Sonntag, 9. Oktober 2016

Iwans Kindheit




Regie: Andrej Tarkowski

Wunschtraum und Wirklichkeit...

"Iwans Kindheit" aus dem Jahr 1962 ist der erste Spielfilm des russischen Regisseurs Andrei Tarkowski, der einmal gesagt hat, dass er der Anhänger jener Kunst ist, die in sich eine Sehnsucht nach dme Idealen träget, das Streben danach zum Ausdruck bringt. Er will als Künstler den Menschen Hoffnung und Glauben geben. Je hoffnungsvoller die Welt ist, von der ein Künstler erzählt, umso deutlich wird er vielleicht das ihr entgegengesetzte Ideal erspüren lassen. Und genau dies ist bei "Iwans Kindheit" der Fall. Denn die Gegenwart ist trostlos bis hoffnungslos.
Doch Tarkowski legt keinen großen Wert auf eine geradlinige Erzählung, sondern stellt dem Grauen des Krieges immer wieder in Rückblenden die unbeschwerte schöne Kindheit von Iwan gegenüber. Glückliche Tage am Strand mit seiner Schwester und mit seiner Mutter. Der Film entstand nach der literarischen Vorlage "Leuchtspur über den Strom" von Wladimir Bogomolow. Es ist die Geschichte einer durch den Krie zerstörten Kindheit.
Der schwarz weiß Film zeigt den 12jährigen Iwan Bondarow (Kolja Burjajew), der Kundschafter der Rotarmisten an der Ukrainefront ist. Der Junge ist inzwischen Vollwaise und konnte nur mit Glück dem deutschen Todeslager entfliehen. Seitdem verfolgen ihn die Alpträume noch mehr. Seine schönen Kindheitserinnerungen münden im Traum immer mehr in schreckliche erlebte Horrorszenarien ein. Der Waisenjunge riskiert als Späher im Dnjepr-Gebiet jedesmal sein Leben. Oberstleutnant Grjasnow (Nikolai Grinko) und Hauptmann Cholin (Walentin Subkow) sind so eine Art Ersatzfamilie für den Jungen geworden, der unbedingt gegen seine Feinde, die Deutschen, kämpfen will. Schließlich sind das auch die Mörder seiner Mutter und seiner Schwester. Grjasnow möchte Iwan in Sicherheit wissen und beschließt ihn auf eine Militärschule zu schicken. Dies lehnt der Junge entschieden ab. Schließlich gibt sein Vorgesetzter nach. Iwan freudet sich auch mit dem jungen Leutnant Galzew (Jewgeni Scharinkow) an. Der Film stellt auch das Leben der Soldaten dar, denen Iwan begegnet. Ein Handlungsstrang zeigt den Kontakt zwischen Cholin und der Armee-Krankenschwester Mascha (Walentina Maljawina)  und seine nicht von Erfolg gekrönten Annäherungsversuche, da Mascha mehr für den jungen Galzew empfindet. Der überwiegende Teil des Films spielt in einem Bunker, mit Offizieren, die angsterfüllt auf ihre Befehle warten, Operationen planen oder belanglos plaudern, wobei Iwan ungeduldig und angespannt seiner nächsten Aufklärungsmission harrt. Ein letztes Mal gelingt es Iwans Kameraden ihn bei Nacht und Nebel mit einem Booet unweit der Front auszusetzen. Der Junge verschwindet hinter den feindlichen Linien und kehrt nie mehr zurück..


Am Ende des Films ist in Berlin die Naziherrschaft zusammengebrochen, die rote Armee herrscht in der zerstörten Stadt. Galzew findet dort Dokumente über den Verbleib des Jungens. Er erfährt, dass Iwan hingerichtet wurde. Tarkowski zeigt dem Zuschauer die Zelle mit dem Galgen, wo er getötet wurde. Am Ende tauchen dennoch hoffnungsvolle Bilder am Strand auf. Iwan rennt dort mit seiner Schwester an einem schönen Sommertag herum. Die Kamera fängt einen toten Baum ein. Kein Wunder, dass der schwedische Meisterregisseur von "Iwans Kindheit" begeistert war. Ich ebenso. Der Film wirkt vor allem durch seine markante Bildsprache, die an das Gefühl appelliert und bestimmte Stimmungen auslöst. Der Gegensatz zwischen der friedlichen verlorenen Welt ist ständig präsent durch die zerstörerisch wirkende Kriegswelt, die düster, bitter und brutal wirkt. "Iwans Kindheit" wurde 1962 bei den internationalen Filmfestspielen in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Die Bilder sind doch allein schon so ausdrucksstark und stimmungsvoll, fast elementar, manchmal sogar sakral, aber immer von Schwermut durchtränkt.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Julius Caesar

























