Samstag, 23. Juni 2018
Der letzte Angriff
Regie: Samuel Fuller
Die Angst des Soldaten vor dem Todesschuß...
Samuel Fullers 1951 entstandener Kriegsfilm "Der letzte Angriff" (Original: Fixed Bajonets!") ist auf den ersten Blick weniger kritisch als sein kurz zuvor enstandener "Die Hölle von Korea", der dem Regisseur einen Siebenjahresvertrag bei der 20th Century Fox einbrachte, aber auch vom US-Verteidigungsministerium misstrauisch beäugt wurde - das Schlußbild in "Die Hölle von Korea" zeigt einen Stahlhelm am Brabkreuz eines Soldaten, der in diesem Krieg gefallen ist. So ist dieses extrem spannende B-Picture mit der technischen Beratung des Militärs entstanden und bereits der Prolog soll den Krieg in der Fremde positiv aussehen lassen. "Dies ist eine Geschichte der amerikanischen Truppen im Korea des Frühjahrs 1951". Sie ist der Königin der Feldschlachten - der US-Infanterie - gewidmet".
Dennoch fällt nach einem Intro mit einigen Parolen und Phrasen der Inhalt wesentlich authentischer und grimmiger aus. Die Kritik Fullers am unmenschlichen Kriegstreiben kommt eher im Deuten einiger Szenen des Films hervor. Etwa dann, wenn der versierte und charismatische Rock (Gene Evans) glaubt, dass sein Kamerad Denno (Richard Basehart) endlich "einen der Roten" erschossen hat. Dieser hat nämlich Mühe auf Menschen zu schießen und noch mehr Mühe ein Führer für seine Einheit zu sein. Rock lobt Denno, weil er glaubt, dass dieser endlich den tödlichen Schuß auf einen Feind geschafft hat. "Jetzt bist Du einer von Uns, jetzt kann ich Dir auch vertrauen". Mit weitestgehend unverbrauchten Schauspielergesichtern erzählt Fuller die tragische Geschichte, die sich während es Koreakrieges abspielt. Die Sowjetunsion und China sind auf der seite der Nordkoreaner, die USA hilft Südkorea. Da die Volksrepublik China immer stärker in diesen Krieg eingreift, sind stehen die Verbündeten vor einer Niederlage. Im Winter des Jahres 1951 heißt es leider Rückzug, doch die Übermacht ist sehr groß und dieser Rückzug könnte zur Katastrophe werden. Sobald der Feind bemerkt, dass sich die US-Armee zurückzieht, könnte er zuschlagen und seine Position ist so günstig, dass es dies ein Massengrab für die Amerikaner werden könnte. Aber die Amis haben eine Liste ersonnen, die funktionieren könnte. Mit einer kleinen Einheit von 48 Mann soll der Rückzug so gedeckt werden, dass die "Roten" glauben die kleine Einheit sei ein ganzes Regiment.
Befehlshaber der Einheit wird Lieutenant Gibbs (Craig Hill), im zur Seite stehen die beiden Sergeants Rock und Lonergan (Michael O´Shea). Sie beziehen dabei einen Pass in den Bergen, legen Minen und spähen den Feind aus. Denno macht sich jetzt schon Gedanken was sein könnte, wenn die drei Vorgesetzten im Kampf fallen - denn dann wäre er der ranghöchste Soldat und müsste die Männer anführen. Ein Gedanke, der ihm überhaupt nicht gefällt. Rock hält sehr viel von Denno, doch er kann nicht verstehen, warum dieser nur so zögerlich Verantwortung übernehmen kann. Er meint "Wenn ihr feindliche Soldaten seht, dann ist noch alles in Ordnung. Erst wenn ihr einen Panzer hört, dann seid gewiss, dass der Feind unsere List durchschaut hat". In einer Höhle in den Bergen hat die ganze Mannschaft Platz und die Männer warten oder hören sich die schlauen Ratschläge des intellektuellen Kameraden Whitey (Skip Homeier) an. Immer wieder durchstreifen Patrouillen der feindlichen Armee das Gebirge. Die kleine Einheit müss mit den Mörser Granaten, ihren Maschinengewehren und den aufgesteckten Bajonetten umso mehr Eindruck von unbesiegbarer Stärke vermitteln...
