Sonntag, 15. Juli 2018

Wenig Chancen für morgen

























Regie: Robert Wise

Ein todsicherer Coup...

Filmhistorisch wird Robert Wises Noir-Film "Wenig Chancen für morgen" entweder als letzter Film der klassichen Film Noir Ära bezeichnet oder als erster Neo-Noir.  Dabei ist ihm auch ein grimmiger Beitrag zum Rassismus in den USA gelungen, ganz besonders deutlich wird dies in der Schlußszene des Films, wenn zwei verkohlte Leichen identifiziert werden sollen und einer der Polizisten fragt "Welcher von denen war denn nun der Weiße ?" - Robert Wise schuf damit ein Verliererepos, das sicherlich auch einen gewissen Einfluss auf die Nachfolgefilme des Noir hatte - ich denke da auch an Alan Barons "Explosion des Schweigens", der einige Monate später entstand und und die Anonymität und Verlorenheit der Hauptfigur noch etwas stärker in den Focus stellt. Auch die Heist Anteile, wie sie in den 60er Jahren für Jean Pierre Melville berühmt waren, sind hier in "Odds against tomorrow" (so der Originaltitel) nicht wegzudenken.
Ein todsicherer Coup soll gelandet werden - zumindest wenn es nach dem verbitterten Ex-Polizisten David Burke (Ed Begley) geht - der wurde von seinen Kollegen hängengelassen und schiebt immer noch einen Frust auf den gesamten Polizeiapparat, weil die sein Leben ruiniert hätten. Er hat aber einen Plan, wie man 50.000 Dollar machen kann - dazu braucht er aber zwei Komplizen. Von seiner aktiven Zeit kennt er noch den Ex-Knacki Earl Slater (Robert Ryan), der es nun im Alter etwas langsamer angehen lässt, keinen Job hat und bei der Freundin Lorry (Shelley Winters) wohnt. Die hat einen Job als Tänzerin und hält ihren Freund aus. Früher war er ne große Nummer und es gefällt ihm immer noch, wenn Frauen auf ihn fliegen. So bekundet auch die laszive Nachbarin helen (Gloria Grahame) in Abwesenheit von Lorry sexuelles Interesse. Earl Slater ist ein Rassist und dies wird beim geplanten Coup noch zum Hauptproblem werden, denn der zweite Komplize des alten Burke ist der junge schwarze Nachtclubsänger und Jazzmusiker Johnny Ingram (Harry Belafonte). Der hat eine ausgeprägte Spielschuld, will eigentlich keine kriminelle Laufbahn einschlagen, doch die Unterhaltszahlungen für seine getrennte Frau Ruth (Kim Hamilton) und für die kleine Tochter Edie (Lois Thorn) müssen auch bezahlt werden. Zudem rücken ihm seine wenig zimperlichen Gläubiger auf die Pelle. Da sie auch in Richtung Familie drohen, macht Johnny schließlich mit. Er merkt auch sofort, dass Earl ihn abweisend behandelt, lässt sich aber vom Hass des Anderen nicht so schnell einschüchtern. Dann geht es auch schon los. Doch der Bankraub, der so leicht von Burke beschrieben wurde, ist alles andere als Kinderspiel. Es kommt zu einige nicht berechneten Hindernissen und auch der Konflikt zwischen Earl und Johnny spitzt sich zu...



Dabei kann der alte Mann nur bedingt eingreifen, er ist machtlos und die Dynamik verändert sich zunehmend in eine Katastrophe. Der Titel "Wenig Chancen für morgen" ist Programm und die Geschichte ist ein echtes Verliererepos. Dabei konnte Robert Wise auf drei Top-Hauptdarsteller zurückgreifen. Ed Begley ist eh immer ein Gewinn und Robert Ryan beweist einmal mehr seine Klasse. Auch Harry Belafonte ist in einer seiner stärksten Performances zu sehen. In Nebenrollen brillieren mit Gloria Grahame und Shelley Winters zwei große weibliche Ikonen des Noir.


Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 

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