Dienstag, 28. Februar 2023

Schnee am Kilimandscharo


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Henry King

Unglücklicher Jäger...

Ich bin mir sicher, dass der Schriftsteller Ernest Heminway kein glücklicher Mensch war. Er schrieb nicht nur Romane, sondern war auch Reporter und Kriegsberichtserstatter sowie Abenteurer, Hochseefischer und Großwildjäger. Depressionen und übermäßiger Alkoholkonsum begleiteten ihn die meisten Zeit seines Lebens. Am frühen Morgen des 2. Juli 1961 beendete Hemingway sein Leben im Alter von 61 Jahren. Er erschoß sich, wie es sein Vater 33 Jahre vor ihm tat. Die Flinte nannte er seit längerem seine "glatte, braune Geliebte".
Im Roman "Schnee am Kilimandscharo" ist die Hauptfigur der Schriftsteller Harry Street. Autobiographische Anteile sind kaum zu übersehen. Auch Harry ist Schriftsteller, Kriegsreporter und Großwildjäger. In der Verfilmung von 1952 spielt Gregory Peck diesen Mann, der besessen von der Jagd ist und nun dem Tode nahe auf einer Pritsche in der Wildnis von Afrika liegt. Verletzt durch einen Unfall, bei dem sich ein Furunkel gebildet hat. Ohne ärztliche Hilfte schreitet die Sepsis im Körper voran. Harry Street erinnert sich in seinen Fieberträumen an die wichtigen Beziehungen in seinem Leben und er rätselt über das Geheimnis nach, dass sein Onkel Bill (Leo G. Carroll), ebenfalls passionierter Jäger, ihm als Vermächtnis gab. Ein Rätsel, dass der Onkel nie lösen konnte - dieser sich aber sicher war, dass die Lösung des Rätsels auch für Harry von enormer Wichtigkeit wäre. So wichtig, dass es das Leben verändern könnte. Der Kilimandscharo ist 6010 Meter hoch und kurz vor dem Gipfel liegt das eingefrorene Gerippe eines Leopaden, das man irgendwann fand. Und man rätselt darüber, was dieser Leopard in dieser Höhe wohl gesucht haben mag. Ist er einer falschen Fährte nachgegangen, was ihm dann das Leben gekostet hat ?
Harry (Gregory Peck) kam nach Afrika mit seiner Frau Helen (Susan Hayward) zurück nach Afrika, weil ihn das Jagen weiterhin total faszinierte und er schon einmal - Jahre zuvor - mit seiner großen Liebe Cynthia (Ava Gardner) auch auf Großwildjagd war. Cynthia hat das ewige Jagen und Töten gehasst. Sie ging nur Harry zuliebe mit. Mit dem Jagdkumpanen (Torin Thatcher) unterhält sie sich über dieses "Männerhobby". Kurz vorher hörte sie Harry sagen "Wunderbar, wenn so eine Bestie auf dich zustürmt", denn die Männer haben ein Nashorn geschossen und Harry empfand dies wie eine Explosiion, ein Glücksgefühl, wie wenn alle Dämme brechen. Ihr Gesprächspartner sagt ihr, dass jeder Mann bei der Jagd so fühlen würde. Dieses Gefühl wächst in ihm und macht ihn irgendwann zum Mann. Es ist auch ein Vorteil, wenn man dieses Gefühl in sich trägt und ein Mangel, wenn man es als Mann nicht so empfindet. Frauen hätten es da viel leichter, denn sie können Mut auf ganz andere Weie beweisen. Harry erinnert sich auch an das Ende der Beziehung mit Cynthia, die ein ungeborenes Kind verlor - auch denkt er in seinem Fiebertraum an die Liason mit der eifersüchtigen Gräfin Liz (Hildegard Knef). Im Grunde ist Harry mit seinem Leben unzufrieden, er sieht sich gescheitert und wartet auf den Tod, durch diese banale kleine Verletzung, die sich nun entzündet hat...





Hemingway liebte auch den Stierkampf, den Stierlauf in Pamplona - alle Dinge, die die Männlichkeit fördert, Gefühle und Empathie sind Sachen der Frauen. Demensprechend ist der Inhalt des Films von Henry King auch seiner Zeit geschuldet, in der die Rollenverteilung noch eine ganz andere war als Heute. Dass "Schnee am Kilimandscharo" trotz seines Hollywood-Happyends (im Roman stirbt der Protagonist) dennoch ein interessanter Klassiker bleibt, ist der Geschichte selbst zuzuschreiben, die diesen männlichen Helden mit all seinem falsch verstandenen Männlichkeitsbild, seiner Unfähigkeit Verantwortung zu übernehmen, seiner vergebenen Suche nach einem echten Ziel - mit großem inneren Zweifel zeigt. So wird die Jagd schließlich nicht zu diesem beschriebenen Vergngügen, sondern es zeigt vor allem die innere Zerrissenheit der Gefühlswelt. Hemingway selber liefert zugleich im Roman einen „Erklärungsversuch“, was der Leopard in dieser Höhe suchte. Er suchte „das Haus Gottes“, d. h. die Unsterblichkeit. Es gelang ihm jedoch nicht, den Gipfel ganz zu erreichen; bei dem Versuch hinaufzukommen scheiterte er und kam um. Der Film wurde für zwei Oscars nominiert (Beste Kamera Leon Shamroy) und beste Ausstattung (Lyle R. Wheeler, John De Cuir, Thomas Little und Paul S. Fox). Dank der Starbesetzung war der Film auch ein Kassenerfolg, er belegte im Jahresranking der erfolgreichsten Filme den 3. Rang.
Zum Glück hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges geändert und die Großwildjagd gilt nicht mehr als dieses großartige Männerhobby "sich als starker Mann zu fühlen". Das Gegenteil ist zum Glück der Fall. Für mich ist das Abschießen von Tieren aus diesem Grund verächtlich und zeigt nur die Schwäche dieser Jäger auf, die sich mit solchen Tötungen ihre Minderwertigkeitskomplexe kompensieren. Ein bisschen klingt dies in Henry Kings Film sogar an.





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

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