Zu dem Actiongehalt kommt auch der Zwiespalt zu tragen, den die Figur des zögernden Corporal Denno mit seinem Innern hat. Richard Basehart spielt diesen Soldaten. Der Schauspieler hatte bereits einige gute Rollen in den Filmen "Schritte der Nacht" oder "Dämon von Paris" - den internationalen Durchbruch hatte er aber erst einige Jahre später mit "La Strada" von Fellini und John Hustons Literaturverfilmung "Moby Dick". Im zur Seite stand der etwas kauzige Gene Evans einen Soldaten, der ganz anders agiert und langsam immer mehr der sichere Halt für seine Kameraden bedeutet. In einer kurzen Einstellung am Ende des Films kann man sogar den ersten Filmauftritt von Hollywood Legende James Dean sehen.
Immer wieder setzt Fuller kleine Widerhaken in den Film, bei dem die Armee mit Rat und Tat zur Seite stand. Auf die Frage, warum man als Ami im fernen Korea kämpft, können die Männer keine Antwort geben. Sie wissen es selbst nicht - und am Ende gelingt es Denno auf den Feind zu schießen. Somit auch Verantwortung zu übernehmen - der Preis ist das Überleben, aber er ist auch sehr hoch: Als die Überlebenden zu ihrer Division aufschließen, sehen sie nicht wie die Helden aus, die das Militär gerne hätte. Abgekämpft und abgestumpft hat die Kamera von Lucien Ballard die Männer eingefangen. Die spuren des Krieges sichtbar - das sind Gezeichnete.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
Ein Platz an der Sonne
Regie: George Stevens
Der amerikanische Alptraum..
George Stevens sozialkritisches Drama "Ein Platz an der Sonne" war
in der Oscarnacht 1952 neben "Enstation Sehnsucht" und "Ein Amerikaner
in Paris" der große Favorit und am Ende sprangen 6 Academy Awards für
den auf Meisterwerk getrimmten Film heraus. George Stevens wurde zum
besten Regisseur gewählt, ausserdem konnte man Siege in den Kategorien
Bester Schnitt, Beste Filmmusik, bestes Kostümdesign, bestes adaptiertes
Drehbuch und beste Kamera (William C. Mellor) verbuchen. In der
Kategorie "Bester Film" gewann allerdings "Ein Amerikaner in Paris" und
die nominierten Hauptdarsteller Montgomery Clift und Shelley Winters
mussten sich von Humphrey Bogart für "African Queen" und Vivien Leigh
für "Endstation Sehnsucht" geschlagen geben. Die junge Elizabeth Taylor
wurde nicht berücksichtigt - sie musste noch 6 Jahre auf ihre erste
Oscarnominierung für "Land des Regenbaums" warten.
"Ein Platz an der Sonne" entstand nach dem Roman "Eine
amerikanische Tragödie" von Theodore Dreiser und beschreibt ein bisschen
den Mythos "Vom Tellerwäscher zum Millionär" und lässt einen jungen
Mann der unteren Schichten gesellschaftlich aufsteigen.
Dieser junge Mann heißt George Eastman (Montgomery Clift) und ist
der verarmte Neffe des reichen Industriellen Charles Eastman (Herbert
Heyes). Den hat der junge Mann rein zufällig getroffen als er noch als
Hotelpage in einem Hotel in Chicago arbeitete. Die reichen Eastmans
betrachteten schon immer Georges Eltern (die Mutter wird von
Oscarpreisträgerin Anne Revere gespielt) als religiöse Aussenseiter, nun
ist vor kurzem der Vater gestorben. Eastman will dem ehrgeizigen jungen
Mann mit guten Manieren aber eine Chance geben und er lädt ihn ein zum
Besuch, er könne vielleicht beruflich etwas für ihn arrangieren.
