Mittwoch, 14. Dezember 2016

Rendezvous nach Ladenschluß

























Regie: Ernst Lubitsch

Der kleine Laden in der Balta Straße....

Die romantische Komödie "Rendezvous nach Ladenschluß" aus dem Jahr 1940 ist für mich nach "Sein oder Nichtsein" der beste Film von Ernst Lubitsch - in meiner Gunst noch vor dem kurz zuvor gedrehten Klassiker "Ninotschka". Während sein Meisterwerk "Sein oder Nichtsein" sich direkt mit dem Kriegsausbruch beschäftigt und eine Schauspielergruppe im Warschau des Jahres 1939 zeigt, präsentiert Lubitsch in "Rendezvous nach Ladenschluß" eine Geschichte aus Budapest in den 30er Jahren. Alles scheint friedlich, nichts scheint hinzudeuten, dass während des Drehs der Krieg schon in vollem Gange war. Aber in der Geschichte nach dem Theaterstück "Parfümerie" von Miklos Laszlo scheint die Zeit stillzustehen.  Und nach seinen Komödien aus der Welt der Snobs wandte er sich erstmalig den kleinen Leuten zu. Seine Helden sind die Angestellten  bei Matuschek und Co., einen Laden für Lederwaren und verschiedenen Accessoires oder Geschenkartikeln. Das Geschäft liegt zwar nicht in der prächtigen Andrassy-Straße, sondern gleich um die Ecke in der Balta-Straße, einer Nebenstraße. Also immerhin ganz nah in der Premiumlage von Budapest. Das Geschäft wird vom Besitzer Hugo Matuschek (Frank Morgan) zwar streng geführt, er ist aber seinen Mitarbeitern sehr zugetan. Erster Verkäufer ist Alfred Kralik (James Stewart), der es sogar geschafft hat, dass der Chef ihn schon öfters zum Essen eingeladen hat. Auch Frau Matuschek war ganz entzückt von dem Mitarbeiter ihres Mannes. Immer für einen lockeren Spruch ist der Botenjunge Pepi (William Tracy) gut. Auch Pirovitch (Felix Bressart) ist schon lange hier beschäftigt. Sobald er hört, dass Matuschek eine ehrliche Meinung verlangt, flüchtet er aber gekonnt aus dem Geschehen. Dafür schmeichelt der ehrgeizige Verenz Vadas (Joseph Schildkraut) seinem Vorgesetzten wo er nur kann. Zu den Mitarbeiterinnen Flora (Sara Haden) und Ilona (Inez Courtney) gesellt sich bald eine weitere Verkäuferin. Die junge Klara Novak (Margaret Sullavan) kann aber gar nicht gut mit Kralik, so liefern sich die beiden bei der Arbeit öfters einen Zicken- und Nervenkrieg. Kralik pflegt seit einiger Zeit eine Briefliebe mit einer romantischen Unbekannten. Was er nicht weiß: Diese Unbekannte ist seine Kollegin Klara, die ihn immer wieder auf die Höhe bringt. Bald steuern sie auf einen denkwürdigen Tag zu, an dem der Chef verlangt, dass die Mitarbeiter länger bleiben sollen, weil die Fenster neu dekoriert werden sollen. Ausgerechnet dies ist der Abend, wo sich die beiden Unbekannten Briefeschreiber in einem Cafe verabredet haben. An diesem Tag kommt es auch zu einem überraschenden Zerwürfnis zwischen Matuschek und Kralik. Letzterer wird am Abend noch von Matuschek mit einem guten Zeugnis entlassen...



Natürlich gibt es auch einen Grund für das sonderbare Handeln des Chefs. Er steckt in der Krise seines Lebens. Und so kommt es zu einer Beinahe-Katastrophe, die aber zum Glück verhindert wird. Und dadurch - Weihnachten steht auch vor der Tür - wendet sich alles wieder zum Guten. Für den Chef und natürlich auch für die beiden Streithähne Alfred und Klara. Dies alles hat Lubitsch so federleicht und locker inszeniert, dass es eine Freude ist. Natürlich ist auch viel Sentimentalität mit dabei - Lubitsch Mischung zwischen Drama und Comedy erinnert sehr stark an einen weiteren James Stewart Weihnachtsfilm. Der Megaklassiker "Ist das Leben nicht schön ?" von Frank Capra. Wenn man dann noch "Mein Freund Harvey" von Henry Koster erwähnt, dann hat man die drei schönsten James Stewart Komödien. Natürlich ist in "Rendezvous nach Ladenschluß" Budapest im Studio entworfen und der Weihnachtsschnee ist künstlich - aber auch dies verstärkt den Charme dieses Weihnachtsklassikers mit einem gewissen Kammerspielcharakter noch zusätzlich. 1998 kam ein Remake in die Kinos. Die Rede ist von Nora Ephrons "E-Mail für dich" mit Tom Hanks und Meg Ryan. Eine nette Neuauflage, aber an die Magie des Originals reicht der Film leider nicht heran.



 Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Leoparden küßt man nicht

























Regie: Howard Hawks

Zoologen und andere Verrückte...

Der Screwball-Klassiker "Bringing up Baby" aus dem Jahr 1938 war trotz Cary Grant in der Hauptrolle nicht der große Kassenerfolg, den sich die RKO erhoffte. Immerhin spielte der Film damals noch mehr als 1 Millionen Dollar ein, im Grund gar nicht so übel, aber am Ende blieb halt nur ein Gewinn von schlappen 15.000 Dollar übrig. Dies lastete man vor allem dem Regisseur Howard Hawks an, der die Dreharbeiten um 40 Tage verzögerte und dadurch auch seine Gage auf 220.000 Dollar hochtrieb.
Erst Jahre später etablierte sich Hawks durchgeknallter Spaß in den Olymp des Genres und dort ist er auch noch heute zu finden. Der Film ist in Deutschland bekannt unter "Leoparden küßt man nicht" und präsentiert im Titel bereits den am wenigsten verrückten Darsteller des Films: Baby, der zahme Leopard, gespielt von Leopard Nissa, die bereits Erfahrungen im B-Picture hatte. Auch ihr tierischer Kollege, der Hund Skippy, war kein Neuling - er spielte George, den knochenverrückten Hund der völlig durchgeknallten Susan Vance. Diese Rolle bekam die Oscarpreisträgerin Katharine Hepburn. Sie galt 1938 aber als Kassengift, erst der Riesenerfolg mit George Cukors "Philadelphia Story" konnte dieses wenig günstige Attribut Lügen strafen.
Genauso verrückt ist aber auch der Zoologie-Professor David Huxley (Cary Grant), dessen Lebensaufgabe es ist, Saurierknochen zu beschaffen, damit die Rekonstruktion eines riesigen Saurierskeletts (Brontosaurus) komplett im Museum präsentiert werden kann. Immerhin hat er eine hübsche Verlobte Alice Swallow (Virginia Walker), aber auch die ist mehr an Fossilien interessiert als am lebendigen Fleisch ihres Zukünftigen. Der Zuschauer merkt gleich, dass dieser Zweckgemeinschaft (alles den Saurierknochen unterordnen) das große Glück nicht beschieden sein wird. Aber Huxley ist zufrieden, auch wenn er sonderbar, skurril und weltfremd wirkt. Von der reichen Elisabeth Random (May Robson) könnte laut dem Anwalt Peabody (George Irving) einen Millionenspende für das "notleidende" Museum kommen. Auf dem Golfplatz soll es zum ersten Zusammentreffen kommen. Doch statt der steinreichen betagten Frau lernt er die verrückte Susan Vance (Katharine Hepburn)kennen, die sich spontan in den etwas tollpatschigen Kerl verliebt. Er sieht auch ohne Brille doch viel besser aus. Ganz nach dem Motto "Wenn ein Mädchen dich wirkklich will, dann hast du keine Chance" hat Susan beschlossen ihren David zu stalken bis es mit der Liebe klappt. Dazu braucht sie ihren Hund George, den zahmen Leoparden Baby. David weiß nicht, dass Susan die Nichte der steinreichen möglichen Spenderin ist. Nach einer aberwitzigen Serie von komischen und grotesken Szenen kommt es natürlich am Ende zum Happy-End...



