereits 2 Jahre später feierte Wyler mit der Erstverfilmung des Stücks seinen ersten Film-Erfolg. Dabei wurde aber auf Druck der United Artists der homosexuelle Verdacht gegen die beiden Frauen weggelassen und stattdessen stand die Dreiecksbeziehung zwischen Miriam Hopkins, Merle Oberon und Joel McCrae im Mittelpunkt des Films.
27 Jahre später haben sich die gesellschaftlichen Normen etwas verbessert und auch die Zensurbestimmungen waren schon etwas gelockert - so entschied sich Wyler für ein Remake, diesmal mit der kontroversen und verbotenen Liebe.
"Infam" ist im übrigen auch ein Film mit drei Schauspielerinnen-Generationen. Miriam Hopkins spielt die ekaltierte Tante Lily und Fay Bainter bekam die Rolle der reichen Amelia Tilford. Die beiden Lehrerinnen wurden mit den Topstars Shirley McLaine und Audrey Hepburn besetzt - noch jünger sind aber die undurchsichtigen Schülerinnen Mary Tilford und Rosalie Wells - die beiden Jungstars Karen Balkin und Veronica Cartwright (später in "The Birds" und "Alien) ) spielen wichtige Nebenrollen in dem Drama.
Die beiden jungen Lehrerinnen Karen Wright (Audrey Hepburn) und Martha Dobie (Shirley McLaine) sind seit der Highschool beste Freundinnen und haben es nun endlich geschafft im konservativen Neuengland eine gehobene Privatschule für Mädchen aufzubauen. Zu dem Lehrerteam gehört auch Marthas schwierige Tante Lily (Miriam Hopkins), die ihrer Karriere als große Schauspielerin nachtrauert und den Unterricht sehr eigenwillig gestaltet. Karen ist auch liiert mit dem attraktiven Dr. Joe Cardin (James Garner) - doch mit der Hochzeit will sie noch warten, weil die Schule momentan noch die ganze Kraft kostet. Die Beziehung zwischen dem Mann und der besten Freundin Martha ist etwas gespannt, man hat das Gefühl, dass Martha etwas eifersüchtig auf ihn reagiert.
In der Schule ist vor allem Mary Tilford (Karen Balkin) das große Problemkind. Sie lügt, sie täuscht Krankheiten vor und versucht alles, dass ihre Großmutter, die angesehene Amelia Tilford (Fay Bainter) sie vom Internat erlöst. Auch die kleine Rosalie Wells (Veronica Cartwright) hat Probleme. Sie stiehlt wie ein Rabe, aber keiner hat es bisher bemerkt. Lediglich Mary wird Zeugin eines Diebstahls und kann ihre Mitschülerin erpressen. Als sie immer wieder von den Lehrerinnen zurechtgewiesen wird, erfindet Mary eine infame Lüge über das Verhältnis der beiden Frauen. Sie sollen sich nachts im Zimmer besuchen und man würde dann so komische Geräusche hören. Da homosexuelle Liasonen nicht sein dürfen und man nichts mit solchen Menschen zu tun haben will, nimmt die konservative Oma ihre Enkelin von der Schule, ohne Karen und Martha über den Grund zu informieren. Sie macht aber den Skandal überall publik - und binnen eines Tages hat die gute Gesellschaft ihre Kinder von der Schule geholt. Die beiden Frauen stehen im Nu vor dem Ruin - finanziell und seelisch. Und das nur aufgrund der bösen Lüge eines Kindes...