Tatsächlich nimmt George die Chance wahr und in der ersten Szene des
Films sehen wir George auf dem Highway trampen. Bei den Eastmans
angekommen ist die Freude eher verhalten, aber der Onkel steht zu seinem
Wort und George bekommt Arbeit in der Verpackungsabteilung der Firma.
Dort lernt George die Fabrikarbeiterin Alice Tripp (Shelley Winters)
kennen und obwohl ein strenges Verbot herrscht, dass die Angestellten
untereinander Beziehungen beginnen, beginnt George eine
leidenschaftliche Affäre mit Alice. George hat aber auch Augen für das
attraktive Society Girl Angela Vickers (Elizabeth Taylor), die ihn
zuerst gar nicht beachtet. Er beneidet insgeheim den opulenten
Lebensstil seiner reichen Verwandten und fühlt sich in den oberen
Kreisen sehr wohl. Bei einem weiteren Treffen kommt er mit der hübschen
Angela ins Gespräch und tatsächlich verliebt er sich in sie und auch
Angela ist an dem stillen Aussenseiter interessiert. Bald sind die
beiden ein Paar und er sondert sich mehr und mehr von seiner Alice ab,
die zudem auch noch schwanger wird. Wenn dies bekannt würde, wäre es das
Karriereende von George und so kommt der Gedanke auf das ungewollte
Kind abzutreiben. Doch der Arzt weigert sich. Nun drängt Alice auf eine
Heirat, doch George hat sich innerlich schon für Angela entschieden. Die
Situation eskaliert völlig als Alice droht das Verhältnis und die
Schwangerschaft öffentlich zu machen. Um den Aufstieg und seine Angela
nicht zu verlieren, kommt in George der düstere Gedanke auf Alice aus
dem Weg zu schaffen. Während einer gemeinsamen Bootsfahrt entscheidet
sich das weitere Schicksal...
George Stevens hat seine tragische Geschichte über den Aufsteiger,
der am Ende alles verlieren wird, sehr straff und spannend inszeniert.
Dabei sind die drei Hauptdarsteller perfekt besetzt: Montgomery Clift
erweist sich auch hier als sehr guter Charakterdarsteller, er gibt der
Figur die nötige Ambivalenz und gewährt einen Einblick in eine fraglie
Gefühlswelt. Die schöne Liz Taylor beeindruckt ebenfalls, immer mehr an
Tiefe kann der Zuschauer aus der zuerst sehr oberflächlich wirkenden
Angela herauslesen. Natürlich belibt auch Shelley Winters als abgehängte
Exgeliebte im Gedächtnis, ihre beste Szene bekommt sie während der
schicksalhaften Bootsfahrt, als sie aus Georges Augen schreckliche
Wahrheiten herauslesen wird. Kameramann William C. Mellor agierte
ebenfalls meisterhaft - seine Kamera bewirkt, dass der Zuschauer das
Gefühl bekommt nicht nur Beobachter des Szenarios zu sein, sondern
gelegentlich empfindet er sich mittendrin im Geschehen.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
Montag, 18. Juni 2018
Es geschah morgen
Regie: Rene Clair
Ein Geist verteilt die Zeitung von morgen...
Rene Clair, einer der großen französischen Filmregisseure der 30er
Jahre, drehte in Hollywood in den Jahrn 1940 bis 1945 insgesamt vier
Filme: "Die Abenteurerin" (1940), "Meine Frau, die Hexe" (1942), "Es
geschah morgen" (1944) und zuletzt die Agatha Christie Verfilmung "Das
letzte Wochenende" (1945).