Die beiden Hauptfiguren Susan und David müssen sich natürlich zusammen tun, denn es muss oft "I can´t give you anything but love" gesungen werden - Babys Favorite Song. Ausserdem taucht ein verrückter Großwildjäger (Charlie Ruggles), ein verrückter Gesetzeshüter (Walter Catlett) und ein zweiter Leopard von Zirkus auf, der nicht ganz zu der Gattung der lieben, großen Sanftpfoten zählt. Natürlich gehts wie in jeder Screwball-Comedy um den vergnüglichen Geschlechterkampf. Aber auch um Sex, ohne jemals davon zu reden. Aber es dreht sich alles in diesem Chaos um dieses eine Thema und zeigt wie stark die Frau aufdrehen kann. Dagegen ist auch ein Cary Grant machtlos, der für kurze Zeit in einen Fummel schlüpfen muss. Dank Hawks durfte er einige Jahre später diese Rolle in "Ich war eine männliche Kriegsbraut" wiederholen. Fast 80 Jahre sind seither vergangen - und der geniale Filmspaß wirkt heute noch genauso frisch, geistreich und lustig wie damals. Hawks hatte ein enormes Gespür für das Timing seiner crazy Comedy und ließ keinen Gag oder lustigen Einfall aus.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Es geschah in einer Nacht

























Regie: Frank Capra

Gemeinsam übers Land...

Stilbildend für das Screwball-Comedy Genre waren zwei erfolgreiche Kinofilme aus dem Jahr 1934. Zum einen Howard Hawks Verfilmung des Theaterstücks "Napoleon vom Broadway" und vor allem Frank Capras mit fünf Oscar-Auszeichnungen in den wichtigsten Kategorien: Bester Film Bester Hauptdarsteller Clark Gable, Beste Hauptdarstellerin Claudette Colbert, Beste Regie Frank Capra, Bestes Drehbuch Robert Raskin. Es gab zwar schon früher Filme über den Kampf der Geschlechter, aber erst diese beiden Kinohits sollten genau dieser Gattung Filmen "Geschlechterkampf eines ungleichen Paars mit HappyEnd" zu einem erfolgreichen Markenzeichen machen. Auch Clark Gable und Claudette Colbert stehen sich am Anfang der Handlung eher als Antagonisten gegenüber, die sich nicht besonders leiden können. Aber nach der Überwindung vieler Hindernisse enden auch sie als Paar.
Darüberhinaus ist "Es geschah in einer Nacht" auch ein klassisches Road-Movie und thematisiert ganz nebenbei noch die damalige Weltwirtschaftskrise. Denn Clark Gable hat als Filmfigur Peter Warne seinen Job als Reporter verloren. Aufgrund einer Alkohol-Eskapade und hat nur noch ein paar wenige Dollar in der Tasche. Er fährt wie viele Tausend mittellose Amerikaner in dieser Zeit mit der Greyhound-Buslinie in eine andere Stadt, um dort vielleicht Arbeit zu finden. Das Land baut sich gerade wieder etwas auf, wie zahlreiche neue Fastfood-Restaurant oder moderne Imbissbuden zeigen.
Vorab hat aber in der ersten Szene die verwöhnte und leicht exzentrische Millionärstocher Ellie Andrews (Claudette Colbert) gegen den Willen ihres steinreichen Vaters (Walter Connolly) den versnobten Glücksritter King Westley (Jameson Thomas) geheiratet. Der Vater besteht aufs Annulieren, das schmeckt der verwöhnten Göre nicht. Sie springt von der Jacht des Vaters vor Floridas Küste ins Wasser. An Land beschließt sie mit dem Greyhound Bus nach New York zu Westley zu reisen. Auf ihren Fersen sind die vom Vater engagierten Privatdetektive, die Polizei und im Grunde das ganze Land, denn der reiche Papa hat eine Summe von 10.000 Dollar demjendigen zugesagt, der weiß wo das Töchterchen steckt. Im Nachtbus trifft sie den hartgesottenen Reporter Peter Warne (Clark Gable), dem soeben von seinem Boss gekündigt wurde. Natürlich bekommt der abgebrühte Sensationsreporter schnell mit, dass es sich bei der Fremden, die neben ihm Platz genommen hat, um die verschwundene Ellie Andrews handelt, deren Ziel King Westley heißt. Die beiden ungleichen Reisepartner kommen daher überein, dass Peter Warne von Ellie die Exklusivstory ihrer Flucht bekommt, dafür verspricht Warne aber auch, dass er Ellie bei King abliefert. Ein guter Deal für beide. Und daraus entstehen für die beide einige haarsträubende Abenteuer. Dabei kommen sich die beiden näher - denn sie müssen öfters in einem Motelzimmer nächtigen. Getrennt nur von den "Mauern von Jericho" - eine durchs Zimmer gezogene mit Wäsche behangener Leine, die die beiden  auch moralisch trennen soll. Dabei verlieben sie sich allmählich ineinander...



