Sonntag, 24. April 2016

Verdammt in alle Ewigkeit

Regie: Fred Zinnemann

Die Geschichte vom Soldaten Prewitt...

"Verdammt in alle Ewigkeit" war nicht nur in der Oscarnacht 1954 mit insgesamt 8 Auszeichnungen (Bester Film, Regisseur Fred Zinnenmann, Nebendarsteller Frank Sinatra, Nebendarstellerin Donna Reed, Kameramann Burnett Guffey, Drehbuchautor Daniel Taradash, Bester Schnitt, Bester Ton) der große Absahner, sondern lockte einige Monate vorher die Massen in die Kinos. Gleich nach Disneys Peter Pan und dem Monumentalfilm "Das Gewand" war der dialoglastige Antikriegsfilm der dritterfolgreichste Film des Jahres 1953 und spielte schon damals phänomenale 30,5 Millionen Dollar alleine in den USA ein. Für Zinnemann war es ein Triumph, da ihm bereits mit seinem Vorgängerfilm "Zwölf Uhr Mittags" ein ultimativer Welterfolg gelang. Beides verdiente Klassiker bis heute...auch wenn nach 60 Jahren der kontroverse Lack des Romans von James Jones natürlich ab ist. Damals galt er als unverfilmbar, weil die darin enthaltenen Themen wie z.B. Ehebruch, Sexualität, Amtsmissbrauch und Militärkritik immer noch im Tabubereich lagen und auch nicht dem damaligen "Production Code" entsprachen. Der Drehbuchautor musste massive Zugeständnisse machen, so ist nichts im Film zu sehen von der Strichertätigkeit des Soldaten Maggio, auch die Prostituierten werden als Animierdamen bezeichnet. Dennoch schaffte es der Autor die Stimmung und die grundsätzlichen Aussagen des Buches zu retten. Und für einen Film aus den keuschen 50s brodelt es sexuell ganz gewaltig unter der Oberfläche auf Hawaii im Jahre 1941, kurz vor dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor. Und nicht nur alleine wegen der berühmtesten Kuss-Szene der Kinogeschichte zwischen Burt Lancaster und Deborah Kerr, während sie am Strant von Hawaii von den Wellen umspült werden und sich leidenschaftlich in der Gischt der anrollenden Brandung umarmen. Es ist eine ehebrecherische Umarmung, wenn man die Geschichte kennt, die der Film erzählt. Auch die wunderbare Schlußszene des Films - auf dem Deck des Schiffes - ist ein großartiger Beweis für die immer noch bestehende Klasse dieses Films, der manchmal auch als Seifenoper für Männer bezeichnet wird. Es ist alles drin: Kasernenalltag, Thrill, Liebesmelodram bis hin zum Kriegsspektakel und Soldaten, die sterben - allerdings nicht nur den japanischen Feind. Und es ist der Film, um den sich die Legenden bildeten. Denn Frank Sinatra - so sagt man - verdanke seinen Mafia Kontakten diese Nebenrolle, mit der er seine Karriere wieder ankurbeln konnte. Es soll aber wie gesagt nachgeholfen worden sein, da der Filmproduzent den enthaupteten Kopf seines Lieblingspferdes in seinem Bett vorgefunden haben soll - schrecklich, diese brutale Szene wurde später in Francis Ford Coppolas "Der Pate" berühmt.
Es ist der Sommer 1941. Mehrere Wochen vor den Angriffen der japanischen Luftstreitkräfte auf die im Hafen von Pearl Harbor stationierte US-Pazifikflotte. In Hawaii meldet sich der Soldat Robert Prewitt (Montgomery Clift) in den Kasernen von Schofield zu seinem Dienst. Empfangen wird er von Sergeant Milton Warden (Burt Lancaster). Der Ruf von Prewitt ist gut, denn er soll nicht nur ein guter Hornist sein, sondern auch ein begnadeter Mittelgewichtsboxer. Daher hat Captain Dana Holmes (Philip Ober) auch dafür gesorgt, dass er aufgrund des Versetzungsantrages von Prewitt, zugreifen kann. Er will den Mann in der Boxstaffel haben und die kommende Meisterschaft mit einem Talent wie Prewitt gewinnen. Doch dieser weigert sich noch einmal in den Ring zu steigen und er hat auch einen driftigen Grund für seine Entscheidung. Prewitt ist immer noch traumatisiert davon, einem seiner besten Kameraden im Kampf das Augenlicht genommen zu haben. Prewitt wird gewarnt, als er sich verweigert. Man wolle ihn schon kleinkriegen und zwar mit massiven Schikanen. Nur Prewitts neuer Freund, der quirlige Italo-Amerikaner Maggio (Frank Sinatra) hält zu ihm. Warden, der Sergeant, der eigentlich die meiste Arbeit von seinem Vorgesetzten Holmes erledigt, zollt dem Dickkopf aber einen gewissen Respekt und ist fasziniert, dass Prewitt auch bei den fiesesten Schikanen bei seiner Entscheidung bleibt. Und Warden fasst den Mut die kühl wirkende Gattin von Holmes anzubaggern. Karen (Deborah Kerr) hat nicht den besten Ruf in der Kaserne, einige Soldaten meinen sie wäre auch schon fremdgegangen. Prewitt dagegen lernt in einem Amüsierschuppen von Hawaii die hübsche Lorene (Donna Reed) kennen, die dort als Prostituierte arbeitet. Beide Männer stehen bald vor der Wahl zwischen der Liebe zu den Frauen und der Liebe zur Armee...


Im Mittelpunkt des schwarz-weiß Klassikers stehen vor allem die großen Gefühlskonflikte, mit denen sich die harten Jungs irgendwo zwischen soldatischem Pflichtbewusstsein und persönlichen Bindungsängsten herumschlagen müssen. Sowohl Roman als auch Film sind antimilitärisch und zeigen das Leben der einfachen Soldaten, die der Willkür eines bornierten Vorgesetzten ausgesetzt sind. Erst im letzten Viertel des Films kommt es dann überraschend während sich die meisten Männer in der Kantine beim Frühstücken befinden zum japanischen Angriff. Nicht nur die Männer, auch die Zuschauer werden von diesem Ereignis kalt erwischt und es würfelt das Beziehungsgeflecht noch einmal auseinander. Durch die hervorragenden Schauspielleistungen von Lancaster, Kerr, Clift, Sinatra, Reed und Ernest Borgine in einer gemeinen Rolle ist das Beziehungsdrama extrem ergreifend und der von Zinnemann eingesetzte halbdokumentarische Touch sorgt für zusätzlich gute Atmosphäre. Unter der Oberfläche lauern Gewalt und Sex. Nicht nur in den schwülen Bars von Hawaii sondern im anscheinend schönen bürgerlichen Heim.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

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