Mit "Es geschah morgen" lieferte er einen Beitrag im Genre des
Film-Märchens ab, das in den 40er Jahren auch eine große Beliebtheit
hatte. Man erinnert sich an "Jede Frau braucht einen Engel" (Henry
Koster, 1947), "Ist das Leben nicht schön ? " (Frank Capra, 1946), "Ein
himmlischer Sünder" (Ernst Lubitsch, 1943), "Der Geist und Mrs. Muir"
(Joseph L. Mankiewicz oder "Urlaub vom Himmel" (Alexander Hall, 1941).
"Es geschah morgen" wird auch alternativ "Was morgen geschah"
genannt und ist sowohl sehr romantisch geprägt als auch federleicht.
Kritiker bescheinigten dem Film beim Kinostart eine Perfektion wie ein
rhythmisches Ballett, alle Zahnräder der Geschichten würden wie von
alleine perfekt ineinandergreifen und alles würde mit Klarheit und
Einfachheit bestens funktionieren. Tatsächlich ist das die Stärke, die
Geschichte selbst hätte man auch durchaus düster und ernst gestalten
können, doch Clair als Spezialist der leichten Komödie hat sich auf
seine Stärke besonnen. Bei der Oscarverleihung gabs zwei Nominierungen
zum Verzeichnen: Bester von Jack Whitney und beste Musik von Robert
Stolz.
Wenn man beim Vergleich mit Capras "Ist das Leben nicht schön ?"
bleibt und an den Engel Clarence denkt, der dort seine Flügel verdienen
muss, dann ist der alte Pop Benson, gespielt von John Phliliber, sein
filmischer Verwandter. Der ist zwar kein Engel, aber ein Verstorbener -
nur weiß dies unser Held des Films nicht, er denkt er redet mit dem
lebenden Pop, doch in Wirklichkeit ist es dessen Geist und der steckt
unserem Newspaper man Lawrence Stevens (Dick Powell) die morgige Ausgabe
der Evening Post, sozusagen als geheimnisvoller Gruß aus der Zukunft -
dort in dieser morgigen Ausgabe stehen Ereignisse, die erst noch
passieren. Denn heute ist heute und nicht morgen.
Diese wundersame Geschichte ist eingebettet in die goldene Hochzeit
von Laurence und Sylvia (Linda Darnell). Endlich will Laurence "seine
Geschichte" auch den Gästen erzählen, doch Sylvia gibt ihm den guten Rat
es bleiben zu lassen. "Es wird Dir sowieso niemand glauben", doch dem
neugierig gewordenen Zuschauer werden die Ereignisse vor 50 Jahren in
einer Rückblende seriviert.
Damals, kurz bevor das 20. Jahrhundert begann, äussert Laurence,
den alle nur Larry nennen, den Wunsch, dass er 10 Jahre seines lebens
geben würde, wenn er heute schon die Nachrichten von Morgen kennen
würde. Auch wäre er neugierig zu wissen, wie lange er lebt. Dieser
Wunsch wird dann tatsächich erfüllt - in der Gestalt des alten
Zeitungsmenschen Pop, der das Archiv der Evening Post verwaltet. Der
steckt Larry jeden Tag die Zeitung von Morgen zu. Dies führt zu ganz
verschiedenen Dynamiken. Larry kann über die besten Storys berichten,
denn er weiß, wann am folgenden Tag die Kassen des Theaters geraubt
werden sollen und natürlich kennt er auch die Ergebnisse vom
Pferderennen des folgenden Tages. Zufällig gastiert auch der Wahrsager
Oscar Gigolini (Jack Oakie) in der Stadt, der hat eine sehr schöne
Tochter Sylvia (Linda Darnell). Eine Frau, die 50 Jahre später mit Larry
ihre goldene Hochzeit feiert...
Wie jeder Clair Film hat auch seine märchenhafte Hollywood
Stippvisite sehr viel Charme und es sind 85 kurzweilige Minuten, die der
Zuschauer mit diesem Klassiker aus den 40er Jahren präsentiert bekommt.
Kameramann war der legendäre deutsche Eugen Schüfftan, der in den 20er
Jahren viel mit Fritz Lang zusammenarbeitete.