Doch der Film bietet dann weitaus mehr. Einerseits schildert er die Ächtung von gleichgeschlechtlicher Liebe zu einer Zeit, die noch gar nicht so lange her ist. Daher kann man die Diskriminierung, die in "Infam" gezeigt wird, sicherlich auch den Leuten nahe legen, die meinen die Gleichstellung von Hetero- und Homosexuellen Beziehungen wäre unnötig. Andererseits bietet "Infam" aber den Darstellern interessante Figuren an. Fay Bainter bekam eine der fünf Oscarnominierungen - die weiteren gabs für die schwarz-weiß Kamera von Frank Planer sowie für die Ausstattung, für den Ton und für die Kostüme. Shirley McLaine, die in "Infam" eine ihrer besten Rollen überhaupt spielt, wurde leider bei der Nominierung übergangen. Auch Audrey Hepburn hat einen riesigen Moment - die Frauen haben sich gerade ausgesprochen und dabei hatte Shirley McLaine ihrer Freundin ihr Coming Out und ihre Gefühle gestanden. Audrey läuft spazieren und man bemerkt dann die Verbundenheit der beiden Menschen, denn irgendwie spürt sie, dass nun was ganz schreckliches passiert ist. Die größte Angst ist in ihrem Gesicht zu erkennen, sie rennt ins Haus. Dort ist die Tür der Freundin abgeschlossen. Die Kamera von Franz Planer zeigt das schockierende Bild zweimal abgeschwächt, aber umso wirkungsvoller jeweils als Schattenbild mit Horroreffekt.
Sehr gut, dass William Wyler einerseits die boshaften Gerüchte thematisiert hat, andererseits aber auch die "verbotenen" Gefühle und Empfindungen nach und nach offenlegt und so einen wichtigen Film gegen Diskriminierung geschaffen hat.



Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Tabu der Gerechten

























Regie: Elia Kazan

Der alltägliche versteckte Antisemitismus...

Trotz des Riesenerfolgs von "Tabu der Gerechten" fand Regisseur Elia Kazan seinen Film viel zu zahm. Er hätte einiges viel drastischer darstellen wollen, aber Produzent Zanuck verlangte, dass die Liebesgeschichte zwischen Dorothy McGuire und Gregory Peck ebenso stark in der Handlung erschien als der Antisemitismus kurz nach dem 2. Weltkrieg in den USA.
Damit gelten "Tabu der Gerechten" und der fast gleichzeitig erschienene Film Noir "Crossfire" von Edward Dmytryk als die ersten Hollywoodfilme, die sich mit diesem Thema auseinandersetzten. Obwohl Dmytryks Film eigentlich den Mord aus Hass gegen einen Homosexuellen darstellen sollte, aber von den Sittenwächtern nicht erlaubt wurde - so wurde das Script umgeschrieben. Aus dem ermordeten Schwulen wurde ein ermordeter Jude. Beide Filme waren die Favoriten der Oscarwahl 1948. "Crossfire" ging aber trotz 5 Nominierungen leer aus. "Tabu der Gerechten" konnte von den 8 Nominees drei in Siege verwandeln: Elia Kazan bekam den Regie-Oscar und Celeste Holm gewann als beste Nebendarstellerin. Ausserdem gabs den Hauptpreis als bester Film des Jahres.
Trotz der Einwände des Machers finde ich den Film aus heutiger Sicht immer noch sehr kraft- und wirkungsvoll. Gerade weil der Film nicht die aggressiven Rassisten in den Mittelpunkt stellt, sondern eine schweigende Mitte in der Gesellschaft. Menschen, die sich liberal, tolerant und weltoffen nennen, aber dennoch von Vorurteilen geprägt sind.
 Ein Thema, dass gerade in der heutigen Zeit wieder sehr aktuell ist und dem Zuschauer die Botschaft vermittelt, dass er auch mal Position ergreifen sollte, wenn gerade mal blöde Witze über Minderheiten gemacht werden oder wenn jemand aggressiv aber auch sehr versteckt und subtil Ressentiments gegen Rassen oder andere Religionen zum Besten gibt.
Dass der Film, der sehr dialoglastig ist, so gut gelingt, ist das Verdienst eines sehr guten Schauspielensembles. Jede Figur ist gut herausgearbeitet worden.
Der Zuschauer wird auch mit einer jüdischen Sekretärin (June Havoc) konfrontiert, die ihre Stelle nur deshalb bekam, weil sie ihren jüdischen Namen abänderte und so zu einem Vorstellungsgespräch in der Zeitung kam. Sie selbst hat aber auch Vorbehalte gegen Juden, wie im Laufe der Handlung klar zu sehen ist.
 Der Journalist Philip Schuyler Green (Gregory Peck) ist in seinem Metier äusserst erfolgreich und deshalb wird er auch von einem rennomierten New Yorker Magazin engagiert. Der Witwer verlässt Kalifornien und zieht gemeinsam mit seiner Mutter (Anne Revere) und seinem kleinen aufgeweckten Sohn (Dean Stockwell) in ein feines Appartment nach New York, dass ihm der Zeitungsboss John Minify (Albert Dekker) besorgt hat. Er soll für ihn eine Serie über Antisemitismus schreiben. Die Idee stammt von Minifys Nichte Kathy Lacey (Dorothy McGuire), in die sich Green schon beim ersten Treffen verliebt. Doch Green hat Anlaufschwierigkeiten, es fehlt ihm die zündende Idee, wie er die Story gestalten will. Soll er seinem Freund Dave Goldman (John Garfield) schreiben. Der hat als Jude sicherlich jede Menge Stoff für den Judenhass in den USA, hat er dies doch alles selbst schon durchlebt. Er verwirft die Idee und findet den idealen Aufhänger für seinen Auftrag. Er will sich selbst als Jude ausgeben und seine eigenen Erfahrungen in Sachen "Antimsemitismus" machen. Seine Zeitungskollegin Anne Dettrey (Celeste Holm), die die Rubrik "Mode" unter sich hat, ist total begeistert. Aber nicht alle sind glücklich mit der Entscheidung. Nicht einmal Kathy, mit der Green eine Beziehung angefangen hat und die Hochzeit geplant wird, findet die Idee gut. Ist die tolerante Frau etwa latent rassistisch ? Konflikte sind jedenfalls vorprogrammiert....




