Sonntag, 2. März 2025

Sweet Charity

 



Regie: Bob Fosse

Naive Taxitänzerin...

1958 gewann Federicos Fellinis "Die Nächte der Cabiria" den Oscar als bester Auslandsfilm. Darin spielt seine Ehefrau Giuliette Masina das Straßenmädchen Maria Ceccarelli, genannt Cabiria", die in Rom lebt und trotz ihres Jobs immer noch ein kindliches Gemüt hat und an die große Liebe glaubt. Es ist einer der schönsten Filme aller Zeiten. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen für den 12 Jahre später entstandenen Bob Fosse Film "Sweet Charity", der die gleiche Geschichte nach New York transportiert und sie mit Musik und Tanz kombiniert. Bob Fosse gelang es in den 70er Jahren mit den Musicals "Cabaret" und "All that Jazz" zwei Meisterwerke zu drehen. Mit "Sweet Charity" aus dem Jahr 1969 hatte er aber nicht die uneingeschränkte Gunst der Filmkritik und des Kinopublikums - trotz einer tadellosen Schauspielerleistung von Shirley McLaine, die bereits unter Billy Wilder in "Irma la Douce" eine Frau spielt, die dem ältesten Gewerbe der Welt nachgeht. Ihre Figur Charity Hope Valentine ist eine Taxitänzerin bzw. Amüsiermädchen, das für Geld mit Männern tanzt. Dabei hat sie auch nach 8 Jahren in diesem Job ihren Glauben an die Güte der Menschen und an die ewige reine Liebe noch nicht verloren. Durch diese Naivität gerät sie aber stets an Männer, die sie nur ausnutzen.  Ihren Freundinnen Nickie (Chita Rivera) und Helene (Paula Kelly) arbeiten ebenfalls als Taxitänzerinnen.Ihr verheirateter Freund Charlie (Dante diPaolo will nur an ihr Erspartes und ergreift die beste Gelegenheit sie von der Gapstow Bridge im Central Park werfen und ihr ihre gesamten Ersparnisse von 427 Dollar zu stehlen. Der Fandango Ballroom und seine schmierig-erotische Kulisse werden mit dem Lied "Big Spender“ vorgestellt. Charity teilt ihre Enttäuschung und Hoffnungen in mehreren Szenen im Laufe des Films mit ihren beiden Freundinnen. Etwas später trifft Charity den berühmten Filmstar Vittorio Vitale (Ricardo Montalban), gerade als er mit seiner dauernd eifersüchtigen Freundin Ursula (Barbara Bouchet) Schluss macht. Charity isst später mit Vittorio in seiner Wohnung zu Abend. Gleich danach kehrt Ursula jedoch zu Vittorio zurück und Charity muss eine demütigende Nacht in einem Schrank verbringen, während Vittorio und Ursula miteinander schlafen und Liebe machen. Charity kehrt erneut ins Fandango zurück, doch sie will sich verändern.  Auf der Suche nach einer respektableren und lohnenderen Arbeit geht Charity zu einer Arbeitsvermittlung, muss jedoch zugeben, dass sie weder eine höhere Bildung noch einen höheren Abschluss hat, und der Interviewer glaubt, sie sei als Scherz geschickt worden. Sie bejaht dies und geht. Der Aufzug des Gebäudes bricht zwischen den Stockwerken zusammen und Charity stützt einen Mann, der in Panik gerät. Es ist der schüchterne und klaustrophobische Oscar Lindquist (John McMartin), der Charity auf die Straße verfolgt und sie schließlich um ein Date bittet. Die beiden gehen mehrmals zusammen aus, unter anderem besuchen sie eine alternative Kirche, der ein Prediger namens Big Daddy (Sammy Davis jr) vorsteht, und beten mit dem Lied „The Rhythm of Life“. Charity verrät Oscar nicht, was sie beruflich macht, und lässt ihn glauben, sie arbeite in einer Bank. Oscar macht ihr einen Heiratsantrag und gibt sich aufgeschlossen, als sie ihm schließlich ihren Beruf verrät. Gibt es diesmal für Charity ein Happy End ?  