Bewertung: 7 von 10 Punkten.
Donnerstag, 14. Juni 2018
Abend der Gaukler
Regie: Ingmar Bergman
Ohne Hoffnungsschimmer...
"Abend der Gaukler" (Original: Gycklarnas afton) aus dem Jahr 1953
ist für mich einer der düstersten Bergman Filme überhaupt. Er schildert
den mühevollen Weg des Lebens der Menschen, dessen Rückschläge und
Verzweiflung. Das Alte zerbricht, ein neuer Anfang muss gemacht werden,
wenn man weiterleben möchte.
Am Anfang sieht der Zuschauer die Wagen des heruntergekommenen
Zirkus Alberti. Der Kutscher erzählt dem Direktor Albert Johannson (Ake
Grönberg) die tragische Begebenheit, die sich vor einigen Jahren
ereignet hat. Clown Frost (Anders Ek) erfährt, dass seine Frau (Gudrun
Brost) von einem Trupp Soldaten überreden ließ im Meer nackt zu Baden.
Er eilt sofort von der Manege an den Strand, bedeckt mühsam ihre Blöße
und trägt seine Alma kilometerweit über den steinigen Strand nach Hause.
Bergman zeigt in Großaufnahme das verzweifelte kämpferische Gesicht des
Clowns und auch der Frau, deren Gesichtsausdruck sich immer mehr ihrem
Mann angleicht.
"Abend der Gaukler" steuert auf ein destruktives Ende hin, denn
weil der Zirkusdirektor am Ende seinen geplanten Selbstmord aufgibt,
muss er eine Ersatzhandlung vollbringen und erschießt den Bären, weil er
jemandem wehtun will. Dieser hat kurz vorher in der Vorstellung zum
ersten Mal nicht getanzt und Alma, die mit dem Tier diese Nummer
präsentiert, ahnte dadurch, dass das Tier irgend etwas spürte.
Hier bringt Bergman etwas spirituelles mit in die Handlung, dass
man einfach fühlen muss - erklärbar ist der "Dialog" bzw. Gedanke von
Alma zu ihrem Bären nicht.
In der Stadt, in der Johannson mit seinem schäbigen Zirkus
vorbeikommt, lebt auch Alberts Frau Agda (Annika Tretow). Er hat sie vor
einigen Jahren für den Zirkus verlassen, weil er nicht seßhaft werden
wollte und das Wanderleben ihm viel besser gefiel. Dabei musste Agda die
zwei Jungs alleine großziehen. Alberts Geliebte, die Kunstreiterin Anne
(Harriet Andersson) plagen Ängste - sie hat die Befürchtung, dass
Albert wieder zu seiner Frau zurückkehren könnte und den Zirkus aufgibt.
Tatsächlich sind die Kassen leer und die Leute haben schon lange keinen
Lohn mehr bekommen. Albert kommt aud die Idee dem Theaterdirektor
(Gunnar Björnstradnd) einen Besuch abzustatten in der Hoffnung, dass
dieser dem Zirkus für den Premierenabend Kostüme ausleiht. Hinter den
Kulisse trifft Anne auf den eitlen und arrroganten Schauspieler Frans
(Hasse Ekman), der versucht die attraktive Frau zu verführen. Anfangs
bleibt sie standhaft, obwohl ihr der fremde Mann gefällt. Doch als
Albert sich aufmacht seine Frau zu besuchen, gefällt auch Anne das Spiel
mit dem Feuer und sie heimlich ein weiteres Mal das Theater auf.
Während der recht deprimierte Albert seine Frau bittet, bei ihr bleiben
zu dürfen und einen liebevollen aber bestimmten Korb bekommt, schläft
Anne mit Frans. Als Albert dies herausbekommt, rast er vor Wut und
Verzweiflung. Es kommt bei der Galavorstellung im Zirkus zur offenen
Schlägerei. Albert geht als Verlierer vom Platz, sein spontaner
Suizidversuch misslingt. In einer Art Ersatzhandlung erschießt er den
Bären und wie nach einem entladenen Gewitter kehrt Ruhe ein und noch in
der Nacht zieht der Zirkus weiter. Anne gesellt sich zu ihrem Albert und
schweigend laufen sie nebeneinander und gemeinsam...
