Sonntag, 6. November 2016

Der Teufel mit der weißen Weste


Regie: Jean-Pierre Melville

Der Polizeispitzel...

Jean-Pierre Melville (20. Oktober 1917 - 2. August 1973) war der Meister der dunklen französsichen Gangsterkrimis. Er drehte Klassiker wie "Der eiskalte Engel", "Der Chef", "Armee im Schatten" oder "Vier im roten Kreis".
Zu seinen besten Werken gehört auch der 1962 in schwarz-weiß entstandene "Der Teufel mit der weißen Weste". Im Original heißt der Film "Le Doulos", was soviel bedeutet wie "der Hut", aber in der Geheimsprach der Polizisten und Gangster ist es der Name für einen Verräter, für einen Polizeispitzel. Quentin Tarantino ist ein bekennender Fan des Films und der meinte dass "Doulos" einer der wenigen Filme der Filmgeschichte ist, wo man 70 Minuten beim besten Willen nichts begreift. Und gerade dies zeichnet ja auch andere große Werke des Film Noir aus, ich denke da an Howard Hawks "Tote schlafen fest" oder auch an "Chinatown" von Roman Polanski. Gleich zu Beginn setzt der Film auf die bestmöglichste Krimi- und Unterweltatmsphäre. Ein Mann mit Hut und Trenchcoat läuft unter einer Brücke entlang. Immer wieder verschwindet er kurz in der Dunkelheit vieler Schatten. In dieser 3-minütigen Kamerafahrt ist sein Gesicht so gut wie nie zu sehen. Keine Frage: Es ist ein Film Noir, den wir hier serviert bekommen und was für einer. Es herrscht von Beginn an ein brüchiges Großstadtflair, wo Verrat, Verbrechen, Zwielichtigkeit und gar der Tod lauert. Der Mann mit Hut und Trenchcoat ist der Gangster Maurice Faugel (Serge Reggiani), der gerade aus dem Knast entlassen wurde, aber wieder ins alte Milieu zurückkehrt. Er ist auf dem Weg zu einem alten Freund, dem Hehler Gilbert Varnove (Rene Lefevre), einem seiner wenigen Freunde - doch er hat vor diesen Freund zu töten. Denn er soll für die Ermordung von Maurices Freundin gesorgt haben. Als er bei ihm ankommt, reden sie über einen neuen Coup, den Maurice mit seinem Kumpel Remy (Philippe Nahon) plant. Und Varnove warnt Maurice vor seinem neuen Freund Silien (Jean-Paul Belmondo), den man munkelt, dass dieser für die Polizei arbeitet. Als Varnove Maurice den Rücken dreht und die Juwelen betrachtet, die aus einem Raub stammen, setzt Maurice die Pistole an und tötet den Freund, der ihm in diesem Moment zu sehr vertraute. Doch Mißtrauen und Vertrauen begleiten die Geschichte weiter. Maurice packt die Mordwaffe und die Juwelen ein, auch das Bargeld aus Varnoves Tresor lässt er nicht dort - er vergräbt die Diebesbeute samt Pistole in der Nähe einer Straßenlaterne in diesem menschenleeren Industriegebiet und kehrt zu seiner neuen Freundin Therese (Monique Hennessey) zurück die für ihn bereits den Ort, wo der nächste Coup stattfinden soll, ausspioniert hat. Wenig später klingelt auch der zwielichtige Silien. Inzwischen suchen Kommissar Clain (Jean Desailly) und seine Männer nach dem Mörder und dann bekommen sie auch noch von einem Spitzel einen Tipp, dass in der Nacht ein Tresor geöffnet werden soll. Dies führt sie ins Haus, wo Maurice und Remy gerade ihren Diebesplan verwirklichen wollen...
 


Der Film enstand nach dem gleichnamigen Roman von Pierre Lesou. Erst sehr spät kann der Zuschauer die Zusammenhänge dieser vertrackten Story erkennen - zweifelsohne ist dies auch der Verdienst des genialen Drehbuchs, das Melville gemeinsam mit dem Schriftsteller verfasste. Dabei entwickelt sich der Coup auch noch in die Privatgeschichte des geheimnisvollen Gangsters Silien, toll gespielt vom jungen Belmondo. Er trifft seine ehemalige Geliebte (Fabienne Dali) wieder, die mit dem undurchsichtigen Nuttheccion (Michel Piccoli) verheiratet ist. Es werden Pläne geschmiedet, immer gibt es Menschen, die diese vereiteln könnten, denn es wird immer ein doppeltes Spiel gespielt. Brutal auch die Szene, in der Maurices Freundin Therese (Monique Hennnessy) völlig überraschend niedergeschlagen wird. Ein weiterer Beweis dafür, dass hier nicht nur der alte amerikanische Gangsterfilm der 30er und 40er Jahre Inspriationsquelle war, sondern auch die Werke von Shakespeare oder noch früher die griechischen Tragödien. All die transportiert in die Pariser Gangsterwelt der 60er Jahre, wo es wieder um Freundschaft und Verrat geht.



Bewertung: 10 von 10 Punkten. 

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