Am Ende der federleichten Comedy steht natürlich das HappyEnd, aber erst müssen noch einige Mißverständnisse aus dem Weg geräumt werden und die unsägliche Ehe muss annuliert werden. Ausserdem zeigt Gable der stinkreichen Colbert wie man einen Donut richtig in den Kaffee tunkt. Sie aber hat den besseren Trick beim Trampen. Sein bestimmter männlicher Daumen in die Wunschrichtung unterliegt ihrem entblößten weiblichen Bein. Schön auch die Szene als Arm und Reich im Bus den Song "The Man on the flying Trapez" begeistert singen. Was sehr gut passt zu dem ungleichen Paar - sie reich, er mittellos - und Capra tendiert da ja zum Märchen und bringt die beiden auch zusammen. Der Erfolg kam überraschend. Die Columbia hielt wenig von dem Film und brachte ihn ohne große Werbung in die Kinos. Die Kritik war verhalten, aber alleine die Mundpropaganda ließ "Es geschah in einer Nacht" zum riesigen Sensationserfolg des Jahres werden. Die Pointen allesamt treffsicher, der Humor geistreich und ironisch bis liebenswert. Er funktioniert auch heute noch bestens und wirkt nicht veraltet. Es kann gut sein, dass Capra das Lebensgefühl der Amerikaner mit diesem lockeren Filmspass traf. Von Anfang bis Ende herrscht einfach eine ausgelassene Stimmung und ein bisschen Märchen im Liebesfilm schadet nie. In späteren Dekaden wurde dies ja auch eindrücklich durch Filme wie "Pretty Woman" bewiesen.


Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Samstag, 10. Dezember 2016

Die Fahrten des Odysseus


Regie: Mario Camerini

Der antike Held im Sandalenfilm...

Herzlichen Glückwunsch zum 100. Geburtstag: Gestern feierte nach Olivia de Havilland (am 1. Juli 2016) die zweite große Hollywoodlegende Kirk Douglas dieses dreistellige Jubliäum. Als nächste wäre dann die große französische Schauspielerin Danielle Darrieux dran, sie könnte am 1. Mai 2017 eine altersstarke Trias mit den beiden Jubilaren bilden. Kirk Douglas - als seine beste Rolle seiner gesamten Karriere bezeichnet er den Cowboy Jack Burns aus "Einsam sind die Tapferen".  Unvergessen bleibt er durch die 40er Noirs "14 Jahre Sing Sing", "Goldenes Gift", "Die Liebe der Martha Ivers" und "Polizeirevier 21". Durch die großen Western "Als Vergeltung sieben Kugeln",  "Der letzte Zug von Gun Hill", "Zwei rechnen ab", "El Perdito", "The Big Sky" oder "Mit stahlharter Faust". Durch die starken Charakterrollen in "Stadt der Illusionen", "Vincent van Gogh" oder "Wege zum Ruhm", "Fremde wenn wir uns begegnen" oder "Reporter des Satans", der leider immer noch nicht auf einer deutschsprachigen DVD erschienen ist. Durch seine Monumentalfilme wie "Spartacus", "Die Wikinger" oder den in Italien von Mario Camerini inszenierten "Die Fahrten des Odysseus". Im Original heißt der Film "Ulisse" und kann mit einer Laufzeit von nur 109 Minuten zwar in keinster Weise die Vielschichtigkeit von Homers Epos "Odyssee" wiedergeben. Dies gelang dem Weihnachtsvierteiler aus dem Jahr 1968 von Franco Rosi mit 370 Minuten viel besser.
Dennoch ist m.E. die Aufbereitung von "Die Fahrten des Odysseus" fürs Kino auch geglückt, auch wenn sich die Geschichte nur auf das Wesentliche beschränkt. Mario Camerini verstand es die antike Geschichte mit dem Sandalenfilm zu verbinden und Kirk Douglas macht dabei auch eine gute Figur als Held Odysseus.
Odysseus Irrfahrten sind sicherlich den meisten bekannt. Nach der siegreichen List mit dem Trojanischen Pferd wird Odysseus (Kirk Douglas) in der zerstörten Stadt von Cassandra (Ellen Zareschi) verflucht. Er soll mit seinem Schiff auf dem Meer bleiben und seine Heimat Ithaka nie wieder sehen. Seine schöne Frau Penelope (Silvana Mangano) wartet auch schon Jahre auf seine Heimkehr. Alle sind von Troja zurückgekehrt, nur Odysseus und seine Männer bleiben vermisst. Sie wird von vielen aristokratischen Freiern bedrängt, die den Platz von Odysseus - dem König von Ithaka - übernehmen wollen. 10 Jahre Belagerung Troja und weitere 10 Jahre Warten auf den Heimkehrer. Der kleine Sohn Telemach ist inzwischen ein junger Mann (Franco Interlenghi). Odysseus selbst wird zu dieser Zeit am Strand des Kerkyra von der dortigen Königstochter Nausicaa (Rossana Podesta) aufgefunden. Er hat das Gedächtnis verloren und kann sich nicht erinnert wer er ist und war und wohin er gehört. Doch er beginnt sich wieder zu erinnern....an Troja, an den Zyklopen Polifemos (Umberto Silvestri), an die Sirenen und an Circe (Silvana Mangano in einer Doppelrolle) und an seinen Besuch im Reich der Schatten, wo er auf seine gefallenen Kampfgefährten trifft, aber auch auf seine Mutter. Als Bettler verkleidet kehrt er unerkannt nach Ithaka zurück. Nur sein Hund erkennt ihn sofort wieder. Bei einem Bogenwettkampf soll sich entscheiden, wer Penelope zur Frau bekommt. Keinem gelingt dies, nur dem Bettler. Der nimmt fürchterliche Rache an den Freiern...