Kameramann Hilding Blath konnte den Film nicht komplett
fotografieren, da er andere Verpflichtungen hatte - so kam Sven Nykvist
erstmalig zum Zug, der sich in der Folge als ein langjähriger Begleiter
in Bergmans Filmschaffen erwies. Als Inspiration seines Films sah
Bergman vor allem den deutschen Stummfilm "Variete" von Andre Dupont aus
dem Jahr 1925. Die Kritik war damals gespalten - für die einen war
"Abend der Gaukler" ein Meisterwerk und andere urteilten vernichtend
über Bergmans hoffnungslose Studie über das menschliche Dasein. Ein
Wohlfühlfilm ist "Abend der Gaukler" auf keinen Fall, denn die
Geschichte, die Bergman erzählt, wandelt sich öfters innerhalb von
Sekunden von der Komödie zur Tragödie. Entsetzte und erstarrte Gesichter
sind präsent und stehen expemplarisch für den gesamten Inhalt. Der
Zuschauer wird Zeuge vom Treiben und Leiden der Gaukler und mag sich
irgendann selbst darin sehen. Die Sehnsucht nach einem anderen Leben,
dass sich die Gaukler erhoffen, ist sofort als Spiegelbild der
Gesellschaft erkennbar. Und sowohl Theater und Zirkus bedeuten Applaus
auf der einen Seite, aber auch das Gegenteil. Am Ende steht Ohnmacht und
der Bär wird erschossen, ja beinahe schon erlöst vom traurigen Dasein,
weil es ihm als Gefangener, der seinen Tanz einzustudieren hat, noch
schlechter geht als dem Mensch.
Bewertung: 10 von 10 Punkten.
Das Verbrechen des Herrn Lange
Regie: Jean Renoir
Mord oder gar Notwehr ?
1926 errang der französiche Filmregisseur Jean Renoir mit seiner Verfilmung von Zolas "Nana" seinen ersten großen Erfolg. In den dreißiger Jahren gehörte er zu den führenden Vertretern der französischen Filmkunst, er drehte Meisterwerke wie "Die Spielregel", "Bestie Mensch" und "Die große Illusion", den Joseph Goebbels als französische Propaganda verbieten ließ. Alle drei Film gelten als Klassiker des Poetischen Realismus und hatten daher auch großen Einfluss auf den italienischen Neorealismus der Nachkriegsjahre. "Das Verbrechen des Herrn Lange" ist nicht ganz so bekannt und entstand 1936 als Zeugnis für das soziale Engagement seines Machers.
Der Mann (Rene Lefevre), der mit seiner Geliebten Valentine (Florelle) nach Belgien flüchten will, heißt Lange und wird verdächtigt ein Mörder zu sein. Beide kommen in einem Gasthaus unter und nehmen sich ein Zimmer, weil sie zu erschöpft sind. Sehr bald wollen sie die rettende Grenze erreichen, doch unter den Gästen im Wirtshaus wird sehr schnell darüber diskutiert, ob man die Polizei verständigen soll, denn Lange wurde erkannt und man weiß, dass mach Ihm gefahndet wird. Während Lange schläft, hört Valentine, dass am Stammtisch darüber gesprochen wird. Sie setzt sich zu den Männern und erzählt in einer Rücklbende vom "Verbrechen des Herrn Lange" und dann sollen die Zuhörer selbst entscheiden, ob sie die Polizei rufen oder nicht.