Es gibt ein alternatives Ende mit einem glücklichen Ausgang. Das hätte allerdings dem Film geschadet. In Fellinis Film ist Oscar aber ein Heiratsschwindler, in Fosses Film kann dieser Mann die Vergangenheit seiner Geliebten nicht vergessen. Am Ende ist die junge Frau aber in beiden Filmen allein und in "Nächte der Cabiria" begegnet sie auf dem Rückweg in die Stadt einer fröhlichen Gesellschaft bestehend aus Jugendlichen. Neue Hoffnung schöpfend schließt sie sich mit einem Lächeln zwischen den Tränen den Menschen an. In "Sweet Charity" ist diese Szene zeitgeistig, denn im Central Park begegnet Charity einigen Blumenkindern, die sie begrüßen. Das alte Studio System Hollywoods befand sich in den späten 60er Jahren bereits in der Krise und das Erstarken des realistischen gesellschaftskritischen Kinos des New Hollywoods war auf dem Vormarsch. Der Film konnte die Erwartungen an der Kinokasse nicht erfüllen. Der Film hatte erfolglos versucht, die gängigen Musical-Klischees mit ihrem konservativen Weltbild mit der Lebenswirklichkeit in der Großstadt zu verknüpfen. So ist einerseits Charitys Club-Besuch mit dem Schauspieler eine Satire auf das moderne Nachtleben und wirkt wie eine Vorwegnahme der Disco-Bewegung. Drei Oscarnominierungen (bester Musikscore, Beste Ausstattung und beste Kostüme) wurden vergeben. Shirley MacLaine wurde bei der Oscarvergabe ignoriert, sie wurde allerdings für den Golden Globe vorgeschlagen. In der Retrospektive wird Fosses Film inzwischen viel positiver wahrgenommen. 










Bewertung: 8 von 10 Punkten.  

 

Die oberen Zehntausend


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Charles Walters

Verwöhnte Tracy...

Dieser Film war Kellys letzte Rolle, bevor sie Prinzessin von Monaco wurde. Er wurde drei Monate nach ihrer Hochzeit mit Fürst Rainier III. veröffentlicht. In dem Film trug Kelly den Cartier-Verlobungsring, den Rainier ihr geschenkt hatte. Die Rede ist von "High Society" aus dem Jahr 1957 von Charles Walters mit der Musik von Cole Porter. Der Film ist in Deutschland unter dem Titel" Die oberen 10.000" bekannt und spielte weltweit 8,2 Millionen Dollar ein und war in den Jahrescharts 1956 auf Platz 8. Es ist die musikalische Version des Screwball Klassikers "Die Nacht vor der Hochzeit"  Der erfolgreiche Sänger und Komponist C.K. Dexter Haven (Bing Crosby) ist von der wohlhabenden Prominenten Tracy Samantha Lord (Grace Kelly) aus Newport, Rhode Island, geschieden. Dexter, der neben dem Anwesen der Lords wohnt, ist immer noch in sie verliebt, aber sie ist jetzt mit dem gesellschaftlich bekannten und versnobten George Kittredge (John Lund) verlobt. Während Tracy sich auf ihre bevorstehende Hochzeit vorbereitet, ist Dexter damit beschäftigt, Teile des Newport Jazz Festivals zu organisieren. Unterdessen besitzt Spy, eine Boulevardzeitung, peinliche Informationen über Tracys fehlgeleiteten Vater Seth Lord (Sidney Blackmer) und hat die Familie gezwungen, dem Reporter Mike Connor (Frank sinatra) und der Fotografin Liz Imbrie (Celeste Holm) zu erlauben, über die Hochzeit zu berichten. Tracy, die ihre erzwungene Anwesenheit übel nimmt, beginnt eine aufwendige Scharade, bei der sie unter anderem ihren Onkel Willy (Louis Calhern) als ihren Vater vorstellt, während Seth als der "böse“ Onkel Willy ausgegeben wird. Als Hochzeitsgeschenk gibt Dexter Tracy ein maßstabsgetreues Modell ihres ehemaligen Segelboots "True Love“ (so heißt auch der unvergessliche Song des Films), das ihre Erinnerungen an ihre glücklichen Flitterwochen an Bord weckt. Tracy erkennt allmählich, dass George wenig über ihr wahres Ich weiß und stattdessen ein idealisiertes Bild von ihr geschaffen hat. Als Tracy Mike durch Newport fährt, bemerkt er einige vernachlässigte Villen; Tracy erklärt, dass viele Eigentümer aufgrund der hohen Steuern gezwungen waren, ihre Immobilien zu vernageln oder zu verkaufen. Ihr Onkel Willy verkauft sein eigenes Anwesen. Die beiden fühlen sich gegenseitig angezogen, sodass Tracy während eines Selbstfindungsprozesses zwischen drei sehr unterschiedlichen Männern wählen muss. Während der Hochzeitsfeier in Onkel Willys Haus erwischt George die angetrunkene Tracy dabei, wie sie Dexter auf der Terrasse küsst. George lässt Tracy in einem leeren Raum zurück, damit sie nüchtern wird, aber immer noch angetrunken klettert sie aus dem Fenster und rennt Mike entgegen. George findet sie wieder, nachdem sie und Mike im Pool der Lords geschwommen sind. Am nächsten Tag hat Tracy verschwommene Erinnerungen an die vergangene Nacht. Sie beabsichtigt zunächst, die Hochzeit durchzuziehen, drängt George dann aber dazu, zuzustimmen, sie abzusagen. Während sie den wartenden Gästen mitteilt, dass die Hochzeit abgesagt wurde, schlägt Dexter plötzlich vor, dass er der Bräutigam sein möchte. Da sie weiß, dass sie ihn liebt, nimmt Tracy den Vorschlag an. Liz und Mike, die nun erkennen, dass sie sich lieben, sagen Tracy und Dexter, dass sie keine Geschichte über die Hochzeit oder andere Ereignisse schreiben werden, um die Privatsphäre der Familie zu schützen....