Eine sehr gute Leistung von kameramann Harold Rosson, der die Geschichte farbenprächtig fürs Kino in Szene setzen konnte. Für spezielle fotographische Effekte bekam er Unterstützung vom legendären deutschen Kameramann Eugen Schüftan. Die schöne Schauspielerin Silvana Mangano wird besonders stark und ausdrucksvoll fotografiert. Und neben Kirk Douglas ist Anthony Quinn als verschlagener Freier immer eine sichere Nummer. Die französische Bühnenschauspielerin Sylvie, vielleicht einigen noch in Erinnerung in der Rolle von Rene Allios Spielfilm "Die unwürdige Greisin" ist in der Rolle von Penelopes Dienerin Euryklaia zu sehen.
Klar, "Die Fahrten des Odysseus" gehört zwar nicht zu den unbestrittenen Monumentalfilmklassikern wie "Ben Hur" oder "El Cid" - aber dennoch ein unterhaltsamer Genrefilm der 50er. Farbenprächtig, unterhaltsam und irgendwie auf Spektakel getrimmt.



Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Mord in Ekstase

























Regie: George Cukor

Im Labyrinth von Schein und Sein...

George Cukor, ansonsten eher der Fachfann für Screwball-comedys, für Musical oder für "Frauenfilme", hatte wohl in der Zeit von 1944 bis 1947 ein Faible für düstere Stoffe, Morde und Männer, deren Handlungen und Taten von fatalen Leidenschaften und Süchten angetrieben werden. So wird in "Das Haus der Lady Alquist" der Pianist Sergius Bauer zum Mörder wegen den weltberühmten Juwelen der Alice Alquist und in Cukors Folgefilm erleben wir die zwei Gesichter des Anthony John, einem begnadeten Schauspieler, der das Problem hat immer eins mit seiner Rolle zu werden. Im Falle von Shakespeares "Othello" erweist sich diese Gabe als der reinste Horror. Denn der Akteur ist besessen von der dramatischen Szene am Schluß, als er als Othello seine eigene Frau Desdemona im Wahn und aus größter Eifersucht erdrosselt.
Cukors "Mord in Ekstase" ist interessiert an diesem Mann, der immer tiefer in eine Schizophrenie driftet - er hört Stimmen und hat Blackouts. In diesen Momenten kann er nicht mehr Wirklichkeit von dem Theaterstück unterscheiden. Beide Charaktere - sowohl sein eigenes Ich als auch die Rolle, die er zu spielen hat - konkurrieren und es kommt zu einer Art Jekyll und Hyde Syndrom, das er selbst nicht mehr steuern kann.
Seine Umwelt nimmt das aber als starken egozentrischen Zug war, der Schauspieler ist berüchtigt für seiine Ausbrüche. Ein geschätzter Mime, der das große Talent hat eins mit seiner Rolle zu werden. Seine Kollegin Brita (Signe Hasso) liebt ihn und war eine Zeitlang mit ihm verheiratet. Doch es ging nicht gut. Obwohl immer noch Gefühle da waren, hat sie sich von ihm getrennt. Nun sind beide nur noch gute Freunde und spielen gemeinsam in den erfolgreichen Theaterstücken. Die Trennung hat Anthony aber nicht weniger eifersüchtig gemacht. Vor allem gefällt es ihm nicht, dass der jüngere Bill (Edmund O´Brien) Brita schöne Augen macht. Aber die Rolle als "Othello" verlangt alles ab - Brita spielt die Desdemona. Das Stück wird ein Riesenerfolg am Broadway. Beste Szene ist immer die Ermordung von Desdemona. die Erdrosselung wirkt aufs Publikum so sehr authenisch. Brita selbst und auch der Zuschauer erschrickt aber wie fest der Schauspieler da zudrückt. Manchmal hat man das Gefühl er könne fast nicht mehr aufhören und Brita würde die Würgeattacke nicht überleben. In einer italienischen Bar lernt Anthony die recht lockere Blondine Pat Kroll (Shelley Winters) kennen, die ihn auch schon gleich in ihre Wohnung mitnimmt. Beim zweiten Rendezvous tötet er die junge Frau, weil er sie fälschlicherweise für Desdemona hält....