Regie: Joseph L. Manciewicz

Tyrannenmord...

Im Römischen Reich bezeichnete man Festtage, die im römischen Kalender in der Monatsmitte lagen als Iden. Sie fielen entweder auf den 15ten oder auf den 13ten Tag des Monats. Die Ermordung von Gaius Julius Caesar am 15. März des Jahres 44 fiel auch auf den Iden. Und der Diktator soll ja auch am Tage vor dem Anschlag mit den Worten "Cave Idus Martias" (deutsch: Hüte dich  vor den Iden des März) gewarnt worden sein. Seither bedeutet der Begriff "Iden des März" als Metapher für ein bevorstehendes Unheil.
1599 schrieb der große William Shakespeare seine berühmte Tragödie "The Tragedy of Julius Caesar", die dieses Attentat in der Antike beschreibt. Während einer Senatssitzung im Theater des Pompeius wurde Caesar mit 23 Dolchstichen ermordet. An der Verschwörung beteiligten sich ca. 60 Personen.
Für manche Kritiker ist "Julius Caesar" ein Stück, das den Tyrannenmord rechtfertigt. Andere sehen eher das monarchistische Drama, das den Mord gegen den Herrscher stark verurteile. Zumindest kann man sagen, dass sein Stück recht doppelbödig wirkt, aber gerade diese Ambivalenz ist der Reiz der Geschichte. Der Zuschauer muss sich selbst die Frage stellen, wie er diese Geschichte beurteilt. Weder Caesar noch Brutus sind daher vollständig positive Charaktere, man kann aber sagen, dass vor allem Brutus eine tragische Figur darstellt. Er ist der Einzige der Verschwörer, der keine egoistischen Absichten mit dem Mord verfolgte - es ging ihm um das Wohl der römischen Bevölkerung.  Der Stoff selbst ist bis heute politisch brisant geblieben, denn es geht um nichts weniger als um die Rechtmäßigkeit der Verwerflichkeit des Tyrannenmords.
1953 nahm sich Hollywood dieses klassischen Stoffes an und wurde realisiert von Joseph L. Mankiewicz, der zuvor mit seinen Filmen "Ein Brief an drei Frauen" und "Alles über Eva" zweimal hintereinander den Regie-Oscar gewinnen konnte. Seine Ambitionen waren groß - er wollte nur britische Darsteller für den Film verpflichten. Doch das Vorsprechen von Marlon Brando war so überzeugend, dass man den Rebellen von Hollywood dem Theaterschauspieler Paul Scofield vorzog.
Noch am Morgen des Tags überlegt sich Caesar (Louis Calhern) der Senatsitzung fernzubleiben, denn seine Frau Calpurnia (Greer Garson) hatte einen schrecklichen Alptraum, sie sah im Traum die drohende Gefahr für ihren Gatten. Eine weitere Warnung bekam der Imperator von einem Wahrsager (Richard Hale)...hüte Dich vor den Iden des März. Tatsächlich ist eine Verschwörung im Gange, die vor allem von Cassius (John Gielgud) und Casca (Edmund O´Brien) vorangetrieben wird. Gemeinsam versuchen sie Brutus (James Mason) auf ihre Seite zu ziehen. Brutus liebt Caesar wie einen Vater, doch er sieht mit starkem Bedenken seine immer stärker werdende Macht, die die Freiheiten der Bürger zunehmend einschränken wird. Auch Brutus Frau Portia (Deborah Kerr) hat düstere Vorahnungen. Tatsächlich gelingt es den Verschwörern Brutus umzustimmen. Vor dem Senatsgebäude wird Caesars treu ergebener Freund und Mitkonsul Marcus Antonius (Marlon Brando) unter einem Vorwand von Caesar abgelent. Dann vollzieht sich der Verrat, dem ersten Dochstoß folgen weitere. Am Ende seines Lebens erkennt der Tyrann, dass auch sein geliebter Brutus mitgemacht hat "Auch du, mein Sohn" so seine letzten Worte....


