Sonntag, 18. Oktober 2020

Geschichte einer Nonne


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Fred Zinnemann

Schwester Lukas...

Die Oscarverleihung am 4. April 1960 im RKO Pantages Theatre in Los Angeles stand ganz im Zeichen von religiösen und spirituellen Themen. William Wylers Monumentalepos "Ben Hur" wurde 12 Mal nominiert und konnte in 11 Kategorien den Sieg davontragen. Auch Fred Zinnemanns Verfilmung "Geschichte einer Nonne" kam auf 8 Nominierungen (Bester Film, Hauptdarstellerin Audrey Hepburn, Bestes Drehbuch Robert Anderson, Beste Kamera Franz Planer, beste Musik Franz Waxman, bester Schnitt, bester Ton und beste Regie - leider ging sein Film an diesem Abend völlig leer aus.
Wenn "Ein Herz und eine Krone" ihre sympathischste und emotionalste Leistung war, dann dürfte sie als Gabrielle van der Mal ihre reifste Leistung abgeliefert haben, auch wenn Simone Signoret den Oscar gewann.
Der Film entstand nach dem kurz zuvor erschienenen populären Roman "A Nuns Story" von Kathryn Hulme, der das Leben der jungen Belgierin Gabriele van der Mal zeigt, die beschließt als junge Frau einem Kloser beizutreten und somit fortan ein Leben in voller Hingabe, Opferbereitschaft und Demut führen muss. "Geschichte einer Nonne" wurde an Originalschauplätzen im belgischen Kongo gedreht und gilt heute als einer der ultimativen Klassiker des 50er Jahre Kinos.
Dabei hat Regisseur Fred Zinnemann auf ein phänomenales Schauspielerensemble zurückgreifen können. Neben Audrey Hepburn ist Peter Finch als Dr. Fortunati, Dean Jagger als Dr. Hubert van der Mal, Dame Edith Evans als Mutter Emanuel, Peggy Ashcroft als Mutter Mathilde, Mildred Dunnock als Schwester Margharita, Beatrice Straight als Mutter Christophora, Patricia Collinge als Schwester William und Colleen Dewhurst als Erzengel zu sehen.
Gabrielle van der Mal hat sich entschlossen ins Kloster zu gehen. Ihr Vater - der berühmte Chirurg - begleitet sie dorthin. Von ihm hat die junge Frau sehr viel über die Medizin gelernt und dieses Können und Talent - so hofft die junge Frau - darf sie bald im belgischen Kongo ensetzen. Sie erhält den Namen Schwester Lukas, unterzieht sich ihrem Postulat und Noviziat. Dabei merkt sie immer mehr, dass ihre größte Schwierigkeit darin besteht, das Gelübde des Gehorsams zu befolgen. Ihr Weg führt sie von einer Psychiatrie in die Schule für Tropenmedizin. Sie besteht die Prüfung mit "Sehr gut", obwohl sie damit der Bitte der Oberin nicht nachkommt die Prüfung absichtlich nicht zu bestehen, um Demut zu zeigen. Endlich darf sie in den Kongo, wo sie in einem Krankenhaus für Weiße arbeiten soll. Dort arbeitet sie mit dem brillianten Chirurgen Dr. Fortunati zusammen. Dann erkrankt sie an Tuberkulose....





In der Schlußszene verlässt Gabrielle durch die Hintertür für immer das Kloster, dem sie mehr als 20 Jahre gedient hat.
Der Film hat eine Laufzeit von 150 Minuten und besticht durch die sorgfältige und ruhige Inszenierung von Fred Zinnemann. Der Regisseur mit jüdischen Wurzeln hat die christliche bzw. katholische Thematik mit größtem Respekt versehen. Dennoch hatte der Film auch Kritiker, was ich aber nicht nachvollziehen kann. Zinnemanns Film ist von Anfang bis Ende subtil und macht einen ganz individuellen Gewissenkonflikt sichtbar. Doch einige Stimmen meinten, dass Zinnemann dem Mißverständis Nahrung gibt, dass die Pflicht der klösterlichen Disziplin mit der Nächstenliebe unvereinbar zu sein scheint. Hier ist das Spiel von Audrey Hepburn viel zu differenziert, als dass dieser Gedanke aufkommt. Zinnemann hatte auch sonst in jeder Kategorie Unterstützung von Weltklasseleuten. Franz Planer als Kameramann, Franz Waxman für den Score und jede Menge Vollblutschauspieler, auch in den kleinsten Nebenrollen. Im Kinojahr 1959 spielte der Film 12,8 Millionen Dollar weltweit ein. In den US-Kinojahrescharts kam "Geschichte einer Nonne" auf den 8. Platz.





Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

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