 Der Film zeigt an scheinbar ganz alltäglichen Szenen die Zurücksetzung jüdischer Menschen. So wird der kleine Sohn von Green von den anderen Jungs beschimpft und darf nicht mit ihnen Ball spielen. Green selbst wird in einem luxuriösen Hotel an der Rezeption plötzlich abgewiesen als er sich als Jude zu erkennen gibt....plötzlich bedauert man den Irrtum, aber kein Zimmer ist plötzlich im Hotel frei. Sehr konfliktreich auch die Streitereien zwischen Green und seiner Kathy, die gegen ihre Feigheit ankämpfen muss. Filmhistorisch ist "Tabu der Gerechten" auch äusserst interessant. Zeigt er doch den Judenhass in den USA - 2 Jahre nachdem die USA durch ihre Soldaten Europa von den judenhassenden Nazis befreit haben. Und dann legt Elia Kazan schonungslos offen, dass auch das eigene Land nicht von Rassismus frei ist, was ich auch wichtig finde. Denn die USA haben ja mit dem alltäglichen Rassismus auch heute noch stark zu kämpfen. Damals 1947 gabs neben dem latenten Antisemitismus auch den ganz offen zur Schau getragenen Rassismus gegen die dunkelhäutige Bevölkerung. Auch die Mexikaner wurden als Menschen zweiter Klasse gesehen. Elia Kazan ist es gelungen dieses Thema sehr fein zu bearbeiten, aber gerade deshalb ist die Wirkung groß. Zeigt er doch ganz normale Menschen, die gar nicht auf Anhieb bemerken, dass ihre Verhaltensweisen den Rassisten Trümpfe in die Hand spielen.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 13. Juli 2017

Sullivans Reisen


























Regie: Preston Sturges

Spassmacher, Clowns, Komiker und Hollywood Wahnsinn...