Margalo Gilmore spielt Mrs. Lord und Lyda Reed die kleine Caroline. In einer Nebenrolle ist Louis Armstrong mit dabei. Es fehlt natürlich die Schärfe und das Knistern, dass das Original mit Katherine Hepburn, Cary Grant und James Stewart hatte. Er sieht aber gut aus (Kamera: Paul C. Vogel) und es wurden auch 2 Nominierungen für den Oscar erreicht. Der Filmsong "True Love" unterlag aber "Que sera, sera" aus dem Film "Der Mann, der zuviel wußte. Auch die zweite Nominierung für den besten Musikscore führte nicht zum Sieg. 








Bewertung: 7 von 10 Punkten.  

Seidenstrümpfe


 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Rouben Mamoulian

Singende und tanzende Ninotschka...

Regisseur Rouben Mamoulian drehte in seiner aktiven Laufbahn Klassiker wie "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" (1931), "Königin Christine" (1933), "Im Zeichen des Zorro" (1940) oder "König der Toreros" (1941). Auch der romantische Musikfilm "Silk Stockings" (Seidenstrümpfe) wurde unter seiner Regie gedreht. Die Hauptrollen spielen die beiden fantastischen Tanzdarsteller Fred Astaire und Cyd Charisse. Es ist eine Neuverfilmung der Filmkomödie "Ninotschka" - aber mit der Musik von Cole Porter und Conrad Salinger. Der Film erhielt Nominierungen für den Golden Globe Award als Bester Film und Beste Schauspielerin (Cyd Charisse) in der Kategorie Komödie/Musical. Die Filmmusik wurde mit dem neuen Song "The Ritz Roll and Rock“ verschönert, einer Parodie auf das aufkommende Rock’n’Roll-Musikgenre - der Film wurde 1957 gedreht. Die Nummer endet damit, dass Fred Astaire symbolisch seinen Zylinder zerschmettert, der als eines seiner Markenzeichen gilt, und damit auch seinen eigenen Rückzug aus dem Filmmusical signalisiert, den er nach der Veröffentlichung des Films bekannt gab. In Paris möchte der amerikanische Produzent Steve Canfield (Fred Astaire), dass der russische Komponist Peter Iljitsch Boroff (Wim Sonnefeld) die Musik für seinen nächsten Film komponiert. Die drei sowjetischen Kommissare Brankow (Peter Lorre), Bibinski (Jules Munshin) und Iwanow (Joseph Bullow)versuchen, den Komponisten nach Russland zurückzubegleiten. Um Boroff in Paris zu behalten, stellt Steve die russische Staatsbürgerschaft des Komponisten infrage, indem er eine eidesstattliche Erklärung vorlegt, in der er seine Abstammung bestreitet, und besteht darauf, dass dies vor Gericht geklärt wird. Steve überzeugt die Kommissare außerdem, dass Boroffs Zusammenarbeit ihnen in Moskau Beförderungen einbringen wird. Trotz ihres anfänglichen Widerstands stimmen die Kommissare der Zusammenarbeit zu. Zurück in Moskau wird Wassili Markowitsch (George Tobias) der neue Kunstkommissar. Er schickt die russische Agentin Nina „Ninotschka“ Joschenko (Cyd Charisse), um Boroff aus Paris abzuholen. Sie trifft die Kommissare in der Hotellobby. In ihrer Suite zeigt Steve Ninotschka die eidesstattliche Erklärung und versucht, sie mit dem Schauplatz zu bezaubern, aber Ninotschka besteht darauf, dass sie sich von der Bourgeoisie der Stadt nicht überzeugen lässt. Später in der Nacht kommt die Hollywood-Schauspielerin Peggy Dayton (Janis Paige) ins Hotel, wo sie von