Durch die düstere Machart kann man "Ein Doppelleben" leicht in das Noir Genre einordnen. Auch wenn der Schauplatz nicht die Unterwelt und die dunklen Straßen der Nacht sind...sondern die Theaterwelt und die gespaltene Persönlichkeit des Protagonisten. Ein Mann, der durch Krankheit ohne Schuld zum Mörder wird, aber von dem eine große Gefahr ausgeht, dass es zu weiteren Mordtaten kommt. Der Film funktioniert bestens weil die Konflikte auf der Bühne und jenseits davon immer ineinander greifen...die gespaltene Persönlichkeit ist gegenwärtig. Der Irrsinn ist überzeugend - ein Verdienst des britischen Schauspielers Ronald Colman, der für diese Rolle den Oscar als bester Schauspieler 1948 bekam. Ein zweiter Oscar gabs für die stimmungsvolle Musik von Miklos Rosza. Die Drehbuchautorin Ruth Gordon (eher bekannt als Schauspielerin in Filmen wie "Harold und Maude" oder "Rosemarys Baby" wurde mit ihrem Partner Garson Kanin für das beste Drehbuch nominiert. In den Nebenrollen sind die späteren Oscargewinner Shelley Winters (Das Tagebuch der Anne Frank, Träumende Lippen) und Edmund O´Brien (Die barfüßige Gräfin) zu sehen.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Tokyo Monogatari - Die Reise nach Tokyo

























Regie: Yasujiro Ozu

Besuch und Abschied....