Preston Sturges "Sullivans Reisen" ist sein populärster, aber auch sein sonderbarster Film. Der Regisseur widmete seinen Film allen Witzbolden, Clowns und Possenreißer, die es zu allen Zeiten und in allen Nationen gab und die Menschen zum Lachen brachten. Ein Werk mit wunderbaren subversiven Ansätzen, die man am Ende vielleicht so interpretieren könnte, dass Sturges die Verhältnisse, die er anprangert, akzeptiert.
Aber der Schluß lässt auch eine andere Bedeutung zu, denn man könnte auch den Künstler und Regisseur Sullivan als Popanz oder Wichtigtuer gescheitert sehen, da seine unterhaltsamen und witzigen Filme überhaupt nichts bewirken - nicht einmal ein paar schöne Stunden für die Zuschauer, denen der Filmschaffende angeblich helfen will. Andererseits wissen wir aber auch, dass im 2. Weltkrieg und in der schwierigen Nachkriegszeit die Menschen gerne die Realität vergessen wollten und gerade deswegen das Kino besuchten um in eine bessere, lustigere Welt einzutauchen.
Zumindest in der ersten Hälfte des Films ist die bissige Satire eindeutig klar gestaltet: Der erfolgreiche Hollywood Regisseur Sullivan (Joel McCrae) hat genug von seinen erfolgreichen Unterhaltungsfilmen. Er will den engagierten, sozialkritischen Film schaffen. Arbeitstitel "O Brother, Where Art Thou?" - ein Drama über die schweren Zeiten der damaligen Wirtschaftskrise. Die beiden Studio Bosse Lebrand (Robert Warwick) und Hadrian (Porter Hall) sind gar nicht begeistert von solchen risikoreichen Ambitionen. Sie haben kein Interesse daran, dass das Zugpferd das Genre wechselt. Trotzdem lässt sich der naive Sullivan von seinem Plan nicht abbringen. Da die Bosse ihm vorwerfen, dass er als reicher Mann gar keine Ahnung von Armut haben kann, fasst der Filmemacher den Entschluß sich als Landstreicher zu verkleiden und durchs Land zu reisen. Er will das "echte Leben" studieren. Im reichhaltigen Kostümfundus des Studios sucht er sich ein schäbiges Landstreicher-Outfit aus und zieht in seiner ersten Reise mit 10 Cent in den Taschen los. Verfolgt von der PR-Abteilung des Studios, die in einem luxuriös ausgestatteten Wohnmobil auf seinen Fersen bleiben. Seine betriebene Milieustudie droht zu kippen, auch wenn Sullivan Mitfahrer eines fahrbegeisterten Jungen wird, der das Gefolge erfolgreich abschüttelt kann. So endet die erste Reise mit Slapstick und anschließendem Autostop, der ihn in seine Heimat Hollywood bringt. Er wagt einen nächsten Anlauf, nachdem er in einem Imbissvon einer blonden Schönheit (Veronica Lake) zu einem Frühstück eingeladen wird. Dieser Traumfrau kann er zuerst noch vormachen, dass er ein armer Landstreicher ist - aber er hält seine Armut nicht lange aufrecht, weil er der Schönen, die von einer Hollywood Karriere träumt, ein bisschen Schützenhilfe leisten will. Und das kann er nur als einflussreicher Mann. Er entwendet sein eigenes Auto und wird von der Polizei gestellt und wieder endet dieser Versuch, die Armut gemeinsam mit der Frau zu erkunden, mit der Endstation Hollywood. Der dritten Reise ist etwas mehr Glück beschieden...immerhin können sich Sullivan und sein Mädchen als Hobos durchschlagen. Hier wird "Sullivans Reise" zur Hommage an Charlie Chaplin. Nun hat er genug vom Experiment und während er - motiviert durch die Capra Filme - den Bedürftigen der Stadt ein paar Geldscheine einstecken will, beginnt die letzte und unfreiwillige Reise. Denn er wird zusammengeschlagen und findet sich in einem Güterzug wieder. Der Dieb, der ihm die Schuhe geklaut hat, wird von einem Zug tödlich erfasst und da der Tote für Sullivan gehalten wird, ist er nun wirklich vom Schicksal zu einem Landstreicher geworden. Als ein Bahnarbeiter ihn aggressiv angeht, wehrt er sich und wird zu 6 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Dort im Knast bringt ihm die Vorführung eines Disney Zeichentrickfilms das Lachen zurück und er hat einen effektiven Einfall, der ihn wieder nach Hollywood bringt. Natürlich kriegt er sein Mädchen und er beschließt Regisseur Sullivan zu bleiben, der diese netten und unterhaltsamen Komödien dreht...