Von den vielen Verfilmungen des Stücks ist die Version von 1953 immer noch die bekannteste. Gleich 5 Nominierungen für den Oscar sprangen heraus. Aber nur der Preis fürs beste Szenenbild von Cedric Gibbons, Edward Carfagno, Edwin B. Willis und Hugh Hunt wurde gewonnen. In der Kategorien "Bester Film", "Bester Regisseur", Bester Darsteller Marlon Brando und Beste Kamera Joseph Ruttenberg ging "Julius Caesar" leer aus. Natürlich wirkt der film sehr theaterhaft, aber die Darstellungen sind alle sehr überzeugend, vor allem James Mason, John Gielgud und Marlon Brando, der sich selbst gar nicht so überzeugend fand wie die Kritiker und Zuschauer.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Paris um Mitternacht

























Regie: Terence Fisher

Wo ist Johnny Barton ?

Paris um Mitternacht" (Original: So long at the fair) entstand 1950 und ist einer der ersten Spielfilme der Hammer-Regielegende Terence Fisher, auf dessen Konto unvergessliche Klassiker wie "Frankensteins Fluch", "Dracula", "Frankensteins Rache", "Der Hund von Baskerville", "Die Rache der Pharaonen", "Dracula und seine Bräute", "Der Fluch von Siniestro", "Die brennenden Augen von Schloß Bartimore" oder "Blut für Dracula" gehen.
Der Film hat gewisse Ähnlichkeiten mit Hitchcocks frühem Meisterwerk "Eine Dame verschwindet" - ist allerdings wenige spannend und temporeich inszeniert. Obwohl wenig Dramatik geboten wird, kann Fishers Film dennoch überzeugen. Vor allem durch ein gutes Schauspielerensemble mit der jungen Jean Simmons, mit Dirk Bogarde ganz am Anfang seiner Karriere und Cathleen Nesbitt als mysteriöse Hotelbesitzerin Madame Herve. Die große Theaterschauspielerin war immer wieder in auf der Leinwand in Nebenrollen präsent. Zuletzt in Frankenheimers "French Connection II" und in Hitchcocks letztem Film "Familiengrab". Während in Hitchcocks "Dame verschwindet"die alte Miss Froy, die sich später als Geheimagentin entpuppt, spurlos aus einem Zug verschwindet und keiner ihrer Mitreisenden glauben will, dass diese vermisste Frau tatsächlich existiert hatte.
Mit dem gleichen Problem wird in "Paris um Mitternacht" die junge Vicky Barton (Jean Simmons) konfrontiert, die im Mai 1889 mit ihrem Bruder Johnny (David Tomlison) während ihrer ausgedehnten Festlandreise die Weltausstellung in Paris besuchen.. In der Seine Metropole herrscht extremes Treiben, die Ausstellung lockt Tausende von Touristen in die Metropole. Gemeinsam mieten die Geschwister sich in einem gemütlichen Hotel ein, dass von der gestrengen Madame Herve (Cathleen Nesbitt) geführt wird. Am Abend erkunden die Beiden die Stadt und auch der Künstler George Hathaway (Dirk Bogarde) führt seine Gäste Mrs. O´Donovan (Betty Warren) und deren Tochter Rhoda (Honor Blackman) aus. Sie begegnen sich sogar zufällig. Am nächsten Morgen erlebt aber Vicky eine böse Überraschung. Johnny ist verschwunden und als ob dies nicht schon schlimm genug wäre: Anscheinend ist sie nach Aussagen der Hotelbetreiber allein angereist und das Zimmer, in dem der Bruder gewesen sein soll, existiert überhaupt nicht. Ist Vicky vielleicht nicht zurechnungsfähig ? Hat sie überhaupt diesen Bruder, den keiner gesehen haben will. Verzweifelt sucht die junge Dame nach Hilfe und Zeugen...


