Mittwoch, 8. Februar 2023

Gun Crazy - Gefährliche Leidenschaft


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Joseph H. Lewis

Waffennarren...

Joseph H. Lewis begann seine Filmkarriere zunächst als Bürogehilfe bei MGM, wurde später Kamera-Assistant und dann Filmemacher bei Republic Pictures, ab 1937 führte er auch Regie. Nach einigen Low Budget Western gab man ihm die Regie für "Mein Name ist Julia Ross" - es folgten Filme weitere Filme der schwarzen Serie, wie beispielsweise "So dark in the Night", "Geheimring 99" oder "Gefährliche Leidenschaft", der im Original "Gun Crazy heißt. Dieser 1950 gedrehte Noir erhählt von der Verbrechensserie eines bewaffneten Ehepaares und gilt inzwischen als einer der wichtigsten Arbeiten des Genres überhaupt. Peggy Cummings als Annie Laurie Star und John Dall als Barton Tare agieren dabei ähnlich explosiv und brutal wie Bonnie and Clyde.
Dalton Trumbo, ein Opfer der berüchtigten schwarzen Liste, schrieb das Drehbuch, was aber in dieser Zeit Millard Kaufman zugeschrieben wurde. 1958 kam es erneut zu einer Zusammenarbeit zwischen Joseph H. Lewis und Dalton Trumbo für den Noir Western "Sturm über Texas". "Gun Crazy" ist eine Art filmisches Skizzenbuch mit sehr guten Techniken (trotz geringem Budget), der Regisseur setzt diese mit perfekter Präzision ein. Dazu kam eine sehr motivierte Crew und ein sehr einfacher, aber äusserst klarer und straffer Inszenierungstil, dennoch ist jede Einstellung bis ins kleinste Detail prächtig gestaltet. So stellt Lewis den jungen Russ Tamblyn halb aus dem Bild heraus, was die Instabilität dieser Figur betont. Ebenso exemplarisch die Szene zwischen dem bösen Mädchen Annie und Bartons bürgerlicher und ganz normaler Schwester Ruby, gespielt von Annabel Shaw.
Die Geschichte nutzt eine schnelle Reihe von Rückblenden in einer gerichtlichen Anhörung, um den Ursprung von Bart Tares Liebe zu Waffen sowie seiner Phobie gegen das Töten zu erklären. Das er ein extremer Waffennarr ist, wird nie erklärt, aber als er als kleiner Junge begeisternd das Gewehr in der Hand hält und auf ein kleines Küken zielt, will er nie wieder ein lebendiges Wesen durch einen Schuß töten. Mickey Little spielt den 7jährigen Bart, Russ Tamblyn, der sich damals noch Rusty Tamblyn nannte, verkörpert Bart als 14jähriger Teenie. In diesem Alter wird er straffällig, weil er die Fensterscheiben eines Waffenladens einschlägt, um dort eine der Waffen aus dem Schaufenster zu entwenden. Der nächtliche Diebstahl misslingt allerdings und der Richter ordnet an, dass der Junge in ein Erziehungheim muss. Von dort entlassen, geht er zur Army und kehrt irgendwann in seine Heimatstadt zurück. Seine beiden Jugendfreunde von einst Dave Allister (Nedrick Young) und Clyde Boston (Harry Lewis) freuen sich total beim Wiedersehen. Barts Schicksal ist aber in dem Moment besiegelt, als er die hübsche, kaltblütige und manipulative Annie Laurie Starr (Peggy Cummings) kennenlernt, die als Scharfschützin bei einem fahrenden Jahrmarkt arbeitet. Bart, ein perfekter Schütze, fordert die Schöne zu einem Wettkampf heraus und gewinnt. Sie verschafft ihm deshalb einen Job auf dem Jahrmarkt, weil sie sich sofort in Bart verliebt hat. Ihm geht es genauso. Ihr Boss Packett (Berry Kroeger) agiert eifersüchtig, worauf das frisch gebackene Liebespaar verschwindet. Sie selbst warnt Bart "ich bin böse, aber ich will versuchen gut zu sein". Tatsächlich hat Annie eine extrem dunkle Seite und sie will auch keineswegs im Leben kleine Brötchen backen. Sie überredet Bart zu Überfällen auf Läden und Tankstellen. 
Bart und Laurie sind einander so sehr zugetan, dass sie lieber sterben würden, als sich zu trennen, eine Tatsache, die sie irgendwie in den Status eines Klassikers erhebt. Sie sind Romeo und Julia, die Straßensperren errichten und Raubüberfälle begehen. Bart sieht immer so aus, als würde ihm gleich schlecht werden, während Laurie jeden kriminellen Akt mit ungezügelter sexueller Freude begeht. In Notsituationen bekäme sie Angst und dann hätte sie das Verlangen "abzudrücken". Keine gute Voraussetzungen für eine schöne und ruhige Zukunft....





Bei ein paar Einstellungen von "Gun Crazy" wird man an die späteren Noirs von Melville erinnert. Man kann davon ausgehen, dass dieser Noir für den französischen Krimimeister als reine Inspirationsquelle diente. Peggy Cummings wurde in einer Umfrage der populärsten und wichtigsten irischen Schauspieler*innen auf Platz 16 gewählt (Maureen O´Hara kam auf Platz 1 noch vor Daniel Day Lewis) und spielt sicherlich die Rolle ihres Lebens  als Femme Fatale mit ihrer berühmten schräg aufgesetzten Baskenmütze. John Dall kennt man natürlich als einer der beiden jungen Mörder aus Hitchcocks "Cocktail für eine Leiche".
Bart gelingt es einfach nicht Lauries wildes Temperament zu zügeln. Am Ende bricht er schließlich seine eigene Regel und kämpft gegen seine Natur an, um andere vor Laurie zu schützen. Das bedeutet natürlich auch das Ende für Bart.









Bewertung: 9 von 10 Punkten.

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