Klingt alles ein bisschen diffus, aber der Film strahlt einen unglaublichen Charme aus. Während die ersten drei Reisen dafür stehen, dass man seinem Umfeld nie entkommen kann, scheint es, dass er mit der letzten Reise endlich Erkenntnisse gewinnen kann. So als würde man etwas lernen, wenn man eben nicht danach sucht, sondern wenn das Schicksal zuschlägt.
Extrem gelungen ist die dritte Reise, dort wirken Joel McCrae und die als Junge zurechtgemachte Veronica Lake tatsächlich wie Chaplin, der Tramp und sein Begleiter "The Kid". Überhaupt erweist sich "Sullivans Reise" auch als Hommage auf das ganz alte Hollywood - auf den Stummfilm und auf die Zeit, als der Film noch neu war und man kann nur vermuten was für eine Faszination der Film und das Kino in den Kindertagen hatte.
Die Traumfabrik fungiert hier tatsächlich als diese Realitätsflucht und Sullivan wird immer wieder am Ende seiner Reise in Hollywood sein. Möglich, dass der Film etwas uneinheitlich erscheint, aber ich finde Preston Sturges hält die Balance zwischen Drama und Kömödie perfekt. Auch die gewisse Künstlichkeit der Szenerie passt perfekt zu der Message, dass im Glanz von Hollywood ein pessimistisches Weltbild verdrängt wird - man ist ja der Held, wenn man es als Regisseur schafft, dass die Leute für 1 oder 2 Stunden ihr Leid vergessen. Er als Regisseur schafft für diese Armen damit was ganz Wertvolles. Ist Preston Sturges hier tatsächlich die bissigste aller Hollywood-Satiren gelungen oder hat er sich selbst und seine Zunft auf einen überhöhten Sockel gestellt ? Ich tendiere zu Ersterem. Und federleicht wie selten wirkt der Inszenierungsstil von Sturges.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Giganten

























Regie: George Stevens

Eine texanische Geschichte...