Mit 54 Spielfilmen im Verlauf von 35 Jahren hat Yasujiro Ozu den Ruf gefestigt, der japanischste unter Japans Regisseuren zu sein. Er drehte Alltagsfilme über den japanischen Mittelstand, inszenierte menschliche Stillleben. Meistens steht dabei die Familie im Mittelpunkt, daher ist es ein universelles Thema. Doch seine Sicht aufs Leben ist sehr japanisch geprägt.  Formale Strenge und Einfachheit sollen bewirken, dass sich die Sinne öffnen. Sein Style ist ruhig und völlig unhektisch - im Grunde muss man sich als Zuschauer, der eine ganz andere Sehgewohnheit kennt, auf diesen sehr kargen Rhythmus zuerst mal einstellen. Was nicht einfach ist, da Ozus Filme auch sehr dialoglastig sind. Wenn es aber gelingt, dann ist auch Raum für etwas grundlegend Meditatives da - vor allem weil der Regisseur auch einfachsten Momenten und Äusserungen Raum zum Nachhallen lässt.
Sein 1953 realisierter "Reise nach Tokio" gilt als sein größtes Meisterwerk. Ein Film, der nicht die große breite Popularität besitzt, aber dennoch seit Jahren regelmässig in jeder All Time Fave Liste über die besten Filme aller Zeiten ganz weit vorne auftaucht. In der 2012 unter Regisseuren und Kritikern gemachter Umfrage der britischen  Sight and Sound wurde der Film von den Regisseuren auf Platz 1 gewählt, die Kritiker vergaben nach "Vertigo" und "Citizen Kane" den dritten Platz an Ozu Yasujiors bescheiden wirkenden Familienfilm.
In "Tokyo Monogatari" trifft die alte, ruhige Welt der Eltern auf die hektische, nervöse ihrer Kinder. Und es ist für das pensionierte Paar Shukichi (Chishu Ryu) und Tomi Hirayama (Chieko Higashiyama) ein kleines Abenteuer von ihrer Heimatstadt Onomichi im Südwesten Japans, wo sie mit ihrer jüngsten Tochter Kyoko (Kyoli Kagawa) leben, in die riesige Metropole Tokio zu reisen. Dort wollen sie ihren ältesten Sohn Koichi (So Yamamura) und die älteste Tochter Shige (Haruko Sugimura) besuchen. Der Sohn ist ein Kinderarzt, die engagierte Shige betreibt einen Friseursalon. Auch Noriko (Setsuko Hara), die Witwe des im Krieg gefallenen Sohnes, soll besucht werden. Dabei ist bei der Ankunft der Eltern die Stimmung ganz gut, lediglich die frechen Enkel zeigen sich von der ungezogenen Seite. Tomi Hirayama wirkt aber sehr nachdenklich, die 68 Jahre alte Frau hat irgendwie das Gefühl, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt. So sieht sie den Besuch auch als Art Abschied von den Kindern. Und die haben leider auch sehr wenig Zeit für die Eltern, da sie mit ihrem eigenen Leben viel zu sehr beschäftigt sind. Es bleibt an Noriko hängen, den Eltern die Stadt zu zeigen - und die sind beeindruckt "Schau mal wie groß Tokio ist" meint Shukichi und seine Frau entgegnet ihm "Ja, wenn sich hier verliert, kann man sich ein ganzes Leben lang suchen und wird sich doch nicht wieder finden". Beide Kinder legen dann nach diesem Tag zusammen und finanzieren ihren Eltern eine Reise in den Badeort Atami. Dort ist es den alten Herrschaften aber viel zu laut und sie kehren überraschend wieder zurück. Shige erwartet aber Gäste und kann sie nicht wieder aufnehmen. So verbringt Tomi die Nacht bei Noriko und Shukishi verabredet sich mit ein paar alten Freunden, trinkt wieder und wird am Morgen bei Shige durch die Polizei abgeliefert. Die Eltern entschließen sich wieder heimzufahren - unterwegs machen sie aber Halt in Osaka, weil Tomi sich nicht wohl fühlt. Dort wohnt der jüngste Sohn Keizo (Shiro Osaka). Danach setzen sie ihre Reise in die Heimat fort. Tomi stirbt aber nach der Rückkehr. Zwar kommen alle Kinder zur Beerdigung, doch sie wollen alle sehr schnell wieder zurückfahren, da das Leben ja weitergehen muss. Der Witwer Shukishi erzählt Noriko, dass sich Tomi bei ihr besonders wohl fühlte und den Abend der Übernachtung als schönstes Erlebnis in Tokio angesehen hat. Er dank ihr und rät der jungen Witwe wieder unter die Menschen zu gehen, ein neues Glück zu suchen und wieder zu heiraten...



Im Grunde eine ganz banale Handlung - die Kameratechnik (Yuharu Atsuta) ist bewusst karg gehalten und verzichtet auf alle Effekte und auf erlesene Formspielereien. Ein echter Purismus in der Gestaltung. Dennoch muss ich sagen, dass mich dieser Film auch noch einen Tag danach sehr bewegt und ich öfters an den Inhalt dieser irgendwie traurigen Geschichte denken muss. Es ist dem Regisseur tatsächlich gelungen, mich irgendwie zu fesseln. Und Bilder wie jenes des alten Ehepaars auf der Mauer am Meer, brennen sich in das Gedächtnis ein. Ein Film, der gerade wegen seiner Bescheidenheit mit einer eigenartigen Magie verzaubert und die sinne schärft. Ich denke es ist durchaus gerechtfertigt, dass ein so einzigartiger Film wie "Reise nach Tokio" diesen hohen Stellenwert bei Cineasten einnimmt.




 10 von 10 Punkten.