Montag, 18. Januar 2021

Die Hochmütigen - Aufenthalt vor Vera Cruz


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Yves Allegret

Liebe in Zeiten der Pandemie...

Martin Scorsese soll ein Bewunderer des 1953 gedrehten Films "Die Hochmütigen" (Originaltitel: Les Orgueilleux) von Yves Allegret sein und ich finde diesen in Vergessenheit geratenen Film auch hervorragend. 1987 wurde ihm posthum der Cesar für sein Lebenswerk verliehen. "Die Hochmütigen" war auch bekannt als "Aufenthalt vor Vera Cruz" und basiert auf Jean Paul Sartres unveröffentlichem Drehbuch "Typhus". Dabei legte der Regisseur sehr viel Wert auf die Bilder, die eine beklemmende Atmosphäre schaffen. Eingefangen wird ein typischer Festtag in Mexiko, die enorme Hitze ist total spürbar. Ein Reisebus trifft in Alvarado, einem mexikanischen Küstendorf in der Region von Vera Cruz ein und zu dieser Reisegruppe gehört auch Nellie (Michelle Morgan), deren Mann auf der Fahrt plötzlich schwer erkrankt ist. Eine Weiterfahrt für den Patienten ist ausgeschlossen. Sofort wird der örtliche Arzt (Carlos Lopez Moctezuma) geholt, der eine schreckliche Diagnose stellt. Der Mann hat eine Menigitis und es sieht nicht nur für ihn schlecht aus. Denn er wird sicherlich andere Mitreissende angesteckt haben.
Die Frau ist durch diese neue unvorhergesehene Situation völlig überfordert. Im Ort lebt auch der Säufer Georges (Gerard Philippe), der ziemlich heruntergekommen ist und jede Gelegenheit nutzt um an Alkohol zu kommen. Er agiert als Hilfskraft des Doktors, obwohl er vor seinem Fall selbst Mediziner war. Er ist es auch, der den Mann von Nellie tot im Badezimmer auffindet. Nellie versucht nach Frankreich zu telegraphieren, doch nun fehlt die gut gefüllte Geldbörse des Toten. Während draußen die Leute den Karfreitag feiern, weiß der Doktor, dass eine Pandemie um sich greifen wird. Schnell müssen die Menschen geimpft werden - zuerst findet Nellie Georges ziemlich abstoßend und verdreckt. Doch sie wird im Laufe der Geschichte ihre Ansicht über diesen Menschen deutlich ändern. Er trinkt zwar, hilft aber dem Doktor selbstlos eine Quarantäne Station einzurichten, ohne dass es zu einer großen Panik im Ort kommt. Die beiden unterschiedlichen Menschen kommen sich durch die Ereignisse immer näher...



 

Der kleine Ort erinnert ein bisschen an den Ort aus Clouzots Meisterwerk "Lohn der Angst" und Yves Allegret ließ sich sicherlich auch etwas von dem Filmemacher luis Bunuel inspirieren. In der Rolle der Anna ist Michele Cordoue zu sehen, Victor Manuel Mendoza spielt den Barbesitzer Don Rodrigo. Die Szenen auf den Straßen haben einen dokumentarischen Anstrich, die Musik stammt von Paul Mizraki und Gonzalo Curiel, sie nimmt auch einen großen Raum in der Dramaturgie ein und lässt einige Szenen magisch aussehen. Etwa wenn sich Michele Morgan Eiswürfel aufs Gesicht und auf die Brust schmiert, ihre Beine mit einem Fächer abkühlen will. Ihre nackten Füße hinterlassen feuchte Spuren auf den Fließen im Zimmer. Es sind diese kleinen, aber intensiven Szenen, die diesen weitestgehend unbekannten Film zu einem echten Meisterwerk für mich machen. Trotz der ganzen Tristesse endet die Geschichte versöhnlich.



Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

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