Im Grund ist Amedee Lange ein sehr gütiger Mensch, der im Verlag des skrupellosen und zynischen Verlegers Batala (Jules Berry) arbeitet. Der beutet seine Mitarbeiter schon seit langem aus, verprasst die Gelder seiner Gläubiger und lebt damit auf großem Fuß - vor allem auch, weil er den Frauen imponieren will. Und wenn die nicht wollen, dann wird er auch etwas zudringlicher. Dieser charakterlose Schuft hatte mal ein Verhältnis mit Valentine und hat auch die junge Estelle (Nadia Sibirskaja) zum Sex genötigt, dabei ist die in den jungen Charles (Maurice Baquet) verliebt, den Sohn des kauzigen Concierge (Marcel Levesque). Nun erwartet sie ein Kind von dem Verleger. Doch der macht sich aus dem Staub vor seinen Gläubigern und der drohenden Verhaftung durch die Polizei. Als sich ein Eisenbahnunglück ereignet soll Batala unter den Toten sein. Statt aufzugeben wandeln die Angestellten den Verlag in eine Kooperative um und haben bald überraschend auch Erfolg. Doch dann taucht der Totgeglaubte im Priestergewand auf....
Renoirs Film rechnet in seinem Filmbeitrag schonungslos mit den kapitalistischen Unternehmen ab, daher ist seine Geschichte auch zeitlos und vor allem in unserer heutigen Zeit sehr aktuell. Dabei wandelt er den Mord in eine Art Notwehr um, es blieb den rechtschaffenen Lange gar kein anderes Mittel mehr als den Ausbeuter ausser Gefecht zu setzen. Die improvisierte Jury, die einfachen Leute in der Kneipe fällen dann auch am Ende ein Urteil, dass durch Mehrheitsbeschluß ermittelt wurde. Renoir wollte auch ein Stück realistisches Leben aus einem typischen Pariser Hinterhof einfangen. Diese Milieuschilderungen sind sehr treffend gelungen und die Optik durch die Kameraarbeit von Jean Bachelet hervorragend.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
Mittwoch, 6. Juni 2018
Exodus
Regie: Otto Preminger
Schalom und Salam...
In den frühen 60er Jahren wandte sich Hollywoodregisseur Otto Preminger etliche Mal dem Monumentalfilm zu. 1960 entstand nach dem Roman von Leon Uris das zionistische Epos "Exodus", drei Jahre später präsentierte Preminger mit "Der Kardinal" einen weiteren Kinoerfolg in Cinemascope.
In diesem Jahr feiert Israel seinen 70sten Geburtstag - da sind 70
Jahre Kampf um die Existenzberechtigung, 70 Jahre Widerstand der
Palästinenser und in all diesen Jahren Friedensbemühungen auf beiden
Seiten, aber auch keinen durchschlagenden Erfolg durch die extremen
Positition auf beiden Seiten. Manche Araber fordern immer noch die
Vernichtung Israels, andererseits sind auch die Expansionsbestrebungen
rechtsextremer Kräfte in Israel immer wieder provokant bis aggressiv zu
werten, wenn es darum geht das Staatsgebiet weiter auszudehnen.
Der Roman von Leon Uris und auch der Film von Preminger machten mit
"Exodus" den Versuch die Entstehung des Staates Israels zu
rekonstruieren.
Auch wenn die arabischen Seite eher nebensächlich behandelt wird,
ist die Aussage des Films doch auf Versöhnung angelegt. Das geht schon
auf einen Dialog am Anfang des Films zurück, indem gesagt wird, dass
schon das Grußwort der Juden und der Araber sich gleich anhört: Schalom
und Salam. Auch am Ende wird die gewünschte Verbundenheit durch ein Grab
zweier Opfer auf beiden Seiten unterstrichen. Historische Ereignisse
hat Premiber mit fiktiven Handlungssträngen verbunden und mit der Liebe
zwischen der amerikanischen Krankenschwester Kitty Fremont (Eva Marie
Saint) un dem mutigen Ari Ben Canaan (Paul Newman), einem Mitglied der
Hagana, bekommt der Zuschauer in den fast 200 Minuten Laufzeit auch was
fürs Herz geboten.
