Samstag, 6. Januar 2018

Panzerkreuzer Potemkin

























Regie: Sergej Eisenstein

Revolution.....

Nach der Niederlage im russisch-japanischen Krieg verschärften sich die sozialen und politischen Konflikte im Zarenreich. Die Spannungen dehnen sich auch auf die Hafenstadt Odessa am schwarzen Meer aus. Als die Seemänner des Panzerkreuzers "Fürst Potemkin" verdorbenes Fleisch essen sollen, bricht an Bord die Meuterei aus. Beginnend mit der Schiffsmeuterei, die dann an Land weitergeführt wurde, gab es weitere Erhebungen im ganzen Land - bis hin zum historisch bedeutsamen Dezemberaufstand.
Sergej M. Eisensteins Film "Panzerkreuzer Potemkin" ist zweifelsohne eines der großen Meilensteine der Filmgeschichte. Mit diesem wuchtigen Werk nahm der sowjetische Film auch seinen berechtigten Platz im Weltkino ein. Der Film wurde sowohl im Inland als auch International überschwänglich gefeiert. Auch heute noch ist dieses Meisterwerk, dass leider nur noch in einer 70 Minütigen Fassung erhalten ist, trotz pathetischer Ausrichtung ein extrem mitreissender Film.
Eisenstein folgt einem chronologischen Aufbau in Form einer fünfaktiken Tragödie, die Handlung wird vornehmlich durch Symbolik und vor allem durch eine Bildersprache beherrscht. Letztere setzt auch auf Bilder von Menschen, die Teil dieser Ereignisse werden.
Auffallend ist vor allem die im 4. Akt gezeigte Treppenszene beim Regierungspalast in Odessa, die direkt ans Meer führt. Mit verwegener Rhythmik und einer starken Dynamik des Schnitts werden die Menschen, die sich dort versammelt haben, von einem grausamen Gegenschlag des Zarenregimes überrascht. Extreme Nahaufnahmen und der Einsatz von neuen innovativen Montagetechniken versetzen mich als Zuschauer auch heute noch - mehr als 90 Jahre nach der Enstehungszeit dieses Klassikers - in echtes Erstaunen. Dagegen sind neue CGI Tricks fast schon zum Einschlafen langweilig. Sie wurde auch mehrfach von anderen anerkannten Regisseuren kopiert - ich erinnere mich an "Brazil" von Terry Gilliam und vor allem auch an die beste Szene von Brian de Palmas "The Untouchables".
"Panzerkreuzer Potemtik" ist zweifelsohne noch heute ein virtuoses Erlebnis für den Filmfan. Ein Film mit legendärem Ruhm. Man spürt den Sturmwind eines gewaltigen Abenteuers auf der Leinwand. Zu seiner Zeit war der Film hochpolitisch und man kann ihn natürlich als Propagandafilm der damals noch jungen Sowjetunion ansehen, doch er wirkt heute auf mich universeller. Jahrzehntelange Zensur und fanatische Anhänger machten es schwer, die Geschichte hinter dem Film zu sehen. Unzählige Analysen seiner Struktur, seiner Symbolik, seines Ursprungs oder seiner Auwirkung gab es. Was bleibt ist sein Mythos.  Die berühmte Szene vom Massaker auf der Treppe ist eine der einflussreichsten Szenen des Kinos überhaupt, dieses Ereignis hat aber so wie es Eisenstein schildert nicht stattgefunden.
Das erste Bild zeigt den Alltag der Besatzung des Potemkin, ein Schlachtschiff der Schwarzmeerflotte der Kaiserlich russischen Marine. Die beiden Matrosen Matjuschenko (Mikhail Gomorov) und Grigorij Vakulinchuk (Aleksandr Antonov) sind Bolschewiken und diskutieren über die Notwendigkeit einer Revolution in Russland. Besonders Vakulinchuk will nicht länger warten, er weiß, dass die Zeit des Handelns gekommen ist. Grund gibt es genug, wenn man das verdorbene Fleisch ansieht, dass die Männer essen sollen. Maden sind darauf zu sehen, das Fleisch stinkt - aber der Schiffarzt gibt Enwarnung: Das Fleisch ist gut, der Koch soll eine schmackhafte Suppe davon zubereiten. Dies führt zu starkem Unmut und es kommt zur Befehlsverweigerung. Ein paar der Männer sollen wegen dieser Verweigerung erschossen werden, doch Vakulinchuk bittet das Erschießungskommando eindringlich die Waffen nicht gegen ihre Kameraden zu erheben. Die Seeleute überwältigen die Offiziere und übernehmen die Kontrolle über das Schiff. Die Meuterei ist erfolgreich, doch der charismatische Anführer Vakulinchuk wird getötet. Der Potemkin kommt im Hafen von Odessa an und die Leiche des Mannes an Land gebracht, genauer gesagt er liegt in einem Zelt mit dem Schild auf der Brust "Für einen Löffel Suppe getötet". Dies sorgt auch in Odessa für große Empörung und es kommt zu Tumulten, die sich dann auf den Odessa-Stufen zum Massaker der Kosaken gegen die unbewaffnete Zivilbevölkerung gipfelt.
Die Matrosen des Potemkin beraten, ob sie landen sollen, um der Bevölkerung zu helfen. Doch da bereits ein Admiralsgeschwader gegen sie unterwegs ist, beschließen sie, diesem entgegenzufahren. Beim Aufeinandertreffen der Schiffe kommt es zur Verbrüderung, die Revolution ist auf der Siegerstraße...





Auch im Deutschland der Weimarer Republik wurde der Film verboten und erst durch viele Schnitte wieder herausgebracht. Der Reichswehrminister verbot den Soldaten den Besuch im Kino. Auch Goebbels verbot den Film sofort, dennoch war er gleichzeitig ein Bewunderer der Machart dieses Films. Von den Regisseuren, die im dritten Reich arbeiteten, forderte er immer wieder einen "deutschen Potemkin" zu drehen. Regisseur Sergej M. Eisenstein gelang mit diesem Film eine noch heute bewegende Darstellung über die Themen "Unterdrückung" und "Rebellion".





Bewertung: 10 von 10 Punkten.
 

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