Die Geschichte in "Paris um Mitternacht" soll sich tatsächlich so ähnlich während dieser 1889er Weltausstellung in Paris so ereignet haben. Es handelte sich aber um Mutter und Tochter, die aus Indien nach Paris angereist waren. Der Film spielt genüsslich mit dieser Variante, warum alle Spuren verwischt wurden, die auf diesen Bruder hindeuten. Dabei setzt vor allem das Hotelpersonal auf eine düstere, unheimliche Komponente, als Zuschauer ahnt man schlimmes. Allerdings wird man dann von der tatsächlichen Auflösung doch einigermassen überrascht - und das Ende ist alles andere als unlogisch. Natürlich darf der Flirt zwischen Bogarde und Simmons nicht fehlen. Dies alles ist in schöne schwarz-weiß Bilder gepackt. Ein eher seltener und unbekannter Klassiker, der gut unterhalten kann.


Bewertung. 7 von 10 Punkten.

Der Speer der Rache

























Regie: George Sherman

Chief Crazy Horse...

Möglicherweise war Filmregisseur George Sherman der produktivste Filmemacher im Western-Genre. Allerdings war er spezialisierte auf den Low Budget Film und so sind die meisten seiner B-Movies nicht besonders bekannt. Eine Ausnahme ist jedoch seine letzte Arbeit, denn "Big Jake" mit John Wayne war damals ein guter Filmerfolg und gehört auch zum erweiterten Klassikerkreis des Dukes. Neben dem Piratenspektakel "Gegen alle Flaggen" mit Errol Flynn sicherlich sein erfolgreichster Film. Aus heutiger Sicht sind viele seiner Western wie "Im Land der Comanchen", "Verschwörung auf Fort Clark", "Tomahawk" oder "Die Schlacht am Apachenpass" eher Indianerfilme und in ihrer naiven Art auch äusserst indianerfreundlich. Auch "Der Speer der Rache" aus dem Jahr 1955 gehört dazu. Im Original heißt der Western "Chief Crazy Horse" und präsentiert Victor Mature in der Rolle dieses legendären Sioux-Häuptling. In der deutschen Fassung wurde aber sehr vieles auch verfälscht und man hat immer wieder das Gefühl einen Vorläufer der Karl May Filme zu sehen, angereichert mit viel Hollywood-Pathos - wie dies zu dieser Zeit üblich war.  Aus "Black Shawl" wurde "Blütentau", aus der Hauptfigur hat der deutsche Text den Namen "Schwarzer Hengst" gemacht und sein Kontrahent Little Big Man heißt sogar "Steppenwolf".
Die überirdischen bzw. göttlichen Vision werden von Sherman wie in einem der damals beliebten Bibelschinken präsentiert, auch mit dem üblichen sirenenartigen Engelschor, was aus heutiger Sicht dann schon mal ziemlich kitschig wirkt.
Man muss auch sagen, dass die Drehbücher für Sherman nie aussergewöhnlich waren - es waren einfach gestrickte Geschichten ohne Tiefgang. Meistens hatte der indianische Held noch einen weißen Freund an die Seite bekommen. Ein Hoch auf Old Shatterhand.
An seinem Totenbett sagt Häuptling Tapferer Bär die Herrschaft eines mutigen Kriegers aus dem Stamme der Lakota Sioux voraus. Er hätte die Kraft und die Stärke die uneinigen Stämme zu vereinen und Siege gegen die weißen Eindringlinge einzufahren. Der Junge, der diese Weissagung hört, hat erkannt, dass der sterbende Häuptling dabei den Finger auf ihn zeigte. Eine schwere Bürde - doch als Erwachsener ist er zum starken Krieger geworden. "Crazy Horse" (Viktor Mature) liebt Blütentau (Suzan Ball), doch die wird auch von Steppenwolf (Ray Danton) umworben. Als die beiden mit Flying Hawk (Keith Larsen) auf der Jagd sind, finden sie den verletzten weißen Major Twist (John Lund), der dann von Blütentau gesund gepflegt wird. Er ist auch der Erzähler dieser Ereignisse und wird Freund des Häuptlings. Tatsächlich bewahrheitet sich die Vision des alten Häuptlings. Crazy Horse wird zum starken Feldherrn und schlägt die US-Armee mit ihren eigenen Strategien, die einem Wilden nicht mal ansatzweise zugetraut wurden. Doch der zweite Teil der Weissagung warnt auch vor dem Tod durch Bruderhand. Als Steppenwolf von seinem Stamm verjagt wird, tritt dieser in die Armee als Kundschafter ein...


