Donnerstag, 31. Mai 2018

Die Enttäuschten

























Regie: Claude Chabrol

Der schöne Serge...

Claude Chabrols "Die Enttäuschten" gilt als der erste Filme der Nouvelle Vague. Von Chabrols Mut beflügelt, drehten bald auch andere junge Cinephile wie Truffaut, Godard oder Rivette ihren ersten Langfilm. Sein erster Film ist eine eher pessimistische Milieuschilderung - natürlich fernab von dem Glamour der Traumfabrik. Chabrol schildert den Dreck und die Beschränktheit der franzöisischen Provinz äusserst eindrucksvoll, das ländliche Milieu verliert den Status der Idylle. "Die Enttäuschten" spielt sogar im Dorf Sardent im Departement Creuze, dort ist Chabrol bei seinen Großeltern aufgewachsen und in der Mitte der Geschichte erscheint der Regisseur Chabrol sogar in einer Kurzrolle als La Truffe, ein Mann, der ziemlich viel Geld geerbt hat. Tatsächlich konnte Chabrol aufgrund einer Erbschaft seiner damaligen Ehefrau Agnes Goute den Sprung ins Filmgeschäft wagen, die Drehbarbeiten fanden vom 4. Dezember 1957 bis zum 4. Februar 1958 statt. Das Budget betrug 85.000 Dollar.
Die Geschichte beginnt mit der Ankunft von Francois (Jean-Claude Brialy) in seiner Heimatstadt. Nach 12 Jahren in Paris und zuletzt in der Schweiz hat sich einiges verändert. Francois ist gesundheitlich angeschlagen und muss seine Tuberkulose auskurieren. Seine besten Freund Serge (Gerard Blain) erkennt er aber sofort, doch der ist so betrunken, dass er Francois gar nicht registriert. Erst ein paar Stunden später kommt es zur ersten Begrüßung der beiden Freunde. Im Wirtshaus hat Serge mit seinem Stiefvater Glomaud (Edmond Beauchamps) noch mehr getrunken und die beiden Trunkenbolde werden von Serges schwangerer Frau Yvonne (Michele Meritz) und Glomauds Tochter Marie (Bernadette Lafont) dort abgeholt und heimgebracht. Francois hat sich ein Zimmer im Gasthaus gemietet und erfährt von der Wirtin Madame Chaunier (Jeanne Perez) was sich in seiner langjährigen Abwesenheit so alles ereignet hat. Die Ankunft seines Freundes verstärkt aber die chronische Lebenskrise seines Freundes. Der Pfarrer (Claude Cerval) rät Francois wieder abzureisen, da Serge immer mehr trinkt. Francois erfährt, dass Serges Frau ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt gebracht hat, dieses aber gleich nach der Geburt verstorben ist. Serge glaubt, dass auch die jetzige Schwangerschaft mit genau diesen tragischen Ergebnis enden wird. Inzwischen beginnt Francois ein Verhältnis mit Marie, von der man sagt, dass sie einen immensen Männerverschleiß hat....




"Die Enttäuschten" ist mit den späteren Chabrol Filmen nicht unbedingt zu vergleichen, denn es fehlt die kriminalistischen Note. Das Augenmerk gilt vor allem der lähmenden Atmosphäre des kleinen Dorfes und dies hat Kameramann Henri Decae in exzellente und stimmungsvolle Bilder gepackt. Ein ganz starke Authentizität ist gegeben und gelegentlich fühlt man sich sogar an den Neorealismus Italiens erinnert. Gerard Blain erinnert an bisschen an den rebellischen James Dean, er weigert sich der Realität un dem Erwachsenenalter ins Auge zu sehen. Die Schlußeinstellung suggeriert zwar einen Hoffnungsschimmer, aber wer weiß das schon. Jean-Claude Brialy ist der Gegenpart des gescheiterten schönen Serge (Originaltitel des Films "Le beau Serge), der versucht durch positive Akzente den moralischen Sumpf seines Heimatdorfes etwas zu durchbrechen.
Sein Regiedebüt beschreibt sehr genau die Zerfallserscheinungen einer Provinzgesellschaft und entwickelt hauptsächlich durch die perfekt gelungene Figurenzeichnung eine knisternde Spannung zwischen den Protagonisten.





Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

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