Samstag, 2. August 2014

Mörderspiel

























Regie: Helmut Ashley

Mord im Penthouse...

Der 1961 entstandene Kriminalfilm "Mörderspiel" wurde seinerzeit von der Kritik als "Hitchcocknah" gelobt, was aus heutiger Sicht dann doch ein etwas zu hoher Vergleich ist. Der kammerspielartige Streifen von Helmut Ashley hat aber auch ohne dieses Suspence-Flair viel interessantes zu bieten und er wirkt durch die vielen egozentrischen Selbstdarsteller, die dort im Penthouse, wo der Mord geschah, eine eher langweilige Party feiern, fast schon wie eine gallige Abrechnung mit dem Wirtschaftswunder und deren zuversichtliche Stimmung. Diese ist nämlich im "Mörderspiel" dann doch nahe am Abgrund angesiedelt und kann fast schon ein bisschen als Gegenentwurf für die auch im deutschen Nachkriegskino Einzug gehaltene Sehnsucht nach Harmonie und Optimismus durch diverse Heimatfilme angesehen werden. Der von dem späteren Oscargewinner Sven Nykvist bebilderte Film ist damit ein spannender Krimi, bei dem die in belangloser Langeweile erstarrte Partygesellschaft aus halbwegs gehobenen Mitgliedern der deutschen Nachkriegsgesellschaft aus ihrer Verdrängungslethargie herausgerissen wird. Diese hintergründige Gesellschaftsbetrachtung steht damit noch vor dem Suspencegehalt und beides zusammen hat Ashley (Das schwarze Schaf, Das Rätsel der roten Orchidee) zu einem sehenswerten Film verbunden.
Der Anfang zeigt einen Mörder beim Aufräumen des Tatorts, bevor er diesen verlässt. Peinlich genau säubert er die fremde Wohnung, in der er soeben eine Frau der High-Society getötet hat. Der Mann spricht mit sich selbst. Es ist der angesehene Modeschöpfer Klaus Troger (Harry Meyen), der schon mehrmals zugeschlagen hat. Sein Motiv ist ein tief sitzender Hass auf Frauen. Beim Verlassen des Hauses passiert aber für den Täter dieser sogenannte Worst Case, denn gleich vor dem Haus der Leiche trifft er auf den Jungarchitekten Hein Kersten (Götz George), der mit einem Sportwagen unterwegs ist. Beide Männer verbindet eine lose Bekanntschaft und daher fährt Kersten nichtsahnend den Serienkiller in die Stadt. Die Gedanken des Mörders sind damit beschäftigt, diesen unvorhergesehenen Zeugen um die Ecke zu bringen, dieser denkt aber nur an die tolle Party, die bei Geschäftsmann Hauser (Heinz Kievenow) in dessen luxuriösem Penthouse steigt. Bei diesen Partys ist auch Trogers frustierte Ehefrau Eva (Magali Noel) beliebter Dauergast. Kein Wunder, denn ihr Geliebter Dahlberg (Georges Riviere) verkehrt dort auch. Kersten überredet Troger auf die Party mitzugehen, was dieser dann auch tut, denn vielleicht ergibt sich so noch einmal die Gelegenheit den Zeugen zum Schweigen zu bringen. Und die Zeichen stehen bald sehr günstig, denn die gelangweilte Gesellschaft entschliesst sich mal wieder das beliebte "Mörderspiel" zu spielen. Jeder der 12 Partygäste muss eine Karte ziehen, wobei einer der Anwesenden den Detektiv spielen muss, ein anderer das Opfer und einer ist der Täter. Der Detektiv muss dann durch seine Verhöre herausbekommen, wer der Mörder ist. Und nur dieser darf lügen, die anderen müssen die Wahrheit sagen. Natürlich wird aus dem Spiel fieser Ernst und die Gesellschaft (u.a. Hanne Wieder, Margot Hielscher, Robert Graf, Wolfgang Reichmann, Anita Höfer, Uschi Siebert) werden bald wegen einem Mordfall vom Kriminalinspektor (Wolfgang Kieling) verhört...


 Der Film hat in seiner Anfangssequenz ein bisschen was von diesem Giallo Feeling und man hört die Offstimme, die dem Täter gehört und der hier seine Gedanken äussert. Hier lässt sich schon das Können des späteren Lieblingskameramann von Ingmar Bergman erkennen, der noch weitere sehr schöne Einstellungen in dem Szenario der Schönen und Reichen einbringt. Geschickt bietet der Film dem Zuschauer auch einige interessante Wendungen und auch wenn der Schlußplot nur durch eine gewisse Unlogik möglich ist (Täter sind normalerweise nicht so unvorsichtig im Umgang mit Beweismitteln) darf man sich hier auf einen gut gemachten 60er Jahre Krimi aus der BRD freuen.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.

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