Viktor Mature wirkt alleine schon durch sein markantes Äusseres sehr glaubwürdig als Chef der Sioux. Sherman inszenierte ihn aber teilweise wie ein Messias. Dabei sieht der Held dann herbeireitende Pferde am Himmel, die die Prophezeiung unterstreichen sollen. Was auf jeden Fall positiv auffällt, ist die sehr gute Bildgestaltung dieses 50er Jahre Films, der zumindest heute nicht mehr begeistern kann, aber dafür doch noch einen ganz annehmbaren Unterhaltungswert bietet.



Bewertung: 6 von 10 Punkten.

Der Weg nach Westen





















Regie: Andrew V. McLaglen

Der Treck nach Oregon...

1967 inszenierte Andrew V. McLaglen mit dem Siedlerepos "Der Weg nach Westen" sicherlich einer seiner besten Filme. Vor allem die realistische Schilderung dieses Trecks von Missouri bis nach Oregon ist überzeugend realistisch. Dazu kommt die Verschönerung der Geschichte durch den Bilderbogen, den der Kameramann William S. Clothier einmal mehr präsentiert.
Erzählt wird die beschwerliche Reise eines Siedlertrecks von Missouri ins entfernte Oregon, der von Senator William J. Tadlock (Kirk Douglas) geleitet wird. Der Mann, der seine Frau verloren hat und nur noch seinen kleinen Sohn (Stefan Arngrim) hat, will in Oregon mit den Mitreisenden eine neue Zukunft aufbauen. Dazu hat er vor eine Stadt zu bauen, der Bauplan steht schon fest. Aber die Reise ist auch gefährlich, deshalb engagiert er den versierten Dick Summers (Robert Mitchum), der als der beste Führer durch das noch unentdeckte Land gilt. Auch Farmer Lije Evans (Richard Widmark) kann seine Frau Becky (Lola Albright) überreden die Zelte abzubrechen und eine neue Herausforderung anzunehmen. Sohn Brownie (Michael McGreevey) ist aber sofort Feuer und Flamme und hat sich gleich in die etwa gleichaltrige und frühreife Mercy McBee (Sally Fields) verguckt, die mit ihren Eltern (Harry Carey jr, Connie Sawyer) reist. Auch das junge frischvermählte Ehepaar Johnny (Michael Witney) und Amanda Mack (Katherine Justice) sind unter den vielen Reisenden. Summers hat ein Problem mit seinem Augenlicht und ist dem Alkohol nicht abgeneigt, dies führt immer wieder zu Differenzen mit den selbstherrlichen Senator. Bald gibt es ein erstes Treffen mit den Indianern. Summers kann gerade noch rechtzeitig einschreiten als der junge Brownie von den Rothäuten getötet werden soll. Die Indianer reiten mit zum Treck, der etwas entfernt lagert. In dieser Nacht meint es das Schicksal nicht gut mit den Siedlern. Johnny, von seiner Frau ständig abgewiesen, trifft sich im Wals mit Mercy - die beiden lieben sich und während die anderen Siedlern mit den Indianer feiern, fällt ein Schuß. Johnny ist der Schütze, der dachte, dass ein wildes Tier sich anschleicht, stattdessen war es der kleine Sohn des Häuptlings, der tot unter dem Tierfell liegt. Die Siedler verheimlichen das Unglück und versuchen so schnell wie möglich weiterzufahren und vor den Indianern zu flüchten. Doch die Indianer lassen nicht locker...