mehreren Reportern zu ihrer ersten ernsthaften Rolle in einer Adaption von "Krieg und Frieden" interviewt wird. Am nächsten Morgen begleitet Steve Ninotchka auf einer Tour durch Paris, die zwischen Heizungskeller und Schönheitssalons hin und her wechselt. Als sie in sein Hotelzimmer zurückkehren, sorgt Steve mit gedämpftem Licht und Musik für eine romantische Stimmung, aber Ninotchka besteht darauf, dass romantische Anziehung rein"„elektrochemisch“ sei. Steve und Ninotchka streiten über ihre Ansichten über romantische Anziehung, und nach einem Walzer durch das Zimmer küssen sich die beiden. Steve empfiehlt Peggy sie könne Boroff schöne Augen machen - damit könnte er grünes Licht für die Kommerzialisierung seiner anspruchsvollen Musik geben. Bei einer Kostümprobe weigert sich Boroff, der in Peggy vernarrt ist, zunächst, seine Kompositionen zu vertonen, akzeptiert die Idee aber. Später am Nachmittag schließt sich Ninotchka in ihrem Zimmer ein und trägt Pariser Dessous. Am selben Abend verbringt Ninotschka, in einem seidigen Abendkleid gekleidet, mit Steve einen romantischen Abend. Sie verliebt sich in Steve und er in sie. Als Peggy bei der Vorstellung des Musicals beginnt, Boroffs überarbeitete Musik zu singen, sind er und Ninotschka von den Änderungen beleidigt. Steve verteidigt sie und behauptet, dass Amerikaner aus klassischer Musik populäre Lieder machen, damit das Publikum sie genießen kann. Wütend sagt Ninotschka Steve, dass sie ihre Pflicht vernachlässige, und beschließt, sofort mit Boroff und den Kommissaren nach Russland zurückzukehren. Monate später besuchen Boroff und die Kommissare, die durch Ninotschkas Bericht einer Strafe entgangen sind, sie in ihrer Wohnung. Ninotschka versucht, Steves Brief zu lesen, der so stark zensiert wurde, dass nur die Anrede übrig geblieben ist. Kurz darauf spielt Boroff, der jetzt von westlicher Musik fasziniert ist, seine neue Komposition auf dem Klavier, was Ninotschka, die Kommissare und die Mieter zum Tanzen auffordert. Kurz darauf schickt Markovitch Ninotschka zurück nach Paris, um die Kommissare abzuholen, die dorthin geschickt wurden, um russische Filme zu verkaufen...







Ob es doch noch zu einer Liebe zwischen Ost und West kommt ?  Insgesamt ist "Ninotschka" natürlich im Vergleich besser. Aber die musikalische Version lebt vor allem von dem Talent der beiden Hauptdarsteller. Astaire liefert seinen gewohnten Stil, und Miss Charisse verleiht ihrer Rolle eine faszinierende Brillanz. Janis Paiges Figur wurde sicherlich inspiriert von der Rolle Jean Hagens in "Singin in the rain". Eine für damals gewagte und sehr erotische Tanznummer von Cyd Charisse ist einer der Höhepunkte. Sie hat ein sehr hochgeschlossenes konservatives graugrünes Kleid an, dazu trägt sie schwarze Seidenstrümpfe. Im Verlauf der Nummer legt sie ihre aus Russland mitgenommene Kleidung ab und lässt sich, verzaubert vom strahlenden Weiß des Westens, verführen, französische Dessous anzuziehen. Das den Körper verhüllende Unterkleid wird durch eine Korsett mit durchscheinendem Unterrock ausgetauscht. Der Film spielte an der Kasse 2,8 Millionen Dollar ein.









Bewertung: 7 von 10 Punkten.