Donnerstag, 20. Februar 2020

Das Irrlicht

























Regie: Louis Malle

Völlige Resignation...

Louis Malle war sicherlich einer der wichtigsten Vertreter der Nouvelle Vague, galt aber dennoch als deren Außenseiter, weil er selten in Paris und somit nicht präsent für die Szene war. Seine Filme sind meistens von einer gewissen Unruhe und von der Provokation geprägt. Wiederkehrende Themen waren die Einsamkeit, das Gefangensein in einer Gesellschaft und auch der Suizid. Er machte Filme wie die Sicht eines Kindes auf die Erwachsenenwelt ist oder Erfahrungen, die jugendliche in dieser Erwachsenenwelt machen. Auch von Tabuverletzungen, von Beziehungen und von der Sexualität handeln seine Filme. Für den Filmemacher war der Film "Das Irrlicht" (Original: Le Voleur) ein Schlüsselwerk, weil es sein Verhältnis zum Filmemacher widerspiegelt. Der Film wurde 1963 gedreht, bekam ausgezeichnete Kritiken und wurde von Frankreich ins Oscarrennen um den besten fremdsprachigen Film geschickt. Leider schaffte es der Film nicht unter die fünf Nominierten zu kommen.
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Pierre Drieu la Rochelle und hat als Hauptfigur einen Playboy und Dandy.
Dieser heißt Alain Leroy (Maurice Ronet) und befindet sich immer noch in einem Privatsanatorium und macht eine Entziehungskur. Sein Arzt Dr. La Barbinais (Jean Paul Moulinot) hat das Gefühl, dass Alain nun wieder auf eigenen Beinen stehen kann und das Sanatorium verlassen kann. Doch der Patient scheint alles andere als geheilt und schreibt auf den Spiegel in seinem Zimmer das Datum "23. Juli" - an diesem Tag will Alain seinen verpfuschten Leben ein Ende setzen. Er bekommt Besuch von Lydia (Lena Skerla), mit der er auch schläft. Lydia ist eine Freundin seiner Frau, die ihn verlassen hat und in New York lebt. Der starke Alkoholgenuß und das ständige Dolce Vita haben Alain frühzeitig altern lassen. Er ist innerlich ausgebrannt und entscheidet sich an diesem Tag nach langer zeit wieder nach Paris zu gehen. Dort will er alte Freunde besuchen. Frühere Partyfreunde, exaltierte Künstler und politische Radikalisten. Sein früherer Freund Dubourg (Bernard Noel) is der Erste, den er trifft. Der hat sich völlig verändert und scheint nun als biederer Familienvater sein Glück gefunden zu haben. Er trifft auch seine Freundin Eva (Jeanne Moreau) wieder, die immer noch in den alten Kreisen verkehrt, aber nicht wirklich glücklich ist. Er wird von einem anderen Freund eingeladen und trifft dort auf seine frühere Freundin Solange (Alexandra Stewart) und bekommt dort Streit mit dem Intellektuellen Brancion (Tony Taffin). Nirgendwo findet der verzweifelte Mann einen Sinn oder eine Richtschnur für die Zukunft. Dann kehrt er in die Klinik zurück. Er liest im Buch "Der große Gatsby" bevor er sich erschießt...




Nicht nur in den Bildern seines beeindruckenden Films lebt eine düstere Resignation. Der belgische Kameramann und Oscargewinner Ghislain Cloquet (Tess, Boris Gruschenko, Nacht und Nebel, Zum Beispiel Balthazar) liefert auch die optimalen Bilder in Schwarz-weiß dazu. "Das Irrlich" ist auch die Geschichte eines Narzisten, der nicht erwachsen werden will und sich permanent in einer Verweigerungshaltung befindet. Nichts bereitet ihm Freude, denn er sieht sein Umfeld so wie es ist: Gefühlskalt, egoistisch und materiell. "Das Irrlicht" ist sicherlich kein Wohlfühlfilm, er gehört aber dennoch zu den besten Filmen von Louis Malle.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

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