Dienstag, 12. April 2016

Über den Dächern von Nizza



Regie: Alfred Hitchcock

Von Juwelendieben und Katzen...

Kameramann Robert Burks gehörte in den Jahren 1951 bis 1964 zu den engsten Mitarbeitern von Alfred Hitchcock. Er fotografierte die Hitchcock-Klassiker "Der Fremde im Zug", "Bei Anruf Mord", "Das Fenster zum Hof", "Immer Ärger mit Harry", "Vertigo", "Der unsichtbare Dritte" oder "Die Vögel". Für seine Arbeit zu der 1955 entstandenen Thriller-Romanze "Über den Dächern von Nizza" erhielt er dann auch gerechterweise einen Oscar, nachdem er für "Fremder im Zug" und "Das Fenster zum Hof" bereits nominiert war. Zweifelsohne gehört der Film, der vor dem traumhaften Hintergrund der französischen Riviera entstand, zu den schönsten Farbfilmen der 50er Jahre. Ausserdem kreierte der Meister der Spannung mit diesem leichtfüßigen Abenteuer ein neues Subgenre, dass dann "kultivierte Thriller-Romanze" hieß und auch andere Filmemacher zu Nachfolgern animierte. Stanley Donen schuf sogar zwei ähnliche Filme mit "Charade" und "Arabesque". Schon die ersten Bilder vor der sommerlichen Cote-d´Azur Kulisse sehen grandios aus. Dort in einer wunderschönen Villa in einem kleinen Dörfchen hat sich John Robie (Cary Grant) zur Ruhe gesetzt. Einst trieb er vor dem 2. Weltkrieg in seiner wunderschönen Wahlheimat sein Unwesen als versierter Juwelendieb. Man nannte ihn "Die Katze", aber während des Krieges wurde er zu einem der Helden der Resistance. Nun wird aber seine Ruhe empfindlich gestört, da ein Dieb sein Unwesen treibt und reiche Touristinnen um ihre wertvollen Juwelen bringt. Auffällig dabei ist, dass der Dieb Robies alte Methode zu kopieren scheint. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Polizei Robie selbst verdächtigt und ihm einen Besuch abstattet. Bei diesem Treffen kann Robie in einer wilden Autojagd entkommen und seinen alten Komplizen Bertani (Charles Vanel) aufsuchen, der ebenfalls ein bürgerliches Leben führte und ein Restaurant führt. Ausserdem hat Bertani allen seinen ehemaligen Partnern in seinem Unternehmen einen Job besorgt, so arbeitet auch Robies Kompagnon Foussard (Jean Martinelli) als Kellner. Mit dessen Tochter Danielle (Brigitte Auber) gelingt Robie ein weiteres Mal der Polizei zu entkommen. Die 17jährige Danielle schwämt von Robie, glaubt aber auch, dass er seinem alten Laster wieder nachgeht. Dies findet sie prickelnd und bietet sich als gleich als Komplizin an, als sie Robie mit einem Motorboot in Sicherheit bringt. Bertani gab ihm den Tipp, sich an den Versicherungsagenten Hughson (John Williams) zu wenden, der auch froh wäre, wenn der wahre Dieb gefasst werden würde. Robies Plan - den Täter auf frischer Tat zu ertappen - hört sich da nicht ganz unlogisch an. Aber dafür muss Hughson ihm eine Liste mit besonders reichen Touristen zukommen lassen, die viel Schmuck haben. Da die US-Millionärin Mrs. Stevens (Jessie Royce Landis) und ihre Tochte Frances (Grace Kelly) besonders reich sind und im Besitz von besonders wertvollen Juwelen sind, geht Robie davon aus, dass die beiden die nächsten potentiellen Opfer seines Kopierers sein könnten. Grund genug, deren Bekanntschaft zu machen. Dabei erweist sich besonders die Anfangs extrem unterkühlte Tochter Frances als kleines neurotisches Biest. Sie findet sehr schnell heraus, dass der neue Bekannte nicht der schwerreiche Holzmillionär Burns aus Oregon ist, wie er sich vorstellte, sondern niemand anders als der legendäre John Robie, die Katze. Doch da sie das falsche Spiel prickelnd finden, macht sie eine Zeitlang mit. Erst bei einer wilden Autofahrt zu der am höchsten gelegen Küstensstraße Grande Corniche, wo die beiden picknicken wollen, stellt sie Robie zur Rede..
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Ein herrlicher Film, bei dem Hitchcock gar nicht mal sonderlich bemüht ist den Spannungsbogen voranzutreiben. Trotzdem funktioniert "Über den Dächern von Nizza" bestens. Es liegt einerseits an der edlen Machart des Films und auch an den Darstellerleistungen. Auch stimmt die Chemie zwischen Grant und Kelly und man ist als Zuschauer immer wieder überrascht wohin die potentiellen Lovestory nun läuft. Zuerst wirkt Grace Kelly ungeheuer kühl, ja fast kalt und abweisend und dann gibt sie dem verdutzten Cary Grant vor ihrem Hotelzimmer einen leidenschaftlichen Kuß. Später weiß man, dass sie bereits zu diesem Zeitpunkt die Identität des vormaligen Fassadenkletterers bereits erkannt hat. So wird die Frau selbst zur Katze, die mit John Robie ein interessantes Katz und Mausspiel beginnt. Sehr abwechslungsreich auch die andere Frau, die Robie unverholen ihr Begehren mitteilt. Die junge Französin Danille ist ein völlig anderer Typ wie Frances. In einer der besten Szenen des Films begegnen sich die beiden Konkurrentin im Wasser. Auf einem Floß im Meer liefern sie sich einen eifersüchtigen Schlagabtausch - der Mann, um den es geht, kann nur noch tatenlos mitanhören, wie sich die beiden Grazien angiften. Ebenfalls gut gewählt sind die Figuren der Millionärin Mutter, gespielt von Jessie Royce Landis, die dann einige Jahre später in "Der unsichtbare Dritte" Grants Mom spielte - obwohl sie nur 8 Jahre älter als Grant war und die des Versicherungsvertreters, der von John Williams gespielt wird. Williams bleibt unvergessen als Kommissar in "Bei Anruf Mord" und dem ähnlich konzipierten "Mitternachtsspitzen" von David Miller.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

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