Mittwoch, 8. März 2023

Anastasia


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Anatole Litvak

Die Tochter des Zaren ?  

Die Oscarverleihung des Jahres 1957 stand ganz im Zeichen des Comebacks von Ingrid Bergman, die aufgrund ihrer Beziehung zum italienischen Filmregisseur Roberto Rosselilni in Ungnade beim US-Publikum gefallen war. Sie war zu Beginn dieser Liebesbeziehung mit Peter Lindström verheiratet, trennte sich von ihm und heiratete Rossellini.  In den Jahren 1950 bis 1956 drehte sie ausschließlich in Europa, vornehmlich in Filmen ihres Ehemanns. Mit Anatole Litvaks "Anastasia" wurde sie von 20th Century Fox engagiert. Der Film wurde ein Erfolg und spielte 4,3 Millionen Dollar in den USA ein. Die Academy belohnte ihre Darstellung der Anna Anderson mit einer Oscarnominierung - am Abend des des 27. März 1957 durfte sich sich als Siegerin feiern lassen.
Die historische Person Anna Anderson war nach 1920 mit der Behauptung aufgetreten, sie sei die Zarentochter Anastasia Nikolajewna Romanova, die die Ermordung ihrer Familie durch die Bolschewiki 1918 überlebt haben soll. Bereits einige Jahre später tauchten Gerüchte auf, dass die vierte Tochter des letzten russischen Zarenpaares Nikolaus III und Alexandra Fjodorowna bei der Exekution am 17. Juli 1918 in Jekaterinenburg nicht getötet worden sei. Seit 2007 ist aber klar erwiesen, dass Anastasia mit ihrer Familie im Ipatjew Haus erschossen wurde.
Das wusste man beim Dreh im Jahr 1956, deshalb konnte Litvak auch ein offenes Ende gestalten, bei dem nicht geklärt wurde, ob diese Anna Anderson eine Betrügerin oder tatsächlich Anastasia ist.
Die Geschichte, die Litvak erzählt, beginnt im Jahr 1929. Dort taucht eine kränkelnde Frau in Paris auf, die in einer psychiatrischen Anstalt einer Nonne gestanden hat, die überlebende Tochter des Zaren zu sein. Der russische General Bounine (Yul Brynner), ehemaliger Anführer der weißen Armee während der Revolution und seine Verbündeten Chemov (Akim Tamiroff) und Petrovin (Sacha Pitöeff) schmieden daraufhin eine Plan, um an das Geld zu kommen, dass der Zar zu Lebzeiten auf einer englischen Bank deponiert hatte. Für das Trio ist es beinahe sicher, dass die Frau lügt und Anastasia nicht mehr lebt, dennoch wird sie aufgrund des möglichen Erbes so geschult, dass sie für die Verwandten und für die Menschen, die das Mädchen kannten tatsächlich die Zarentochter sein könnte. Man lernt der Frau das Benehmen und das Auftreten einer Zarentochter sowie einen tiefen Einblick in das Leben von Anastasia und den Menschen, denen sie begegnete. Ein Empfang, bei dem Leute anwesend sind, die sie kannten, entsteht so etwas wie ein Patt Situation. Die Hälfte meint in der Frau "Anastasia" erkannt zu haben, die andere Hälfte ist sich fast sicher, dass es sich um eine Betrgerin handelt.
Aufklärung könnte wahrscheinlich nur Anastasias Großmutter  Maria Feodorovna (Helen Hayes) geben, die in Dänemark im Exil lebt. Doch die Zarenmutter lehnt ein Treffen ab mit der Begründung, dass ihr schon zu oft Betrügerinnen vorgestellt wurden, die das gleiche behauptet haben.....




In der Rolle der egozentrischen Baronin von Livenbaum ist Martita Hunt zu sehen, die durch ihre Rolle in "Geheimnisvolle Erbschaft" dem Kinopublikum bekannt wurde. Ivan Desny spielt Prinz Paul, den früheren Verehrer der jungen Anastasia. Litvaks Film ist teilweise berührend, manchmal nahe am Rande des Edelkitschs angesiedelt. Die Darsteller werten den Film enorm und ansprechend auf. Bergman spielt tatsächlich klasse und auch das Comeback der Stummfilmdiva Helen Hayes ist durchweg gelungen. Beide Schauspielerinnen wurden auch für den Golden Globe nominiert - aber nur ingrid Bergman durfte den Preis wieder entgegen nehmen. Aus heutiger Sicht ist es natürlich klug gewesen die Frage nach der Wahrheit offen zu lassen. Im deutschen "Anastasia" Film mit Lili Palmer, der seiner Hauptdarstellerin den deutschen Filmpreis und eine Nominierung bei den Britischen Film Awards einbrachte, spielt Ivan Desny auch mit - dort lässt man aber nicht offen wer "die Unbekannte Frau" tatsächlich ist. 




Bewertung: 7 von 10 Punkten

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