Die Geschichte beginnt 1947 in Zypern, kurz nach dem 2. Weltkrieg.
In Internierungslagern sind tausende jüdische Menschen aus ganz Europa
untergebracht. Dort lernt Kitty, die seit 1 Jahr Witwe ist und mit dem
britischen General Sutherland (Ralph Richardson) befreundet ist, die
deutsch-dänische Jüdin Karen Hansen (Jill Haworth) kennen, die in
Ausschwitz ihre Familie verloren hat. Lediglich der Vater gilt als
vermisst und Karen hegt die Hoffnung, dass er inzwischen in Palästina
leben könnte. Karen hat sich mit dem wilden und ungestümen 17jährigen
Dov Landau (Sal Mineo) angefreundet, der Ausschwitz überlebt hat, weil
er Teil eines Sonderkommandos im KZ war. In einer wahnwitzigen Aktion
und der Hilfe des Zyprioten Mandria (Hugh Griffith) bringt er seine
Landsleute an Bord des Schiffes "Exodus" mit dem Ziel Paästina.
In letzter Sekunde blockieren die Briten, dass das Schiff auslaufen
kann. Doch mit der Drohung von Hungerstreik und das Schiff lieber mit
dynamit in die Luft zu sprengen, geben die Briten bald klein bei und mit
der weiß-blauen Flagge mit dem Davidsstern darf das Schiff dann doch in
die hoffentlich neue Heimat reisen.
In Palästina selbst wird der Zuschauer Zeuge der Terroranschläge
der Irgun, einer der Führer der Terroristen ist Aris Onkel Akiva (David
Opatoshu), der von seinem Bruder, Aris Vater (Lee J. Cobb) aus der
Familie verstoßen wurde. Aris Vater Barak (Lee J. Cobb) ist ein Mann des
Friedens und war der beste Freund des arabischen Muchtars in der
Gegend. Dessen Dorf Abu Jesha und Baraks Kibbuz in Gan Daffna lebten in
Frieden. Auch Taha (John Derek), der Sohn des Muchtars ist voller
Hoffnung, dass es gemeinsames Leben von Juden und Arabern möglich ist.
Doch es kommt anders. Als am 29. November 1947 der UN-Teilungsplan für
Palästina von der Generalversammlung der Vereinten Nationen angenommen
und verkündet wird, bricht in Gan Dafna Jubel aus, wird aber die
militanten Kräfte der Araber zum Kampf provozieren.
Der Großmufti von Jerusalem Mohammed Amin al-Husseini befielt
gemeinsam mit dem früheren SS-Offizier von Storch (Marius Goring) Gan
Dafna anzugreifen. Am Ende müssen Opfer auf beiden Seiten beklagt
werden...
Natürlich vereinfacht der Film sehr vieles, aber es ist erkennbar,
dass die extremen Kräfte auf beiden seiten schon langsam an Macht
gewinnen. In den USA wird dem Film - auch heute noch - eine hohe
Bedeutung in der Wahrnehmung des Nahostkonfliktes (zugunsten Israels)
beigemessen. Für mich ist "Exodus" ein guter Beitrag zum inzwischen
wieder verstärkten Konfikt in Nahen Osten, man kann ihn aber kritisch
und dennoch neutral betrachten. Auch wenn die zahlreichen
Vereinfachungen historischer Zusammenhänge auffallen - die Message des
Miteinanders kommt gut und darüberhinaus hat Kameramann Sam Leavitt
(Oscar-Nominierung) das heilige Land optisch klasse eingefangen. Der
Soundtrack von Ernest Gold wurde weltberühmt, mit dem Oscar
ausgezeichnet und den besten Auftritt im Film darf Sal Mineo als Dav
Landau für sich verbuchen . Dafür gabs auch eine Oscar-Nominierung -
doch er unterlag Peter Ustinov in "Spartacus".
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
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