Am Anfang wird der old School Western etwas behäbig und altmodisch, doch der Treck gewinnt zunehmend an Fahrt. Dabei ist es interessant, dass die drei Zugpferde gar nicht mal markante Rollen spielen, besonders Mitchum und Widmark bleiben insgesamt zwar solide, aber weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Lediglich Kirk Douglas als zwiespältiger Treckführer, der das Unternehmen so führt, dass noch eine Meuterei aufkommt, hat einige wirklich gute Szenen. Und davon bietet der Film auch sonst recht viel. Besonders die Sequenzen mit den Indianern sind äusserst spannend und sorgen auch für einen dramatischen Schlußpunkt und einen Gehängten. Die interessanteren Charaktere des Films sind eindeutig die jüngeren Treckmitglieder. Der unterversorgte Ehemann Johnny, aber auch der aufrechte Brownie, der im Laufe der Handlung vom Kind zum Erwachsenen wird. Die zweifache Oscarpreisträgerin Sally Field ist in ihrer ersten Rolle zu sehen.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Bandolero




















Regie: Andrew V. McLaglen

Henker James Stewart...

Westernregisseur Andrew V. McLaglen drehte fünf Filme mit John Wayne und vier mit James Stewart - einer davon ist der 1968 entstande "Bandolero", der sich auch durch den Italo Western inspirieren lässt und auf dem Höhepunkt einer Verbrecherjagd die amerikanische Grenze überquert und ins wilde Mexiko führt. "Bandolero" ist auch ein Film über die zwei ungleichen Brüder Dee (Dean Martin) und Mace Bishop (James Stewart). Dabei darf James Stewart vorübergehend als falscher Henker auftreten. Beide Brüder sind Banditen geworden, Mace war im Bürgerkrieg auf der Seite der Nordstaatler, während Dee für den Süden kämpfte. Allerdings an der Seite des berüchtigten Partisanenführer William Quantrill. In der texanischen Stadt Val Verde will Dee mit seinen Kumpanen (Will Geer, Clint Ritchie, Denver Pyle und Tom Heaton) die Bank ausrauben. Dabei kommt es aber unerwartet zu einer Schießerei. Der Mann von Maria Stoner (Raquel Welch) kommt dabei zu Tode. Die Gangster können von Sheriff July Johnson (George Kennedy) und vom Deputy Roscoe Bookbinder (Andrew Prine) gefasst werden. Da die Anklage nun "Mord"heißt, ist aus der Gefängniszelle der Todestrakt geworden. Ein Henker von auswärts wird erwartet und soll die Schurken aufhängen. Zufällig trifft Mace Bishop auf diesen Henker und erfährt so, dass sein Bruder gehängt werden soll. Er bringt den Henker um die Ecke und gibt sich als der Vollstrecker aus. Keiner ahnt, dass die Gefangenen befreit werden sollen. Das Unternehmen gelingt und während die Bürgerwehr die flüchtitge Bande jagt, hat Mace noch Zeit die Bank alleine auszurauben. Dee nimmt Maria Stoner als Geisel und beide verlieben sich spontan, obwohl auch der Sheriff ein Auge auf die schöne Maria geworfen hat. Die Banditen überqueren die Grenze von Mexiko, ebenso die Bürgerwehr und damit haben sie einen neuen Feind. Das Gebiet wird von den Bandoleros beherrscht, die alle Gringos töten, die sie rfinden können. Im finalen Showdown auf mexikanischen Boden gibts ne Menge Leichen...


"Bandolero" kam nicht sehr gut bei der Kritik weg, dennoch hat der Film sehr gute Szenen zu bieten. Und natürlich auch eine hochkarätige Besetzung mit den alten Herren James Stewart und Dean Martin. Für das neue Kinopublikum verpflichtete man die attraktive Raquel Welch, die damals als eine der schönsten Filmstars galt und George Kennedy, der gerade in den 60s durch viele überzeugende Nebenrollen bekannt wurde. Für seine Rolle in "Der Unbeugsame" bekam Kennedy sogar einen Oscar zugesprochen. Dabei sind natürlich die Helden der Geschichte fragwürdige Banditen, aber sie werden von McLaglen sehr sympathisch inszeniert, was der Geschichte vielleicht etwas Kraft nimmt.



Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Todfeinde


























Regie: Henry Hathaway

Five Card Stud...

Henry Hathaway hat nach einigen großartigen Film Noir Klassikern (Niagara, Der Todeskuß) viele große Edelwestern gedreht. Filme wie "Der Garten des Bösen", "Schieß zurück Cowboy", "Nevada Smith", "Die vier söhne der Katie Elder", "Das war der Wilde Westen" oder "Land der 1000 Abenteuer" sind alle zu beliebten Klassikern geworden. "Todfeinde", der im Original "5 Card Stud" heißt ist einer der drei Western seiner späten Schaffensphase. Während "Der Marshall" und "Shoot out" eher dem klassischen Western zugeordnet werden können, ist vor allem "Todfeinde" ein sehr ausgefallenes Werk. Westernexperte Joe Hembus merkte in seinem Westernlexikon an, dass der Film sehr finster und grimmig wäre und ein paar fiese Grausamkeiten dem Zuschauer präsentiert. Denn gesucht wird in "Todfeinde" ein echter Serienkiller, der in der kleinen Stadt Rincon, Colorado sein Unwesen treibt. Das Nest ist etwa 100 km von Denver entfernt. Dorthin hat es den Pokerspieler Van Morgan (Dean Martin) verschlagen, nachdem eine Pokerparty in Rincon für einen Falschspieler tödlich endete. Morgen wollte die Lynchjustiz seiner fünf Pokerpartner noch verhindern, aber er wurde zusammengeschlagen und so fand der Mann den Tod durch Erhängen. Little George (Yaphet Kotto), der Barmann von Mama Malone (Ruth Springford) schritt auch nicht ein, denn er fürchtete sich vor der Überzahl des Lynchmobs und vor allem der haltlose Farmerssohn Nick Evers (Roddy McDowall), der Drahtzieher des Lynchmordes war unberechenbar. Der Sheriff (John Anderson) versucht den Mord zwar aufzuklären, aber die Zeugen schweigen. Als einer aus der Pokerparty ermordet wird, holt Little George Van Morgen zurück in die Stadt. Das freut seine Freundin Nora Evers (Katherine Justice), die Van zwar liebt, aber auch seine Unschlüssigkeit sich zu binden kennt. Neu in der Stadt ist der Baptistenprediger Jonathan Rudd (Robert Mitchum), der nicht nur das Wort Gottes markant vertritt, sondern auch gut mit der Knarre umgehen kann. Und mit Lili Langford (Inger Stevens) hat sich auch ein Schönheitssalon in der Stadt niedergelassen mit durchweg hübschen, jungen und ausschießlich weiblichen Personal. Dort wird als Dienstleistung "Rasieren, Haarschneiden und Sonstiges" angeboten. Zu den ersten Gästen zählt natürlich Van. Der kann aber nicht verhindern, dass weitere Kumpels der Pokerrunde grausam sterben (mit Stacheldraht erwürgt, am Glockenstrang der Kirche aufgehängt oder in einer Mehltolle erstickt)....



Es ist aber vor allem auch ein unterhaltsamer kurioser Western, bei dem Robert Mitchum noch einmal nach seiner Paraderolle in "Die Nacht des Jägers" in das beinahe gleiche Kostüm schlüpft und den anderen Akteuren natürlich die Schau stiehlt. "Todfeinde" ist im Grunde ein Serienkiller-Western mit interessanten Wendungen. Auch Roddy McDowall hat eine gute Rolle als soziopathischer Farmerssohn. Für Inger Stevens wurde es leider einer ihrer letzten Filme. Die Schauspielerin, die auch im fast zeitgleich erschienen Clint Eastwood Western "Hängt ihn höher" überzeugen konnte, starb einige Monate später am 30. April 1970. Man geht davon aus, dass sie Selbstmord beging. Damals soll es aber auch Hinweise gegeben haben, dass die schwedisch-amerikanische Schauspielerin auch einem Mord zum Opfer gefallen sein könnte.




Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.