Bei der Oscarverleihung 1957 bekam George Stevens "Giganten" insgesamt 10 Oscarnominierungen (Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, beste Ausstattung Farbe, Beste Köstüme Farbe, Bester Schnitt, beste Filmmusik sowie die Darsteller Rock Hudson, James Dean und Mercedes McCambridge) - aber nur der Regisseur konnte einen Sieg erringen. In den US-Filmjahrescharts lag der Film auf einem hervorragenden 3. Platz - lediglich "Die 10 Gebote" und "In 80 Tagen um die Welt" machten mehr Kasse. Die populäre Elizabeth Taylor musste noch 1 Jahr warten bis sie ihre erste Oscar-Nominierung für "Land des Regenbaums" erhielt. Es folgte jedes Jahr eine weitere für "Die Katze auf dem heißen Blechdach" (1959) und "Plötzlich im letzten Sommer" (1960), aber erst mit "Butterfield 8" klappte es im vierten Anlauf mit dem Sieg.
Interessanterweise kam der Kameramann William C. Mellor ebenfalls nicht zu Nominierungs-Ehren. Obwohl seine beiden Oscars (1952 für "Ein Platz an der Sonne" und 1960 für "Das Tagebuch der Anne Frank" auch durch Stevens Filme zustande kamen. Er lief aber in "Giganten" zur Höchstform auf, es gibt nur wenige Hollywood Klassiker der 50er Jahre mit ähnlich starker Farbkamera.
Für seine Zeit behandelt der Film Themen mit denen man sich noch in den 50er Jahren eher schwer tat: Rassismus und Gleichberechtigung der Frauen. Die Arzttochter Leslie Lynnton (Elizabeth Taylor) kommt aus einer sehr modernen Familie und sie trägt sich mit dem Gedanken ihren englischen Freund Sir David Karfrey (Rod Taylor) zu heiraten und in Europa zu leben. Ihr Vater (Paul Fix) will daher Leslies Hengst Westwind in gute Hände abgeben. Der junge texanische Großgrundbesitzer Jordan "Bick" Benedict (Rock Hudson) reist deshalb an und im Nu verliebt sich Leslie in den attraktiven Texaner. Der empfindet genauso und es kommt zur Blitzhochzeit und mit dem Zug geht es für die beiden Jungvermählten ins weite Land Texas und für Leslie in eine völlig fremde Welt.
Dort herrscht noch der Mann, die Frau macht den Haushalt - und selbst diese Arbeit wird ihr durch Jordans ältere Schwester Luz (Mercedes McCambridge) streitig gemacht. Die Beziehung der beiden Frauen ist angespannt, der junge Arbeiter Jett Rink (James Dean) sucht aber die Nähe der neuen Herrin von Reata - so heißt Bicks Ranch, ein imposanten viktorianischen Anwesen mitten im Nirgendwo.
Die gebildete Leslie interessiert sich für Politik - doch das wird den Frauen in Texas verwehrt. Auch ihr Engagement für die mexikanischen Arbeiter wird auch von Bick argwöhnisch betrachtet. Trotz zahlreicher Konflikte bleiben die beiden Verheirateten zusammen. Sie bekommen drei Kinder (als Erwachsene spielen Dennis Hopper, Carroll Baker, Fran Bennett) und der Aussenseiter Jett bekommt erbt ein Stück Land, auf dem er Öl bohrt und tatsächlich durch eine Ölquelle zum reichsten Mann von Texas aufsteigt....







Der 196 Minuten lange Film lässt sich viel Zeit für die Figurenzeichnung und George Stevens gelingt es eindrücklich die Unendlichkeit der texanischen Landschaft zur Geltung zu bringen. Darüberhinaus sind alle Darsteller hervorragend - in Nebenrollen sind auch Chill Wills oder Sal Mineo zu sehen. Die Handlung begleitet die texanische Familie beinahe 25 Jahre lang und nimmt eine kritische Selbstdarstellung der USA ein. Er zeigt den alltäglichen Rassismus und die Macht von Tradition. Inmitten dieser Themen ist dann auch die Entwicklung einer Ehe zu sehen, aber auch der Mensch, der an seiner unerfüllten großen Liebe seines Lebens innerlich zerbrochen ist.






Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Ben Hur

























Regie: William Wyler

Die Geschichte eines Christen...

