Freitag, 1. April 2016

Die Erde bebt




Regie: Luchino Visconti

Fischer in Aci Trezza...

Ursprünglich hatte Luchino Visconti eine kritische Trilogie über die Probleme der sizilianischen Schwefelarbeiter, der Fischer und der Bauern geplant. Doch gedreht wurde nur "Die Erde bebt" - ein realistisches Epos über die Fischer, das in einem kleinen Fischer dorf entstand und wo die Akteure sich und ihre Probleme vor der Kamera selbst spielen konnten. Doch der große Meisterregisseur beobachtete die Laiendarsteller nicht einfach , sondern er führte sie sorgsam. Die Kamera von Aldo Graziati setzt den Zuschauer unmittelbar ins Geschehen, raffinierte Bildkompositionen machten diesen Film - ebenso wie sein vielgerühmtes Regiedebüt "Ossessione" - zu einem Klassiker des Neorealismus. Man kann darin auch Viscontis, der aus einem bedeutenden Adelsgeschlecht entstammte,  große Sympathie für den Kommunismus erkennen. Ort der Handlung ist das kleine Fischerdorf Aci Trezza an der Ostküste von Sizilien, Italien. Der älteste Sohn Ntoni (Antonio Arcidiacono) ist erst vor kurzem aus dem Krieg heimgekehrt und ist nun das Oberhaupt seiner Familie, da der Vater von der See nicht mehr nach Hause kam und der Großvater langsam zu alt dafür ist. Unterstützt wird er von seinen jüngeren Brüdern und Schwestern, allen voran dem zweitältesten Sohn Cola (Giuseppe Arcidiacono). Ntoni ist der erste der sich gegen die Händler, die die armen Fischer schon seit Generationen ausbeuten, auflehnen will. Doch nicht jeder im Dorf will ihm folgen. Die Leute haben Angst vor Neuerungen und sind froh, dass sie mit dem geringen Lohn für ihren Fischfang immerhin überleben können, ein Dach über dem Kopf haben und nicht hungern müssen. Eines Tages kann Ntoni den Großvater dazu überreden, dass er die Verhandlungen mit den Händern führen darf - es kommt aber zu einer aggressiven Eskalation, aus Wut und Ärger wirft Ntoni die Wagen der Händler ins Wasser. Dies führt zur Verhaftung. Da die Händler die Fischer aber brauchen, kommen die rebellischen Fischer bald wieder auf freien Fuß. Die Familie wird ihrer Macht bewusst - die Händler brauchen die Fischer und als er vergeblich versucht Mitstreiter unter den anderen Fischern zu finden, um den Fang selbst in Catania zu verkaufen, nimmt er sein Schicksal selbst in die Hand. Eine Hypothek auf das Haus wird aufgenommen und er kauft sich ein Boot, mit dem er auf eigene Rechnung fischen kann. Der Anfang ist vielversprechend. Die Valastros werden beneidet, denn plötzlich scheint sich langsam aber sicher der Wohlstand einzustellen. Doch die Freude währt nicht lange. Ein Sturm zerstört das Boot. Damit beginnt der Abstieg. Die anderen Dorfbewohner lassen sie fallen, die Händler triumphieren und das Haus wird verpfändet. Bittere Zeiten brechen an, Cola verlässt die Insel um sein Glück anderswo zu machen, Ntoni muss wieder auf einm Boot der Händler Arbeit suchen...



Der Film dauert gut 2 1/2 Stunden, wird aber nie langweilig. durch die Spontaneität der unverbrauchten Darsteller wird interessanterweise immer wieder eine irritierende Spannung erzeugt. Die dokumentarische Reportage ist sehr dicht an der Wahrheit, man hat den Eindruck, dass hier alles real ist - nichts macht den Anschein einer gewissen Verfälschung für das Kinopublikum. Ein Kassenhit wurde "Dei Erde bebt" leider nicht, aber dafür einer der bemerkenswertesten Klassiker des italienischen Kinos der 40er Jahre. Manche Szenen bleiben im Gedächtnis haften, etwas die Frauen am Strand, die voller Angst aufs Meer hinausschauen, denn das Boot mit den Männern ist noch nicht heim gekommen.



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

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