"Ben Hur" ist klassisches altes Hollywood Kino in der monumentalsten Form. In der inflationsbereigten Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten steht William Wylers größter Kassenhit von 1959 immer noch auf Platz 14. Und damit sogar einen Rang besser als "Avatar", der rein nach Umsatz der Film ist, der das meiste Geld eingespielt hat.
Wenn man an "Ben-Hur" denkt, dann fällt natürlich zuerst das grandiose Wagenrennen ein - eine der spannendsten Filmszenen aller Zeiten und Höhepunkt des 222 Minuten langen Monumental-Bibelfillms. Die hervorragende Filmmusik von Miklos Rosza bleibt unvergessen ebenso wie die imposante Seeschlacht der Galeerenschiffe und die geniale Einflechtung vom Wirken Jesus Christus und seiner Kreuzigung am Ende. Man mag die Heilungen heute als etwas kitschig ansehen, aber als ich "Ben Hur" erstmalig als Jugendlicher in den 70er Jahren im Kino sah, war ich begeistert von diesem unheimlich aufwendig gestalteten Rachefilm mit den überwältigenden Bildern von Kameramann Robert Surtees.
"Ben-Hur" war lange Jahre der einzige Film, der es auf 11 Oscar-Siege brachte. Erst "Titanic" und "Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs" konnten die gleiche Anzahl an Trophäen gewinnen. Der Film basiert auf dem weltbekannten gleichnamigen Roman von Lew Wallace und wurde mehrfach - aber nie erfolgreicher - verfilmt.
Als Kinder waren sie innig miteinander befreundet. Der jüdische Fürstensohn Judah Ben-Hur und der römische Junge Messala. Zu Beginn des ersten Jahrtausends treffen sich die Freunde als erwachsene Männer wieder. Judah Ben-Hur (Charlton Heston) ist einer der reichsten Bürger in Jerusalem und lebt gemeinsam mit seiner Mutter Miriam (Martha Scott) und seiner jüngeren Schwester Tirzah (Cathy O´Donnell) in Frieden, obwohl die Stadt unter der Herrschaft der römischen Besatzer steht. Die Menschen hier sind empfänglich für Religion und glauben an die Verheisung, dass der Sohn Gottes kommen wird und der Knechtschaft ein Ende macht. Sein damaliger Freund Messala (Stephen Boyd) ist inzwischen römischer Tribun und Befehlshaber geworden. Als sich beide treffen, steht das erste Treffen ganz unter der früheren Verbundenheit - die beiden Freunde strahlen sich an (Gore Vidal soll ja einen homosexuellen Subtext mit eingearbeitet haben, von dem aber nur Stephen Boyd Kentniss gehabt haben soll. Charlton Heston wurde nicht informiert, denn er hätte diese Emotion wohl nicht im Unsichtbaren rüberbringen wollten).
Doch Messala will, dass ihm sein bester Freund die Namen nennt, die als Feinde Roms auch Gewalt anwenden wollen. Und Judah kann und will kein Verräter am eigenen Volk werden. Dies führt zum Bruch der Freundschaft. Aber Trost findet Judah bei der schönen Esther (Haya Harareet), der Tochter seines treuen Verwalters Simonides (Sam Jaffe). Doch als der neue Stadthalter in Jerusalem eintrifft, kommt es bei dessen Parade zu einem folgenschweren Zwischenfall. Auf der Dachterasse von Judah lösen sich einige Dachziegel und fallen in dem Moment hinunter, als der Stadthalter auf dem Pferd vorbei reitet. Messala könnte ein gutes Wort für den Freund und dessen Familie einlegen, doch der ist so gekränkt, dass er die Familie verhaften lässt. Judahs Mutter und Tirzah kommen ins Gefängnis und Judah selbst wird als verurteilter Attentäter zum Sklavendienst auf der Galeere verurteilt. Eigentlich das Todesurteil, doch Judah schwört Rache und das Schicksal meint es wirklich gut mit ihm. Er bekommt auf dem beschwerlichen Weg zu den Galeeren von Tyrus Wasser von einem charismatischen Zimmermann und während einer Seeschlacht rettet er, der Gefangene Nr. 41,  das Leben des Konsuls Quintus Arius (Jack Hawkins). Dies ermöglicht ihm die Rückkehr nach Jerusalem...













Und dort erfüllt sich die Vollendung der Rache, aber die Prüfung geht weiter und führt den tragischen Helden ins Tal der Aussätzigen und am Ende auf den Kreuzweg. Dort erkennt Judah, dass der Mann, der ihm damals Wasser gegeben hat, der Verurteilte ist. Die Kreuzigung steht bevor, für den alten Balthasar (Finlay Currie) aber nicht das Ende, sondern der Anfang.
Charlton Heston bekam einen Oscar und auch Nebendarsteller Hugh Griffith als Scheich Ildrim gewann die ganzen Sympathien des Publikums. Am Ende gewann er den Oscar als bester Nebendarsteller, dabei hätte aber auch Stephen Boyd diesen Preis redlich verdient. Denn auch wenn vordergründig die Geschichte vom Wirken Jesu erzählt wird, konzentriert sich der Film vor allem auf die tragische Freundschaft der beiden Männer. Beide nehmen Rache - einer für die Zurückweisung und der andere für das Unrecht, das vom Freund begangen wurde.









Bewertung: 10 von 10 Punkten.